Die Rote Armee hatte während des Zweiten Weltkrieges gepanzerte Fahrzeuge unterschiedlichster Herkunft in ihrem Bestand. Der größte Teil kam aus einheimischer Produktion, doch ein nicht unerheblicher Teil wurde im Rahmen des Lend-Lease-Vertrages von den Westalliierten geliefert. In nur geringem Umfang wurden auch deutsche Beutepanzer oder eigene Umbauten von erbeuteten Fahrzeugen verwendet.
Gepanzerte Fahrzeuge Die Geschichte der panzerbauenden Industrie in der UdSSR von 1920 bis 1945 kann in vier Perioden eingeteilt werden. In der in den frühen 1920er-Jahren beginnenden ersten Periode konzentrierte man sich auf die eigene Weiterentwicklung ausländischer Entwürfe wie den Renault FT, die im T-18 und T-24 mündeten. Eingegraben in festen Stellungen kamen einige T-18 noch in der Anfangszeit des Großen Vaterländischen Krieges zum Einsatz.
Aufgrund der Unzufriedenheit mit der Kampfkraft dieser Modelle ging die sowjetische Führung ab 1930 dazu über, ausländische Panzermodelle in Lizenz nachzubauen oder weiterzuentwickeln. Als Ergebnis entstanden die Tankette T-27, die Schwimmpanzer T-37 und T-38 sowie die leichten Panzer der BT-Serie und der T-26, die alle auf Entwürfe von Carden-Loyd, Christie und Vickers basierten. Die von Vickers und vom deutschen Großtraktor beeinflussten Multiturmpanzer T-28 und T-35 waren eigene Konstruktionen. Durch die schnelle Veränderung der Panzer und Panzerabwehrwaffen sowie der Einsatzdoktrin galten diese Entwürfe aber bald als veraltet. Lediglich der T-28 besaß Potential zur Kampfkrafterhöhung und wurde mit einigem Erfolg im Winterkrieg eingesetzt, während die anderen Modelle als überholt angesehen wurden. In Manövern oder im Alltagsbetrieb auftretende Mängel wurden den Konstrukteuren und Technikern angelastet, so dass diese häufig wegen Sabotage oder Verschwörung angeklagt und Opfer der Stalinschen Säuberungen wurden, wodurch der sowjetische Panzerbau eine erhebliche Schwächung erfuhr.
Die steigende Industrialisierung erlaubte es in der 1939 beginnenden dritten Periode, eigene Panzer zu entwickeln. A. Morosow, J. Kotin sowie die der Säuberung entkommenen N. Astrow und S. Ginsburg wurden die führenden Konstrukteure der sowjetischen Panzerindustrie. In dieser Phase entstand der Schwimmpanzer T-40, der leichte Panzer T-50, der mittlere Panzer T-34 sowie der schwere Panzer KW-1. Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion begann die letzte Phase, in welcher der sowjetische Panzerbau durch eine Konzentration auf nur wenige kampfkräftige und einfach herzustellende Modelle geprägt war. Durch die vereinfachte und kostengünstige Produktion konnte eine enorme Erhöhung der Ausstoßzahlen erreicht werden. Am Ende des Krieges standen die kampfstarken schweren IS-2 und IS-3 sowie der mittlere T-44 als Beispiele für den modernen sowjetischen Panzerbau.
Die folgende Tabelle zeigt die Panzermodelle, die am Winterkrieg und am Großen Vaterländischen Krieg teilgenommen haben oder in dieser Zeit entwickelt wurden.
Kampfpanzer Serienfahrzeuge NameBaujahreZweckbestimmungStückzahl insgesamtTankettenT-271931–1933Spähpanzer, Infanterie-Unterstützung, Artillerieschlepper3.295Michail N. Swirin Die Panzermacht der UdSSR. S. ?.kleine PanzerT-37A1932–1936Schwimmpanzer, Spähpanzer2.552Michail N. Swirin Die Panzermacht der UdSSR. S. 91.T-38III.1936–1937, 1939Schwimmpanzer, Spähpanzer1.340Maxim W. Kolomiez: Die Amphibienpanzer T-37, T-38, T-40. [Frontillustration]. Almanach 2003, Nr. 3.T-38M1938–1939Schwimmpanzer, Spähpanzer, Lehrpanzer12T-401940–VII.1941Schwimmpanzer, Spähpanzer295A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 4.T-40SVII.1941–IX.1941Spähpanzer, Ersatz-leichter Panzer92T-30IX.1941–XII.1941Spähpanzer, Ersatz-leichter Panzer335leichte PanzerT-18 (MS-1)1928–1931Infanterie-Unterstützung959M. N. Swirin, A. A. Beskurnikow: Die erste sowjetische Panzer. S. 43.T-261931–1941Infanterie-Unterstützung10.300M. W. Kolomiez, M. N. Swirin: Der leichte Panzer T-26 1931–1941. S. 77.BT-21932–1933Schnellpanzer für Erweiterung des Durchbruches620M. B. Barjatinski, M. W. Kolomiez: Die leichte Panzer BT-2 und BT-5 [Panzerkollektion Nr. 1, 1996].BT-51933–1934Schnellpanzer für Erweiterung des Durchbruches1.884M. B. Barjatinski, M. W. Kolomiez: Die leichte Panzer BT-2 und BT-5 [Panzerkollektion Nr. 1, 1996].BT-71934–1939Schnellpanzer für Erweiterung des Durchbruches4.613M. W. Pawlow, I. W. Pawlow, I. G. Scheltow: Die BT-Panzer. [Armada Nr. 17, 1996].BT-7A1937–1938Schnellpanzer für Erweiterung des Durchbruches und Artillerie-Unterstützung133BT-7M (BT-8)1939Schnellpanzer für Erweiterung des Durchbruches788T-50VII.1941–II.1942Kampfpanzer75A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 23.A. Tschubatschin Der sowjetische leichte Panzer T-50 und die Kampfwagen auf seinem Fahrgestell.T-60X.1941–II.1943Kampfpanzer, Spähpanzer, Befehlspanzer der Selbstfahrartillerie-Einheiten5.920T-70IV.1942–X.1943Kampfpanzer, Spähpanzer, Befehlspanzer der Selbstfahrartillerie-Einheiten8.231T-80II.1943–X.1943Kampfpanzer, Spähpanzer, Befehlspanzer der Selbstfahrartillerie-Einheiten75 bzw. 85ArmorSite: Leichter Panzer T-80 (entspricht Beschreibung in: Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR, russisch und in kyrillischer Schrift).mittlere PanzerT-281933–1940Durchbruchpanzer503Maxim W. Kolomiez: Der mittlere Panzer T-28. Das dreiköpfige Ungeheuer Stalins. S. 23.T-34IV.1940–II.1944Kampfpanzer33.929 bzw. 35.467Die Historiker nennen verschiedene Zahlen infolge der Unterschiede oder Ungenauigkeiten in Herstellerberichte. Auch die sowjetische Rüstungsbetriebe zählten gelegentlich die Sonderfahrzeuge auf T-34-Fahrgestell wie OT-34-Flammpanzer und die instandgesetzten Panzer als neugefertigte Produktion.I. G. Scheltow u. a.: Der unbekannte T-34. S. 61.T-34-57X.1941–XII.1941Jagdpanzer14Michail N. Swirin: Die Selbstfahrartilleriefahrzeuge Stalins. Die Geschichte des sowjetischen Selbstfahrartilleriefahrzeuges 1919–1945. S.n 156 und 247.T-34-85(nur Sowjetproduktion)XII.1943–1946Kampfpanzer25.899Michail B. Barjatinski: Der mittlere Panzer T-34-85.T-441944–1946Kampfpanzer1.631Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 534.schwere PanzerT-351933–1939Durchbruchpanzer61Maxim W. Kolomiez, Michail N. Swirin: Der schwere Panzer T-35. Der Land-Dreadnought der Roten Armee. S. 29.KW-1IX.1939–VIII.1942Durchbruchpanzer3.226Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S.n 29 und 51.KW-2 mit MT-1-Turm mit MT-2-TurmII.1940–VII.1941Durchbruchpanzer 46167A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen schweren Panzer 1917–1941. S. 33.KW-1sVII.1942–VIII.1943Durchbruchpanzer1.090Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 100.KW-85VIII.1943–X.1943Durchbruchpanzer148IS-1 (IS-85)X.1943–XII.1943Durchbruchpanzer107Igor G. Scheltow u. a.: Die IS-Panzer. [Tankomaster. Spezialausgabe 2004]. S. 60.IS-2 (IS-122)XI.1943–VI.1945Durchbruchpanzer3.395IS-3IV.1945–1946Durchbruchpanzer2.310Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 574.
Versuchsfahrzeuge NameBaujahreZweckbestimmungStückzahl insgesamtkleine PanzerT-38Sch (mit 20-mm-Kanone SchWAK)IX.1941Schwimmpanzer, Spähpanzer2A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 11.T-40 mit 23-mm-Kanone PT-23X.1941Schwimmpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 12.leichte PanzerBT-SW1937–38Schnellpanzer2bronetehnika.narod.ruT-451941leichter Panzer1tanks-encyclopedia.comT-60-1X.1941Kampfpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 38.T-60 mit 37-mm-Kanone SiS-19II.1942Kampfpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 39.T-60-2III.1942Kampfpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 40.GAS-70 (0-70, 070)XII.1941Kampfpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 41.T-70 mit 37-mm-Kanone Sch-37VII.1942Kampfpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 43.T-70 mit Zwei-Mann-TurmIX.1942–XII.1942Kampfpanzer, Spähpanzer2A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 44.T-70 mit 45-mm-Kanone WT-42X.1942Kampfpanzer, Spähpanzer2ArmorSite: Лёгкий танк Т-70 – Leichter Panzer T-70 (russisch).T-80 mit 45-mm-Kanone WT-43VIII.1943Kampfpanzer, Spähpanzer1A. G. Soljankin u. a.: Die sowjetischen kleinen und leichten Panzer 1941–1945. S. 46.mittlere PanzerA-20 (BT-20)V.1939Schnellpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 241.T-32 (A-32)VI.1939Kampfpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 242.T-34SX.1942Kampfpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 405.KW-13 («Objekt 233»)IX.1942Schnellpanzer mit verstärkter Panzerung1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 96.T-43XII.1942Kampfpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 406.T-43-IIVIII.1943Kampfpanzer2Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 447.T-34-85MV.1944Kampfpanzer2Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 514.T-34-100III.1945Kampfpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 542.T-44-100III.1945Kampfpanzer1T-54 (nur erster Prototyp)III.1945Kampfpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 545.schwere PanzerSMKV.1939Durchbruchpanzer1Maxim W. Kolomiez, Michail N. Swirin: Der schwere Panzer T-35. Der Land-Dreadnought der Roten Armee. S. 29.T-100VII.1939Durchbruchpanzer1T-150XI.1940Durchbruchpanzer1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 30.T-220 (KW-220, KW-220-1, «Objekt 220»)XII.1940Durchbruchpanzer1KW-3 (KW-220-2)X.1941Durchbruchpanzer1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 43.KW-9II.1942Durchbruchpanzer, Artillerie-Unterstützung-Panzer1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 59.KW-12V.1942Schwerer Panzer mit Rauchmittelanlage1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 59.KW-1s mit 152-mm-Haubitze S-41VIII.1943Durchbruchpanzer, Artillerie-Unterstützung-Panzer1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 90.KW-85G («Objekt 238»)VIII.1943Durchbruchpanzer1Maxim W. Kolomiez: KW. „Klim Woroschilow“ – der Durchbruchpanzer. S. 98.KW-122VI.1944Durchbruchpanzer1Michail N. Swirin: Die Panzermacht der UdSSR. S. 495.IS No. 1 (IS-1, «Objekt 233»)nicht verwechseln mit seriengefertigtem IS-1 «Objekt 237»III.1943Durchbruchpanzer1Igor. G. Scheltow u. a.: Die IS-Panzer. S. 10.IS No. 2 (IS-2, «Objekt 234»)nicht verwechseln mit seriengefertigtem IS-2 «Objekt 240»III.1943Durchbruchpanzer1IS-3 (IS-85BM, «Objekt 244»)nicht verwechseln mit seriengefertigtem IS-3 «Objekt 703»I.1944Durchbruchpanzer1Igor. G. Scheltow u. a.: Die IS-Panzer. S. 69.IS-4 (IS-100, «Objekt 245»)nicht verwechseln mit seriengefertigtem IS-4 «Objekt 701»III.1944Durchbruchpanzer1Igor. G. Scheltow u. a.: Die IS-Panzer. S. 71.IS-5 (IS-100, «Objekt 248»)VI.1944Durchbruchpanzer1Igor. G. Scheltow u. a.: Die IS-Panzer. S. 72.IS-6 («Objekt 252» und «Objekt 253»)XI.1944Durchbruchpanzer2Igor. G. Scheltow u. a.: Die IS-Panzer. S. 73.
Lieferungen aus dem Leih- und Pachtgesetz