mini|Ikone der siebzig Jünger Die siebzig oder zweiundsiebzig Jünger waren frühe Jünger Jesu.

Sie werden nur im Lukasevangelium erwähnt. Dort wurden sie von Jesus ausgewählt und paarweise ausgesandt, um seine Botschaft zu verkünden. In der westlichen Kirche werden sie normalerweise als Jünger bezeichnet, während die orthodoxen Kirchen von Aposteln sprechen.

Das Ereignis wird in den orthodoxen Kirchen die Synaxis der siebzig Apostel genannt und am 4. Januar gefeiert. Die Gedenktage der einzelnen Jünger oder Apostel sind über das ganze Kirchenjahr verteilt.

Analyse Lk 10,1–24 ist die einzige Erwähnung der Gruppe in der Bibel. Die Zahl wird in Manuskripten in der alexandrinischen (wie etwa dem Codex Sinaiticus) und der cäsareanischen Texttradition mit siebzig angegeben, in den meisten anderen alexandrinischen und westlichen (römischen) Texten mit zweiundsiebzig. Möglicherweise ist die Anzahl von den 70 Nationen in (und vielen anderen Erwähnungen der Zahl 70 in der Bibel) oder von den 72 Übersetzern der Septuaginta im Aristeasbrief abgeleitet.Bruce Metzger: Textual Commentary on the Greek NT Hieronymus wählte für die Edition der Vulgata die Lesart 72.

Unter den synoptischen Evangelien enthält nur das Lukasevangelium zwei Perikopen, in denen Jesus seine Jünger aussendet. Der erste Bericht lehnt sich eng an den Aussendungsbericht im Markusevangelium an und erzählt wie der Markustext von der Aussendung der zwölf Apostel und nicht der Siebzig. In den Details gibt es aber Übereinstimmung mit dem Bericht von der Aussendung der Siebzig. Die Parallelen – auch zu ; legen einen gemeinsamen Ursprung in der Quelle Q nahe. In gibt es von der Wortwahl her einen deutlichen Rückbezug auf , obwohl sich Jesus an die Zwölf wendet. Der Rückbezug auf ist weniger direkt:

Listen der Siebzig Die orthodoxe Tradition, den siebzig Jüngern Namen zuzuschreiben, wird auf Dorotheos von Tyros (Pseudo-Dorotheos), der mit einem gleichnamigen legendarischen Bischof und Märtyrer des 4. Jahrhunderts gleichgesetzt wurde, zurückgeführt, dem eine Liste der Siebzig zugeschrieben wird. Der die Liste enthaltende Text stammt aber frühestens aus dem 8. Jahrhundert.Migne: Patrologia Graeca XCII 1061–1065. Eine ähnliche Liste wird auch Hippolyt von Rom zugeschrieben (Pseudo-Hippolytus).Migne: Patrologia Graeca X 953–958. Auch das Chronicon Paschale, eine byzantinische Weltchronik (um 630), enthält in zwei Teilen eine solche Liste.Migne: Patrologia Graeca XCII 521–524 und 543–545. Im 13. Jahrhundert nahm Solomon von Basra eine Liste der Siebzig in sein Buch der Biene auf.Solomon von Basra: Book of the Bee, Kapitel XLIX. Dimitri von Rostow überarbeitete nach eigenen Angaben für seine Heiligenviten (Kiew 1689–1705) die Liste des (Pseudo-)Dorotheos, in dem er unter anderem die Namen der Apostel Nikolaus, Phygellus, Hermogenes und Demus, die später den Glauben verraten haben sollen, strich und die Namen der als heilig verehrten und von der Kirche den Siebzig zugerechneten Männer Timotheus, Titus, Epaphras, Archippus, Aquila, Olympas, Quadratus und Achaicus hinzufügte.Demetrius of Rostov: Aus: The Great Collection of the Lives of the Saints, Band 5: Januar, zusammengestellt von St. Demetrius von Rostow. Olympas findet sich allerdings schon in der Liste des Pseudo-Dorotheos.

Die Listen gelten als historisch unergiebig. Eusebius schloss die Existenz einer solchen Liste explizit aus und erwähnt von den Siebzig nur Barnabas, Sosthenes, Kephas,Eusebius folgt Clemens darin, dass er den in erwähnten Kephas vom Apostel Petrus unterscheidet. Ein Konflikt zwischen den Aposteln wurde wohl als anstößig empfunden. Matthias, Thaddäus und Jakobus.Eusebius, Kirchengeschichte 1, 12. Viele der in den Listen erwähnten Personen haben auch unabhängig davon Bedeutung. Das gilt z. B. für die Evangelisten Markus und Lukas.

Die verschiedenen überlieferten Listen unterscheiden sich zum Teil in den aufgenommenen Namen. Die folgende Liste – inklusive der Zuordnung von Bischofsstühlen, soweit angegeben – entspricht der des Dimitri von Rostow.

Matthias, der später Judas Iskariot als Apostel ersetzen sollte, wird ebenfalls oft zu den Siebzig gezählt.So zum Beispiel sowohl Pseudo-Doretheus wie Pseudo-Hippolytus.

Literatur Theodor Schermann: Propheten und Apostellegenden. Nebst Jüngerkatalogen des Dorotheus und verwandter Texte (= Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur 31, 3). Hinrichs, Leipzig 1907, . Theodor Schermann: Prophetarum vitae fabulosae. Indices apostolorum discipulorumque domini Dorotheo, Epiphanio, Hippolyto aliisque vindicate. Teubner, Leipzig 1907 (Volltext).

Einzelnachweise

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