mini|Ruhollah Chomeini (1981) Ruhollah Chomeini ( , * 24. September 1902Britannica. in Chomein; † 3. Juni 1989 in Teheran) war ein iranischer islamischer Rechtsgelehrter, Ajatollah, politischer und religiöser Führer der Islamischen Revolution von 1979 und danach bis zu seinem Tod iranisches Staatsoberhaupt. Mit der Revolution stürzte er aus dem französischen Exil heraus die Regierung von Mohammad Reza Pahlavi, dem damaligen iranischen Schah. Chomeini, der am 1. Februar 1979 aus Frankreich zurückgekehrt war, gilt als der Gründer der Islamischen Republik Iran.

Leben Ruhollah Chomeini wurde 1902 im Ort Chomein als Ruhollah Musavi ( []) geboren. Chomeinis genaues Geburtsdatum ist umstritten. Es gibt Quellen, die angeben, er sei: 1900Biographie von Chomeini. Islamisches Führungsministerium. Teheran. April 1982. am 28. August 1902Farhang Rajaee: Islamic Values and World View. 1983. im September 1902Richard Yann in: Keddie: Roots of Revolution. New Haven 1981, S. 205. am 24. September 1902Baqer Moin: Khomeini: Life of the Ayatollah. St. Martin’s Press, New York 1999.Fariborz Riyahi: Ayatollah Khomeini. S. 10.Karl-Heinrich Göbel: Moderne schiitische Politik und Staatsidee. 1984, S. 142. am 9. November 1902Amir Taheri: Chomeini und die islamische Revolution. S. 29. geboren. Sein Mausoleum im Süden von Teheran hat vier Minarette mit jeweils 91 m Höhe. Die Höhe von 91 m wurde entsprechend dem in Mondjahren gerechneten angeblichen Alter Chomeinis bei seinem Tod 1989 gewählt.

Herkunft Urgroßvater väterlicherseits Die Herkunft des Urgroßvaters ist höchst zweifelhaft. Eine Version geht davon aus, dass ein Hindu namens Jajal als Pförtner und Wachmann bei der Zweigstelle der unter britischer Leitung stehenden Bank-e Shahi, der späteren Imperial Bank of Persia, in Bombay beschäftigt gewesen sein soll. Da die Bank hauptsächlich mit islamischen Geschäftsleuten zu tun hatte, legte das Management der Bank Jajal nahe, Moslem zu werden, was dieser befolgte. Von da an nannte er sich Hamed. Nach dem Tod Hameds übernahm sein Sohn Ahmad, der Großvater Chomeinis, den Posten bei der Bank-e Shahi. Von Bombay aus wurde er in die Zweigstelle Buschehr und später nach Nadschaf versetzt. In Nadschaf verließ Ahmad (Hindi) die Imperial Bank und wurde Leibwächter von Mirza Mohammad Hasan Schirazi.M. Mohid: Atash Biaran-e Douzakh. Iranians Publication, London 2009, S. 6f. (persisch)Die Bank of Bombay wurde 1840 gegründet, die Imperial Bank of Persia 1889. Nach allen Quellen weilte der Sohn Jajal/Hameds bereits 1839 in Nadschaf. Die Herkunft des Urgroßvaters spielt insofern eine Rolle, da Chomeini von Gegnern als Inder (Hindi) bezeichnet wird. Die Grundlage dazu bildet die offensichtlich erfundene Geschichte des konvertierten Pförtners der Bank-e Shahi, die es noch nicht gab. 1839 erwarb Ahmad Musavi Hindi Land in Chomein und gehörte bald zur Schicht der vermögenden Grundbesitzer.Abbas Milani: Eminent Persians. Syracuse University, 2008, S. 351.Dass Chomeini ein Vermögen von seinem Vater Mustafa Musavi vererbt bekam, wird von Ali Tehrani bestätigt. Siehe

Großvater väterlicherseits Seyyed Ahmad Musavi (1800–1869) war Ruhollah Chomeinis Großvater. Als Seyyed und damit direkter Nachfahre des Propheten wurde der Familienname auf den 7. Imam zurückgeführt. Über die Herkunft des Großvaters gibt es zwei unterschiedliche Versionen: Er soll aus Nadschaf stammen und dann nach Chomein gezogen sein.Bahman Nirumand: Mit Gott für die Macht. Hamburg 1989, S. 25. Er soll aus Indien stammen (siehe Urgroßvater), daher der ursprüngliche Name Ahmad Musavi Hendi bzw. Hindi.Baqer Moin: Khomeini – Life of the Ayatollah. In: New York Times Ahmad Musavi Hindi soll 1800 in Kintur geboren sein, beim damals berühmten Lehrer Mir Hamed Hosein Hindi Neischaburi studiert haben und 1830 nach Nadschaf gezogen sein, wo er 1869 starb.

Vater Seyyed Mustafa Musavi (1856/62–1902) war Ruhollah Chomeinis Vater. Mustafa Musavi studierte islamische Theologie in Isfahan, Nadschaf und Samarra – dort unter Mohammad Hasan Schirazi – und soll den religiösen Titel eines Mudschtahid erworben haben. Er hatte mit Hadschiyeh Agha Chanum, der Tochter des Mirza Ahmad Modschtahed-e Chonsari, sechs Kinder, jeweils drei Mädchen und drei Söhne. Nach der Geburt der ersten Tochter soll die Familie von Nadschaf nach Chomein gezogen sein. Die Söhne hießen Morteza Pasandideh (1895–1996) Nureddin Hindi (1898–1977) Ruhollah Chomeini (1902–1989), der jüngste Sohn. Mustafa Musavi starb, als Ruhollah gerade 5 Monate alt war. Hierzu gibt es drei Versionen: Durch ein Attentat, verübt von Agenten von Reza Schah, so die offizielle Version der Islamischen Republik Iran. Dass Reza Pahlavi erst 1925 Schah wurde, während das Attentat schon 1902 stattgefunden haben soll, macht diese Version allerdings wenig glaubwürdig. Durch Banditen, die ihn auf dem Weg von Arak nach Chomein erschlugen.Hamid Ruhani: Imam Chomeinis Bewegung. Teheran 1977, S. 23. Durch Großgrundbesitzer, erschlagen nach Streitigkeiten über den Ernteanteil.Amir Taheri: Chomeini und die islamische Revolution. Hamburg 1985, S. 30. mini|Der junge Chomeini

Ausbildung Ruhollah, der nach dem Tod des Vaters von seiner Tante Sahebe erzogen wurde, soll mit 15 Jahren die Schule beendet haben und von seinem ältesten Bruder Morteza im Fach Islamkunde unterrichtet worden sein.

1918 ging Chomeini nach Arak, um eine Ausbildung zum Rechtsgelehrten zu erhalten. 1922 wechselte er nach Ghom, wo sich gerade die islamische Rechtsschule unter Abdolkarim Haeri Yazdi im Aufbau befand. 1936 erhielt er dort die Qualifikation eines MudschtahidHeinz Halm: Die Schia. Darmstadt 1988, S. 159. und den religiösen Titel Hodschatoleslam.Baqer Moin: Khomeini. 1999. 1943 veröffentlichte er seine Schrift Kašf al-asrār („Enthüllung der Geheimnisse“), die gleich die Abschaffung der Monarchie aufnimmt.

Mit diesen Thesen stand Chomeini nicht allein. 1946 gründete Navvab Safavi in Teheran die Organisation Fedajin-e Islam (die sich für den Islam aufopfern), bestehend aus Theologie-Studenten und Angehörigen der Unterschicht. Die Forderungen der Fedajin-e Islam, eine Vorwegnahme von Chomeinis Hokumat-e eslami aus dem Jahre 1970, lauteten: Errichtung einer islamischen Regierung unter Führung eines Imams, Anwendung der Scharia, Reinigung der persischen Sprache von unislamischem Wortschatz, Panislamismus und Nationalismus, Verstaatlichung des Erdöls, Dschihad gegen westliche Mächte, Verbreitung der Ideologie des Martyriums. Die Fedajin-e Islam organisierten Demonstrationen und fielen durch verschiedene Attentate auf Schriftsteller, Wissenschaftler und Regierungsmitglieder in den Jahren 1946–1951 auf.Karl-Heinrich Göbel: Moderne schiitische Politik und Staatsidee. S. 162.

Erstes öffentliches Auftreten mini|Chomeini spricht am 15. Chordad, 1964

Bis 1963 unterrichtete Chomeini islamisches Recht in Ghom. Im selben Jahr rief er zum Widerstand gegen die Weiße Revolution (u. a. Landreform und Frauenwahlrecht) des Schahs auf. Mit dem Tod des Großajatollahs und des von allen Geistlichen anerkannten Mardschaʿ-e Taghlid Hossein Borudscherdi, der die Ansicht vertreten hatte, dass sich die Geistlichkeit aus der aktiven Politik heraushalten solle, reduzierte sich der Einfluss der quietistischen Gruppe unter den Geistlichen. Am 22. März 1963, anlässlich des Todestages des 6. Imams, Dschaʿfar as-Sādiq, predigte Chomeini in Ghom:

Chomeini wurde zunächst festgenommen, dann aber wieder freigelassen.

Nach der Rede vom 3. Juni 1963, dem Aschura-Tag,Heinz Halm: Die Schia. Darmstadt 1988, S. 157. gehalten gegen den Tyrannen unserer Zeit – jeder wusste, dass damit der Schah gemeint war –, wurde Chomeini am 5. Juni 1963 erneut festgenommen. Gehrke spricht von einem bewussten, „im politischen Sinne In-den-Vordergrund-Spielen, ohne die Akklamation der anderen führenden Geistlichen zu haben.“Ulrich Gehrke: Iran. 1976, S. 202. Durch seine bewusst gewählte Konfrontation mit dem Schah, die er zum damaligen Zeitpunkt nicht gewinnen konnte, zog er zumindest die gemäßigten Kleriker auf seine Seite, indem sie für ihn notgedrungen Partei ergreifen mussten. Chomeinis Aufruf vom 3. Juni 1963 richtete sich vor allem gegen die vom Schah im Rahmen der Weißen Revolution begonnene Landreform, gegen die Abschaffung des weiblichen Heiratsalters von 9 Jahren sowie gegen das aktive und passive Frauenwahlrecht. Die Haltung der Kleriker zur Landreform war gespalten: von Zustimmung (Hussein Schariatmadari, Mahmud Taleghani) bis zur strikten Ablehnung. Mit seiner Kritik war Chomeini Sprachrohr der betroffenen Großgrundbesitzer, die daraufhin begannen, gegen den Schah zu opponieren. Von der Landreform waren neben aristokratischen Großgrundbesitzern auch zahlreiche religiöse Stiftungen und einige Kleriker selbst betroffen. Religiöse Stiftungen und Geistliche gehörten mit zu den größten Landbesitzern und sollten dieses Land, das sie bislang an Bauern verpachtet hatten, gegen eine Entschädigung an diese Bauern übereignen.Ashraf, 1971; Baqa`i, 1979. Der Aufruf Chomeinis und seine Festnahme führten zu gewalttätigen Demonstrationen.

Direkt nach den Unruhen sollte ein Gerichtsverfahren gegen Chomeini eröffnet werden, das auf ein Todesurteil hinauslief. Die Ajatollah Kasem Schariatmadari und Hadi Milani versammelten sich daraufhin in der Teheraner Abd-al-Azim-Moschee und riefen Chomeini zum „Imam“ (Ajatollah) aus, eine Aktion, die ihn vor dem Todesurteil bewahren sollte, da der Titel „Ajatollah“ eine Art ungeschriebene Immunität beinhaltete.Henner Fürtig: Die Islamische Republik Iran (Hrsg. Günter Barthel). Akademie-Verlag Berlin, 1987, ISBN 3-05-000079-1, S. 62.Zur Frage, wann Chomeini erstmals mit dem Titel Ajatollah angesprochen und dieser ihm zuerkannt wurde, finden sich in der Literatur unterschiedliche Angaben. In der Encyclopædia Britannica ist von „the 1950s“ die Rede, und „by the early 1960s“ soll ihm der Titel Großajatollah zuerkannt worden sein. Bei Abbas Milani findet man das Jahr 1961 „by then Khomeini was recognized as an ayatollah, although in the world of Shiite clerics, obsessive about hierarchy and seniority, he was certainly considered a junior ayatollah.“ (Eminent Persians, Vol. 1, New York 2008, S. 353) Für Linda S. Walbridge wurde Chomeini durch Schariatmadaris Schreiben an den Schah, in dem er Chomeini als Ajatollah bezeichnete, zum Mardschaʿ-e Taghlid (The Most Learned of the Shiʿa: The Institution of the Marjaʿ Taqlid. Oxford UP, 2001, S. 219 u. FN 16). Nach der überwiegenden Literaturmeinung scheint gesichert, dass Chomeini vor 1961 nicht mit Ajatollah angesprochen wurde, ebenso später auch nicht den Titel eines Großajatollah oder Mardschaʿ-e Taghlid innehatte. Seine Anhänger sprachen ihn mit Imam an. Ebenfalls soll sich der Chef des SAVAK, Hassan Pakravan, für Chomeini eingesetzt haben.Ehsan Naraghi: From Palace to Prison. I.B. Tauris, 1994, S. 177. Pakravan und Premierminister Hassan Ali Mansur erklärten dem Schah, dass man der Geistlichkeit mehr Zeit geben müsse, sich an die Reformen der Weißen Revolution zu gewöhnen, und dass es besser sei, Chomeini aus der Haft zu entlassen, statt mit der Hinrichtung aus dem zum Tode Verurteilten einen Märtyrer zu machen. In der Haft gab Chomeini Hassan Pakravan angeblich das Versprechen, sich in Zukunft aus der Politik herauszuhalten. Dabei hatte Chomeini lediglich gesagt:

Diese Aussage ließ ausreichend Spielraum für Interpretationen. Dass Chomeini nicht daran dachte, sich aus der Politik herauszuhalten, sollte sich bald zeigen.

Chomeini stand bis zum 7. April 1964 unter Hausarrest und hatte nach offiziellen Angaben mit den Behörden eine Vereinbarung getroffen, nicht mehr „die Interessen und Sicherheit des Landes zu gefährden“.Ettelaat vom 3. Juli 1963.