RISC OS ist ein Betriebssystem mit grafischer Oberfläche. Es wurde vom britischen Unternehmen Acorn Ende der 1980er Jahre für ihren Computer Archimedes mit 32-Bit-Arm-Prozessor entwickelt. Heute kann es auf aktuellen Geräten mit ARM-Chip wie dem Raspberry PiRaspberry Pi, z. B. dem Raspberry 400,Raspberry Pi 400 einem Titaniumhttp://www.elesar.co.uk/ oder einem ARMini Computerhttp://www.armini.co.uk eingesetzt werden.

Geschichte mini|Acorn Archimedes A3020 mit RISC OS 3 im National Museum of Computing, Bletchley Park RISC OS sollte ursprünglich gar nicht vom Stammunternehmen in Cambridge selbst entwickelt werden. Stattdessen war ein Betriebssystem vorgesehen, das man am eigenen Forschungszentrum in Palo Alto, Kalifornien, entwickeln lassen wollte – ARX. Allerdings verzögerte sich dessen Fertigstellung, weshalb sich Acorn gezwungen sah, auf die vorhandene Basis des BBC Micro zurückzugreifen und sie erheblich weiterzuentwickeln. Dies erklärt auch die hohe Rückwärtskompatibilität zu diesem Rechner, direkt erkennbar etwa an den *FX-Systemaufrufen auf der Kommandozeile, aber auch beim Basic, bestimmten frühen Dateisystemen und einigen elementaren Systemaufrufen (OS_BYTE, OS_WORD). Komplett neu waren insbesondere die grafische Oberfläche (WIMP), das Multitasking bei der Programmausführung, aber auch der Fontmanager und dessen Fähigkeit zur Darstellung geglätteter Vektorzeichensätze auch in geringen Videoauflösungen, sowie die Unterstützung der komplett anders aufgebauten neuen ARM-Hardware.http://chrisacorns.computinghistory.org.uk/AcornOS.html Überblick der Betriebssysteme für Geräte des Unternehmens Acornhttp://chrisacorns.computinghistory.org.uk/RISCOS.html Liste der käuflich verfügbaren RISC-OS-Versionenhttp://www.software-evolutions.de/info/RISCOSDates.html Liste der RISC-OS-Versionen, einschließlich besonderer Entwicklervarianten RISC OS (unter Acorn) RISC OS 2 war die erste Version von RISC OS und ersetzte 1989 das in BBC BASIC geschriebene Übergangsbetriebssystem Arthur des Archimedes. Der Acorn A5000 wurde 1992 mit RISC OS 3 ausgeliefert. 1994 folgte RISC OS 3.5 mit der Einführung des Acorn-Risc-PCs. Die StrongARM-Unterstützung kam 1996 mit RISC OS 3.7. Für den nie erhältlichen Nachfolger des Risc-PCs namens Phoebe entwickelte Acorn das spätere RISC OS 4. Dieses war ursprünglich nur als RISC OS 3.8 geplant und trug den Codenamen Ursula.https://stason.org/TULARC/pc/acorn-faq/1-7-What-is-RISC-OS-3-8-Ursula.html FAQ bei stason.org 1998 löste sich Acorn auf und RISC OS ging an das Unternehmen Pace.Richard Speed: Roughly 30 years after its birth at UK's Acorn Computers, RISC OS 5 is going open source, 23. Oktober 2018, theregister.com, abgerufen am 31. Januar 2021.

In der Folge entstanden zwei Entwicklungszweige von RISC OS. Diese führen zu der Separation in RISC OS 6 und RISC OS 5. Beide Zweige sind weitestgehend, aber nicht vollständig kompatibel für Anwendungsprogramme. Eine Zusammenführung der beiden RISC-OS-Zweige wird es in absehbarer Zeit nicht geben.

RISC OS 6 Das Unternehmen RISCOS Ltd. lizenzierte RISC OS 4 und lieferte es 1999 aus. RISCOS Ltd. entwickelte das Betriebssystem als RISC OS Select weiter. Für den ARM9-Rechner A9home passte das Unternehmen das RISC OS Select für moderne ARM-Prozessoren an und nannte es 2006 Adjust32. Bei RISC OS Adjust32 wurden zusätzlich die Abhängigkeiten zu alter Acorn-Hardware entfernt. 2007 erschien RISC OS Select 4 unter dem Namen RISC OS 6 und war eine Weiterentwicklung von Adjust32. Die Entwicklung endete mit RISC OS 6.20. Die Rechte an diesem Zweig von RISC OS gingen später an 3QD Developments Ltd. über.

RISC OS 5 Pace selbst passte RISC OS 4 an moderne ARM-CPUs ab ARM9 und XScale an und entfernte die Abhängigkeiten von speziellen Prozessoren und Chips wie dem Grafikcontroller und dem Ein-/Ausgabebaustein, die noch Acorn entwickelt hatte. Diese Version wurde von Castle Technology ab 2002 in ihren mit XScale betriebenen IYONIX PCs, auf iyonix.co.uk als RISC OS 5 eingesetzt und weiterentwickelt. 2003 erwarb Castle das komplette RISC OS von Pace. Im gleichen Jahr begann RISC OS Open, erste Teile von RISC OS 5 im Quelltext zu veröffentlichen. Der gesamte Quelltext sollte nach und nach freigegeben werden. Der offene Quellcode von RISC OS 5 wurde ab Ende 2008 auf modernere ARM-Hardware, namentlich das System-on-a-Chip der OMAP-Familie, portiert.

RISC OS re-unified (unter RISC OS Developments Ltd.) Seit dem Herbst 2018 befinden sich beide Entwicklungszweige wieder in einer Hand. Zu diesem Zeitpunkt erwarb das 2016 gegründete Unternehmen RISC OS Developments Ltd.https://www.riscosdev.com/ Website der RISC OS Developments Ltd., Eigentümer von RISC OS das Unternehmen Castle und damit sämtliche Rechte an RISC OS. Zudem wurde mit 3QD Developments Ltd. eine Vereinbarung über das weitere Vorgehen bei RISC OS 6 getroffen.https://www.riscository.com/2018/risc-os-changes-hands/ Nachrichtenmagazin zum Verkauf von Castle an RISC OS Developments Ltd.https://www.riscosopen.org/news/articles/2018/10/22/risc-os-is-open-for-business Mitteilung der Umstrukturierung auf der Entwicklerseite Damit existiert jetzt wieder ein einheitliches RISC OS, dessen Entwicklung unter der Schirmherrschaft der RISC OS Open Ltd. (ROOL)https://www.riscosopen.org ROOL Webseite, die Entwicklerseite inkl. Forum und Downloads vorangetrieben wird. Die Versionsnummerierung folgt dabei weiterhin dem bereits etablierten System der ROOL, wodurch dem jeweils aktuellen Release die Versionsnummer 5 vorangestellt wird; dies ist das aktuelle RISC OS. RISC OS 6 ist auch weiterhin verfügbar und zusammen mit Classic-ROMs älterer Ausgaben und Emulatoren für PC und Macintosh über die Website von 3QD Developments Ltd.http://www.riscos.com RISC-OS-Hauptseite für kommerzielle Anfragen und das Vorhalten der Systemdokumentation zu erwerben. Ebenso werden dort Kundenanfragen bearbeitet und die fertiggestellte User- und Entwicklerdokumentation vorgehalten und gepflegt.

Eigenschaften RISC OS ist ein schlankes und schnelles Betriebssystem mit kooperativem Multitasking und läuft, abgesehen von Emulatoren, nur auf Rechnern mit ARM-CPU inklusive StrongARM und XScale. Der Mikrokern des Betriebssystems ist klein. Eine Vielzahl von austauschbaren Modulen sind für Dateisystem, Festplattenzugriff, grafische Oberfläche usw. zuständig. (Diese Module lassen sich aus der grafischen Oberfläche heraus mittels Druck auf die Funktionstaste F12 und der Eingabe von „help modules“ in die Kommandozeile auflisten.)

Auf den Acorn Archimedes und Risc PC Computern sind ein Großteil des Betriebssystems und einige Anwendungsprogramme im ROM bzw. im Flash-ROM enthalten. Ein Booten von der Festplatte wie bei anderen Computern kann damit entfallen. Ausnahme ist RISC OS Select, bei dem ein Abbild der ROMs von der Festplatte ins RAM geladen wird.

mini|Tabelle und Chart in Fireworkz und ADFFS Helpfile in Zap unter RISC OS 5 mini|Programme und Filer unter RISC OS 5, Maestro und StrongEd mit BASIC-Datei und StrongHelp sowie ein Hardlinertext Das Betriebssystem schreibt oder liest von sich aus, also ohne Zutun des Anwenders, nach dem Bootvorgang keine Daten auf oder von einem Festwertspeicher. Dies bedeutet etwa, dass man nach dem Bootvorgang beim Raspberry Pi die Speicherkarte entnehmen kann. RISC OS läuft einfach weiter. SD-Karten werden damit geschont, es wird so allerdings auch nichts protokolliert, es gibt keine Logs wann bspw. der Computer benutzt wurde. Wenn externe Festplatten einen entsprechenden Stromsparmodus eingebaut haben, kann es aber auch sein, dass diese erst immer wieder anlaufen müssen, wenn der Anwender etwas speichern oder laden möchte.

RISC OS ist kein Mehrbenutzersystem. Es gibt keine Anmeldemasken oder Benutzerkonten. Das System ist damit für Jedermann mit lokalem Zugriff auf den Rechner völlig offen. Nach dem Starten landet man unmittelbar in der Oberfläche und kann sofort arbeiten. Ein Anmelden entfällt. Jeder Anwender kann sich alles ansehen und nahezu alles einstellen und aber auch verändern oder kopieren, womit kein Datenschutz und keine Datensicherheit sichergestellt ist.

Mausbedienung Die grafische Oberfläche von RISC OS ist auf die Bedienung mit einer Maus spezialisiert. Es wird eine Drei-Tasten-Maus benötigt. Die linke Maustaste wird wie von anderen Systemen her gewohnt verwendet. Die mittlere Maustaste (bzw. Druck auf das Scrollrad) öffnet das einem Fenster oder Symbol (nur auf der Symbolleiste) zugehörige Pop-up-Menü. Ein Menü und damit verbundene lange Mauswege am oberen Fenster- oder Bildschirmrand gibt es nicht. Die Pop-up-Menüs erscheinen immer in unmittelbarer Nähe des Mauszeigers („kontext-sensitiv“) und lassen sich mit Hilfe der Maus frei verschieben und platzieren. Die rechte Maustaste dreht entweder einen Befehl um oder hat eine andere, sinnvolle Funktion. Wählt man z. B. mit der rechten Maustaste einen Menüpunkt aus, so wird das Menü nicht geschlossen und man kann so gleich weitere Menüpunkte auswählen, ohne zuvor umständlich erst wieder mit der mittleren Maustaste das gleiche Untermenü aufrufen zu müssen. Klickt man mit der rechten Maustaste auf einen Pfeil der Bildlaufleiste, bewegt sich die Leiste in die entgegengesetzte Richtung des Pfeiles. Fenster lassen sich mit Hilfe der rechten Maustaste auf dem Bildschirm verschieben, ohne diese in den Vordergrund zu holen. Mit Hilfe der rechten Maustaste kann man sich durch Klick auf das Schließkreuz eines Dateifensters rückwärts durch das Dateisystem hangeln (also im Pfad zurückgehen). Die Inhalte von Fenstern lassen sich durch „Festhalten“ mit der rechten Maustaste auf einen Laufbalken zweidimensional verschieben. Die x-y-Bewegung der Maus wird so auf den Fensterinhalt übertragen. Dabei bewegen sich beide Laufbalken gleichzeitig. Das funktioniert unter RISC OS bei jedem Programm. Es gibt programmabhängig viele weitere Verwendungen der rechten Maustaste, um die Arbeit am Computer ganz erheblich zu erleichtern und zu beschleunigen. Die Bedienung der Oberfläche ist weitgehend konsistent, d. h. sie geschieht immer gleich, egal, welches Programm man verwendet.

Desktopbereiche und Fenster Der Desktop besteht seit ARTHUR aus zwei Teilen. Der obere und größere Teil des Desktops ist die Pinnwand. Auf ihr können Dateien und Fenster abgelegt werden. Bei den Dateien handelt es sich aber nur um Verknüpfungen zu den entsprechenden Dateien im Dateisystem. Die Pinnwand dient damit unter RISC OS als Dockingstation. Sie besitzt keinen eigenen Speicherplatz. Der untere Teil des Desktops besteht aus einer Leiste, die man Iconbar oder Symbolleiste nennt. Dort findet man links die Symbole für die vorhandenen physikalischen Ein- und Ausgabemedien wie Laufwerke und Drucker und rechts die Symbole für die geladenen Anwendungsprogramme (sowie ganz rechts den schon unmittelbar nach dem Start vorhandenen Aufgabenmanager). Jedes dieser Symbole hat ein Menü, das stets mit der mittleren Maustaste geöffnet wird. Mit einem Klick der linken (oder in Spezialfällen auch rechten Maustaste) öffnet sich das Fenster des Dateimanagers des jeweiligen Laufwerkes bzw. das Fenster des Anwendungsprogrammes. Einzelne Fenster erhalten kein Symbol auf der Iconbar.

Fenster und Programme sind bei RISC OS üblicherweise voneinander getrennt. Das Schließen eines Fensters bedeutet bei RISC OS nur, dass tatsächlich auch nur dieses eine Fenster geschlossen wird, und nicht auch das zugehörige Programm. Will man ein Programm beenden, geschieht dies üblicherweise über das Pop-up-Menü des entsprechenden Symbols auf der Symbolleiste. Einzelne Ausnahmen hiervon sind möglich.

Unter RISC OS kann ein Programm viele verschiedene Fenster gleichzeitig offen halten. Pro Fenster gibt es immer nur ein Dokument. Eine komplizierte Fenster-in-Fenster-Technik wie auf anderen Systemen bietet RISC OS nicht an.

Drag and Drop mini|Demonstration von Drag and Drop und Modulen in RISC OS v370mini|Demonstration von Drag and Drop und Modulen in RISC OS v522