Der Maji-Maji-Aufstand (auch Maji-Maji-Krieg) von 1905 bis 1907 war eine Erhebung der afrikanischen Bevölkerung im Süden Deutsch-Ostafrikas gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Zugleich gilt er als einer der größten Kolonialkriege in der Geschichte des afrikanischen Kontinents.

Der Maji-Maji-Krieg zeichnete sich durch eine breite Allianz zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen und seine Ausbreitung über ein Gebiet von der Größe Deutschlands aus.

Ursachen für den Aufstand waren das repressive koloniale System und die Ausschaltung der einheimischen Wirtschaft. Der religiöse Maji-Maji-Kult spielte eine wichtige Rolle für die Mobilisierung der afrikanischen Bevölkerung. Der Maji-Maji-Kult ermutigte die Aufständischen, sich über ethnische Grenzen hinweg zu verbünden und sich gegen die militärisch weit überlegene deutsche Kolonialmacht zu wenden.

Der Maji-Maji-Krieg endete für die afrikanische Bevölkerung mit einer verheerenden Niederlage.

Deutsch-Ostafrika vor der Erhebung Gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen Weite Teile Südtansanias, der Region zwischen Malawisee, dem Rufiji im Norden, dem Ruvuma im Süden und dem Indischen Ozean, waren bis ins 17. Jahrhundert hinein vermutlich kaum besiedelt. Im 18. Jahrhundert kam es durch die Entwicklungen im südlichen Afrika zu einer verstärkten Einwanderung bantusprachiger Völker. Im Gegensatz zu den Ngoni waren die anderen Völkergruppen der Region nicht zentralisiert, sondern in kleinen Gemeinschaften organisiert, die sich in der Regel um einen starken Chief gruppierten. Untereinander gingen diese Gemeinschaften auch Allianzen ein, etwa zur Verteidigung oder im Handel.Jigal Beez: Karawanen und Kurzspeere. Die vorkoloniale Zeit im heutigen Südtansania. Veröffentlicht in: Becker & Beez: Maji-Maji-Krieg. Christoph Links Verlag. Berlin. 2005. S. 17–27, S. 18–21.

Im 19. Jahrhundert wanderten schließlich die Ngoni ein, die durch eine überlegene militärische Bewaffnung und Kampftechnik ein großes Einflussgebiet aufbauen konnten, indem sie bereits ansässige Völker integrierten oder tributpflichtig machten. Die Auseinandersetzungen um Land, Menschen und Einfluss in der Region nahmen zu. Um gegen die Ngoni zu bestehen, übernahmen viele Gruppen deren militärische Taktiken und zentralisierten sich, um stehende Heere zur Verteidigung aufbauen zu können.

Ein Faktor, der zusätzlich zu größeren kriegerischen Auseinandersetzungen führte, war der im 19. Jahrhundert einsetzende Handelsboom mit Elfenbein, der große Profite abwerfen konnte. Die Handelsrouten zogen sich von der Küste quer durch den Süden nach Portugiesisch-Mosambik und zum Nyassa-See, als Kommunikationswege sorgten sie für einen Austausch zwischen Menschen vieler Regionen, Sprachgruppen und Ethnien. Mit Hilfe von Feuerwaffen formierten sich militärisch organisierte kleine Gesellschaften, die Sklaven und Elfenbein in den Handel einspeisten und dadurch immer mächtiger wurden. Der Handel förderte auch Kontakte zwischen den Küstenregionen Ostafrikas, von wo das Elfenbein verkauft und verschifft wurde. Die Kontakte beschränkten sich nicht auf den Austausch von Waren, sondern auch auf Ideen, insbesondere auf religiöse Vorstellungen. Sklaven aus dem Süden gelangten zur Küste und beeinflussten dort den Islam, der Islam gelangte als Religion der Küstenbewohner ins Inland und gab den einheimischen Religionen neue Impulse.Jigal Beez, Karawanen und Kurzspeere. Die vorkoloniale Zeit im heutigen Südtansania, in: Becker & Beez: Maji-Maji-Krieg. Christoph Links Verlag. Berlin. 2005. S. 17–27, S. 24–27.

Deutsche Kolonialpolitik

Trotz ihres formal bereits fast zwei Jahrzehnte dauernden Bestehens hatte sich die deutsche Herrschaft in Ostafrika am Vorabend der Erhebung nur punktuell etabliert. Die erste Phase der kolonialen Machtübernahme war durch die Aktivitäten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG) bestimmt. Diese hatte sich vorrangig auf Expeditionen und das Abschließen von Schutzverträgen mit einheimischen Oberhäuptern beschränkt. Personell wie finanziell war die DOAG kaum in der Lage, das riesige, unter „Schutz“ stehende Gebiet zu kontrollieren oder gar eine Verwaltung zu etablieren.

Militärische Eroberung Mit dem Aufstand der ostafrikanischen Küstenbevölkerung 1888 wurde endgültig deutlich, dass die DOAG, deren Interessen in erster Linie auf dem Gebiet des Handels lagen, sich übernommen hatte. Sie wandte sich an das Reich um Unterstützung. Bismarck, der den kolonialen Unternehmungen lange ablehnend gegenübergestanden hatte, fürchtete einen Prestigeverlust und warb beim Reichstag um Finanzen für die militärische Ausrüstung zur Niederschlagung des sogenannten „Araberaufstandes“. Mit den bewilligten zwei Millionen Mark entstand die sogenannte „Wissmann-Truppe“, eine Eingreiftruppe aus mehreren Dutzend deutschen Offizieren und Unteroffizieren, 600 sudanesischen Söldnern und 400 Mosambikanern unter dem Kommandeur Hermann Wissmann.John Iliffe: A Modern History of Tanganyika. Cambridge 1979, S. 95. mini|hochkant|Gustav Adolf von Götzen, Gouverneur Deutsch-Ostafrikas von 1901 bis 1905 Die Wissmann-Truppe schlug im Laufe der nächsten fünfzehn Monate den Aufstand an der Küste nieder, und Wissmann etablierte sich bei anschließenden Kämpfen am Kilimandscharo und in Zentraltansania als der militärische Arm des kolonialen Vorhabens, indem er wichtige Teile der Karawanenrouten unter seine Kontrolle brachte. Nachdem im Januar 1891 das Gebiet von der DOAG an das Reich übergegangen war, wurde aus der Wissmann-Truppe die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. Im Laufe des Jahrzehnts war die Schutztruppe, nun unter Leitung Emil von Zelewskis, vor allem mit der Zerschlagung des Widerstandes beschäftigt, der sich im Süden der Region unter den Hehe mit ihrem Oberhaupt Chief Mkwawa formiert hatte.Reinhard Klein-Arendt: Ein Land wird gewaltsam in Besitz genommen. Die Kolonie Deutsch-Ostafrika. In: Becker & Beez, S. 28–48, S. 33–35.

Verwaltung Die Verwaltung des Gebietes ging nur schrittweise in eine zivile Form über. Die Oberhäupter der 24 Bezirke, in die das Land eingeteilt wurde, waren zum großen Teil Militärangehörige und wurden nur allmählich von Zivilpersonen übernommen. Ein Bezirksamtmann hatte die juristische Gewalt, ihm waren Militär und Polizei zugeteilt, die seine Macht durchsetzen sollten. Das begünstigte eine oft völlig willkürliche Form der Herrschaft, da eine zentrale Kontrolle durch die Größe des Landes und die langen Kommunikationswege unmöglich war. Den Bezirksamtmännern unterstellt waren die Akiden, die den Akidaten vorstanden, in die ein Bezirk eingeteilt war. Die Akiden waren in der Regel Einheimische, die mit der kolonialen Verwaltung zusammenarbeiteten. Häufig profitierten sie von dieser Kooperation mit den neuen Machthabern.

Die deutschen Beamten und Militärangehörigen herrschten mit repressiven Maßnahmen, körperliche Gewalt war an der Tagesordnung. Auch die Askaris, wie die afrikanischen Soldaten der Schutztruppe hießen, übten ihre Macht mit brutaler Gewalt gegenüber der übrigen ostafrikanischen Bevölkerung aus. 1898 wurde die so genannte Hüttensteuer eingeführt, die in monetärer Form, ein Jahr später auch als Arbeitsleistung erbracht werden konnte.Patrick Krajekski, Dampfer und Dhaus, S. 55. Die Steuer wurde zum Symbol, an der sich die koloniale Macht manifestierte. Bei Weigerungen wurde die Eintreibung der Steuer durch die Askari durchgesetzt, was häufig mit Waffengewalt, Auspeitschungen, Freiheitsentzug, Zwangsarbeit, Raub, der Konfiszierung des Viehs und Vergewaltigung verbunden war.

Wirtschaft und Handel mini|Ein weißer Pflanzer vor seinem Haus in Deutsch-Ostafrika Auch auf den wenigen entstehenden landwirtschaftlichen Besitzungen von Europäern herrschte ein Willkürregime. Ähnlich wie die Verwaltungsposten waren auch die Farmen und Plantagen eigenständige Machtbereiche, in denen der Landbesitzer wie ein absolutistischer Herrscher walten konnte. Ihr Bedarf an Arbeitskräften wurde von der Kolonialverwaltung durch die Steuerpflicht unterstützt – afrikanische Arbeiter mussten, um ihre Steuern zu zahlen, Geld verdienen. Arbeitsrechtlich waren körperliche Züchtigungen Teil des Strafkatalogs, Prügel, Nahrungsentzug und lange Arbeitszeiten waren an der Tagesordnung. Viele Siedler unterhielten daneben eine Privatarmee, die für ihre Sicherheit sorgen sollte.Detlef Bald: Deutsch-Ostafrika, 1900–1914. Eine Studie über Verwaltung, Interessengruppen und wirtschaftliche Erschließung. München 1970, S. 63, 127–128.Patrick Krajewski: Dampfer und Dhaus. Küstenhandel und Landwirtschaft vor dem Krieg (1890–1905). Veröffentlicht in: Becker & Beez: Der Maji-Maji-Krieg. Christoph Links Verlag. Berlin. 2005. S. 49–58, S. 49.

Mit der Amtseinsetzung Graf von Götzens als Gouverneur im März 1901 verschärfte sich die Lage. Eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen sollte dafür sorgen, dass zum einen den europäischen Siedlern beständig genug Arbeitskräfte zur Verfügung standen, zum anderen die Kolonie Gewinn abwarf oder wenigstens die eigenen Kosten deckte. Nach einer Verordnung von 1902 mussten Dörfer eine gemeinsame Plantage, die so genannte Kommunalshamba (Shamba = swahili für Feld) anlegen, auf der Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Die Gewinne sollten zur Hälfte abgeführt und zur Hälfte in die Kassen der Kommunen fließen. Tatsächlich kamen diese in den afrikanischen Dörfern oft erst sehr verspätet oder gar nicht an. Dieses System wurde vor allem im Süden der Kolonie sehr verbreitet. Zumeist mussten die Dorfbewohner auf den Kommunalshamben Baumwolle anbauen. Jeder Mann, der nicht bei einem Europäer arbeitete, musste 24 Tage im Jahr auf diesem Feld arbeiten, was dazu führte, dass die eigenen Felder durch die fehlenden Arbeitskräfte vernachlässigt waren.Iliffe, Modern History, S. 68.Winfried Speitkamp, Kleine Geschichte Afrikas, Stuttgart 2007, S. 220.

Darüber hinaus erließ Götzen 1903 eine Jagd- und Wildschutzverordnung, die zahlreiche Jagdaktivitäten, die Bestandteil der einheimischen Wirtschaftssysteme waren, unter empfindliche Geld- und Haftstrafen stellte. Eine Steuer machte Pombe, eine Art selbstgebrautes Bier, die ein wichtiger ritueller Teil des Alltags war, abgabepflichtig. Zudem erfolgte ab 1904 eine Entwaffnung der einheimischen Bevölkerung in weiten Teilen der Kolonie.

1905 folgte der wohl drastischste Einschnitt: Im März erklärte eine neue Steuerverordnung eine Kopfsteuer von drei Rupien für einen erwachsenen Mann als zulässig. Gegenüber der vorherigen Hüttensteuer war das eine drastische Erhöhung, zudem durfte die Steuer von jetzt ab nur noch in Geld bezahlt werden. Zugleich trat eine Verordnung in Kraft, nach der Afrikaner unentgeltlich zu öffentlichen Arbeiten beim Wegebau und Ähnlichem herangezogen werden konnten. Zusätzlich ging eine anhaltende Landaneignung für ausgedehnte europäische Plantagen einher, auf denen Exportprodukte wie Sisal, Baumwolle, Kautschuk und Kaffee angebaut werden sollten und bereits angebaut waren.

Der Krieg gegen die Kolonialmacht

Der religiöse Hintergrund des Krieges