mini|Haupteingang der Stanford University mini|Stanford Memorial Church

Die Leland Stanford Junior University (kurz Stanford University oder Stanford, Spitzname „Die Farm“) ist eine private US-amerikanische Universität in Stanford, Kalifornien. Sie liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von San Francisco in der Nähe von Palo Alto und wurde von Leland Stanford und seiner Ehefrau Jane Stanford im Jahr 1891 im Andenken an ihren früh verstorbenen einzigen Sohn Leland Stanford junior gegründet (der in einem Mausoleum auf dem Campus bestattet wurde). 2021 waren 16.937 Studenten an der Universität eingeschrieben und studierten an einer der sieben Fakultäten.

Stanford ist eine der forschungsstärksten und renommiertesten Universitäten der Welt.von Sydow/Többe/Staschen, Handbuch Studium und Praktikum im Ausland, 2004, S. 28. Seit ihrer Gründung wurden 36 Lehrkräfte mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.Stanford Faculty – facts abgerufen am 31. Dezember 2024 Die Universität hat mehr Gewinner des Turing Awards („Nobelpreis für Informatik“) als jede andere Einrichtung weltweit und aktuell 20 Nobelpreisträger, vier Träger des Pulitzer-Preises und 33 MacArthur-Fellows. In verschiedenen Bewertungen für akademische Institutionen erreicht die Universität regelmäßig Spitzenpositionen.

Mit ihrer Forschung gilt Stanford auch als wesentliche Begründerin des sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Silicon Valleys, eines bedeutenden Wirtschaftsstandorts, der zahlreiche Unternehmen der IT- und Hightech-Industrie beherbergt.

Im Hochschulsport ist die Universität mit ihrem Team Cardinal in der Liga Pacific-12 Conference (PAC-12) vertreten und nimmt an vielen verschiedenen Sportwettbewerben teil. Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking 2008 gewannen Sportler der Universität 25 Medaillen, darunter acht Goldmedaillen. 2012 in London erhielten zwölf Sportler von Stanford Goldmedaillen.

Stanford ist die viertreichste Hochschule der Welt: 2023 lag der Wert von Stanfords Stiftungsvermögen bei 36,5 Milliarden US-Dollar. Seit 2008 erhebt Stanford keine Studiengebühren (tuition fees) mehr bei undergraduate students, deren Eltern weniger als 100.000 (seit 2020: 150.000) US-Dollar im Jahr verdienen. Damit kann rund ein Drittel aller Bachelorstudenten gebührenfrei studieren.Studiengebühren erst ab 100.000 Dollar Familieneinkommen Spiegel Online, 22. Februar 2008. Studenten, deren Eltern ein Einkommen von weniger als 65.000 US-Dollar verdienen, erhalten auch Unterkunft und Verpflegung kostenlos.

Geschichte mini|Schriftzug der Universität Gründungsgeschichte Der Entschluss zur Gründung fiel durch den früheren kalifornischen Unternehmer und Gouverneur Leland Stanford und seiner Frau Jane ein Jahr nach dem Tod ihres einzigen, 15-jährigen Sohnes Leland Stanford junior im Jahr 1884. Sie stellten im Folgejahr für die Gründung der nach dem Verstorbenen benannten Universität Geldmittel und das Areal ihrer Palo Alto Stock Farm in der San Francisco Bay Area, etwa 60 Kilometer südlich von San Francisco, zur Errichtung der Stiftung The Leland Stanford Junior University zur Verfügung. Nach einer sechsjährigen Planungs- und Bauphase wurde am 1. Oktober 1891 die Universität eröffnet und der Lehrbetrieb aufgenommen., abgefragt am 25. Mai 2025 (englisch).

Die Universität war in ihrer Konzeption für die damalige Zeit ungewöhnlich, denn sie ermöglichte Frauen und Männern gleichermaßen das Studium und war zudem keiner Religionsgemeinschaft verbunden. Dem Willen des Ehepaars Stanford nach sollte an der amerikanischen Westküste eine bedeutende private Hochschule entstehen. Bei einem Besuch in Boston erkundigten sich die Stanfords beim damaligen Präsidenten der Harvard University, Charles Elliot, wie viel es kosten würde, Harvard in Kalifornien zu duplizieren, woraufhin dieser antwortete, dass 5 Millionen Dollar (Kurs von 1884) ausreichend sein dürften.Stanford University Archives, abgefragt am 23. August 2012. Die ersten Jahre gestalteten sich aber trotz des großen Vermögens der Stanfords finanziell als schwierig. Zeitweise verpfändete Jane Stanford persönliche Gegenstände, um die laufenden Kosten der Universität decken zu können. Insbesondere ein Rechtsstreit um 15 Millionen US-Dollar belastete das Budget der Universität. Nach Beilegung des Streits besserte sich die finanzielle Situation jedoch erheblich, wozu maßgeblich eine Spende von Jane Stanford über 30 Millionen US-Dollar im Jahre 1901 beitrug.Stanford University Gets $30,000,000. In: The New York Times vom 10. Dezember 1901 (englisch).

Die Stanford-Ross-Kontroverse Edward Alsworth Ross, der 1893 an die Stanford University berufen worden war, äußerte sich in seinen Vorlesungen kritisch über die geschäftlichen Gepflogenheiten der Eisenbahnkonzerne (und insofern mittelbar zur Familie Stanford, die damit reich geworden war). Um beim Bau von Eisenbahnstrecken die Kosten zu senken, wurden japanische Kulis eingesetzt. Japanische Arbeitskräfte seien, so Ross, eine Bedrohung für amerikanische Arbeiter und die Arbeiterbewegung.Sunmin Kim: Edward Alsworth Ross auf der Website der American Sociological Association, abgerufen am 27. Mai 2025. Jane Stanford verlangte daraufhin von David Starr Jordan, dem Präsidenten der Stanford University, Ross zu entlassen. Ihr Ansinnen löste eine Kontroverse über die akademische Freiheit von Professoren aus und über die Einflussnahme von Dritten in den Universitäten.James C. Mohr: Academic Turmoil and Public Opinion: the Ross Case at Stanford. In: Pacific Historical Review, Jg. 39 (1970), S. 39–61. Schließlich kündigte Ross im Jahre 1900 „freiwillig“ seine Stelle, sieben weitere Professoren folgten ihm.Adran Daub: Amerikas Bildungswunder. Wie sich die US-Universitäten seit dem frühen 20. Jahrhundert ihre akademische Freiheit erstritten – und warum ihnen das heute zum Verhängnis werden könnte, was sie einst groß machte. In: Die Zeit, 30. April 2025, S. 41. Die Stanford-Ross-Kontroverse und ähnliche Fälle führten dazu, dass Professoren zur Verteidigung ihrer Interessen 1915 die American Association of University Professors gründeten.Warren J. Samuels: The Firing of E. A. Ross from Stanford University: Injustice Compounded by Deception? In: Journal of Economic Education, Jg. 22 (1991), S. 183–190.

Die Universität im 20. und im 21. Jahrhundert In den Folgejahren blühte das universitäre Leben auf, da viele verschiedene Fakultäten gegründet wurden. In den 1920er Jahren wurde durch den Stanford-Absolventen und späteren Präsidenten der USA, Herbert Hoover, der Grundstock für die spätere Hoover Institution gelegt. 1934 wurde die Alumni-Vereinigung der Stanford University gegründet, die noch heute eine tragende Rolle in der Unterstützung und Fortentwicklung der Universität spielt.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Universität zu einem der Wachstumsmotoren des Silicon Valley und beschleunigte die wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung der Region um San Francisco nachhaltig, insbesondere auch die Entstehung der Internetbranche und des E-Commerce. Die Hochschule ist Mitglied der Association of American Universities, eines seit 1900 bestehenden Verbundes führender forschungsintensiver nordamerikanischer Universitäten.

Das Motto der Universität, das die Siegel und alle Andenken der Hochschule ziert, ist in deutscher Sprache verfasst: Die Luft der Freiheit weht. Der Satz geht auf den deutschen Humanisten Ulrich von Hutten (1488–1523) zurück und wurde von David Starr Jordan, dem ersten Präsidenten der Stanford University, eingeführt.Gerhard Casper: Die Luft der Freiheit weht – On and Off. Website der Stanford University vom 5. Oktober 1995, abgerufen am 25. Mai 2024 (englisch).

Von 1992 bis 2000 war der deutsche Rechtswissenschaftler Gerhard Casper Präsident der Hochschule. Von 2016 bis 2023 amtierte Marc Tessier-Lavigne als Präsident, der 2023 zurücktreten musste. Nach einer Übergangspräsidentschaft durch Richard Saller übernahm Jonathan Levin im August 2024 das Amt des 13. Präsidenten.

Im Jahr 2026 wurde die Universität in Russland zur unerwünschten Organisation erklärt.

Präsidenten 1891–1913: David Starr Jordan 1913–1915: John Casper Branner 1916–1943: Ray Lyman Wilbur; während Wilbur unter Herbert Hoover Innenminister der Vereinigten Staaten war – 1929–1933: Robert Eccles Swain 1943–1948: Donald Tresidder, 1948 nach dem unerwarteten Tod von Tresidder: Alvin C. Eurich und 1949: Clarence H. Faust 1949–1968: John Ewart Wallace Sterling 1968: Robert Joy Glaser 1968–1970: Kenneth Sanborn Pitzer 1970–1980: Richard Wall Lyman 1980–1992: Donald Kennedy 1992–2000: Gerhard Casper 2000–2016: John L. Hennessy, 2012: John Etchemendy 2016–2023: Marc Tessier-Lavigne, Rücktritt im Juli 2023 2023–2024: Richard P. Saller 2024– : Jonathan Levin

Campus mini|Übersicht über den Campus Die Hochschule befindet sich auf einem 3310 ha großen Campus und liegt rund 60 Kilometer südöstlich von San Francisco und 32 Kilometer nordwestlich von San José. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Stadt Palo Alto, eines der Zentren des Silicon Valley.

Der Grund und Boden wurde am 11. November 1885 von Leland Stanford zur Gründung der Universität gestiftet und ist bis heute als unveräußerlich im Stiftungsvermögen gebunden. Auf die Unverkäuflichkeit der Liegenschaft legte Leland Stanford großen Wert, denn sie sollte seiner Ansicht nach der Universität „ein größeres Einkommen sichern als jede andere Geldanlage“. Lediglich einige Randgebiete, die Leland Stanford der Universität später ergänzend zukommen ließ, können theoretisch veräußert werden, werden aber faktisch als unveräußerlich behandelt.

mini|Bogengang Der Campus wurde anfänglich im Sommer 1886 durch Frederick Law Olmsted, einem Bostoner Landschaftsarchitekten, geplant, der die ursprünglich geplante Lage in den Hügeln zugunsten der Lage im Flachland abänderte. Später übernahm Charles Allerton Coolidge die Planung und errichtete den Campus nach dem Willen des Ehepaars Stanford im Stile der europäischen Beaux-Arts-Architektur. Die Architektur des Campus wird durch quaderförmige Sandsteinbauten mit roten Dächern geprägt, die durch mit Rundbögen verzierte Arkadengänge verbunden sind. Sie sind dem Stil der Kalifornischen Missionsstationen nachempfunden. Im Kontrast mit dem für gewöhnlich hellblauen Himmel der Region geben sie dem Campus ein charakteristisches Aussehen, das der erste Präsident David Starr Jordan folgendermaßen beschrieb:

mini|links|250px|Arkadengänge und Hoover Tower vom Main Quad aus gesehen Herzstück der Campusarchitektur ist die „Main Quad“ (in etwa: Haupt-Viereck, im Sinne von „viereckigem Platz“) und die „Memorial Church“. Den Zugang zum Campus bildet der sogenannte Palm Drive, welcher auf einen ovalen Platz, The Oval, führt. Weitere wichtige Punkte auf dem Campus sind das Cantor Center for Visual Arts, der Hoover Tower, das Memorial Auditorium, der Rodin Garden und das Radiotelescope (The-Dish-Observatorium). Darüber hinaus bestehen diverse Brunnen wie White Memorial Fountain und Tanner Fountain.

Die meisten Studenten wohnen auf dem Campusgelände. Von den Bachelor-Studenten sind dies rund 95 %, bei den Master-Studenten und Doktoranden beträgt die Quote über 56 %. Auch 30 % der Professoren wohnen hier. Der Campus ist ein beliebtes Ziel für Touristen, sodass das Stanford Visitor Center zweimal täglich einstündige Führungen durch Studenten über das Gelände anbietet. 60 % der Fläche des Campus sind heutzutage noch unbebaut.

Südlich des Hauptcampus befindet sich ein zur Universität gehörendes Umweltreservat, das Jasper Ridge Biological Preserve, welches von Biologen für Forschungszwecke, zum Beispiel die nächtliche Beobachtung von Fledermäusen, genutzt wird und eine Größe von 490 ha hat.

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