Die Gemeinde Reinhardshagen liegt in Deutschland im südlichen Weserbergland direkt an der Weser, zehn Kilometer nördlich von Hann. Münden. Reinhardshagen gehört zum nordhessischen Landkreis Kassel.
Die Gemeinde entstand 1970 im Zuge der Gebietsreform aus den Orten Vaake und Veckerhagen, deren Geschichte bis ins 9. bzw. 12. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Name leitet sich vom westlich liegenden Reinhardswald ab. Am Ufer der Weser steht ein barockes Jagdschloss des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel. In der einstigen Eisenhütte des Ortes wirkten Denis Papin und Robert Wilhelm Bunsen.
Geografie Geografische Lage {"type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q625239"} Ein ständiger Wechsel von Durchbruchstälern und Talerweiterungen prägt die Landschaft der Oberweser. Neun Kilometer weserabwärts vom Zusammenfluss von Fulda und Werra liegen in einer solchen Talerweiterung auf der linken Stromseite Reinhardshagen und auf der rechten Seite der zu Hann. Münden gehörende Ort Hemeln. Die Weser bildet hier die Grenze zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Hessen.
Das Gemeindegebiet umfasst 1299 Hektar und reicht im Osten von der Landesgrenze zu Niedersachsen in der Wesermitte (118 Meter ü. NHN) bis zur Waldgrenze des Reinhardswaldes im Westen in Richtung zum Gahrenberg () und Staufenberg (). Weserabwärts erstreckt sich das Gemeindegebiet noch einige Kilometer über die nördliche Ortsgrenze von Veckerhagen hinaus an der ehemaligen Jugendherberge vorbei bis hinter die Kiesteiche am sogenannten „Ochsenhof“, welcher gegenüber von Bursfelde liegt; weseraufwärts über die südliche Ortsgrenze von Vaake Süd hinaus bis zur Höhe des auf der anderen Weserseite liegenden Kiesabbaugebietes. Neben den historischen Ortskernen, die sich unmittelbar an der Weser befinden, ziehen sich Wohnbebauungen den Hang zum Reinhardswald hinauf bis an die Waldgrenze.
In Vaake mündet die Ahle in die Weser, in Veckerhagen der Hemelbach (auch: Hasselbach). Beide entspringen nur wenige Kilometer entfernt im Reinhardswald.
Geologie mini|Wesertal bei Reinhardshagen mini|Wesertal bei Reinhardshagen Die Weser durchfließt zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen eine Bruchfalte des Buntsandsteingewölbes von Bramwald, Reinhardswald und Solling. Ihre Entstehungsgeschichte reicht rund 250 Millionen Jahre in eine Periode des frühen Erdmittelalters (Trias) zurück. Weiträumige Flusssysteme transportierten aus südlichen Richtungen lockere Sande heran, die hier abgelagert wurden. Im Verlauf weiterer Jahrmillionen folgten darüber immer mehr Schichten bis zu einer Mächtigkeit von mehr als tausend Metern. Unter der Auflast dieser Deckschichten verfestigten sich die lockeren Flusssande zu Sandstein. Nachdem die jüngeren Sedimentgesteine in der Folgezeit flächenhaft wieder abgetragen worden sind, hat sich die Weser im Verlauf der jüngsten eine Million Jahre der Erdgeschichte in die Buntsandsteinschichten zwischen Bramwald und Reinhardswald mit einer mittleren Rate von 20 Zentimetern im Jahrtausend eingeschnitten und dabei buchtenartige, mit Löß und Auenlehm bedeckte Flächen gebildet, auf denen Vaake, Veckerhagen und Hemeln liegen. Die zum Reinhardswald ansteigenden Hänge weisen in geringer Tiefe unter der Humusschicht eine Lehmschicht auf, die stark von Buntsandsteinbrocken durchsetzt ist.
Nachbargemeinden mini|Wesertal Blick weseraufwärts mit Reinhardshagen (rechts Veckerhagen, Vaake im Hintergrund) und Hemeln (links) vom 20. April 2006 Reinhardshagen liegt zwischen dem zum Landkreis Kassel gehörenden gemeindefreien Gebiet Gutsbezirk Reinhardswald und der niedersächsischen Stadt Hann. Münden (im Landkreis Göttingen).
Gliederung Reinhardshagen besteht aus den ehemals selbständigen Gemeinden Vaake und Veckerhagen, wobei Vaake wiederum aus dem Kernort und Vaake Süd besteht, einem in südliche Richtung etwas abseits gelegenen kleinen Wohn- und Gewerbegebiet. In den 1980er-Jahren entstand ein Neubaugebiet zwischen Vaake und Veckerhagen. Dort befinden sich auch die Wesertalhalle (Bürgerhaus), die Grundschule, eine Seniorenwohnanlage (50 plus), ein Seniorenzentrum (MENetatis) und Sportanlagen.
Klima mini|Reinhardshagen im Winter Durch den Reinhardswald geschützt, liegt die Gemeinde im Schatten der vorherrschenden regenträchtigen Westwinde. Dies beschert ihr milde, trockene Sommer- und Herbstmonate, während im Winter das nach Norden verlaufende Wesertal kalte Luftströmungen ungehindert einlässt. Schnee in größeren Mengen liegt dann oft nur in den am Hang des Reinhardswalds gelegenen Ortsbereichen, seltener im flachen Weserbereich. Die Tagesmitteltemperatur des Zeitraums 1971–2000 lag im Sommer bei 17,0 °C, im Winter bei 2,0 °C. Das langfristige Niederschlagsmittel in diesem Zeitraum bewegt sich um 750 mm im Jahr., letzter Zugriff: 21. März 2014.
Die Luft in diesem Oberwesergebiet ist außergewöhnlich rein. So liegt die mittlere Partikelkonzentration im niedrigsten Messbereich zwischen null und zehn Mikrogramm je Kubikmeter Luft.Umweltbundesamt, letzter Zugriff: 21. März 2014 Der Ortsteil Vaake erhielt bereits am 12. Dezember 1965 die staatliche Anerkennung als Luftkurort. Veckerhagen wurde am 18. Dezember 1969 mit der Auszeichnung Hessischer Familienferienort versehen. Beide Prädikate galten bis mindestens 1978, wurden aber später aufgrund schwer erfüllbarer Infrastruktur-Bedingungen nicht wieder beantragt und dürfen deshalb heute nicht mehr geführt werden.
Weserhochwasser Der normale Wasserstand der Weser beträgt in Reinhardshagen je nach Jahreszeit 35 bis 110 Zentimeter. Durch die nahen Quellflüsse Fulda und Werra, die Schmelz- und Regenwasser aus der Rhön und über die Eder aus dem Rothaargebirge sowie aus dem Thüringer Wald mit sich führen, steigt der Wasserstand regelmäßig fast jedes Frühjahr stark an. Dies kann dann zu Überflutungen der ufernahen Straßen in Vaake und Veckerhagen führen. Die Weserfähre Veckerhagen stellt ihren Verkehr ab einem Pegelstand von 2,70 Metern ein. mini|Weserhochwasser Februar 1909 in Veckerhagen, Pegelstand 6,93 Meter Am 6. Februar 1909 stieg die Weser in Veckerhagen auf nahezu sieben Meter und überschwemmte weite Teile des alten Ortskerns. Rund um Brauhaus und Kirche konnte man sich nur mit Booten fortbewegen. Das Hochwasser hielt mehrere Tage an und verursachte erhebliche Schäden.
Das nächste Hochwasser erlebten Vaake und Veckerhagen am 1. Januar 1926 mit einem Wasserstand von 6,50 Metern.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde die Staumauer des Edersees durch einen britischen Fliegerangriff zerstört. Es entstand ein 70 Meter breites und 22 Meter tiefes Loch in der Mauer, aus dem rund 160 Millionen Kubikmeter Wasser strömten. Eine sechs bis acht Meter hohe Flutwelle ergoss sich durch das untere Edertal und über die Fulda schließlich ins Wesertal. Sie erreichte am 19. Mai abgeschwächt Vaake und Veckerhagen. Da die Bewohner der Orte über das bevorstehende Ereignis unterrichtet worden waren, konnten Schäden an Hab und Gut vermieden werden. Der Flurschaden war allerdings beträchtlich. mini|Weserhochwasser Januar 2003 in Vaake, Pegelstand 5,81 Meter
Im Februar 1946, am 12. März 1981, am 23. Dezember 1993, am 24. und 31. Januar 1995 und im Januar 2003 stieg der Weserpegel jeweils deutlich über 5,50 Meter, erreichte aber nie die Rekordmarke von 1909.
Flora und Fauna Etwa fünf Prozent der Gemeindefläche sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen, vorwiegend im Taleinschnitt des Hemelbachs und den angrenzenden Eichenwäldern. Ist die Gemarkung des Ortes von den Wäldern des Reinhardswaldes mit seinen Eichen-, Buchen- und Fichtenbeständen geprägt und bringt der Boden außer den üblichen Wiesenpflanzen keine Besonderheiten hervor, ist der Tierbestand doch außergewöhnlich. Amphibien erreichen hier eine starke Population. So wurden 1997 bei einer Untersuchung weit über 5000 wandernde Erdkröten, Molche und Frösche festgestellt. Der Feuersalamander ist nicht selten im Ortsgebiet.
1925 wurde ein Auerhuhn-Brutgebiet im Revier 1840/42 des Reinhardswalds unweit Veckerhagens erwähnt. Turteltaube, Waldkauz, Uhu und Neuntöter sind in der Ortslage zu beobachten, ebenso wie Fischreiher und ein Storchenpaar, das seit einigen Jahren in Vaake Süd mit Erfolg nistet. Große Krähenschwärme bedrängen in den letzten Jahren die Landwirtschaft.
Die über den Kasseler Raum hinaus sich ausbreitende Waschbärpopulation hat auch auf Reinhardshagen übergegriffen und macht Hausbesitzern zu schaffen.
Geschichte Die Talbuchten, in denen Vaake, Veckerhagen und Hemeln liegen, müssen schon früh waldfrei und besiedelt gewesen sein. Steinzeitliche Funde in Vaake (Steinbeil) und Hemeln (Feuersteindolch) deuten dies an. Bis zur Christianisierung liegen jedoch keine schriftlichen Zeugnisse vor.
In der Talbucht um Vaake und Veckerhagen bestanden urkundlich erwähnt im 12. Jahrhundert weitere acht Kleinsiedlungen, die noch vor dem Dreißigjährigen Krieg entweder wüst fielen oder in den Gemarkungen angrenzender Orte aufgingen und heute noch in Flurnamen wieder zu finden sind. So befanden sich nördlich von Veckerhagen Haltmerden und Herboldessen, zwischen Veckerhagen und Vaake Kaltenhof und südlich von Vaake Horode, Hottenhausen, Renebeck, Niederhagen und Altmünden.
Das Staatsarchiv Marburg gelangte 1978 zu der Feststellung, dass die Ersterwähnung Vaakes zwar in den Corveyer Traditionen nicht genau datiert sei, das Datum aber von dem Witzenhäuser Historiker Karl August Eckhardt mit ausreichender Genauigkeit auf 866 errechnet worden sei. Der Ortsname Veckerhagen lässt die Annahme zu, dass die Gründung des Ortes in eine Rodungsperiode des ausgehenden 13. Jahrhunderts fällt, in der die meisten Dörfer mit der Endung Hagen entstanden sind.
Nach wechselnden Grund- und Lehensherrschaften und Verpfändungen setzten sich die Landgrafen von Hessen nach und nach im Reinhardwald und im Gebiet von Vaake und Veckerhagen als Landesherren durch. Landgraf Ludwig I. von Hessen ließ am Weserufer von Veckerhagen zum Schutz des Reinhardwaldes gegen Kurmainz 1430–1431 die von einem Graben umgebene, später so genannte Alte Burg errichten. Aber schon wenige Jahrzehnte später war sie militärisch nicht mehr von Nutzen und wurde dem Verfall überlassen. Als Landgraf Philipp von Hessen und Herzog Erich von Braunschweig-Göttingen ihre gleichen Hälften an den Dörfern Vaake und Hemeln im Jahr 1538 austauschten, wodurch Vaake ganz hessisch und Hemeln ganz braunschweigisch wurde, war die bis in die Gegenwart bestehende Grenze Hessens an der Weser entstanden.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1666 westlich von Veckerhagen am Rand des Reinhardswaldes und Hemelbachtals eine landgräfliche Eisenhütte errichtet. Denis Papin ließ hier um 1706 den ersten Dampfzylinder der Welt gießen. 1838 untersuchte Robert Wilhelm Bunsen hier erstmals die chemischen und physikalischen Eigenschaften von Hochofengasen und des Hochofenprozesses.
Ende des 17. Jahrhunderts entstand neben der Alten Burg unter Landgraf Carl von Hessen-Kassel das Jagdschloss Veckerhagen.
Während der Zeit des Königreichs Westphalen (1807–1813) gehörten Vaake und Veckerhagen zum Kanton Veckerhagen. Danach war Veckerhagen Sitz des Justizamtes Sababurg und ab 1866 des Amtsgerichtes Veckerhagen. mini|Jagdschloss und anstelle der Alten Burg auf deren Grundmauern errichtete Farbenfabrik Im Jahr 1810 erwarb der Kasseler Farbenfabrikant Habich das Jagdschloss und errichtete auf den Resten der Alten Burg Fabrikationsanlagen. Habich begann 1842 am Gahrenberg Braunkohle und Schmierkohle für die Farbenherstellung abzubauen.
Zwischen 1830 und 1870 verließen viele Bewohner Vaake und Veckerhagen und wanderten nach Nordamerika, Chile und Jamaika aus. Waren es anfangs meist alleinstehende Personen, folgten nach den Ernährungskrisen 1845 ganze Familien.
Als Folge des Deutschen Kriegs 1866 wurde das Kurfürstentum Hessen vom Königreich Preußen annektiert und so wurden Vaake und Veckerhagen Teil der Provinz Hessen-Nassau.