mini|Das Grab von Günther Wilke und seiner Ehefrau Dagmar geborene Kind auf dem Hauptfriedhof Mülheim an der Ruhr
Günther Wilke (* 23. Februar 1925 in Heidelberg; † 9. Dezember 2016Pressemeldung des MPI für Kohlenforschung: , 12. Dezember 2016.) war ein deutscher Chemiker und Professor der Organischen Chemie sowie Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr als Nachfolger von Karl Ziegler.
Leben und Werk Nach dem Abitur 1943 an einem Heidelberger Gymnasium studierte Günther Wilke Chemie an der Universität Heidelberg, wo er bei Karl Freudenberg promoviert wurde. Im Jahr 1951 wechselte er zum Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Wilke begann seine Karriere in der Arbeitsgruppe von Karl Ziegler am Mülheimer Max-Planck-Institut, wo er als Entdecker des Nickel-Effekts gilt.Günther Wilke: Über nickelorganische Verbindungen (PDF; 357 kB).Karl Fischer, Klaus Jonas, Peter Misbach, Reinhold Stabba, Günther Wilke: Zum „Nickel-Effekt“. In: Angewandte Chemie. 85, 1973, S. 1001–1012, . Seine Habilitation erfolgte im Jahr 1960 an der RWTH Aachen. 1963 wurde er zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft ernannt, deren Vizepräsident er von 1978 bis 1990 war.
Wilkes Arbeiten auf dem Gebiet der Katalyse, unter anderem bei der durch Nickel katalysierten Cyclooligomersierung von 1,3-Butadien zu acht- und zwölfgliedrigen Carbocyclen, haben die Geschichte der Chemie mitbestimmt und das fundamentale Verständnis wichtiger chemischer Reaktionen erweitert.P. W. Jolly, Igor Tkatchenko, Günther Wilke: Zum Mechanismus der Cyclodimerisation von Butadien mit Nickel-Ligand-Katalysatoren. In: Angewandte Chemie. 83, 1971, S. 329–329, .Borislav Bogdanovie, Paul Heimbach, Michael Kröner, Günther Wilke, Josef Brandt: Über die katalytische Umwandlung von Olefinen, II Zum Reaktionsablauf der Cyclotrimerisation von Butadien-(1.3). In: Justus Liebigs Annalen der Chemie. 727, 1969, S. 143–160, .
Folgeprodukte dieser Carbocyclen werden industriell bei der Herstellung von Nylonarten für verschiedene Zwecke sowie zur Gewinnung von wichtigen Grundchemikalien in der Erdölchemie erfolgreich eingesetzt. U. a. entwickelte er Vestamid, einen Kunststoff von hoher Formstabilität, der u. a. in Druckluftbremsleitungen, Skibindungen und Tennisschlägern verwendet wurde – und für die Stollen der Fußballschuhe der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974.Andreas Rossmann: Müllers Schuh. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Dezember 2016, S. 9.
Auszeichnungen und Ehrungen Wilke war Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Akademien, erhielt sieben Ehrendoktorwürden und seine Arbeiten wurden mit vielfältigen Auszeichnungen geehrt. Er war Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft (1978–1990), Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaft und der Künste (Präsident 1994–1997), Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 1976), Halle,Günther Wilke im Mitgliederverzeichnis der Leopoldina korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Mitglied der Academia Europaea, Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Weiterhin war er Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Acatechsiehe und der American Academy of Arts and Sciences. Seit 1983 war er korrespondierendes Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im Ausland der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.Mitgliedseite der Österreichischen Akademie der Wissenschaften abgerufen am 22. Mai 2020.
Darüber hinaus war er wissenschaftspolitisch in vielen Funktionen tätig, zum Beispiel als Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), 1991 bis 1992 als Vorsitzender der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte und er gehörte mehreren Aufsichtsräten bedeutender Chemieunternehmen an.
1965 erhielt er den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft und 1971 die Wilhelm Exner Medaille.Günther Wilke abgerufen am 9. September 2020 in Wilhelmexner.org 1987 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2000 mit Stern. 1997 wurde er mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Im Jahr 2003 wurde er zum Ehrendoktor der Universität Rostock ernannt. 2013 ernannte ihn die GDCh zum Ehrenmitglied.Gesellschaft Deutscher Chemiker beschließt: Günther Wilke wird neues Ehrenmitglied. Pressemitteilung der GDCh vom 28. Oktober 2013 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de).
Publikationen (Auswahl) Aufsätze Allyl-Übergangsmetall-System. In: Angewandte Chemie, Bd. 78 (1967), S. 157–172. Beiträge zur nickelorganischen Chemie. In: Angewandte Chemie, Bd. 100 (1988), S. 189–211.
Sachbücher The Organic Chemistry of Nickel. Academic Press, New York 1974/75 (zusammen mit Peter W. Jolly). Organonickel complexes. 1974, ISBN 0-12-388401-2. Organic synthesis. 1975, ISBN 0-12-333402-0.
Literatur Wer ist wer? Ausgabe 2001/02. Verlag Schmidt-Römhild, Lübeck 2001, S. 1542. Alois Fürstner: Nachruf auf Günther Wilke aus der Klasse für Naturwissenschaften und Medizin. In: Jahrbuch Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften (2018), S. 141–143.
Weblinks
Vita G. Wilke Profil auf Akademie der Wissenschaften und Künste Nordrhein-Westfalen Geschichte des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Träger der Wilhelm-Exner-Medaille Kategorie:Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der Academia Europaea Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste Kategorie:Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Kategorie:Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte Kategorie:Ehrendoktor der Universität Rostock Kategorie:Absolvent der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann