Die Internationale Arbeiterassoziation (IAA), , in der späteren Geschichtsschreibung auch Erste Internationale genannt, wurde 1864 in London gegründet. Die IAA war der erste internationale Zusammenschluss von Arbeitergesellschaften, die nach den provisorischen Statuten „dasselbe Ziel verfolgen, nämlich: den Schutz, den Fortschritt und die vollständige Emanzipation der Arbeiterklasse“.Provisorische Statuten der Internationalen Arbeiter-Assoziation. In: Marx-Engels-Werke. Band 16, S. 15.
Geschichte mini|hochkant|Karl Marx, Mitglied im Generalrat der IAA Der Sitz der IAA war nach dem Gründungskongress der IAA am 28. September 1864 in der Londoner St. Martin’s Hall zunächst London. Auf dem fünften Kongress, dem Haager Kongress, wurde im September 1872 die Verlagerung des Sitzes nach New York beschlossen.
Im Gegensatz zu späteren Internationalen bestanden die Mitglieder der Ersten noch aus einer Vielzahl politisch divergierender Gruppen, die unterschiedliche Sozialismuskonzepte verbanden. Außerdem wurden Frauen als Mitglieder erst 1865, ein halbes Jahr nach der Gründung, zugelassen. Obwohl faktisch relativ einflusslos, wurde „die Internationale“ von vielen Gegnern als ursächlich für das Erstarken der Arbeiterbewegung in vielen Ländern und das Entstehen der Pariser Kommune von 1871 gesehen. Überschattet wurde die Organisation bereits kurz nach ihrer Entstehung durch heftige Grabenkämpfe, insbesondere zwischen der Richtung von Karl Marx, dem Mitverfasser des Kommunistischen Manifests und Haupttheoretiker des Kommunismus einerseits, und dem Anarchisten Michail Bakunin andererseits. Während Marx für eine Organisation der noch zu bildenden Arbeiterparteien in den Einzelstaaten unter zentralistischer Führung der Internationalen eintrat, war Bakunin gemäß den Vorstellungen des Anarchismus für strikte Herrschaftslosigkeit und gegen jegliche Form von zentraler Führung. Dieser grundsätzliche Konflikt trug schließlich zur Spaltung der IAA bei. Auch hinsichtlich der Frage der Frauenrechte war die IAA gespalten; die „Sektion 12“, die sich u. a. für das Frauenwahlrecht und die ökonomische Unabhängigkeit der Frauen von den Männern einsetzte, wurde schließlich Anfang der 1870er aus der Internationalen ausgeschlossen.Vgl. Silvia Federici: „Die Revolution beginnt zu Hause. Über Marx, Reproduktion und Klassenkampf.“ In: Dies.: Das Lohnpatriarchat. Texte zu Marxismus & Gender, übersetzt von Leo Kühberger. Mandelbaum, Berlin 2021, ISBN 978-3-85476-909-5, S. 109–135, hier S. 126 f.
Hatte sich bereits 1871 auf der Londoner Konferenz, wo nur vom GeneralratDie Protokolle des Generalrats wurden ab 1964 zum 100. Jahrestag der IAA veröffentlicht, vgl. Documents of the First International. The General Council of the First international 1864–1872, Minutes, 5 vol., Moscow 1962–1968. Zur Veröffentlichungsgeschichte vgl. Rolf Hecker: Zur Geschichte der Veröffentlichung der Generalratsprotokolle der Internationalen Arbeiterassoziation, in: JahrBuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2014. eingeladene Sektionen vertreten waren, die marxsche Position durchgesetzt, wurden auf dem Haager Kongress von 1872 zentralistische Strukturreformen und eine politische Neuausrichtung der Organisation beschlossen. Außerdem wurden Bakunin und James Guillaume aus der Internationalen ausgeschlossen. Die von ihnen geführte Juraföderation führte eine Woche später einen Gegenkongress in Saint-Imier (Schweizer Jura) durch, der das Zustandekommen des Haager Kongresses als illegitim einstufte, seine Beschlüsse nicht anerkannte und die Fortführung der Internationalen auf föderalistischer Grundlage beschloss. In der Folgezeit schlossen sich dem alle aktiven Landesföderationen an, vorwiegend weil sie die zunehmende Macht des Generalrats ablehnten. Fortan bestanden zwei Organisationen, die den Namen der IAA für sich reklamierten: einerseits die Landesföderationen aus Belgien, England, Holland, Italien und Spanien (auch bekannt als Antiautoritäre Internationale), andererseits der Generalrat und einzelne, vorwiegend deutschsprachige Lokalsektionen. Letztere löste sich 1876 unter Friedrich Adolph Sorge offiziell auf, während die antiautoritäre IAA, wenn auch ab Mitte der 1870er in Auflösung begriffen, bis Anfang der 1880er Jahre fortwirkte.
1889 trat in Paris der Internationale Arbeiterkongress zusammen und gründete die Zweite Internationale, aus der später die bis heute bestehende Sozialistische Internationale hervorging. 1919–1943 bestand in Moskau als sog. Dritte Internationale die Kommunistische Internationale. Des Weiteren gründete sich 1922 in Berlin die noch heute bestehende anarchosyndikalistische Internationale ArbeiterInnen-Assoziation, die sich in der Tradition der Ersten Internationale sieht.
Das von Eugène Pottier 1871 gedichtete Kampflied Die Internationale (1888 vertont von Pierre Degeyter, um 1910 von Emil Luckhardt sehr frei und weniger radikal ins Deutsche übertragen) bezieht sich auf die IAA und die Pariser Kommune von 1871.
Kongresse und Konferenzen Gründungskonferenz (London, 25.–29. September 1864) Die aus 13 europäischen Ländern und den USA stammenden knapp 2000 Teilnehmer gründeten die IAA am 28. September 1864 in der Londoner St. Martin’s Hall. Führendes Gremium war der Generalrat, dessen Präsidium Karl Marx angehörte. Er war vom Londoner Deutschen Arbeiterbildungsverein eingeladen worden und formulierte die wichtigsten Erklärungen und Adressen, so die berühmte Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation.Karl Marx: Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation (Oktober 1864) In: Marx-Engels-Werke. Band 16, S. 5 ff. Johann Georg Eccarius war als weiterer deutscher Vertreter zur Gründungsversammlung eingeladen worden. Neben Marx und Eccarius zählten Carl Heinrich Pfänder, Friedrich Leßner, Georg Lochner und Karl Kaub zu deren Generalrat.
I. Kongress (Genf, 3.–8. September 1866) Während des Genfer Kongresses 1866 dominierten die Anhänger Proudhons die Diskussionen. Es nahmen auch sechs Blanquisten aus Paris an dem Kongress teil, doch wurden diese aus der Internationalen ausgeschlossen. Eine wichtige Entscheidung an dieser Veranstaltung war die Forderung nach einem Achtstundentag.
II. Kongress (Lausanne, 2.–8. September 1867) Der Lausanner Kongress der Internationale fand vom 2. bis 8. September 1867 statt. Marx war nicht anwesend, da er an den letzten Korrekturen von Das Kapital arbeitete. Der Kongress wurde von 64 Delegierten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien und der Schweiz besucht. Als erste Frau wurde Harriet Law im Juni 1867 Mitglied des Generalrats und blieb dort die nächsten fünf Jahre die einzige Frau.
III. Kongress (Brüssel, 6.–13. September 1868) Die auf Marx beruhenden Beschlüsse des Genfer Kongresses fanden zunehmende Beachtung. Der Brüsseler Kongress der IAA vom 8. bis 13. September 1868 bestätigte Marx’ Taktik. Der Kongress der IAA in Brüssel zeigte, dass sich die von Marx und seinen Mitstreitern vertretenen Positionen weiter durchsetzten.
IV. Kongress (Basel, 6.–11. September 1869) Der Basler Kongress fand vom 6. bis 11. September 1869 statt.Ein Bild der Delegierten ist abgedruckt in: Wilhelm Liebknecht: Vom vierten internationalen Arbeiterkongreß in Basel im Jahre 1969. In: Beilage zum „Wahren Jacob“ Nr. 184, 1893, S. 1527–1530. Digitalisat Laut StekloffG. M. Stekloff: History of the First International. Chapter 10: The Basle Coongress waren 75 Delegierte aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Spanien, und den Vereinigten Staaten von Amerika anwesend. Die Konferenz war vor allem durch die Konfrontation zwischen den Positionen der Proudhon’schen Mutualisten, sowie der kollektivistisch-anarchistischen Position Bakunins mit seinen Anhängern auf der einen und Karl Marx Positionen auf der anderen Seite geprägt. Letztere erhielten zum ersten Mal größeren Gegenwind. So fand ein Antrag des Anarchisten Michail Bakunin zur Frage des Erbrechts größere Zustimmung als der Gegenantrag von Marx. Außerdem fand in einer offenen Diskussion die Position breiten Anklang, dass die Gewerkschaften nach Beseitigung des Lohnsystems die Produktion organisieren und das alte politische System durch eine Repräsentation der Arbeit ersetzen sollten. Ein solches „revolutionäres Programm föderaler Gewerkschaften stand ganz im Kontrast zu den Vorstellungen von Marx und Engels, die eigentlich darauf hinarbeiteten, die IAA zentralistisch umzugestalten und auf eine parteipolitische Linie zu bringen.“
(Abgesagter) V. Kongress (Mainz, September 1870) Für den September 1870 wurde zum V. Kongress in Mainz eingeladen. Der Kongress wurde jedoch vom Generalrat um Marx aufgrund des Deutsch-Französischen Krieges abgesagt und auf unbestimmte Zeit vertagt. Marx kam dabei der Krieg als Grund für die Absage gelegen, da er besorgt war, dass der Kongress eine Mehrheit für die Föderalisten bzw. Anarchisten hätte ergeben können, wie er unter anderem in einem Brief an Johann Philipp Becker zum Ausdruck brachte. Obwohl laut Statuten der IAA jährlich ein Kongress stattfinden musste, lud der Generalrat auch für 1871 nicht zu einem solchen ein, sondern lediglich zu einer exklusiven Konferenz in London. Mit diesem Statutenbruch waren die Weichen für die Spaltung der Internationale gestellt.
Konferenz von London (17.–23. September 1871) Die zweite, nicht öffentliche Konferenz der IAA fand mit 13 Mitgliedern des Generalrats und 23 Delegierten aus Belgien, Deutschland, Frankreich, England, Irland, Italien, Spanien, der Schweiz und den USA in London statt. Nur ausgewählte Sektionen wurden vom Generalrat eingeladen.Franz Mehring: Karl Marx. Geschichte seines Lebens (1918). Arbeiterpresse, Essen 2001, ISBN 3-88634-075-9, S. 446 ff.Die Internationale Arbeiter-Assoziation. Kleine Chronik der ersten Internationale (1862–1878) geschichtevonunten.de, 15. Juni 2008. Die IAA bekundete in einer Resolution die Solidarität mit der Pariser Kommune und stellte heraus, dass die „Konstituierung der Arbeiterklasse als politische Partei unerlässlich ist für den Triumph der sozialen Revolution und ihres Endzieles – der Abschaffung der Klassen“. Intern wurde eine Namensregelung für den Generalrat, die Föderalräte der Länder und die lokalen Sektionen beschlossen. Die Bezeichnung Generalrat sollte nur dem selbigen zugestanden werden, die Föderalräte nach den einzelnen Ländern benannt werden und die Sektionen nach ihrem Ortsnamen. Als sektiererisch betrachtete Namen wie Mutalisten, Kollektivisten, Kommunisten usw. schloss die Konferenz aus. Auf der Konferenz wird zudem beschlossen, dass der Generalrat nicht mehr die Funktion des Regionalrates der britischen Föderation wahrnehmen soll. Stattdessen wurde ein eigener englischer Föderalrat mit neuen lokalen Sektionen gebildet. Für Frankreich wurde eine lebhafte Werkstättenagitation und die Verbreitung von Druckschriften empfohlen. Für die Verschwörung Sergei Netschajews lehnte die IAA jegliche Verantwortung ab. Von Bedeutung war zudem der ideologische Konflikt zwischen Anarchisten und Marxisten – den Anhängern von Bakunin einerseits und denen von Marx. Beschlossen wurde auch die Verlagerung des Sitzes ab 1872 nach New York.
V. Kongress (Den Haag, 2.–7. September 1872)