Die Immanuel-Kant-Schule (kurz: IKS) ist ein 1896 gegründetes Gymnasium in Rüsselsheim am Main, benannt nach dem Philosophen Immanuel Kant. Ihr Unterrichtsangebot wird durch drei zertifizierte Schwerpunkte geprägt: Musik, Sport und MINT. Sie wird derzeit von 1250 Schülern besucht und hat etwa 87 Lehrkräfte.
Geschichte Schulleitung der Immanuel-Kant-Schule Zeitraum Schulleitung 1897–1909 Ludwig Buxbaum 1909–1915 Seibert 1915–1916 Haas/Friedrich Lehmann 1916–1922 Hermann Müller 1922–1933 Friedrich Lehmann 1933–1936 Peter Gerhard 1936–1942 August Lampas 1942–1943 Heinrich Völker/Schlier 1943–1945 Helmut Heiland 1945–1949 Walter Brauer/Julius Simon (kommissarisch) 1949–1967 Julius Simon 1967–1989 Werner Keil 1989–2002 Günther Jacobs 2002–2012 Franz-Peter Osterkamp 2012–2019 Rainer Guss 2019–2020 vakant seit 2020 Beate König Die Geschichte der heutigen Schule geht auf eine Privatschule zurück, die am 27. Mai 1896 von vermögenden Rüsselsheimer Bürgern gegründet wurde.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule 1896–1996. Festschrift. Rüsselsheim 1996, S. 32. Sie wollten damit ihren Kindern die Zugfahrt nach Mainz an eine der dortigen weiterführenden Schulen ersparen.Die Gründung der Bürgerschule in Rüsselsheim durch Paul Hessemer (Vom Gründer selbst erzählt). In: Mein-Spitze 1937 (nachgedruckt in: 100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 29). Die Schule war zuerst in einem Anbau des Rüsselsheimer Fabrikanten Paul Hessemer untergebracht. Die Gemeinde übernahm 1897 die Schule und überführte sie in die Schulform „Höhere Bürgerschule“. Dem ersten Kuratorium der Schule gehörte neben dem Gründer Hessemer auch der Bürgermeister der Stadt Jakob Sittmann an. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 45 Kinder die Schule, davon etwa ein Drittel Mädchen.
1898 wurde die Schule der Schulabteilung des Ministeriums des Inneren in DarmstadtDarmstadt war bis 1945 Landeshauptstadt: Bis 1918 vom Großherzogtum Hessen, dann vom Volksstaat Hessen unterstellt. Sie bezog auch ihre erste Adresse in der Schäfergasse 16. Das dortige Gebäude wurde von Paul Hessemer extra für die Schule erbaut.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 33. 1910 erfolgte ein nächster Umzug in ein Gebäude des örtlichen Gewerbevereins. Die Zahl der Schüler und der Lehrkräfte war danach stets im Ansteigen.
Im Ersten Weltkrieg verlor die Schule mehrere Lehrer, darunter den Schulrektor Seibert. Die Schüler wurden in landwirtschaftliche Arbeiten einbezogen, wiederholter Unterrichtsausfall dominierte den Alltag.Jahresbericht über das Schuljahr 1914/15 (Stadtarchiv Rüsselsheim 967/1/4). Nach dem Ersten Weltkrieg litt die Schule unter den Auswirkungen der französischen Besatzung. Die Schülerzahlen entwickelten sich dennoch stetig nach oben. 1922 wurde die 10. Klasse (Untersekunde) eingeführt. Das zuständige Ministerium erlaubte den Ausbau der Schule zu einer „Realschule in Entwicklung“ mit dem Ziel, dass aus ihr eine Realschule wird. 1925 bezog die Schule das ehemalige Gebäude der Volksschule in der Schulstraße 8. Der Umzug war wegen der angestiegenen Schülerzahlen notwendig geworden. 1928 verlieh der Hessische Minister für Kultus und Unterricht der Schule den Titel Realschule.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 35.
1932/33 erhielt das Schulgebäude einen Anbau, in dem sechs Klassen untergebracht wurden.
1937 bekam die Schule die Bezeichnung „Oberschule für Jungen“ und wurde zu einer so genannten „Vollanstalt“. Das bedeutete, dass sie das Reifezeugnis, also das Abitur, vergeben konnte. Auf Grund der verkürzten Schulzeit in der Oberstufe (zwei statt drei Jahre) legten 1939 die ersten zehn Schüler (neun Jungen, ein Mädchen) das Abitur ab.Jahresbericht 1938/39, S. 7 (Schularchiv der IKS).
1937/38 mussten weitere Räume der direkt benachbarten Gewerbeschule angemietet werden, um dem Platzmangel Herr zu werden. Am 17. Januar 1938 wurde die erste Turnhalle der Schule eingeweiht.Jahresbericht 1937/37, S. 10 (Schularchiv der IKS). Ende 1938 kaufte die Stadt das Gebäude der Gewerbeschule auf und stellte es weitgehend der Schule zur Verfügung. Die Kellerräume des Gebäudes wurden jedoch weiterhin vom Heimatverein benutzt. In den oberen Stockwerken wurden Zeichensäle und naturwissenschaftliche Räume eingerichtet.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 38.
Im Zweiten Weltkrieg musste die Schule die gerade erbaute Turnhalle sowie drei Klassenräume der Wehrmacht zur Verfügung stellen. Die Abiturienten wurden als Soldaten eingezogen, die Jungen über sechzehn Jahre als Luftwaffenhelfer ausgebildet und am Ortsrand eingesetzt. 1944 evakuierte man den Großteil der Schülerschaft im Zuge der Kinderlandverschickung u. a. nach Sprendlingen. Bei mehreren Bombardierungen Rüsselsheims wurde auch die Schule in Mitleidenschaft gezogen.Oberschule für Jungen, hier: Verfügungen, Verordnungen (StAR, XIV/11/24/2, Berichte der Schulleitung vom 28.04., 27.08. und 20.09.1944). Am 12. August 1944 wurde das Dach beschädigt sowie mehrere Türen und Fenster wurden zerstört.
Die amerikanischen Besatzungskräfte setzten am 31. August 1945 den bisherigen Lehrer Walter Brauer auf Grund seines Alters als neuen (kommissarischen) Schulleiter anstelle des vorherigen Helmut Heiland ein. Brauer bereitete die Wiedereröffnung der Schule vor, die am 5. November 1945 erfolgte.Oberschule für Jungen, hier: Verfügungen, Verordnungen, Schriftverkehr (StAR, XIV/11/27/1, Bericht der Schulleitung vom 21. 1. 1947). Die ersten Nachkriegsjahre waren von großer sozialer und wirtschaftlicher Not geprägt, da es am notwendigsten Material fehlte (Tische, Stühle, Kohle zum Heizen usw.).100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 49.
1946/47 erhielt die Schule die Bezeichnung „Realgymnasium“. 1949 ernannte man den bisherigen kommissarischen Schulleiter Julius Simon zum Schulleiter.
1949/50 wurde die Schülermitverwaltung gegründet, die sich 1953 eine „Verfassung“ gab und 1954 ihren Namen in „Schülermitverantwortung“ änderte.Bericht über das Schuljahr 1959/60. Rüsselsheim 1960, S. 26–30. Um der durch die große Zahl von Flüchtlings- und Vertriebenenkindern entstandenen Raumnot Herr zu werden, wurden 1953/54 „die getrennten Gebäude der ehemaligen Gewerbe- und Höheren Bürgerschule durch einen Zwischenbau verbunden“.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 51.
1954 erschien die erste Nummer der langjährigen Schülerzeitung „rüssel“, die bis in die 1970er-Jahre bestand, als sie von „Ikarus“ abgelöst wurde, welche ihrerseits in den 1980er-Jahren in Erscheinen einstellte.120 Jahre Immanuel-Kant-Schule 1896–2016, S. 8.
Am 1. April 1956 erhielt die Schule den Namen „Immanuel-Kant-Schule“.
mini|Standort bis 1969 in der Schulstraße 2 1967 beschloss der Magistrat der Stadt auf Grund der gestiegenen Schülerzahlen, der Schule am damaligen Stadtrand einen Neubau zur Verfügung zu stellen. Der Umzug in die neuen, modernen Gebäude fand überwiegend 1969 statt und zog sich über Monate hin.Der Ethik des Philosophen verpflichtet. Kant-Schule – Seit einem halben Jahrhundert am neuen Standort. In: Rüsselsheimer Echo, 25. April 2017, S. 10. Im selben Jahr wurde der langjährige Schulleiter, Julius Simon, pensioniert. Auf ihn folgte Werner Keil, der das Amt bis 1989 innehatte.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, S. 248.
1970 genehmigte das Hessische Kultusministerium den Antrag des Kollegiums auf die Errichtung eines „Schulsportzentrums“ an der IKS. Das bedeutete eine verstärkte Zusammenarbeit mit den anderen Rüsselsheimer Schulen zwecks Talentsichtung und -förderung. In der Oberstufe bestand die Möglichkeit eines Leistungsfaches Sport.
1973 stellte die Stadt auf dem Schulgelände zwei Pavillons auf, um die Schüler weiterhin unterbringen zu können.
1981 führte die Schule ihre erste Projektwoche durch.
1986 gründete Horst Aussenhof die IKS-Big-Band als Arbeitsgemeinschaft. Aus dieser sind die IKS-Swing-Kids und die IKS-Junior-Swing-Kids erwachsen.20 Jahre IKS Big Band 1986–2006. O.O. o. J.; 30 Jahre IKS Big Band 1986 bis 2016. Rüsselsheim o. J. (beide Publikationen im Schularchiv IKS).
1989 wurde Werner Keil pensioniert, sein Nachfolger wurde Günther Jacobs.
1990 wurde das Oberstufengebäude fertiggestellt, wodurch eine Entspannung der Raumnot eintrat.
1991 wurde die Schule eine Partnerschule des Leistungssports.120 Jahre Immanuel-Kant-Schule 1896–2016, S. 9.
1994 erschien die erste Ausgabe der Schulzeitung „Kant Aktuell“.
1996 feierte die Schule ihr 100-jähriges Jubiläum mit einer Festschrift und einer Festwoche.100 Jahre Immanuel-Kant-Schule.
1997 wurde die erste Internetadresse der Schule freigeschaltet.
Nach der Pensionierung von Günther Jacobs 2002 wurde Franz-Peter Osterkamp sein Nachfolger. Im darauf folgenden Jahr 2003 erhielt die IKS das Zertifikat „Schule mit Schwerpunkt Musik“, wodurch Musik neben Sport zur weiteren Säule der Schule wurde. Zugleich durfte die Schule für zwei Jahre das Zertifikat „Umweltschule in Europa“ tragen.
2005 wurde die IKS zusammen mit allen anderen hessischen Schulen auf G8 umgestellt (Abitur nach 8 Jahren). 2013 beschloss die Schulgemeinschaft die Rückkehr zu G9. 2011 wurden umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen. Im Zuge dessen erhielten die neu gestalteten naturwissenschaftlichen Räume elektronische Tafeln. 2012 wurde Franz-Peter Osterkamp pensioniert. Sein Nachfolger wurde Rainer Guss.
Mit dem MINT-Zertifikat, das der Schule 2014 verliehen wurde, wurde der dritte Schwerpunkt errichtet. Das Zertifikat spiegelt damit das Engagement der Schulgemeinschaft in den naturwissenschaftlichen Fächern. Der Sport-Schwerpunkt der Schule wurde 2015 mit dem durchgängigen Sportklassenkonzept von Klasse 5 bis 10 erweitert und auf eine neue Basis gestellt. Die Stadt stellte der Schule wegen des Raummangels zwei Pavillons zur Verfügung.
2016 feierte die IKS ihren 120. Geburtstag. Aus diesem Anlass standen die Veranstaltung des ersten Halbjahres unter der Losung „120 Jahre IKS“. Das Jubiläum wurde mit mehreren Gesprächsrunden über die Geschichte der Schule, einer Projektwoche, einem Schulfest sowie einer akademischen Feier im Stadttheater gefeiert. Auf letzterer traten mehrere Ehemalige der Schule wie Walter Renneisen, Tobias Goldschmidt, Bianca Heinz oder Wolfgang Schneider auf.Jahrbuch Kant Aktuell 2016/17.
2017 erhielt die Schule u. a. auf Grund ihres Engagements in der Umweltbildung (Schulimkerei, Umwelt-AG usw.) vom Land Hessen das Zertifikat „Umweltschule“.
+Entwicklung der SchülerzahlenZahlen überwiegend entnommen aus den Publikationen 120 Jahre Immanuel-Kant-Schule 1896–2016, und 100 Jahre Immanuel-Kant-Schule, passim. Jahr Anzahl 1896 22 1906 ca. 45 1926 149 1936 184 1947 530 1956 714 1966 698 1976 1.350 1986 ca. 1.055 1996 1.074 2008 1.338 2016 1.021 2017 1.062 2018 1.114 2019 1.107
Leitbild Das Leitbild der IKS ist im 2017 neu verabschiedeten „Schulprogramm“ niedergelegt. Demnach orientiert sich die Schule an dem Bildungs- und Erziehungsauftrag des Landes Hessen. Sie fühlt sich aber auch dem Namensgeber Immanuel Kant und dessen Appell verpflichtet: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“
Das Leitbild der IKS hält als Ziel fest, dass sich die Schüler zu selbstbewussten, offenen und kritikfähigen Persönlichkeiten entwickeln und sich in persönlicher Zufriedenheit in den Dienst der Gemeinschaft stellen sollen. Sie sollen zudem Verantwortung für sich und andere übernehmen, altersgemäß in ihren fachlichen und überfachlichen Kompetenzen gefördert und gefordert werden und die vielseitigen Möglichkeiten der IKS zur individuellen Profilentwicklung nutzen. Es ist ferner das Ziel der Schule, dass die Schüler für zukünftige Aufgaben vorbereitet werden, indem sie an schulischen Angeboten zur Vorbereitung auf Studium und Beruf teilnehmen.