mini|Taucher in einem Vollkörper-Nassanzug mini|hochkant=0.6|Video des Anlegens eines Nass-Kurzanzugs für warme Gewässer. Der einzige Verschluss ist der Reißverschluss am Rücken. Ein Tauchanzug oder Taucheranzug schützt den Körper eines Tauchers im Wasser vor allem vor Unterkühlung. Die ersten Anzüge bestanden aus Leder und Metall, später wurde Natur-Gummi und heute vor allem Neoprenschaum eingesetzt, der auch in anderen Wassersportarten verwendete Neoprenanzug. Grundsätzlich wird zwischen Nass- (wetsuit), Halbtrocken- und Trockenanzügen (drysuit) unterschieden. Zur besseren Kälteisolation wird der Anzug wahlweise mit Taucherhandschuhen, Füßlingen und einer Kopfhaube ergänzt.
Geschichte mini|Rekonstruktionsversuch eines Taucheranzugs nach Konrad Kyesers Bilderhandschriften aus dem 15. Jahrhundert im Middelalderzentret Nyköbing, Dänemark mini|Taucher in Trockenanzug (rechts) und Panzertauchanzug (links), 1935 mini|hochkant|Taucheranzug mit Taucherhelm aus getriebenem Kupferblech
In tropischen und subtropischen Gebieten gingen die ersten Perlen- und Schwammtaucher ihrer Tätigkeit nackt oder nur im Lendenschurz nach. Auch diese Gewässer sind in größerer Tiefe und bei längerem Aufenthalt empfindlich kühl. Da es sich bei den Tauchern vielfach um Sklaven handelte, wurde dem zumeist wenig Bedeutung beigemessen.
Konrad Kyeser beschreibt um 1405 Taucheranzüge aus Leder zur militärischen Verwendung. Jerónimo de Ayanz entwickelte Taucheranzüge und Tauchausrüstungen, die er 1602 dem spanischen König vorführen und 1606 patentieren ließ.Obras como autor: Ayanz y Beaumont, Jerónimo de, 1553–1613, auf mcu.es Niedrige Wassertemperaturen machten es unerlässlich, den Körper vor Wärmeverlust zu schützen. So wurden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Taucher in einer Taucherglocke zum Wrack der Vasa hinabgelassen, um die Kanonen zu bergen. Diese Taucher trugen lederne Anzüge von nur geringer Kälteschutzwirkung, sodass auch sie noch stark froren. Gleichwohl waren Leder und Wolle bis Mitte des 19. Jahrhunderts die einzigen zur Verfügung stehenden Stoffe, die Bewegungsfreiheit und (wenn auch geringen) Wärmeschutz boten, außerdem schützten diese Anzüge ihren Träger geringfügig vor Verletzungen. Ansonsten wurde wie bis dahin in Badebekleidung getaucht.
Mit der Erfindung der Vulkanisation von Gummi durch Charles Goodyear im Jahre 1839 (patentiert 1844) stand dann ein robustes wasserdichtes Material zur Verfügung. Dieses setzte sich nach und nach durch. Dabei war die isolierende Wirkung des Gummis selbst zu vernachlässigen, aber da der Taucher in dem Anzug weitgehend trocken blieb, konnte er wärmendes Unterzeug aus lufthältigen Wolltextilien tragen.
Neopren (Kunstgummi) wurde 1930 erfunden. Bis in die 1940er-Jahre wurden insbesondere von den ersten Kampfschwimmern gummierte Anzüge eingesetzt. Als Material für Tauchanzüge wurde Neoprenschaum in Kalifornien von Bob und Bill Meistrell 1954 mit der Firma Barakuda auf dem Markt eingeführt.
Seit einigen Jahren setzt sich für Trockentauchanzüge auch Textillaminat (Trilaminat) durch.
Nassanzug links|hochkant|mini|Taucher in Nassanzügen
Der Nassanzug ist meist aus Neopren oder vergleichbaren Materialien in einer Stärke zwischen 2,5 und 8 mm gefertigt, manchmal mit einem Innenfutter aus Frottee, Nylon oder einem anderen hautfreundlichen Textil. Er ist so geschnitten, dass er hauteng am Körper anliegt. Das Material des Anzugs ist zwar wasserdicht, das Wasser kann aber beim Eintauchen an den Reißverschlüssen, an der Halsöffnung sowie an den Hand- und Fußbünden in den Anzug eindringen und alle Zwischenräume zwischen dem Körper des Tauchers und dem Anzug ausfüllen. Beim Nassanzug kann das eingedrungene Wasser durch die Bewegungen des Trägers im Anzug zirkulieren, was für einen Wärmeaustausch mit der Umgebung sorgt.
Bei einem Nassanzug hängt die Wirkung der Wärmedämmung nicht nur von der Dicke des Materials, sondern auch von der Passform des Anzugs ab. Je besser der Anzug sitzt, umso weniger kann das Wasser im Inneren zirkulieren und Wärme abtransportieren. Ein ungefütterter Anzug mit einer Innenseite aus offenzelligem Neopren liegt besser am Körper an und kann die Zirkulation verringern. Maßanfertigungen sind von einigen wenigen Herstellern zu beziehen.
Er ist fast immer als Overall (meist mit langen Ärmeln und Hosenbeinen) ausgeführt und soll verhindern, dass vom Anzug bedeckte Hautstellen direkten Wasserkontakt bekommen. Zusätzlich wirkt das Gasblasen enthaltende Neopren als thermischer Isolator, so dass der Körper nicht auskühlt. Durch Kragen, Arm- und Beinabschlüsse, besonders aber durch den Reißverschluss, dringt aber in geringen Mengen Wasser in den Anzug ein. Daher sind Nassanzüge für niedrige Wassertemperaturen ungeeignet.
mini|Taucher in kurzärmligem Nassanzug (Shorty) mini|Triathlet mit modernem Freiwasser-Neoprenanzug und Schwimmboje
Nassanzüge gibt es in verschiedenen Formen: als einteiligen Tropenanzug zum Tauchen in warmen Gewässern mit einer Neoprenstärke von 2,5 bis 3 mm. Der Tropenanzug hat meist keine Kopfhaube und kann lange oder kurze Ärmel und Beine haben. Anzüge mit kurzen Armen und Beinen werden Shorty genannt. In tropischen Gewässern soll der Anzug nicht nur vor Unterkühlung schützen, sondern dient auch als physischer Schutz (beispielsweise vor Nesseltieren). als Einteiler mit einer Neoprenstärke zwischen 4 und 8 mm. Dieser Anzug hat lange Ärmel und Beine sowie meistens eine angesetzte Kopfhaube. Beim Tauchen in kühleren Gewässern kann er mit einer Neoprenweste ergänzt werden, die den Rumpf des Tauchers mit einer zusätzlichen Neoprenschicht warmhält. als Zweiteiler, bestehend aus einer langen, hochgeschnittenen oder Trägerhose (genannt „Long John“) und einer langärmligen Jacke meist mit angesetzter Kopfhaube – beides mit einer Materialstärke zwischen 5 und 8 mm. Am Rumpf des Tauchers liegen immer zwei Neoprenschichten übereinander, so dass dieser Anzug vor allem für kühlere Gewässer geeignet ist.
Die Vorteile von Nassanzügen sind die relativ geringen Anschaffungskosten und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten sowohl in tropischen als auch in kühleren Gewässern. Der wichtigste Nachteil ist, dass sich auch in gut sitzenden Anzügen die Wasserzirkulation nie ganz unterbinden lässt. Nassanzüge sind für das Kaltwassertauchen nur bedingt geeignet.
Die Neoprenstärke des Anzugs hat Einfluss auf das Tarieren, da dickeres Material mehr statischen Auftrieb erzeugt. Dieser Auftrieb muss mit Bleigewichten kompensiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass das Neopren selbst durch den mit der Tiefe zunehmenden Wasserdruck verdichtet wird, so dass sich der Auftrieb mit zunehmendem Umgebungsdruck – also zunehmender Wassertiefe – verringert. Da das Gewicht des Bleis konstant bleibt, nimmt dann der Abtrieb mit zunehmender Tiefe zu, was durch Tarierfunktionen (Tarierweste, -jacket) kompensiert werden muss.
Nassanzüge werden als Surfanzug auch von Wellenreitern, Kitesurfern, Windsurfern, Wasserskifahrern und bei Bedarf als Schwimmanzug auch von Schwimmern, Triathleten und bei Wassersprüngen auch beim Fallschirmspringen getragen. Nassanzüge für den Tauchsport sind jedoch so konstruiert, dass das Neopren von Nasstauchanzügen auch bei erhöhtem Umgebungsdruck nicht wesentlich an thermischem Isolationsvermögen einbüßt. Bei Neoprenanzügen für Oberflächen-Wassersportarten ist dies nicht zwingend der Fall.
Halbtrockenanzug Der Halbtrockenanzug ist ein einteiliger Nassanzug aus Neopren mit einer Stärke zwischen 5 und 8 mm. An den Ärmeln, an den Füßen und am Gesicht oder Hals besitzt er einfache oder doppelte Dichtmanschetten aus Neopren, die den Wasseraustausch (Zirkulation) verringern, sowie einen wasser- oder gasdichten Reißverschluss. Die Wärmedämmung wird wie beim normalen Nassanzug vom Neopren übernommen. Der Halbtrockenanzug liegt eng am Körper an und kann nicht wie der Trockenanzug zum Tarieren mit Luft gefüllt werden. Der Vorteil des Halbtrockenanzugs ist die gegenüber dem normalen Nassanzug verbesserte Wärmedämmung, die durch den geringeren Wasseraustausch und somit geringere Konvektion entsteht, wodurch er besser zum Kaltwassertauchen (bis hin zum Eistauchen) geeignet ist. Nachteilhaft ist der üblicherweise höhere Preis.
Heißwasseranzug Der Heißwasseranzug (im Sprachraum der Schweiz auch Heisswasseranzug) ist ein Nassanzug, der ausschließlich von Berufstauchern genutzt wird, die mit einem Helmtauchgerät und von der Oberfläche mit Schläuchen und Kabel versorgt werden. (englisch), B. Mekjavić, F.S. Golden, M. Eglin, M.J. Tipton: Undersea Hyperb Med. Ausgabe 3/2001, S. 149–155, zugegriffen: 30. Januar 2012. https://www.researchgate.net/profile/Mike-Tipton/publication/11307762_Thermal_status_of_saturation_divers_during_operational_dives_in_the_North_Sea/links/5569bd1c08aeab77722124c5/Thermal-status-of-saturation-divers-during-operational-dives-in-the-North-Sea.pdf Ein isolierter Schlauch führt das heiße Wasser von der Oberfläche zum Taucher. Dort kann der Taucher mit einem Ventil, das er üblicherweise an seiner Hüfte befestigt, den Zufluss des heißen Wassers wie bei einem Heizkörper regulieren., HDS Deutschland, zugegriffen: 30. Januar 2012. Der Heißwasseranzug ist normalerweise ein nicht eng anliegender Neopren-Nassanzug, in den Schläuche für die Verteilung des heißen Wassers eingearbeitet sind. Über die offenen Ärmel- und die Bein-Abschlüsse wird das warme Wasser an die Umgebung abgegeben.
Heißwasseranzüge werden oft bei sehr tiefen Tauchgängen mit Trimix eingesetzt. Der in Trimix enthaltene hohe Helium-Anteil führt viel effektiver – durch Konvektion in der Lunge – beim Atmen Wärme ab, als dies bei Luft oder Nitrox der Fall ist. Der Heißwasseranzug kann deshalb beispielsweise für Unterwasserarbeiter überlebenswichtig sein. Wird die Heißwasserzufuhr unterbrochen, kann ein Taucher unter extremen Bedingungen (große Tiefe, langer Tauchgang und niedrige Temperatur) innerhalb Minuten an Unterkühlung sterben.
Trockenanzug Der Trockenanzug oder Trockentauchanzug, im deutschen Taucher-Jargon auch als „Trocki“ bezeichnet, ist ein einteiliger Anzug aus wasser- und gasdichtem Material. Heute handelt es sich dabei um Trilaminat-Membranen aus synthetischen Kunststoffen oder um Neopren. Der Vorteil des Trockenanzuges ist, dass der Taucher kaum mit Wasser in Berührung kommt und bei entsprechender Füllung mit einem Isolationsgas im Anzug besser vor Kälte geschützt ist als in anderen Tauchanzügen. Der Trockenanzug wird meist am Hals und Handgelenk mit einer Manschette abgedichtet. Für den Ein- und Ausstieg besitzt er am Rücken oder an der Brust einen wasser- und gasdichten Reißverschluss. Die Wärmeisolation im Trockenanzug wird hauptsächlich durch ein Isolationsgas (meist Luft, seltener Argon) hergestellt, mit dem der Anzug aufgeblasen wird. Zusätzlich wird unter dem Anzug eine textile Kälteschutzbekleidung getragen.
Der Trockenanzug wird auch beim Schnorcheln, Surfen, Rafting und beim Segeln in sehr unruhigen kalten Gewässern benutzt, wobei diese Anzüge keine Ventile für die Tarierung aufweisen.
Membran-Trockentauchanzug mini|hochkant|Membran-Trockentauchanzug mit Kopfhaube