mini|Kreuzfahrtschiffe vor Saint Thomas: Carnival Liberty, Carnival Triumph und Carnival Glory, 2007

Eine Kreuzfahrt oder auch Kreuzfahrtreise ist eine Form des Tourismus auf Hoher See oder einem Fluss. Eine solche Urlaubsreise erfolgt auf einem Kreuzfahrtschiff entlang festgelegter Routen zwischen verschiedenen Häfen an touristisch attraktiven Zielen und ist typischerweise eine Pauschalreise. Dafür wird unter anderem ein Hotelbetrieb für die Unterbringung und Verköstigung der Passagiere bereitgestellt. Der Begriff hat seinen Ursprung in dem niederländischen Wort „kruiser“ aus dem 17. Jahrhundert, der ein kreuzendes Schiff bezeichnete.

Nach Angaben des Branchenverbandes Cruise Lines International Association (CLIA) erreichte die weltweite Zahl der Kreuzfahrtpassagiere im Jahr 2023 mit rund 31,7 Millionen einen neuen Höchststand und übertraf damit das Niveau von vor der COVID-19-Pandemie deutlich. Die weltweite Flotte der CLIA-Mitgliedsreedereien umfasst dabei über 300 Schiffe. Trotz technischer Modernisierungen stehen die ökologischen Auswirkungen, insbesondere die CO₂-Emissionen und die Belastung lokaler Ökosysteme, sowie die Arbeitsbedingungen des Bordpersonals weiterhin im Zentrum der öffentlichen Kritik.

Wirtschaftsdaten 2019 erreichte das Kreuzfahrtgeschäft in Deutschland einen Höhepunkt (Angaben für Flusskreuzfahrten in Klammern): Passagiere: 2.943.400 (727.400) Umsatz: 5.121.000.000 (853.200.000) Euro durchschnittliche Ausgaben pro Person und Reise: 1.740 (1.173) Euro mittlere Reisedauer: 10,9 (8,3) Nächte

Als Folge der COVID-19-Pandemie sanken die Passagierzahlen für Hochseekreuzfahrten in den Folgejahren drastisch auf 1.097.900 (2020) und 736.600 (2021). Das Passagieraufkommen bei Flusskreuzfahrten sank auf 307.400 (2020) und 209.400 (2021).

Nach den Pandemiejahren stieg die Zahl der Teilnehmer an Kreuzfahrten wieder: 2023 mit 3,7 Millionen, 2024 mit 3,8 Millionen Passagieren gesamt, Tendenz weiter steigend (Angaben für Flusskreuzfahrten in Klammern):

Passagiere: 2024: 3.003.700 (840.200) und 2025: 3.341.700 (863.200) Umsatz: 2024: 5.584,8 (1.001,3) Millionen Euro und 2025: 5.584,8 (1.153,2) Millionen Euro durchschnittliche Ausgaben pro Person und Reise: 2024: 1.758 (1.173) Euro und 2025: 1.671 (1.336) Euro mittlere Reisedauer: 2024: 10,0 (7,3) Nächte und 2025: 9,7 (7,4) Nächte

Weltweit unternahmen 2011 erstmals über 20 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt,Passagierrekord – Kreuzfahrtbranche knackt 20-Millionen-Grenze. In: spiegel.de. 11. September 2012, abgerufen am 11. November 2019. 2015 waren es rund 22 Millionen (2016: 24,7 Mio.; 2017: 26,7 Mio.).Alle Zeichen auf Wachstum · Kreuzfahrtbranche sieht sich als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Europa. In: Täglicher Hafenbericht vom 13. Juli 2018, S. 13 Der Schwerpunkt der Reisen lag im Bereich Karibik und Mittelmeer. In sonstigen europäischen Fahrtgebieten waren es noch etwa 12 % der Passagiere.

Nach Angaben des Kreuzfahrtverbandes Cruise Lines International Association (CLIA) und des Deutschen Reiseverbandes (DRV) bildete 2016 Deutschland mit 2,018 Millionen Passagieren nach den USA (11,5 Mio.) und Asien (2015: 2,08 Mio.) den drittgrößten Markt für Kreuzfahrten, der bei 24,7 Mio. Passagieren lag. Das Vereinigte Königreich und Irland stellten gut 1,9 Mio. Passagiere. 6,674 Mio. Europäer machten eine Kreuzfahrt im Jahr 2016.Klaus Meyer, Burkhard Ilschner: Massenpassagierhaltung – auf ewig krisenfest? In: Waterkant 2-17, 32. Jahrgang, Heft 126 von Juni 2017, , S. 13–16Eckhard-Herbert Arndt: Cruise profitiert von Seelust der Europäer · Fast sieben Millionen Passagiere im Jahr 2016 · Mittelmeerregion und Nordeuropa als Destination sehr gefragt. In: Täglicher Hafenbericht vom 17. März 2017, S. 4

Die Interessengemeinschaft europäischer Flusskreuzfahrt-Reedereien IG RiverCruise in Basel, die Flusskreuzfahrten anbieten, nennt für 2016 eine Passagierzahl von 1,36 Millionen (+2,7 % zum Vorjahr) bei Flusskreuzfahrten ihrer Mitgliedsunternehmen, wobei über zwei Drittel der Fahrten auf Rhein und Donau stattfanden. Für Deutschland wurden 435.586 (2015: 423.635) Passagiere genannt.Frank Binder: Kreuzfahrtbranche weiter auf Rekordkurs · 11,3 Prozent Wachstum. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. März 2017, S. 1

In deutschen Häfen ließ sich zwischen 2005 und 2016 eine starke Steigerung des Passagieraufkommens feststellen; so gab es z. B. in Hamburg im Jahr 2005 erst 40.000 Passagiere, 2016 waren es bereits 722.000 bei 171 Schiffsanläufen.Iven Krämer: Deutsche Häfen und Werften vor neuen Herausforderungen · Kreuzschifffahrt-Boom. In: Schiff & Hafen, Heft 3/2017, S. 64–68. Dies steht auch mit immer größer werdenden Schiffsneubauten in Zusammenhang. So fasst die Icon of the Seas, die 2024 als größtes Kreuzfahrtschiff der Welt in Dienst gestellt wurde, knapp 5700 Passagiere.

Passagierzahlen Weltweit durch Schiffe der Hochseekreuzfahrtindustrie beförderte Passagiere pro Jahr (in Millionen):

Geschichte Die Erfindung der Kreuzfahrt wird der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company zugeschrieben. Dieses Unternehmen begann als Schifffahrtslinie zwischen England und der iberischen Halbinsel. 1840 nahm es den Postdienst nach Alexandria auf. Ab 1844 bot es Luxuskreuzfahrten nach Gibraltar, Malta und Athen an. P&O Cruises gilt als ältestes Kreuzfahrtunternehmen Europas.

1867 nahm Mark Twain an einer mehrmonatigen Kreuzfahrt von New York City durch das Mittelmeer teil. Diese wurde durchgeführt mit einem gecharterten Dampfsegler, der Quaker City; etwa einhundert Passagiere nahmen an der Reise teil. Von der Organisationsform war die Reise etwa vergleichbar mit einer Genossenschaft, in die sich die Passagiere einkauften; ein New Yorker Unternehmer trat als Organisator auf. Twain veröffentlichte seine Erlebnisse und Erfahrungen von dieser Reise in seinem Werk Die Arglosen im Ausland. Nach seinen Beschreibungen war das Konzept einer solchen organisierten Seereise damals in den USA etwas Neues.

Als Pionier der Nutzung der freien Winterkapazitäten der Schifffahrtslinien für Kreuzfahrten gilt der deutsche Reeder Albert Ballin, Generaldirektor der Hamburger Hapag. Zuvor waren Passagierschiffe ausschließlich im Linienverkehr eingesetzt. Auch die Schiffe der Hapag lagen in den Wintermonaten im Hafen und brachten der Reederei Verluste, weil ein fahrplanmäßiger Einsatz im Nordatlantik mangels Kundschaft nicht lohnte. 1891 hatte Ballin die Idee, die Schiffe für Vergnügungsreisen in wärmere Gebiete zu nutzen.

Die erste deutsche Kreuzfahrt war eine zweimonatige luxuriöse Seefahrt der Augusta Victoria. Kaiser Wilhelm II. besuchte das Schiff am Tage der Abfahrt. Von Cuxhaven ging es via Southampton über Gibraltar nach Kairo, Jerusalem, Damaskus, Konstantinopel (Istanbul), Athen und dann via Malta, Neapel und Lissabon nach Hamburg. Unter den 241 Passagieren waren unter anderem Ballin selbst, Friedrich Achelis, Carl Laeisz, Christoph Hellwig Papendieck, Korrespondenten verschiedener Zeitungen und der Maler und Zeichner Christian Wilhelm Allers, der einen Bildband Erinnerungen an die Reise der Augusta Victoria in den Orient schuf.C.W. Allers: Backschisch. Die erste deutsche Kreuzfahrt im Jahre 1891. Hrsg. von Gerd Fahrenhorst, Norderstedt 2020, ISBN 978-3-7504-8155-8.

Als das erste als Kreuzfahrtschiff gebaute Schiff der Welt gilt die Prinzessin Victoria Luise der Hamburger Reederei Hapag, die im Dezember 1900 bei der Werft Blohm & Voss fertiggestellt wurde. Früher waren Kreuzfahrten beliebt bei betuchten älteren Frauen, die eine bequeme Reisemöglichkeit suchten, bei der sie ohne Hotelwechsel die Welt in angenehmer Atmosphäre kennenlernen konnten. Zudem war gesellschaftlicher Anschluss leicht möglich. Da Männer oft in der Minderzahl waren, haben aufmerksame Reedereien ihr Personal um elegante Tänzer und Unterhalter erweitert (Eintänzer, oder , siehe auch Gigolo).

Die DDR besaß ein Kreuzfahrtschiff; die Plätze für Kreuzfahrten auf der Völkerfreundschaft wurden vorwiegend aktiven Parteimitgliedern angeboten. Diese wurden während der Fahrt intensiv von der Stasi beobachtet mit dem Ziel, Fluchten aus der DDR zu vereiteln.

Nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie

Wegen der COVID-19-Pandemie wurde im Februar 2020 der Westerdam von fünf Häfen die Einfahrt verweigert, bevor es in Sihanoukville (Kambodscha) anlegen durfte, obwohl es weder Verdachtsfälle noch diagnostizierte Fälle von COVID-19 an Bord dieses Schiffs gab. Im März 2020 brachen weltweit Reiseveranstalter ihre Kreuzfahrten ab.

Die Passagiere der Schiffe, auf denen keine COVID-19-Fälle festgestellt wurden, mussten, sofern angesichts teilweise geschlossener Grenzen möglich, den direkten Weg nach Hause antreten und die Abstandsregeln einhalten. Außerdem wurde ihnen empfohlen, sich für 14 Tage in Quarantäne zu begeben. Die Namen deutscher Fahrgäste von Schiffen, die in Deutschland anlandeten, wurden den zuständigen Gesundheitsämtern mitgeteilt.

Besatzungsmitglieder mussten oft monatelang an Bord bleiben. Da in den Häfen nicht genügend Plätze für „Dauerparker“ vorhanden sind, durften sich die Schiffe dort nur zum Be- und Entladen aufhalten. Ansonsten mussten sie provisorisch irgendwo vor Anker gehen.

Nicht alle Besatzungsmitglieder durften sich an Bord frei bewegen. Sie wurden allerdings versorgt und durften teilweise Fitnessstudios, Restaurants und Bars nutzen, die sonst nur Fahrgästen zugänglich sind. Trotzdem bildete sich bei vielen im Personal ein „Lagerkoller“, da Staatsangehörige aus bis zu 70 Nationen im Unklaren darüber waren, wann es möglich sein würde, in ihren Heimatstaat zurückzukehren. Für 1200 von 2900 Besatzungsmitgliedern konnte im Fall von Mein Schiff 3 bis zum 8. Mai 2020 eine Heimreise organisiert werden.

Befragungen potenzieller Kreuzfahrtteilnehmern ergaben, dass einige die gegebenen Risiken und Einschränkungen als abschreckend empfinden. Walter Krombach, ehemaliger Geschäftsführer der Willy Scharnow-Stiftung für Touristik, gab im Hinblick auf die Nachfrage eine pessimistische Prognose ab. Andere Personen würden die Einschränkungen in Kauf nehmen, unter anderem deshalb, weil sie auch bei einem Landurlaub mit entsprechenden Regulierungen zurechtkommen müssten.

Die Arbeitsgruppe Healthy Gateway der Europäischen Union veröffentlichte am 30. Juni 2020 vorläufige Empfehlungen für die Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebs. Darauf legte die Cruise Lines International Organization ihre „Leitsätze zur Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebes“ vor, die sich auf ein detailliertes Hygienekonzept, die Personalschulung und auf Maßnahmen beim Umgang mit infizierten oder infektionsverdächtigen Personen an Bord beschäftigen.

Mehrere Reedereien nahmen den Kreuzfahrtbetrieb im Sommer 2020 wieder auf. Eine Sprecherin von TUI erklärte, dabei gehe es einstweilen nicht darum, wieder Gewinne zu erzielen, sondern darum nachzuweisen, dass Kreuzfahrten auch unter den Bedingungen einer akuten Pandemie möglich seien. Alexis Papathanassis, Professor für Maritimen Tourismus an der Hochschule Bremerhaven, warf der Kreuzfahrtbranche vor, sie habe es verpasst, in der COVID-19-bedingten Zwangspause ab dem Frühjahr 2020 die „Kreuzfahrt der Zukunft“ zu entwickeln.

Auf der Roald Amundsen, einem der ersten Schiffe, das nach der COVID-19-bedingten Zwangspause wieder zu einer Kreuzfahrt aufbrechen durfte, waren Ende Juli 2020 nach zwei aufeinanderfolgenden Fahrten zwischen Spitzbergen und dem norwegischen Festland mindestens 36 Besatzungsmitglieder und vier Passagiere positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Behörden warfen der Reederei vor, die 386 Passagiere nicht sofort nach dem ersten Covid-19-Ausbruch informiert zu haben. Die Passagiere hatten das Schiff im Hafen von Tromsø bereits verlassen, als sich bei den ersten Besatzungsmitgliedern eine Infektion bestätigte. Die Reederei Hurtigruten sagte alle für den August 2020 geplanten Fahrten außer dem Postroutendienst ab.