mini|hochkant|Verschiedene fachgerechte Insektenhotels mit Schilf oder Pappröhrchen, aus Ton oder Hartholz mini|hochkant|Schauanlage im Natur­erlebnis­raum „Koldenbütteler Marsch“ mini|hochkant|Wildbienenhaus in Estebrügge mini|Zwei Insektennisthilfen im Botanischen Garten München

Insektenhotels oder Insektenhäuser, seltener auch als Insektenasyle, Insektenwände, Insektenkästen oder Nützlingshotels bezeichnet, sind künstlich geschaffene Unterschlupf-, Nist- und Überwinterungshilfen für Insekten. Die Bezeichnungen werden entweder als Oberbegriffe für die unterschiedlichen insektengruppenspezifischen Bauformen (wie Wildbienenhotels, Ohrwurmhotels) verwendet oder sollen eine Bauform als Kombimodell für verschiedene Insektengruppen charakterisieren.

Neuere Untersuchungen stellen die Nützlichkeit von Insektenhotels insbesondere für Wildbienen infrage. Die hohe Populationsdichte begünstigt schlimmstenfalls die Verbreitung von Parasiten. Sie kann Bienenpopulationen anfälliger für Raubinsekten machen. Wespen und invasive Arten scheinen offenbar mehr von Insektenhotels zu profitieren als heimische Wildbienen. Wildbienenschutz besteht eher aus dem Schaffen von naturnahen Gärten mit offenen Böden, Totholz und regionalen Blühpflanzen.

Typen und Anwendungen Insektenhotels werden von Heimwerkern selbst gebaut oder im Handel in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichen Ausstattungen als Bausätze oder Fertigmodelle angeboten. Die Formenvielfalt reicht von kleinen kreativen Einzelbauten bis zu großen, meist wand- oder schrankartigen Modellen. Große und individuell gestaltete Insektenhotels werden oft in Eigenarbeit von Naturschutzgruppen errichtet oder von Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus oder Werkstätten für behinderte Menschen realisiert. Große Insektenhotels werden freistehend errichtet, an Bäume oder vorhandene Gebäudewände angelehnt oder vorgebaut. Der Begriff Insektenhotel entstand umgangssprachlich in Anlehnung an das hausartige Erscheinungsbild moderner Anlagen, die durch freistehende mehrstöckige Bauweise und – zum Schutz vor Witterungseinflüssen – ausgeprägte Dachkonstruktionen auffallen.

Motivation, Nutzen Erste Wildbienenkästen wurden von Privatleuten in England bereits um 1840 gebaut. Diese dienten damals Beobachtungszwecken, können aber als Vorläufer der für mehrere Insektengruppen geeigneten Insektenhotels gelten. Insektenhotels finden seit den 1990er Jahren vor allem bei naturnahen Gärtnern und in der Schulbiologie zunehmend Verbreitung. Als praktisch von jedermann mit geringem Aufwand umsetzbare Insektenschutzmaßnahmen wurden die Einrichtungen insbesondere von zahlreichen europäischen Naturschutzverbänden bekannt gemacht, eine wichtige Rolle spielen sie auch im Rahmen der Permakultur. Durch intensive menschliche Eingriffe in die Naturlandschaft – unter anderem durch umfangreichen Pestizideinsatz im Acker- und Gartenbau sowie durch die auch in Privatgärten vorhandene Tendenz zur „aufgeräumten“ Landschaft – sind nur noch wenige natürliche Insektenlebensräume vorhanden, wie offene Lehmtrockenhänge oder Totholz. Diese Vorgänge werden als Habitatvernichtung bezeichnet.

Nicht nur in der freien Natur, auch in Gärten helfen viele als Nützlinge angesehene Insekten wie Hummeln, Wildbienen, Schlupf-, Falten-, Grab- und Wegwespen, Florfliegen oder Ohrwürmer durch Bestäubung und als kostenlose biologische „Schädlingsbekämpfer“, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. In Obstplantagen und Gewächshäusern werden gezielt Insektenhotels angelegt, um die Bestäubung zu fördern. Darüber hinaus werden Insektenhotels auch zu Lehrzwecken errichtet, etwa für die breite Öffentlichkeit bei Gartenschauen und in Parkanlagen oder von Schulen, die Kindern die Biologie der Insekten und praktischen Naturschutz anschaulich nahebringen wollen. Insektenhotels leisten einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung, weil das Beobachten der Wildbienen beim Nestbau einfacher möglich ist, als Bienennester in der Natur zu finden.

Kritik, Artenschutz

Insektenhotels tragen in aller Regel nicht dazu bei, Rote-Liste-Arten zu schützen und können daher nicht als direkter Artenschutz verstanden werden. Sie fördern ausschließlich oberirdisch brütende Insektenarten und werden überwiegend von häufig vorkommenden Kulturfolgerbienen (zum Beispiel der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis)) besiedelt. Selten vorkommende Insekten leben meist in Abhängigkeit von besonderen Pflanzenarten, teilweise auch in Verbindung mit besonderen Lebensraumstrukturen, wie Steilwänden und Sandflächen. Ein Großteil der Wildbienenarten brütet unterirdisch. Um das Vorkommen seltener Bienenarten zu fördern, ist es wichtig, auf Pestizide zu verzichten und vorhandene monotone Rasenflächen in Wildblumenwiesen mit heimischen Pflanzenarten umzuwandeln, indem man die Flächen nur noch ein- bis zweimal im Jahr mäht. Trampelpfade, die durch die Wiesen führen, sind wünschenswert, weil die meisten Bienenarten, die im Boden nisten dafür bewuchsfreie Zonen brauchen. Zusätzlich kann man diese Flächen mit Totholz, Steinhaufen und Sandflächen aufwerten.

Einige Naturschutzgruppierungen ziehen mittlerweile auch den umweltpädagogischen Nutzen von Insektenhotels in Zweifel, der allenfalls unter kundiger edukativer Begleitung gewährleistet werden könne, in der Regel aber nicht stattfindet. Als weitere Argumente werden angeführt, dass …

… künstliche Nisthilfen der Schnelllösung, der Gewissensberuhigung und dem „Ablasshandel“ dienten: Man meint, einen Beitrag geleistet zu haben und das Thema Insektensterben sei abgehakt. Gemeinden, Firmen, Landwirte nutzen sie als einfaches und billiges Mittel zum Greenwashing. … die irrige Meinung gefördert werde, künstliche Nisthilfen dieser Art leisteten einen echten Beitrag zu Natur- und Artenschutz … für weitaus wirkungsvollere Maßnahmen wie die Renaturierung von Lebensräumen und die Umsetzung anderer Umweltziele kein offenes Ohr mehr bestehe … die in Baumärkten, Gartencentern und im Internet angebotenen Nisthilfen mit wenigen Ausnahmen aus Gründen der Gewinnmaximierung nicht fachgerecht konstruiert und befüllt sind. Damit seien hinsichtlich der Besiedlung Misserfolge und Enttäuschungen vorprogrammiert, was auch eine skeptische oder gar ablehnende Haltung gegenüber professionellen Naturschutzmaßnahmen aufkommen lassen könne.

Spezifische Modelle für bestimmte Insektengruppen

Wildbienenhotel Ausschließlich mit Nistgelegenheiten für Wildbienen bestückte Anlagen werden als Wildbienenhotels bezeichnet. Sie werden aber in der Regel nicht nur von Solitärbienen wie Mauer-, Scheren-, Löcher-, Blattschneider- und Maskenbienen, sondern auch von Einsiedlerwespen wie Töpfergrabwespen, Blattlaus-Grabwespen, Lehm- und Goldwespen besiedelt. Anders als Bienenstöcke mit Honigbienen stellen diese Anlagen aber keine Gefahr dar. Alle diese Arten sind absolut friedfertig gegenüber Menschen und Haustieren, da sie keinen Staat oder Honigvorräte zu verteidigen haben.

Bauformen Die Bauformen von Wildbienenhotels sind sehr vielgestaltig. Im Privatbereich überwiegen kleine und mittlere, meistens wandhängende Behausungen. Diese sind oftmals optisch ansprechend gestaltet, für eine erfolgreiche Brut jedoch oft unzureichend und fehlerhaft konstruiert. Für Demonstrationszwecke werden häufig größere, meistens freistehende Anlagen errichtet, z. B. in Botanischen Gärten, auf Natur-Lehrpfaden oder auf Schulgeländen. Für Bestäubungszwecke im Erwerbsobstbau sind ebenfalls größere, standardisierte Anlagen üblich, die meistens eine oder einige wenige Bienenarten beherrbergen.

Überdachung und Witterungsschutz Bei allen Bauformen und -größen sollte ein ausreichender Witterungsschutz gegeben sein. Alle Nistmaterialien in Wildbienenhotels müssen atmungsaktiv sein und sind daher in der Regel nur bedingt regenabweisend; zu viel Feuchtigkeit begünstigt aber die Verpilzung der Brut und lässt die meisten Nistmaterialien vorzeitig altern und verwittern. Aus diesem Grund sollten Wildbienenhotels entweder unter Dachüberständen von Gebäuden aufgestellt werden oder ein eigenes Dach besitzen. Andererseits sollten die Dachüberstände aber auch das Inventar so wenig wie möglich verschatten, damit die Brut die erforderliche Wärme bekommt. Damit bieten sich transparente Plexiglas-Platten ausreichender Stärke oder halbtransparente, meistens gewellte Lichtplatten für die Dachkonstruktion an.

Schutz vor Fressfeinden mini|Kleintier-Drahtgitter gegen die Vögel Insbesondere Meisen und Spechte sind als Fressfeinde bekannt. Die meisten Wildbienenarten schließen zwar die Belegung einer Niströhre ganz außen mit einer Leerzelle ab, was aber nur bei sehr harten Nistmaterialien wie Bambus oder Terrakotta erfolgreich verhindert, dass Feinde an die bewohnten Brutzellen gelangen können. Weichere Nistmaterialien wie Schilf oder Holzbeton halten den harten Vogelschnäbeln nicht stand. Daher sollten entweder die gesamte Anlage oder zumindest partiell die gefährdete Nistkomponenten z. B. durch Kleintier-Drahtgitter gegen Vögel geschützt werden. Dabei ist ein ausreichender Abstand zu den Nistgängen von mindestens 5 cm einzuhalten. Die Maschenweite sollte aufgrund der Spannweite der Bienen im Flug mindestens 3 cm betragen. Bewährt hat sich auch ein Vorhang etwa 20 cm vor der Anlage.

Größere Anlagen für Demonstrationszwecke Für die Grundkonstruktion größerer freistehender Insektenhotels werden meistens lange Kanthölzer verwendet, die zu einem Gerüst ähnlich einem rechteckigen Schaukasten verbunden werden. Die Seitenflächen und die Rückseite werden typischerweise mit Holzbrettern geschlossen – eine geschlossene Rückseite ist für den Wetterschutz des Inventars und eine bessere Wärmehaltung wichtig. Der Nutzraum wird zumindest waagerecht durch hölzerne Regalböden unterteilt, die entsprechend dem Gewicht des Inventars dimensioniert sein müssen. Oftmals werden die Ebenen auch noch zur besseren Lastverteilung und zur Bildung von Gefachen senkrecht unterteilt. Im Hinblick auf das Gesamtgewicht samt Inventar und zusätzliche Windlasten kommen solche Konstruktionen in der Regel nicht ohne Betonfundamente aus. Bei Verwendung von Einschlagbodenhülsen muss die Windlast durch zusätzliche Diagonalstützen abgefangen werden. Ein direktes Einlassen der hölzernen Ständer ins Erdreich kommt nicht in Frage, da die Partien mit Erdanschluss zu schnell abfaulen würden. Als oberer Abschluss der Konstruktion wird ein Schrägdach aufgesetzt.

Größere Anlagen für Bestäubungszwecke im Erwerbsobstbau Im Erwerbsobstbau werden vermehrt Mauerbienen zur Bestäubung eingesetzt, da diese eine vielfach höhere Bestäbungsleistung gegenüber z. B. der Honigbiene haben und bereits bei geringeren Temperaturen fliegen. Bei Apfelplantagen geht man z. B. davon aus, dass zur Erlangung von Vollertrag pro Hektar etwa 400 Mauerbienen-Weibchen und mindestens 400–600 Männchen notwendig sind. Für die Ausbringung und Nachzucht der Tiere werden in den Plantagen in Distanzen von 300–500 m Mauerbienenhotels installiert, die üblicherweise aus Batterien von Nistblöcken aus gestapelten MDF-Nistbrettchen bestehen. Durch die massenhafte Vermehrung ist deren Bestand gesichert.https://opac.dbu.de/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-22088.pdf

Beobachtungsnistkästen mini|hochkant=1.3|Zugeklappter MDF-Beobachtungskasten

Im Handel werden verschiedene Beobachtungsnistkästen angeboten, um zu umweltpädagogischen Zwecken Einblicke in die belegten Brutröhren zu ermöglichen.