Hötensleben ist eine Gemeinde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Sie ist Mitglied der Verbandsgemeinde Obere Aller.

Geographie Lage Hötensleben liegt ca. 12 km südlich von Helmstedt und 5 km östlich des Höhenzugs Elm und damit am Rand des Naturparks Elm-Lappwald.

Gemeindegliederung Als Ortsteile der Gemeinde sind ausgewiesen: Barneberg Hötensleben Kauzleben Neubau Ohrsleben Wackersleben Als Wohnplätze der Gemeinde sind ausgewiesen: Am Rahl Glashütte

Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Hötensleben wird in einem Urbar (Urbar B) der Abtei Werden als Holeinaslofu oder Hokinasluvu erstmals schriftlich erwähnt. Der Hötensleben betreffende Teil dieses Besitzverzeichnisses ist mit der Jahresangabe „983“ versehen. Diese Jahreszahl wurde jedoch erst im 16. Jahrhundert, vermutlich von Abt Heinrich Duden, eingefügt.Rudolf Kötzschke: Die Urbare der Abtei Werden an der Ruhr. Bd. 1: Die Urbare vom 9.–13. Jahrhundert. Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Bonn 1906. Insofern kann diese Angabe nicht als verlässlich angesehen werden.

Der älteste Nachweis des Ortes mit einer gesicherten Datierung ist eine Urkunde vom 10. Januar 1016. Diese bezeugt, dass Bischof Meinwerk von Paderborn die Erbgüter seiner Mutter, der Gräfin Adela (auch Athela), Gemahlin des Grafen Balderich, darunter „Hokineslevo“, Kaiser Heinrich II. schenkt. Die Urkunde ist in den Regesta Archiepiscopatus Magdeburgensis, einer Sammlung von Auszügen aus Urkunden und Annalen zur Geschichte des Erzstifts und Herzogtums Magdeburg, als Regest wiedergegeben.George Adalbert von Mülverstedt (Hrsg.): Regesta archiepiscopatus Magdeburgensis. Bd. 1: Bis zum Tode des Erzbischofs Wichmann (1192). Baensch, Magdeburg 1876, S. 252, Nr. 600.

Der Ort wurde 1220 und 1270 Hoszensleve, 1285 Hotsensleve und Hoscensleve im 14. Jahrhundert genannt. Die Edelherren von Meinersen waren hier begütert. Sie gaben um 1220 aus ihrem Eigenbesitz fünf Hufen als Lehen an Wasmod von Lüneburg. Sechs Hufen mit Zubehör in Dorf und Feld schenkten sie 1285 dem Erzbischof von Magdeburg als Entschädigung und im Tausch für sechs Hufen in † Volkersdorf.Peter Przybilla: Die Edelherren von Meinersen, Hrsg.: Uwe Ohainski und Gerhard Streich, Hahnsche Buchhandlung Hannover 2007, S. 500

Im Laufe der Geschichte wechselten die geistlichen und die weltlichen Landesherren. Noch häufiger gelangten der Ort und die Burg Hötensleben von einem Besitzer zum nächsten. Am 21. April 1549 ging die Burg an Hans „den Reichen“ aus der Familie derer von Bartensleben und an seinen Bruder Jobst über. Hans von Bartensleben stiftete im Jahre 1580 das Wolfsburgische Armenhaus und Spital, in dessen Nachfolgebau aus dem 17. Jahrhundert sich heute das Rathaus befindet. Im Zuge der Reformation trat 1559 der erste lutherische Prediger sein Amt an. 1645 kaufte Hans Christoph von Königsmarck, Feldmarschall in schwedischen Diensten, Dorf und Amt Hötensleben für 32.000 Reichstaler. 1662 erwarb Friedrich II. von Hessen-Homburg Dorf und Amt Hötensleben.Karl von Schwartz: Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg und seine Familie: Aus Archivalien und Familienpapieren; Band 1 von Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg und seine Familie, 1878, S. 4., Digitalisat 1718 erhielt Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg im Rahmen einer Erbauseinandersetzung mit seinen Brüdern Dorf und Amt Hötensleben und ließ die verfallene Burg zu einer kleinen Residenz ausbauen.Barbara Dölemeyer: Mehrmals war ein Beistand des Kaisers nötig - Regentinnen im Landgrafenhaus Hessen-Homburg; in: Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2019, ISBN 978-3-95542-312-4, S. 12.

19. Jahrhundert Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat zum 1. Juli 1816 wurde Hötensleben dem Kreis Neuhaldensleben im Regierungsbezirk Magdeburg zugeordnet. 1851 wurden die ersten Braunkohlegruben eröffnet; weitere Gruben entstanden in den Folgejahren. Die Kohleförderung wurde im Mai 1955 eingestellt. Ein im Jahre 2000 in Hötensleben errichteter Gedenkstein erinnert an die einstigen Gruben und Tagebaue.

20. und 21. Jahrhundert Im Juni 1952 zwang die Volkspolizei im Zuge der „Aktion Ungeziefer“ zahlreiche Familien in Hötensleben, binnen kürzester Zeit ihre Heimat zu verlassen.Achim Walther: Die eisige Naht. Die innerdeutsche Grenze bei Hötensleben, Offleben und Schöningen 1952–1990. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2010, S. 11–14. Diejenigen, die bislang noch jenseits der innerdeutschen Grenze in Betrieben der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke AG (BKB) beschäftigt waren, verloren ihre Arbeitsplätze. Die Einwohnerzahl von Hötensleben sank nach 1952 drastisch.Johann Oschlies: Entrissene Heimat. Zwangsaussiedlungen an der DDR-Grenze 1952 und 1961 im Bezirk Magdeburg. Bürgerkomitee Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Föderativen Vereinigung Zwangsausgesiedelter und dem Grenzdenkmalverein Hötensleben, Magdeburg 2006. Weitere Einwohner von Hötensleben wurden 1961 im Zuge der „Aktion Festigung/Kornblume“ zwangsausgesiedelt. Am 19. November 1989 wurde im Zuge der Wende die Grenze bei Hötensleben geöffnet und die Straße nach Schöningen mit der Brücke über die Schöninger Aue freigegeben.

Von 1952 bis 1994 lag Hötensleben im Kreis Oschersleben (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Gemeinde zum Bördekreis, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Landkreises Börde.

Die Gemeinde gehörte vom 1. Januar 2005 bis zum 31. Dezember 2009 der Verwaltungsgemeinschaft Obere Aller und seitdem der Verbandsgemeinde Obere Aller an.

Eingemeindungen Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Hötensleben mit der Landgemeinde Hötensleben vereinigt. Ohrsleben wurde am 1. Januar 2005 eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005 Barneberg folgte am 1. Januar 2010, Wackersleben einen Tag später.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010 StBA

Bevölkerung Jahr Einwohner 1875 2.941 1880 3.498 1890 4.214 1933 4.687 1939 4.371 Jahr Einwohner 1990 2.694 2005 2.691 2010 2.650 2015 3.655 2020 3.549 Jahr Einwohner 2021 3.567 2022 3.489 2023 3.411 2024 3.388 2025 3.329

Quelle bis 1939:, ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2010 und 2015 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Hötensleben besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 58,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige Hötensleber Liste 37,1 % 6 50,3 % 9 CDU 43,0 % 7 41,2 % 4 Einzelbewerber Andreas Psoch – – 5,4 % 1 Einzelbewerberin Mandy Rügenhagen – – 3,2 % – Einzelbewerber Marcel Nienstedt 10,2 % 1 – – FDP 9,7 % 1 – – Insgesamt 100 % 15 100 % 14

Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Marcel Nienstedt zwei Sitze, von denen einer unbesetzt blieb.

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die CDU sechs Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur vier Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 2015–2022: Horst Scheibel seit 2022: Stephan Löffler

Scheibel wurde bei der Bürgermeisterwahl am 12. April 2015 gewählt.

Löffler wurde am 10. April 2022 mit 50,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 10. April 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen Das Wappen wurde am 30. Mai 1991 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Gemeindepartnerschaft Partnergemeinde von Hötensleben ist Erbrée in Frankreich.

Sehenswürdigkeiten mini|Sankt-Bartholomäus-Kirche mini|hochkant|Kirche St. Josef und St. Augustinus Die in der Gemeinde befindlichen Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Hötensleben eingetragen, die Bodendenkmale in der Liste der Bodendenkmale in Hötensleben.

Rathaus Im heutigen Rathaus, einem barocken Bau, befand sich früher das Wolfsburgische Armenhaus, ein Waisenhaus. Eine Gedenktafel über dem Eingang der Rathaustür erinnert an die Stiftung des Hans von Bartensleben aus Wolfsburg 1580. Beim bestehenden Bau handelt es sich um einen Neuaufbau des im 17. Jahrhundert zerstörten Armenhauses.

Kirche St. Bartholomäus

Der Gründerbau der evangelischen Kirche St. Bartholomäus stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Aus dieser Zeit sind der gemauerte romanische Altartisch und Teile des Turmes erhalten geblieben. Die Kirche wurde erstmals 1399 urkundlich erwähnt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Kirche alten Schriften zufolge nur noch eine Ruine. Unter dem Patronat der Landgrafen von Hessen-Homburg wurde die Kirche von 1672 bis 1691 wiederaufgebaut. Von der mittelalterlichen Kirche blieb nur der Westturm stehen. In dieser Zeit entstand auch die barocke Innenausstattung der Kirche.

Die Kirchengemeinde „St. Bartholomäus“ gehört zum Kirchspiel Hötensleben im Kirchenkreis Egeln.

Kirche St. Josef und St. Augustinus

Die katholische Kirche St. Josef und St. Augustinus ist nach Josef von Nazaret und Augustinus von Hippo benannt. Es ist ein roter Backsteinbau im neoromanischen Stil, der in den Jahren 1890 und 1891 erbaut wurde. Die Kirche befindet sich an der Nordstraße und gehört heute zur Pfarrei St. Marien mit Sitz in Oschersleben.

Kirche St. Stephanus

Die Kirche St. Stephanus ist die evangelische Kirche in Ohrsleben, deren Westturm laut Inschrifttafel 1555 erbaut wurde.

Grenzdenkmal Hötensleben

mini|hochkant=1.3|Grenzdenkmal Hötensleben In Hötensleben befindet sich eines der letzten Teilstücke der Innerdeutschen Grenze, der ehemaligen Grenzanlage zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, die direkt an den Häusern des Ortes errichtet worden ist. Auf einer Länge von 350 m und einer Fläche von 6,5 ha sind unter anderem die Sichtblendmauer, der Signalzaun, das Sicht- und Schussfeld mit Lichttrasse, Kolonnenweg und Kfz-Hindernis, die Grenzmauer und der Führungsturm mit Kraftfahrzeugstellung erhalten geblieben.Anne Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Im Auftrag der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Bundeszentrale für politische Bildung bearbeitet von Ruth Gleinig und Oliver Igel. 2., überarb. und erw. Auflage. Ch. Links Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-443-3, S. 409.

Am 12. Januar 1990 wurden die Grenzanlagen, die den Zustand von 1989 dokumentieren, unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2004 sind sie als Grenzdenkmal Hötensleben Bestandteil der rund 18 km nördlich liegenden Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Seit 2011 zählt die Anlage mit der Gedenkstätte in Marienborn zum Europäischen Kulturerbe. Das Gelände des Denkmals ist frei zugänglich.

Verkehr Zur Bundesstraße 245 in Barneberg, die Halberstadt und Haldensleben verbindet, sind es in östlicher Richtung ca. 4 km. Die Bundesstraße 245a stellt von dort aus die Verbindung nach Helmstedt her.

Durch den Ort verläuft der Iron Curtain Trail (EV13), der als Kulturroute des Europarats zu den bedeutendsten Fernradwegen in Europa (EuroVelo) zählt.

Die Bahnstrecke Oschersleben–Schöningen ist seit 1969 stillgelegt.

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Richard Hinkelmann (1895–1943), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Traute Flamme (1899–1968), Soubrette und Schauspielerin Mohammed Aman Hobohm (eigentlich Herbert Hobohm) (1926–2014), Diplomat Annelie Ehrhardt (1950–2024), Leichtathletin und Olympiasiegerin, in Ohrsleben geboren

Persönlichkeiten mit Bezug zu Hötensleben