mini|Benediktinerkloster Seligenstadt ist eine Stadt im Landkreis Offenbach in Hessen. Sie liegt am Main und war in karolingischer Zeit von großer Bedeutung. Seligenstadt trägt seit dem 6. Februar 2020 die amtliche Zusatzbezeichnung Einhardstadt.Destatis: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.03.2020 vom 26. Februar 2020, abgerufen am 12. März 2020

Geographie Geographische Lage Seligenstadt ist eine von 13 Städten und Gemeinden im Landkreis Offenbach. Die Stadt liegt im Osten des Kreises etwa 25 km südöstlich von Frankfurt am Main am linken südwestlichen Ufer einer rechtswendenden Mainschleife. Der Fluss bildet hier die Grenze zu Bayern. Die Gemarkung Seligenstadt umfasst mit 2043 Hektar rund zwei Drittel des Stadtgebietes, davon sind 1026 Hektar bewaldet (Stand 1961). Der größte Teil der Waldungen liegt im Südwesten des Stadtgebietes, wo das Geländeniveau allmählich von der 108 Meter hoch gelegenen Mainniederung auf bis zu 145 Meter am Walddistrikt Kieselhecke ansteigt.

Nachbargemeinden Seligenstadt grenzt im Norden an die Gemeinde Hainburg, im Osten an die Gemeinde Karlstein (Landkreis Aschaffenburg), im Südosten an die Gemeinde Mainhausen, im Süden an die Stadt Babenhausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) sowie im Westen an die Stadt Rodgau.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet umfasst neben der Kernstadt Seligenstadt die zwei Stadtteile Klein-Welzheim, mainaufwärts im Osten gelegen, und Froschhausen im Nordwesten. mini|Historische Altstadt von Seligenstadt mit Basilika und Palatium am Mainufer Geschichte In erhaltenen Urkunden wurde Seligenstadt unter den folgenden Namen erwähnt (Jahr der Erwähnung): Ortsname Jahr superior Mulinheim 815 Saligunstat 10. Jahrhundert superiori Mulnheim, quod moderno tempore Selgenstat nuncupatur 933 Selegonostat 1002 Selgenstat 1012 Selingestat 1026 Saligenstat 1041 Molnheim nunc vero Seligunstat 1045 Selgenstat 1063 Saligenstad 1120 Seligenstad 1122 Selingestat 1136 Seliginstat 1247 Selingestat 1249 Selginstat 1255 Selgenstat 1256 Selegenstad 1266 Seligenstad 1336 Mülheim nunc Seligenstat dicto 1405 Bezeichnung der Siedlung: villa 815 civitas 1232

Antike mini|links|Neoromanische Westfassade der Einhard-Basilika Um das Jahr 100 n. Chr. wurde in der Herrschaftszeit des römischen Kaisers Trajan ein Kohortenkastell auf dem Gebiet des heutigen Seligenstädter Marktplatzes und Teilen der heutigen Altstadt erbaut, das Castrum Selgum. Die dort stationierte Kohorte hatte den Namen Cohors I Civium Romanorum equitata und war für die Sicherheit des am Main verlaufenden Limesabschnittes (auch: Obergermanischer Limes) verantwortlich. Mit dem Fall des Limes während der Alamannenstürme um das Jahr 260 n. Chr. wurde das Kastell aufgegeben, und die Römer zogen sich wieder hinter die Rheinlinie zurück. Auf den Trümmern des ehemaligen Kastells und auf dem heutigen Klosterareal entstand im Talabschnitt des Breitenbaches die frühmittelalterliche Siedlung Mulinheim superior, Obermühlheim.

Mittelalter mini|Ehemalige Benediktiner-Abtei in Seligenstadt Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung Seligenstadts, damals als Obermühlheim, geht auf die Schenkung Ludwigs I. an Einhard zurück und datierte, laut einer Abschrift der Schenkungsurkunde im Codex Laureshamensis, vom 11. Januar 815.Karl Glöckner: Codex Laureshamensis: 01. Band – Einleitung Regesten Chronik. Darmstadt 1929, S. 299, 19 (Reg. 3082), Donatio Ludouuici I. pii Einhardo in Michlenstat Deutsche Übersetzung: Karl Josef Minst (Übers.): Lorscher Codex: deutsch; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch, nach d. lat. Text d. Urschrift wiedergegeben von Lamey (1768–1770) und Glöckner (1929–1936), ins Dt. übertr. von Karl Josef Minst, (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1–166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764–1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten. Lorsch 1966, S. 77 f.: Die Stadt wurde von Einhard, dem Biographen Karls des Großen, gegründet. Nachdem er das fränkische Domanialgut Obermulinheim 815 von Ludwig dem Frommen als Schenkung erhalten hatte, begründete er hier ein Benediktinerkloster. Als ein früherer Besitzer wird ein Graf Drogo genannt. Die in Rom gestohlenen Gebeine der Märtyrer Petrus und Marcellinus wurden 828 aus der Basilika in Steinbach im Odenwald nach Obermühlheim überführt, das somit Wallfahrtsort wurde. Darauf änderte sich schon bald der Ortsname von Obermühlheim zu Seligenstadt. Die Gebeine der Märtyrer wurden zunächst in der Laurentiuskapelle des Gutshofes aufbewahrt, die sich aber, angesichts des Zustroms der Gläubigen, als zu klein erwies. Einhard begann somit zeitnah mit dem Bau der Einhard-Basilika, dem Wahrzeichen der Stadt am Untermain und begründete, als dessen erster Laienabt, eine Benediktinerabtei als Eigenkloster. Die Abtei erhielt reichen Besitz durch Schenkungen beiderseits des Mains und verfügte, gemäß dem ältesten Zinsregister, kurz vor 1000 über Einkünfte aus 40 Orten.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen. 3. überarbeitete Aufl., S. 414.

1028 wurde in der Stadt eine römisch-katholische Synode abgehalten, deren wichtigstes Ergebnis die Einführung des Quatember mit strengen Fastenregeln war. 1063 bestätigte Kaiser Heinrich IV. dem Erzbischof von Mainz die Rechtmäßigkeit seines Besitzes der Abtei.

Bei einem Hoftag in Seligenstadt am 23. April 1188 schloss Kaiser Friedrich Barbarossa mit König Alfons VIII. von Kastilien den Ehevertrag zwischen ihren Kindern Konrad und Berenguela von Kastilien.Peter Koblank: Vertrag von Seligenstadt 1188. In: stauferstelen.net. Abgerufen am 25. Juli 2016. Während seiner Regierungszeit erhielt der Ort Stadtrechte, und ein Königshof (Palatium) wurde am Mainufer gebaut. mini|Palatium – Pfalz Seligenstadt Seligenstadt gründete 1346, als eine von neun Städten, den Neunstädtebund des Mainzer Oberstifts. Zunächst mit kommunaler Selbstverwaltung (Ratsverfassung) ausgestattet, konnten die Mitgliedsstädte sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts von ihrem Landesherrn, dem Mainzer Erzbischof und zum Mainzer Domkapitel weiter emanzipieren. Unter anderem hatte Seligenstadt das Recht, eigenständig Steuern zu erheben und zu bewilligen. Das Selbstverwaltungsrecht endete mit den erzbischöflichen Verfügungen aus den Jahren 1527 und 1528, mit welchen der Städtebund faktisch aufgelöst wurde.

Reformationszeit und Renaissance mini|Seligenstadt – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655 1527 wurde durch den Mainzer Erzbischof Albrecht von BrandenburgBerühmt durch ein Gemälde von Matthias Grünewald, wo er den Heiligen Erasmus verkörpert für den Ort eine neue Stadtordnung erlassen, wodurch die Rechte der Seligenstädter Bürger stark eingeschränkt wurden.

Während des Dreißigjährigen Krieges verwaltete um 1631 ein schwedischer Kommissar die Abtei im Auftrag König Gustav Adolfs. Die Seligenstädter Bürger entrichteten dem Schwedenkönig Kontributionszahlungen, der dafür auf das damals übliche Niederbrennen der Häuser verzichtete. Als er mit seinem Heer weiterzog, plünderten die zurückgelassenen Besatzungssoldaten trotzdem Stadt und Abtei. Erst im Jahre 1685 wurden Abt- und Konventsgebäude wieder neu errichtet.

Territoriale Zugehörigkeit Durch die Säkularisation von Kurmainz infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 kamen Stadt und Amt Seligenstadt an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 als Rheinbundstaat zum Großherzogtum Hessen erhoben wurde. Die Abtei wurde säkularisiert.

Bis 1821 nahm das Amt Seligenstadt Verwaltung und Rechtsprechung in Seligenstadt wahr. Mit der Verwaltungsreform im Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) in diesem Jahr wurden auch hier auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt. Für die Verwaltung wurden Landratsbezirke geschaffen, die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichten übertragen. Der Landratsbezirk Seligenstadt erhielt die Zuständigkeit für die Verwaltung unter anderem für das gleichzeitig aufgelöste Amt Seligenstadt. Durch verschiedene Verwaltungsreformen gehörte Seligenstadt dann ab 1832 zum Kreis Offenbach, 1848 zum Regierungsbezirk Darmstadt und 1852 wieder zum Kreis Offenbach. Dieser wurde 1939 in „Landkreis Offenbach“ umbenannt.§ 1 Abs. 3 Dritte Verordnung über den Neubau des Reichs. In: RGBl. I S. 1675.

Gerichtliche Zuständigkeit Bei der Reform 1821 übernahm das Landgericht Steinheim die erstinstanzliche Rechtsprechung in Seligenstadt, die zuvor das Amt wahrgenommen hatte. Der Sitz des Gerichts wurde zum 1. Juli 1835 nach Seligenstadt verlegt und die Bezeichnung in „Landgericht Seligenstadt“ geändert.Bekanntmachung, die Verlegung des Landgerichtssitzes von Steinheim nach Seligenstadt betreffend vom 12. Mai 1835. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 29 vom 21. Mai 1835, S. 277. Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte.§§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte das Amtsgericht Seligenstadt das Landgericht Seligenstadt.

Neuzeit mini|Seligenstadt um 1845

Am 1. Mai 1882 wurde die Eisenbahnstrecke Hanau-Seligenstadt-Eberbach eröffnet. 1925 wurde die Einhard-Basilika St. Marcellinus und Petrus durch Papst Pius XI. zur päpstlichen Basilica minor erhoben.

mini|Gedenkinschrift für die jüdische Gemeinde Seligenstadt im Tal der Gemeinden in Yad Vashem Seligenstadt hatte jahrhundertelang eine jüdische Gemeinde. In den ersten Jahren der Zeit des Nationalsozialismus wanderte ein Teil der damals 146 Seligenstädter Juden infolge von Entrechtung, Boykott und Repressalien (→ „Arisierung“) aus, die überwiegende Mehrheit davon nach Nord- und Südamerika. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde die Synagoge abgebrannt. Jüdische Bürger wurden teilweise schwer misshandelt. So wurden zehn unter ihnen unter Hieben und Schlägen ins Gefängnis im Klosterhof getrieben und dann in das KZ Buchenwald deportiert. Im Mai 1939 gab es noch 77 jüdische Einwohner in der Stadt. 1941 mussten die noch verbliebenen Juden in vier „Judenhäusern“ unterkommen, ihre Zahl reduzierte sich bis zu Beginn der Deportationen auf etwa 45. Im Herbst 1942 wurden sie über Sammelstellen in das KZ Theresienstadt verbracht. Insgesamt 103 der aus Seligenstadt stammenden Juden wurden in der NS-Zeit ermordet (→ Holocaust). Direkt nach dem Krieg kehrten zwei jüdische Mitbürger aus der Emigration nach Seligenstadt zurück, sie wurden später auf dem örtlichen jüdischen Friedhof begraben.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1977 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Nachbargemeinden Froschhausen und Klein-Welzheim per Gesetz eingemeindet. Ortsbezirke wurden in Seligenstadt nicht gebildet.

Stadtlegenden Einer Variante der Sage Eginhard und Emma zufolge soll die Umbenennung der Stadt nicht aufgrund der Lagerung der Gebeine von St. Petrus und St. Marcelinus geschehen sein, sondern weil Einhard, der Berater und Biograf Karls des Großen, nachdem er mit dessen Tochter Emma vom Hof verwiesen worden war, mit ihr zusammen in Obermulinheim lebte. 500px|links|Inschrift Der Kaiser zog eines Tages durch diese Stadt und betrat dort das Gasthaus, in dem seine Tochter Emma mittlerweile arbeitete. Sie servierte ihm Pfannkuchen, und der Kaiser erkannte den unvergleichlichen Geschmack. Daraufhin soll der bekannte Ausspruch „Selig sei die Stadt genannt, da ich meine Tochter Emma wiederfand“ entstanden sein, der auch heute noch auf dem Erker des sogenannten Einhardhauses (erneuert 1596) in Seligenstadt zu finden ist. So sei der Name „Seligenstadt“ entstanden.

Einer anderen Variante nach lebten Eginhard und Emma in einer Einöde im Wald, als Karl sie fand, und Karl habe jene Stätte daher Seligenstatt genannt.