Berne ist eine Gemeinde im Landkreis Wesermarsch in Niedersachsen, Deutschland.

Geographie Lage Die Gemeinde Berne liegt im südlichen Teil der Wesermarsch. Die Gemeinde hat eine Fläche von 85 km² und liegt an der Mündung des Flusses Berne (etwa 5 Meter breit, daher auch „Bach“) in die Ollen, einen Nebenfluss der Hunte. Das dünn besiedelte und größtenteils landwirtschaftlich genutzte Gemeindegebiet besteht überwiegend aus Marschland. Im Süden der Gemeinde befinden sich größere Moorgebiete. Das heutige Gemeindegebiet ist Teil der historischen Landschaft Stedingen, die im Wesentlichen das Gebiet der Gemeinde Lemwerder und der Nachbargemeinde Berne umfasste.

Nachbargemeinden Im Nordwesten wird die Gemeinde durch die Hunte und im Nordosten durch die Unterweser begrenzt. Die Weser bildet hier gleichzeitig die Landesgrenze zum Bremer Stadtteil Blumenthal. Südöstlich grenzt Berne an die Gemeinde Lemwerder und im Süden an die zum Landkreis Oldenburg gehörigen Gemeinden Hude und Ganderkesee. Nord-Nordwestlich von Berne befindet sich die Stadt Elsfleth.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Berne setzt sich aus 51 Gemeindeteilen zusammen: Bäke, Bardenfleth, Berne (Kernort), Bernebüttel, Bettingbühren, Buttel, Buttlerhörne, Campe, Coldewei, Dreisielen, Füllje, Ganspe, Ganspe Außendeich, Glüsing, Hannöver, Harmenhausen, Hekelermoor, Hekeln, Hiddigwarden, Hiddigwardermoor, Huntebrück, Juliusplate, Katjenbüttel, Köterende, Lichtenbergersiel, Motzen, Neuenhuntorf, Neuenhuntorfersiel, Neuenhuntorfermoor, Neuenkoop, Neumühlen, Ochholt, Ohrt, Ollen, Ollenermoor, Pfahlhausen, Ranzenbüttel, Ritzenbüttel, Schlüte, Schlüterburg, Schlüterdeich, Warfleth, Wehrder, Wehrderhöhle, Piependamm und Weserdeich.Gemeinde Berne – Zahlen / Daten / Fakten, abgerufen am 30. Dezember 2023

Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich im Gemeindeteil Berne.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Berne liegt im Flusssystem der Weser, Unterbereich Hunte, innerhalb der naturräumlichen Haupteinheit der Wesermarschen.

Aufgrund der sehr geringen Geländehöhe von meist etwa 1 m über Normalhöhennull ist die Landschaft stark durch Entwässerungsgräben, Kanäle, Sieltiefs und Pumpwerke geprägt. Diese Oberflächengewässer erfüllen zentrale Funktionen für Entwässerung, Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Naturschutz.uvp-verbund.de

Die Weser ist der Hauptfluss der Region. Sie bildet die östliche Gemeindegrenze und ist als tidebeeinflusster Unterlaufstrom von großer Bedeutung für die regionale Entwässerung, die Schifffahrt sowie den Küsten- und Hochwasserschutz. Der Weserdeich schützt die Marschgebiete vor Sturmfluten und Hochwasser.

Die Hunte verläuft im nordwestlichen Randbereich des Gemeindegebiets entlang der Gemeindegrenze. In der Wesermarsch ist sie tidebeeinflusst und übernimmt wichtige Aufgaben bei Entwässerung, Hochwasserschutz und Wasserstandsregulierung. Über Sieltiefs, Gräben und Pumpwerke ist sie in das regionale Entwässerungssystem eingebunden und besitzt zugleich eine hohe ökologische Bedeutung als Lebensraum und Vernetzungsachse im Biotopverbund.nlwkn.niedersachsen.de

Die Gemeindekern von Berne liegt an der Mündung des Flusses Berne in die Ollen, welcher von Süd nach Nord durch das Gemeindegebiet fließt. Die Ollen wiederum mündet im nördlichen Bereich des Gemeindegebietes (über das Schlüter Tief, alter Huntearm) in die Hunte.

Zu den kleineren Fließgewässern zählen der Stedinger Kanal und der Motzener Kanal, die wesentliche Bestandteile des regionalen Entwässerungssystems darstellen. Ergänzt wird dieses durch ein dichtes Netz künstlich angelegter Marschgräben und Tiefs, das der Regulierung des Wasserstandes auf landwirtschaftlich genutzten Flächen dient und von Entwässerungsverbänden unterhalten wird. Stillgewässer wie Baggerseen, Teiche, Kolke und Rückhaltebecken übernehmen Funktionen im Wasserrückhalt und Naturschutz und stellen wichtige Biotope für wassergebundene Arten dar.uvp-verbund.de

Westlich und südwestlich grenzt die Gemeinde an die Moor- und Feuchtgebiete des Oldenburger Landes. Hier entwickelten sich Niedermoore, Übergangsmoore und feuchte Grünlandbereiche, die eine hohe Bedeutung für Wasserhaushalt, Klima, Biodiversität und Naturschutz besitzen.

Die Moor- und Feuchtgebiete konzentrieren sich insbesondere auf die Ortsteile Hiddigwardermoor, Neuenkoop und Harmenhausen. Sie sind durch hohe Grundwasserstände, torfige Böden und überwiegend extensive Nutzung geprägt.

Seit dem 18. Jahrhundert wurden große Flächen entwässert und landwirtschaftlich genutzt (Moorkolonisierung), während naturnahe Restbereiche vor allem in Senken sowie entlang von Gräben und Sieltiefs erhalten blieben. Diese Feuchtgebiete wirken als Wasserspeicher, tragen zum Hochwasserschutz bei, fungieren als Kohlenstoffspeicher und sind Bestandteil regionaler Biotopverbundsysteme.

Große Teile des Gemeindegebiets liegen unterhalb des mittleren Tidehochwassers und sind daher dauerhaft auf ein leistungsfähiges System aus Deichen, Sielanlagen, Schöpfwerken und Entwässerungsgräben angewiesen. Zentrale Herausforderungen bestehen im Hochwasserschutz bei Sturmfluten und Starkniederschlägen sowie in Nutzungskonflikten zwischen Entwässerung und Wasserrückhalt während längerer Trockenperioden. Die kontinuierliche Entwässerung der Marsch- und Moorböden führt zudem zu Bodensackung, veränderter Wasserbilanz und erhöhter Freisetzung von Treibhausgasen.

Der Eintrag von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln beeinträchtigt die Wasserqualität und gefährdet die biologische Vielfalt, insbesondere in Feuchtgebieten, Auen und Stillgewässern.

Zur Verbesserung der hydrologischen und ökologischen Situation werden Maßnahmen wie die Modernisierung wasserwirtschaftlicher Anlagen, die regelmäßige Deichunterhaltung, die Renaturierung von Gewässern, die Anlage von Blüh- und Gewässerrandstreifen sowie Programme zur Extensivierung landwirtschaftlicher Nutzflächen umgesetzt. Diese erfolgen in Kooperation zwischen Gemeindeverwaltung, Ollendeichverband, Wasser- und Bodenverbänden, landwirtschaftlichen Betrieben und Naturschutzorganisationen und werden durch Umweltbildungs-, Artenschutz- und Bürgerprojekte ergänzt.

Naturschutzgebiete mini|Blick über die Weser zur Juliusplate und zu den Ortsteilen Weserdeich (hinten links) und Ranzenbüttel (hinten rechts)

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich: das Naturschutzgebiet Juliusplate. Es ist ein Naturschutzgebiet nordöstlich von Berne am linken Ufer der Weser auf der gleichnamigen ehemaligen Weserinsel. Es ist rund 79 Hektar groß und steht seit dem 13. Dezember 2007 unter Naturschutz. das 182 Hektar große „Wittemoor“ als Teil des Naturschutzgebietes Holler- und Wittemoor.

Zuständige untere Naturschutzbehörde ist der Landkreis Wesermarsch.

Untergrundverhältnisse Berne liegt in der norddeutschen Küstenebene innerhalb der Wesermarsch. Der geologische Untergrund besteht überwiegend aus quartären Sedimenten des Holozäns und Pleistozäns. Oberflächennah dominieren Marsch- und Moorablagerungen aus Klei, Schluff, Feinsanden und organischem Material, die mehrere Meter mächtig sind und pleistozäne Sand- und Kiesablagerungen überlagern.

In größerer Tiefe folgen tertiäre Tone und Sande, die regional salzhaltiges Grundwasser führen können. Die überwiegend feinkörnigen, gering durchlässigen Sedimente beeinflussen den regionalen Wasserhaushalt maßgeblich.

Hydrogeologisch ist Berne durch ein mehrstöckiges Grundwassersystem geprägt. Ein oberflächennaher, ungespannter Aquifer in 1–5 m Tiefe reagiert stark auf Niederschläge und Tideeinflüsse, während ein tiefer, meist gespannter Aquifer in 20–40 m Tiefe die wichtigste Ressource für die Trinkwasserversorgung darstellt. Das Grundwasser weist überwiegend gute chemische Qualität auf, kann jedoch in größerer Tiefe salin beeinflusst sein.

Geschichte mini|Die Schlacht bei Altenesch(Miniatur in der Sächsischen Weltchronik, 13. Jahrhundert) mini|Nicht genordete Karte mit dem Stedinger Land mini|St. Aegidius-Kirche

Mittelalter 1063 verschenkte Kaiser Heinrich IV. das ungeschützte Sumpfland um Berne an die bremische Kirche. Erzbischof Adalbert von Bremen gestattete den zugewanderten Niederländern die Besiedlung im freien erblichen Besitz nach dem Holländerrecht. Zum Hochwasserschutz wurde ca. 100 Jahre später von den Stedingern mit dem Deichbau begonnen.

Im 13. Jahrhundert protestierten die Stedinger in der damaligen Berner St. Ägidiuskirche gegen die Feudalherrschaft des Landesherrn Erzbischofs Gerhard II. von Bremen. Die Unterdrückung, aber auch der Protest, nahmen zu. 1233/34 kam es zum Stedingerkrieg, ein Kreuzzug des Erzbistums Bremen gegen das Volk der Stedinger. In der Schlacht bei Altenesch siegten der Erzbischof und seine Verbündeten und die Stedinger wurden weiter unterdrückt.

Nach dieser Schlacht wurde durch die Grafschaft Oldenburg eine erste Burg in Berne errichtet, der 1252 die Lauenburg am Nordwestrand des Ortes folgte. Beide Burgen verloren schon nach wenigen Jahrzehnten ihre Bedeutung.

Die Kirche von Berne ließ der Erzbischof bis auf den Turm und die Nordmauer abreißen. Die Aegidius-Kirche wurde um 1240 als gotische Hallenkirche neu erbaut und der vorhandene Turm einbezogen. Um 1350 entstand die St.-Marien-Kirche im Ortsteil Warfleth. Die St.-Marien-Kirche im Ortsteil Neuenhuntorf wurde ab 1489 erbaut.

15. bis 19. Jahrhundert Nachdem das Sumpfgebiet sich zu einem fruchtbaren Marschland entwickelte, konnte durch Viehzucht und Ackerbau ein bescheidenes Leben ermöglicht werden. Die Viehzucht gedieh, der Export der Rinder ließ einen gewissen Wohlstand zu.

1601 wurde von Graf Anton der Berner Markt genehmigt. Er war der Höhepunkt des Jahres an dem bei Handel, Gesang, Spiel und Tanz alle Schichten der Bevölkerung teilnahmen.

Das Gut Neuenhuntorf wurde 1678 unter Leitung des Oberdeichgrafen Anton Günther von Münnich erbaut. Hier verlebte der spätere russische Generalfeldmarschall und Staatsmann Graf Burkhard Christoph von Münnich seine Jugend. Ab 1750 wurden Viehmärkte abgehalten.

Die Marschbauern konnten im 17. bis 19. Jahrhundert einen begrenzten Wohlstand erlangen, während die Torfbauern nur das nötigste hatten. Im Deichbezirk an der Weser lebten zudem zahlreiche Fischer, Kahnschiffer und Seefahrer. Die Schifffahrt auf der Weser förderte die Entstehung einer Reihe von kleinen Bootsbaubetriebe und mittleren Schiffswerften. Auch heute werden hier noch Jachten und Spezialschiffe hergestellt.

Das Großherzogtum Oldenburg baute zwischen 1856 und 1869 in der Wesermarsch eine Verbindungsstraße, die aus Sparsamkeitsgründen mit einheimischen Klinkersteinen errichtet wurde. Daraus entwickelte sich die heutige Bundesstraße 212.

1873 erfolgte der Bau der Bahnstrecke von Hude bis Brake mit Anschluss von Berne. Der Transport von Vieh erleichterte sich erheblich. Die Gründung der Stedinger Molkerei folgte bald darauf.

Neuere Zeit Seit dem 19. Jahrhundert gliederte sich das Gebiet der heutigen Gemeinde Berne in die Gemeinden Berne, Neuenhuntorf und Warfleth, die zum oldenburgischen Amt Elsfleth gehörten. 1933 wurden Berne, Neuenhuntorf und Warfleth mit den Gemeinden Altenesch und Bardewisch zur Gemeinde Stedingen des Landkreises Wesermarsch zusammengeschlossen. Am 1. April 1948 wurde die Gemeinde Stedingen wieder aufgelöst und in die Gemeinden Berne und Altenesch geteilt. Neuenhuntorf und Warfleth verblieben als Teil von Berne.

Die Hubbrücke Huntebrück entstand von 1951 bis 1953.

Am 10. Dezember 2015 wurde die ca. 40 m nördlich der vorhandenen Hubbrücke neu errichtete Klappbrücke über die Hunte für den Verkehr freigegeben.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl der Gemeinde pendelt seit dem Jahr 2000 relativ konstant um die 7.000-Einwohner-Marke.