mini|Jutta Limbach (2003) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.7|Unterschrift Jutta Limbach deutsche Rechtswissenschaftlerin und Politikerin (SPD) Jutta Limbach, geborene Jutta Ryneck (* 27. März 1934 in Berlin-Neukölln; † 10. September 2016 in Berlin), war eine deutsche Rechtswissenschaftlerin sowie Professorin an der Freien Universität Berlin, Politikerin (SPD) und Berliner Justizsenatorin. Von 1994 bis 2002 war sie Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und von 2002 bis 2008 Präsidentin des Goethe-Instituts.
Leben Jutta Rynecks Großmutter Elfriede Ryneck war Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und Reichstagsabgeordnete für die SPD, ihr Vater Erich Ryneck (1899–1976) war ebenfalls Sozialdemokrat und von 1946 bis 1948 Bürgermeister des Ostberliner Bezirks Pankow, bevor er mit seiner Familie nach West-Berlin umzog und sein Amt niederlegte.Susanne Höll: Pauline im Keller. In: Süddeutsche Zeitung, 18. Mai 2013. Sie besuchte die Mädchenoberschule und war Schulsprecherin. Das Jurastudium schloss sie 1958 mit dem 1. Staatsexamen, das Referendariat 1962 mit dem 2. Staatsexamen ab. In diesem Jahr trat sie der SPD bei. Von 1963 bis 1966 war sie Akademische Rätin am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin. 1966 wurde sie dort mit einer Arbeit über die Theorie und Wirklichkeit der GmbH zum Doktor der Rechte promoviert. Ihr Doktorvater war der Jurist und Rechtssoziologe Ernst Eduard Hirsch.
mini|hochkant=0.4|links|Grabstätte Im Jahr 1971 erfolgte ihre Habilitation mit einer Arbeit über Das gesellschaftliche Handeln, Denken und Wissen im Richterspruch.
1972 nahm Limbach einen Ruf auf eine Professur für Zivilrecht an der Freien Universität Berlin an. 1982 war sie Gastprofessorin in Bremen. Sie war unter anderem im Beirat des Vereins Kontakte-Контакты e. V. – Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion (Berlin) ehrenamtlich tätig.
Sie war mit dem Juristen Peter Limbach verheiratet und hatte drei Kinder, darunter den JuristenJustiz-Online: . und Justizminister von Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II, Benjamin Limbach. Die Urne Limbachs wurde im engsten Familienkreis auf dem Waldfriedhof Zehlendorf bestattet.
Leistungen 1987 bis 1989 gehörte sie als Mitglied dem Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an. Ab 1987 war Limbach Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gesetzgebung und zuletzt Mitglied des Beirats. In den Jahren 1992 und 1993 war sie Mitglied der Gemeinsamen Verfassungskommission des Bundesrats und Deutschen Bundestages.
Nach dem Wahlsieg von Walter Momper bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 1989 wurde sie zur Senatorin für Justiz in Berlin berufen. Dieses Amt hatte sie bis 1994 inne. Gleich nach ihrem Amtsantritt musste sie sich mit Hungerstreiks von inhaftierten Terroristen der Roten Armee Fraktion auseinandersetzen. Durch ihre Position der Verständigung – sie traf zwei inhaftierte Frauen zum Gespräch – trug sie maßgeblich zur Beilegung bei.Eva Marie von Münch: … danke für den Beistand. Die Berliner Justizsenatorin plädiert für Hilfe statt Strafe. In: Die Zeit, Nr. 24/1989. Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR hatte sie die Aufsicht über die Strafverfolgung der früheren DDR-Staatsspitze wegen des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze.
Im März 1994 wurde sie zunächst zur Vizepräsidentin des Bundesverfassungsgerichts und Vorsitzenden des Zweiten Senats berufen; noch im selben Jahr wurde sie vom Bundestag10.5 Bundestag und Bundesverfassungsgericht. Wahlen der Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts (Stand: 11. Dezember 2013) (PDF; 555 kB) Deutscher Bundestag, S. 41; abgerufen am 14. Februar 2016. als Nachfolgerin von Roman Herzog zur Präsidentin des Gerichts ernannt. An der Spitze des Bundesverfassungsgerichts stand sie bis zum Erreichen der Altersgrenze 2002 mit 68 Jahren (§ 4 Abs. 3 BVerfGG).
Von 2002 bis 2008 war sie Präsidentin des Goethe-Instituts.
Seit 2003 war Limbach Vorsitzende der Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz („Limbach-Kommission“), die sich nach eigenem Verständnis als „vollkommen unabhängig“ agierendes „reines Beratungsgremium“ mit der Restitution von Raubkunst befasst., lostart.de, abgerufen am 10. April 2013.
Sie war Mitglied im Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und bis 2007 Vorsitzende des Deutschen Sprachrats, in dessen Auftrag sie das Buch Ausgewanderte Wörter herausgegeben hat. Seit 2009 war Limbach die Vorsitzende des Medienrats der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.
Im Juli 2007 wurde Jutta Limbach für sechs Jahre in den Universitätsrat der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald gewählt, seit 2011 war sie Vorsitzende des Hochschulrates der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.
Auszeichnungen 1998: Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB) 1998: Ehrendoktorwürde der Universität Basel 1999: Ernennung zum Honorary Bencher of the Gray’s Inn 2000: Mercator-Professur der Universität Duisburg-EssenMercator-Professur 2009: Dr. Peter Scholl-Latour. Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen, 6. November 2009. 2001: Marbacher Schillerrede 2002: Bundesverdienstkreuz (Großkreuz)Berlin, 10. April 2002: Bundespräsident Rau übergibt die Ernennungs- und Entlassungsurkunden aus Anlass des Wechsels im Amt der Präsidentin und des Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts. bundespraesident.de, abgerufen am 10. April 2013. 2002: Leibniz-Ring-Hannover 2002: Schärfste Klinge der Stadt Solingen 2002: Ehrendoktorwürde der Erasmus-Universität Rotterdam 2002: Ehrendoktorwürde des University College London 2003: Ehrendoktorwürde der York University 2003: Heinz Herbert Karry-Preis 2004: Marie-Juchacz-Plakette der Arbeiterwohlfahrt (AWO) 2005: Louise-Schroeder-Medaille 2006: Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbandes 2006: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg 2008: Ehrendoktorwürde der Universität Bremen 2009: Dorothea-Schlözer-Medaille der Universität GöttingenProf. Dr. Jutta Limbach erhält Dorothea-Schlözer-Medaille der Universität Göttingen. Informationsdienst Wissenschaft, 4. Dezember 2009, abgerufen am 7. Dezember 2009. 2011: Heinrich-Albertz-Friedenspreis der Arbeiterwohlfahrt (AWO)
Schriften Die empirischen Normaltypen der GmbH und ihr Verhältnis zum Postulat von Herrschaft und Haftung. Duncker & Humblot, Berlin 1966, (Dissertation FU Berlin, Juristische Fakultät, 22. Juli 1966, 128 Seiten). auch im Buchhandel als: Theorie und Wirklichkeit der GmbH, Die empirischen Normaltypen der GmbH und ihr Verhältnis zum Postulat von Herrschaft und Haftung. (= Schriftenreihe des Instituts für Rechtssoziologie und Rechtstatsachenforschung an der Freien Universität Berlin (West), Band 2), Duncker & Humblot, Berlin 1966, Ute Gerhard, Jutta Limbach (Hrsg.): Rechtsalltag von Frauen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-11423-9.
Eingewanderte Wörter. Hueber Verlag, Ismaning 2008, ISBN 978-3-19-207891-0 Der Wissenschaftler als Bürger und Beamter. Das Verhältnis von Wissenschaft und Politik, Wallstein, Göttingen 2010, ISBN 978-3-8353-0766-7. Wahre Hyänen. Pauline Staegemann und ihr Kampf um die politische Macht der Frauen. Dietz, Bonn 2016, ISBN 978-3-8012-0480-8.
Siehe auch Senat Momper Senat Diepgen III
Literatur Gunilla Budde: Jutta Limbach. Ein Leben für die Gerechtigkeit. Biografie C.H. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-82663-4. Karin Deckenbach: Jutta Limbach: eine Biografie. Droste, Düsseldorf 2003, ISBN 978-3-7700-1158-2. Uta Fölster, Christina Stresemann (Hrsg.): Recht so, Jutta Limbach! Zum Abschied verfasst für die Präsidentin des Bundesverfassungsgericht. Nomos, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-7982-0.
Weblinks
Pressemitteilung Nr. 28/2014 des BVerfG vom 26. März 2014 zum 80. Geburtstag Limbachs Nachlass BArch N 1837 Nachlass BArch N 1837-BILD
Einzelnachweise
Kategorie:Privatrechtler (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Freie Universität Berlin) Kategorie:Justizsenator (Berlin) Kategorie:Richter (Bundesverfassungsgericht) Kategorie:Kulturpolitiker Kategorie:Person (Goethe-Institut) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz) Kategorie:Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg Kategorie:Träger der Marie-Juchacz-Plakette Kategorie:Ehrendoktor der Universität Basel Kategorie:Ehrendoktor der Erasmus-Universität Rotterdam Kategorie:Ehrendoktor der University of London Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bremen Kategorie:Ehrendoktor der Päpstlichen Katholischen Universität von Peru Kategorie:Ehrendoktor der York University Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Absolvent der Freien Universität Berlin Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1934 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Frau