mini|Luftgekühlter Deutz-Motor in einem Magirus-Deutz-Lastwagen Das ist eine Liste der Deutz-Motoren, also der von dem Kölner Unternehmen Deutz gebauten Motoren.

Allgemeines Die Deutz AG ist seit ihrer Gründung ein bedeutender Hersteller von Verbrennungsmotoren. Sie wurde 1864 unter dem Namen N. A. Otto & Cie in Köln gegründet. Daraus entstand 1872 die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG. Weitere Umfirmierungen waren 1930 Humboldt-Deutzmotoren AG, 1938 Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) und schließlich 1997 Deutz AG. Ende 1921 bildete Deutz eine Interessengemeinschaft mit der Motorenfabrik Oberursel (faktisch übernahm Deutz die Geschäftsführung) und fusionierte 1930 mit ihr. Deutz produzierte spätestens ab etwa 1950 Dieselmotoren auch in Ulm, und nahm dort 1967 ein neues Motorenwerk in Betrieb, eröffnete 1970 das Großmotoren-Werk in Voerde (Niederrhein) und übernahm 1985 die Motorenwerke Mannheim (MWM). 1986 konzentrierte Deutz den Bau von Großmotoren im Werk Mannheim (ehemals MWM) und schloss das Werk in Voerde. Das Werk Oberursel, in dem seit den 1950er Jahren Turbinen-Strahltriebwerke und -Wellenleistungstriebwerke produziert wurden, ging 1990 in den Besitz eines Joint Ventures von BMW und der Rolls-Royce Group über, das später in die Rolls-Royce Deutschland Ltd & Co KG integriert wurde. Motorenwerke besaß Deutz danach noch in Köln, Ulm, Mannheim und im spanischen Zafra (ehemals MWM). 1993 wurde ein neues Motorenwerk in Köln-Porz in Betrieb genommen. Das Mannheimer Werk wurde 2007 verkauft. Es firmierte schon seit 2005 als Deutz Power Systems, 2008 dann als MWM GmbH und ab Ende 2013 als Caterpillar Energy Solutions GmbH.

Deutz produzierte von 1867 bis 1882 atmosphärische Gasmotoren (ursprünglich atmosphärische Gaskraft-Maschinen genannt), eine Entwicklung der Firmengründer Nicolaus August Otto und Eugen Langen. 1876 stellte Otto nach jahrelanger Vorarbeit den wahrscheinlich weltweit ersten Viertakt-Gas-Ottomotor fertig, und Wilhelm Maybach machte diese Motorbauart unter der Leitung von Gottlieb Daimler produktionsreif, die beide von 1872 bis 1882 bei Deutz arbeiteten. Danach wurden Gasmotoren von Deutz fast ständig weiterentwickelt und hergestellt. Zusätzlich entwickelte und baute Deutz seit 1885 auch Viertakt-Ottomotoren für flüssige Kraftstoffe. Am wichtigsten wurde für Deutz jedoch der Bau von Viertakt-Dieselmotoren, zunächst ab 1897 einige wenige nach Diesel-Lizenz und dann ab 1907 Eigenentwicklungen in Serie. Zeitweise wurden auch Zweitakt-Dieselmotoren gebaut. Besonders bekannt wurden die luftgekühlten Viertakt-Dieselmotoren von Deutz, die ab 1944 hergestellt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie weiterentwickelt und ab 1949 in großen Stückzahlen produziert. Seit etwa 1990 stehen bei Deutz wieder flüssigkeitsgekühlte Viertakt-Dieselmotoren auch bei Leistungen bis 370 kW im Vordergrund; als Erstes gab es bereits seit 1988 für einige Jahre einige Motoren mit Ölkühlung.

Die in den ersten etwa 25 Jahren von Deutz gebauten Motoren waren alle Stationärmotoren. Sie dienten zum Antrieb stationärer Maschinen und zur Stromerzeugung. Seit 1892 kamen Motoren für mobile Einsatzzwecke hinzu, insbesondere als Antriebsmotoren für Lokomotiven, Triebwagen und Schiffe, später auch für Traktoren, Lastkraftwagen (LKW), Omnibusse, Baumaschinen, Landmaschinen und ähnliches. Von 1907 bis 1912 stellte Deutz auch – von Ettore Bugatti entwickelte – Motoren für (Deutz-)Personenkraftwagen (PKW) her. Im Zweiten Weltkrieg befasste man sich sogar mit der Entwicklung von Flugmotoren, nachdem schon im Ersten Weltkrieg ein Flugmotoren-Typ in Lizenz hergestellt worden war.

Ursprünglich um den Absatz seiner Motoren zu fördern, nahm Deutz 1896 die Serienproduktion von Lokomotiven auf und 1926 auch die von Traktoren (siehe Deutz-Fahr) und übernahm 1936 den LKW- und Omnibus-Hersteller Magirus in Ulm (siehe Magirus-Deutz). Der Lokomotivbau wurde 1970 eingestellt. Die LKW- und Omnibus-Sparte wurde 1975 in die Firma Iveco eingebracht, wo LKW und Busse mit Deutz-Motoren unter dem Namen Iveco Magirus noch eine Zeit lang gebaut wurden. Die Traktoren-Sparte wurde 1995 an die italienische Firma SAME verkauft, die sich bald darauf in SAME Deutz-Fahr umbenannte und weiterhin Traktoren der Marke „Deutz-Fahr“ herstellt. Deutz liefert und lizenziert seit Ende der 1920er Jahre aber auch Motoren für Traktoren, LKW und Busse und andere Einsatzzwecke an viele Fremdfirmen; Traktor-Motoren zum Beispiel an die Firma Fendt von 1929 bis 1951 und ab 1983 an die Firma Eicher von 1936 bis mindestens 1955 an die Firma Fahr von 1938 bis mindestens 1955 an die Firma Kramer von 1939 bis 1975 an die Firma SAME Deutz-Fahr ab 1995 (nachdem SAME die Traktoren-Sparte von Deutz übernommen hatte) und LKW-/Bus-Motoren zum Beispiel (Lizenz) an den Schweizer LKW-Hersteller Berna von 1929 bis in die 1930er Jahre an die Firma FAUN von 1933 bis in die 1980er Jahre (Lizenz) an den jugoslawischen LKW-Hersteller TAM von 1957 bis in die 1990er Jahre und an Volvo (mit den Marken Volvo und Renault) von 2006 bis 2013 nach Vertrag von 1998

Seit 2002 werden auch an chinesische Firmen Lizenzen vergeben, und seit 2006 gibt es ein Joint Venture mit der chinesischen Firma FAW Jiefang. Nach dem aktuellen Produktprogramm (2018) sind Baumaschinen derzeit anscheinend der größte Anwendungsbereich von Deutz-Motoren.

Einzelnachweise ([Literatur-Kürzel] in eckigen Klammern sind im Abschnitt Literatur erläutert):

Deutz-Chronik unter jeweiliger Jahreszahl in Website der Deutz AG, abgerufen am 7. Januar 2018 [Hujer: Oberursel] S. 160 [Goldbeck: Deutz] S. 246 [Tode, Hölscher, John: Deutz] S. 154/155 [Tode, Hölscher, John: Deutz] S. 169 [Sass: Geschichte] S. 25 ff, 54 [Sass: Geschichte] S. 43 ff; derartige Motoren wurden allerdings erst viel später als „Ottomotoren“ bezeichnet (siehe Deutz-Chronik 1936, 1946, 1958) [Sass: Geschichte] S. 45, 55/56 [Zacharias: Gas] S. 331; aktuell (2018) die Motoren der Baureihe G (siehe heutige Deutz-Motoren) [Sass: Geschichte] S. 155 ff, 249 ff, 255 ff, 259 ff; [Matschoss: Deutz-Geschichte] S. 102; siehe auch Abschnitt Überblick und Typbezeichnungen; aktuell (2018) die Motoren der Baureihen TCD (siehe heutige Deutz-Motoren) [Sass: Geschichte] S. 581 ff, 592 ff; siehe außerdem Abschnitt Überblick und Typbezeichnungen Siehe die „klassischen“ Bauarten OM, PM und TM in Abschnitt Überblick und Typbezeichnungen Siehe die „klassische“ Bauart AL/FL in Abschnitt Überblick und Typbezeichnungen; aktuell (2018) die Motoren der Baureihen FL, die allerdings nur noch für Märkte ohne strenge Emissionsregulierung angeboten werden (siehe heutige Deutz-Motoren Gesamtliste, nicht unter "Baureihen") [Matschoss: Deutz-Geschichte] S. 110 [von Gersdorff et al.: Flug] S. 27 [von Gersdorff et al.: Flug] S. 145, 152/153 [Matschoss: Deutz-Geschichte] S. 118 [Gebhardt: Traktor] S. 139, 140–144, 547, S. 551 ff [Gebhardt: Traktor] S. 102, 537 [Gebhardt: Traktor] S. 126, 544/545 [Gebhardt: Traktor] S. 261, 584/585 [Gebhardt: Traktor] S. 529 ff (unter Deutz-Schlepper) [Sahli: Berna] S. 85 [Gebhardt: FAUN] S. 192 ff [Dünnebier: LKW] S. 73 ff [Lastauto-Omnibus-Katalog] 2007 S. 46/47 und 58/59 (neue, mit Deutz zusammen entwickelte Motoren bei Renault und Volvo), 2014 S. 50 und 58 (Ablösung dieser Motoren bei Renault und Volvo; die neuen gibt es bei Deutz nicht, siehe heutige Deutz-Motoren) heutige Deutz-Motoren

Überblick und Typbezeichnungen Atmosphärische Gasmotoren 1866 bis 1882 Diese Motoren wurden in verschiedenen Größen gebaut. Sie leisteten je nach Größe ¼ (0,25) bis 3 PS und wurden nach ihrer PS-Zahl benannt. Von 1866 bis 1882 stellte Deutz 2647 Stück her. Zusätzlich wurden noch etwa 2300 von Lizenznehmern gebaut.

Einzelnachweise ([Literatur-Kürzel] in eckigen Klammern sind im Abschnitt Literatur erläutert): [Matschoss: Deutz-Geschichte] S. 41; [Zacharias: Gas] S. 26 [Sass: Geschichte] S. 54 [Zacharias: Gas] S. 26

Erste Viertakter ab 1876: „Buchstaben-Typen“ (A, B, C, …) Die Motoren-Typen dieses Zeitabschnitts werden mit Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge bezeichnet, beginnend mit A (Ausnahme DW, siehe unten). Weiterentwickelte Versionen einer Type bekommen einen zweiten Buchstaben oder eine Nummer dazu, zum Beispiel EV und E3. Bei Weiterentwicklungen innerhalb einer Version wird intern noch eine römische Zahl angehängt, zum Beispiel E3II. Innerhalb einer Type werden meist Motoren verschiedener Größe und Leistung hergestellt. Diese Untertypen werden nach ihrer Nennleistung in PS benannt: Beispielsweise bezeichnet E3/8 einen 8-PS-Motor der Version 3 der Type E. Später wurden die Untertypen anscheinend mit Kleinbuchstaben an Stelle der PS-Zahl unterschieden; z. B. ist E12/e ein 8-PS-Motor der Version 12 der Type E.

Zuerst wurden nur Gasmotoren gefertigt. Seit 1885/86 und 1891/92 kamen mit wachsendem Anteil Benzin- bzw. Petroleummotoren hinzu; ihre Bezeichnungen wurden durch ein nachgestelltes B bzw. P gekennzeichnet, zum Beispiel gab es von der Type E die Varianten EB für Benzin und EP für Petroleum und von der Version E3 die entsprechenden Varianten E3B und E3P.

Von 1897 bis 1899 baute Deutz seine ersten Dieselmotoren (Typen V, W und X), damals noch nach originaler Diesel-Lizenz; sie wurden aber nicht in Serie hergestellt.

Typen: Type A ab 1876: Viertakt-Gas-Ottomotoren, liegende Einzylinder mit Kreuzkopf, anfangs 1/6 (0,17) bis 20 PS, ab 1879/80 bis 50 PS; Variante AB ab 1885 für Benzin, 1 bis 8 PS; mindestens 8000 Gasmotoren (A) und etwa 350 Benzinmotoren (AB) gebaut Type Azw („A-Zwilling“) ab 1879/80: Viertakt-Gas-Ottomotoren, liegende Zweizylinder mit Kreuzkopf, 60 bis 100 PS Type B ab 1883/84 (Nachfolger von Azw): Viertakt-Gas-Ottomotoren, liegende Zweizylinder mit Kreuzkopf Type (Bezeichnung nicht bekannt) ab 1884/85: Viertakt-Gas-Ottomotoren, kleinere stehende Einzylinder mit Tauchkolben, Kurbelwelle unter Zylinder, 1/3 (0,33) PS; wohl nur wenige gebaut Type (Bezeichnung nicht bekannt, oder mit B bezeichnet?) etwa gleichzeitig: Viertakt-Gas-Ottomotoren, kleinere stehende Einzylinder mit Tauchkolben, Kurbelwelle über Zylinder, 1 und 2 PS; 150 Stück gebaut Type C ab etwa 1885/86 (vermutlich Nachfolger der vorherigen Type): Viertakt-Gas-Ottomotoren, kleinere stehende Einzylinder mit Tauchkolben, Kurbelwelle über Zylinder („Bockmotoren“), ½ (0,5) bis 8 PS; mehrere hundert Stück gebaut Type D ab 1889/90 (Nachfolger von C), weiterentwickelte Versionen DV ab 1891, DM ab 1892/93 (neben D2), D2 ab 1894, D3, D4: Viertakt-Gas-Ottomotoren, kleinere stehende Einzylinder mit Tauchkolben, Kurbelwelle über Zylinder; mehrere tausend Stück gebaut; auch Varianten für flüssige Treibstoffe Type E ab 1889/90, weiterentwickelte Versionen wie EV ab 1891, E3 ab 1894: Viertakt-Gas-Ottomotoren, liegende Ein- und Zweizylinder mit Tauchkolben, E als Einzylinder bis 12 PS, E3 als Einzylinder 1 bis 30 PS; Varianten EB ab 1890/91, E3B ab 1895 und E4B ab 1898 für Benzin und EP ab 1891/92, E3P ab 1896, E4P ab 1898/99 und E12P ab 1904 für Petroleum, z. B. EP und E3P als Einzylinder 1 bis 20 PS, E4P als Einzylinder 1 bis 30 PS, E4B als Einzylinder 1 bis 35 PS, als Zweizylinder 40 bis 70 PS Type F ab 1889/90 (Nachfolger von B): Viertakt-Gas-Ottomotoren, liegende Zweizylinder Type G ab 1891/92, weiterentwickelte Versionen wie G6 ab 1897 bis G10 (1908): Viertakt-Gas-Ottomotoren, große liegende Ein- und Zweizylinder und Vierzylinder (mit je 2 gegenüberliegenden Zylindern, Kurbelwelle in der Mitte), anfangs als Einzylinder mit 30 bis 125 PS, ab 1898 auch Vierzylinder bis 1000 PS; insgesamt über 500 Stück gebaut Type H ab 1892: Viertakt-Gas- (H) bzw. -Petroleum-Ottomotoren (HP), stehende Ein- und Zweizylinder mit Tauchkolben, Kurbelwelle unter Zylinder; bis 1900 vom HP etwa 650 Stück gebaut, vom H nur einige wenige Type K (= KV) ab 1891 (Nachfolger von A), weiterentwickelte Version K2 ab 1894: Viertakt-Gas-Ottomotoren, liegende Einzylinder mit Kreuzkopf, 1 bis 16 PS