mini|Katjuscha-Startfahrzeug auf einem Studebaker US6, Museum des Zweiten Weltkrieges in Moskau mini|Katjuscha BM-13-16 auf ZIL-157-Fahrgestell, ausgestellt in der Gedenkstätte Seelower HöhenUrsprünglich wurden in Seelow und Karlshorst dort eingesetzte Original-Raketenwerfer auf Studebaker ausgestellt. Aus Propagandagründen wurden mit Beginn des Kalten Krieges die amerikanischen gegen sowjetische Trägerfahrzeuge ausgetauscht. Die nun gezeigten Objekte sind auf ZIS-151- und ZIL-157-Fahrgestellen montiert, die allerdings erst ab 1948 bzw. 1958 produziert wurden. mini|Katjuscha-Batterie auf ZIS-6-Fahrgestell, Kreml in Nischni Nowgorod mini|Denkmal am Eingang der Kropywnyzkyj, wurde vor dem 30. Jahr der Befreiung der Stadt errichtet
Katjuscha () ist der russische Name für einen sowjetischen Mehrfachraketenwerfer, der im Zweiten Weltkrieg entwickelt und eingesetzt wurde. Die Bezeichnung geht auf das zu jener Zeit entstandene und bis heute bekannte Lied Katjuscha zurück (Katjuscha ist ein Diminutiv des russischen Namens Jekaterina). Die Übersetzung des russischen Sammelbegriffs war Gardewerfer, von deutscher Seite wurde die Waffe Stalinorgel genannt, da die Anordnung der Raketen an eine Orgel erinnert und beim Start ein charakteristisches pfeifendes Geräusch erzeugt wurde.
Allgemein Im Vergleich zu konventioneller Artillerie sind Mehrfachwerfer weniger zielgenau, besitzen eine geringere Durchschlagswirkung und benötigen eine größere Treibladung, um vergleichbare Reichweiten zu erzielen. Ein weiterer Nachteil ist die längere Ladezeit, um einen Werfer mit Raketen zu bestücken. Dem stehen jedoch dessen einfache Konstruktion, eine hohe Explosivkraft einer Raketensalve im Verhältnis zu Größe und Gewicht des Werfers, die große Flächenabdeckung und vor allem die kurze Feuerzeit im Vergleich zu einer Haubitze gegenüber.
Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Eigenschaften auf sowjetischer Seite durch den zusammengefassten Einsatz von Werferbatterien, Werferabteilungen und Werferregimentern verstärkt. Der Katjuschawerfer wurde damit zum Schrecken der deutschen Wehrmacht, da er innerhalb weniger Sekunden mehrere Dutzend Raketen abfeuern konnte, was – anders als bei Artilleriebeschuss – kaum oder keine Zeit ließ, Deckung aufzusuchen. Der Ic der Heeresgruppe Mitte Rudolf-Christoph von Gersdorff schreibt, dass er zweimal im einer Katjuscha gelegen habe, diese Waffe die deutsche Fronttruppe beeindruckte und gefordert wurde, diese Waffe nachzubauen.Rudolf-Christoph von Gersdorff: Soldat im Untergang. Frankfurt am Main 1977, S. 114.
Die Gardewerfertruppenteile waren kommunistische Elitetruppen. Das Personal bestand hauptsächlich aus ausgewählten jungen, kräftigen und politisch besonders zuverlässigen Komsomolzen.Michael Grigorowitsch Grigorjew: Vom Raketengerät zur Interkontinentalrakete. Berlin 1981, S. 98 f. Die ab 1943 aufgestellten Artilleriedurchbruchskorps erhielten jeweils eine Gardewerferdivision. Diese konnte mit einer Salve 3.456 Raketengeschosse mit einem Gesamtgewicht von 320 Tonnen verschießen.S. A. Tjuschkewitch: The Soviet Armed Forces. Moskau 1978, S. 317. ()
Nach sowjetischen Angaben wurden bis Dezember 1944 10.000 Werfer und über 12 Millionen Katjuscha-Raketengeschosse hergestellt.Peter Stache: Sowjetische Raketen. Im Dienst von Wissenschaft und Verteidigung. Berlin 1987, S. 78.
Laut dem Referenten für die Auswertung taktischer Kampferfahrungen beim Oberkommando des Heeres Eike Middeldorf war der massierte Einsatz bei den Großoffensiven 1944 und 1945 . Oft wurde die Artillerievorbereitung vor dem Sturmangriff mit einer mächtigen Salve der Raketengeschütze abgeschlossen.Eike Middeldorf: Taktik im Russlandfeldzug. Erfahrungen und Folgerungen. Frankfurt am Main 1956, S. 94 und 136.
Nach Zeugnis von Ferdinand Heim war die Katjuscha . Im Gegensatz zur Artillerie, wo man im allgemeinen den Abschuss hört, und sich noch in Deckung hinschmeißen kann, kamen diese Raketen so langsam und damit geräuschlos, so dass schlagartig, wo man steht, fährt oder reitet, 100 Einschläge in einer Minute erfolgten. Aber auch daran habe man sich mit der Zeit gewöhnt.Sönke Neitzel: Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942–1945. Berlin 2005, S. 219.
Als die Katjuscha große Wirkung auf die deutsche Infanterie zeigte, widmete die Wehrmacht ihre Gaskriegstruppe für den Artillerieeinsatz um, und erhöhte dafür die Anzahl der Rohre und das Kaliber der Nebelwerfer. Sie holte aber nie den sowjetischen Vorsprung ein.Rolf-Dieter Müller: Hitlers Wehrmacht 1935 bis 1945. München 2012, S. 58. Der 8-cm-Raketen-Vielfachwerfer oder „Himmler-Orgel“ war ein deutscher Nachbau der Katjuscha, der allerdings weniger zielgenau war und nur in geringer Stückzahl existierte.
Im Westen wurde der Begriff auch für spätere Ausführungen sowjetischer Mehrfachraketenwerfer bzw. Salvengeschütze verwendet. Heute wird „Katjuscha“ oft als Überbegriff für verschiedene kleinkalibrige ungelenkte Boden-Boden-Raketen (auch Artillerieraketen) verwendet und schließt somit Nachbauten, Eigenbauten oder Weiterentwicklungen ein.
Ausführungen mini|Antriebseinheit einer Katjuscha-Rakete Es gab verschiedene Ausführungen des Werferrahmens mit unterschiedlichen Kalibern von Flugkörpern: M-8, M-13 und M-31. Die bekannteste Variante M-13 war auf einem dreiachsigen Lkw montiert (BM-13). Als Lafette kamen dabei der sowjetische ZIS-6, vor allem aber der amerikanische Studebaker US6 zum Einsatz, den die Sowjetunion im Rahmen des Lend-Lease-Acts in großer Zahl geliefert bekam. Auch auf Panzerwannen wurden einige Werfer montiert.
Die Reichweite lag je nach Bauart zwischen 2.500 und 11.800 (M-13SN) Metern, 16 bis 54 Raketen konnten innerhalb weniger Sekunden als Salve abgefeuert werden.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurden auf sowjetischer Seite noch andere ungelenkte Feststoffraketen entwickelt, so die M-30 und M-31 gegen Bunkeranlagen oder die panzerbrechende RBS-82. Der Einsatz erfolgte sowohl von Fahrzeugen als auch als Version RS-82 von Flugzeugen (z. B. Schlachtflugzeug Iljuschin Il-2), aber auch von Schiffen (Flusskampfschiffen) aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Ural-375D mit Mehrfachraketenwerfersystem BM-21 Eine sehr große Verbreitung fand der Raketentyp M-21 mit einem Kaliber von 122,4 mm und einer Reichweite von 20.800 m, der von 40-rohrigen Werfern auf Ural-375D (BM-21), Tatra 813 (RM-70), GAZ-66 (12 Rohre) und Einzelstartern eingesetzt werden konnte, durch den Einsatz in der Sowjetarmee und ihren damaligen Verbündeten. Auch BM-24 (12 Startrahmen) mit Kaliber 240,9 mm und einer Reichweite von 6000 m wurden international vertrieben. Aber auch andere Länder fertigten Raketenwerfer, so die Tschechoslowakei den 130-mm-Raketenwerfer 51 mit einer Reichweite von 8000 m.
Entwicklung Beginn der Entwicklung Die Entwicklung der verwendeten Raketen geht auf Untersuchungen des Leningrader Gasdynamischen Laboratoriums (GDL), später RNII, zu Feststoffraketen zurück. Nach Erprobungen wurden erste Muster 1938 hergestellt. Man sah zunächst eine Einsatzmöglichkeit als großkalibrige Waffe auf den damals noch sehr leichten Jagdflugzeugen gegen große Bomber. Durch die Kombination von 7 oder 13 Pulverstangen entstanden Raketentypen mit 82 und 132 mm Durchmesser, die zur Kennzeichnung RS-82 oder RS-132 führten.
Bereits im Juni 1938 wurde die Entwicklung einer mobilen bodengebundenen Startvorrichtung für die 132-mm-Rakete RS-132 angeordnet. Basis war der Dreiachsen-LKW ZIS-6, der 24 Raketen in einer Salve abfeuern konnte.
Am 7. Juni 1939 wurde auf einem der Artillerieschießplätze ein Schießen mit reaktiven Geschossen M-13 vorgeführt. Der anwesende Volkskommissar für Verteidigung bestätigte die Effektivität der Waffe, wodurch der Beschluss zur Forcierung der Entwicklungsarbeiten für Raketenwaffen der Landstreitkräfte schnell gefasst wurde. Die Entwicklung geht dabei auf die Konstrukteure Andrei Kostikow, Iwan Gwai und Wassili Aborenkow zurück, deren Entwürfe auf früheren Konstruktionen von Iwan Kleimjonow, Georgi Langemak und anderen basierten.Katjuscha-Geschichte
Im Sowjetisch-Japanischen Konflikt in der Mongolei am Chalchin Gol im Sommer 1939 wurden Katjuscha-Raketen erstmals an Jagdflugzeugen wie der Polikarpow I-16 (Ischak) eingesetzt.
Die Entwicklung größerer Raketen mit Flüssigkeitsantrieb wie der RDD-604 wurde durch den Krieg unterbrochen.
Entwicklung und Einsatz im Zweiten Weltkrieg Entwicklung zur Einsatzreife Ende 1939 erhielt das RNII von der Verwaltung der Artillerie den Auftrag zur Herstellung einer Serie von sechs M-132 als Selbstfahrlafetten. Fünf waren für weitere Experimente vorgesehen, die sechste für die Küstenverteidigung. Ende 1940 absolvierten die ersten fünf Geräte erfolgreich die Truppenerprobung. Davon wurde die sowjetische Regierung und das Oberkommando der Roten Armee informiert. Anfang 1941 erging auf besondere Anweisung der Regierung der Auftrag, die Serienreife der M-132 einzuleiten. Ende Juni 1941 waren die ersten Exemplare fertig.
Vom 15. bis 17. Mai 1941 erfolgte die Abnahme der neuen Waffe durch das Oberkommando der Roten Armee unter Marschall Semjon Konstantinowitsch Timoschenko. Die Splitterspreng-Rakete ROSF-132 erhielt die Bezeichnung M-13, die Startanlage M-132 wurde BM-13-16 genannt (Kampfmaschine für RS-132 mit 16 Startschienen).
Der Regierungsbeschluss zur Aufnahme des Serienbaus der M-13 und des Werfers BM-13-16 erging am 21. Juni 1941, wenige Stunden bevor die deutsche Wehrmacht die Grenze der Sowjetunion überschritt. Alle Versuchswaffen wurden sofort an die Front geschickt.
Erster Einsatz am 14. Juli 1941 Hauptmann I. A. Fljorow übernahm sieben BM-13-16 mit insgesamt 3000 Raketen. Hauptaufgabe der Batterie sollte die Erprobung der Raketenwerfer unter Gefechtsbedingungen und die Ausarbeitung von taktischen Einsatzprinzipien sein. Am 4. Juli 1941 erreichte die Batterie den Raum östlich von Orscha, wo die 20. Armee Verteidigungsstellungen gegen die auf Smolensk vordringenden deutschen Truppen bezogen hatte. Am 14. Juli 1941 feuerten die sieben Werfer eine Salve von 112 Raketen auf die Stadt Rudnja ab, in der gerade eine deutsche Truppenkonzentration beobachtet wurde. Der Einsatz der neuen Waffe überraschte die deutschen Truppen. Ein zweiter Einsatz erfolgte kurz danach am Fluss Orschiza.
Die Batterie des Hauptmanns Fljorow wurde in weitere schwere Verteidigungsgefechte bei Rudnja, Jelnja, im Raum Roslawl und Spas-Demensk verwickelt. Im August 1941 gelang es den Deutschen, die Batterie mit anderen Truppenteilen einzukesseln. Nachdem die ganze Munition abgefeuert war, wurden alle Raketenwerfer gesprengt; dabei kam Fljorow selbst ums Leben. In der deutschen Armeeführung wurde man allerdings erst bei ersten Einsätzen vor Leningrad auf die Katjuscha-Waffe aufmerksam.
BM-8 und BM-13 an den Fronten mini|Katjuscha-Raketenwerfer auf Studebaker-LKW während der Schlacht von Stalingrad Der erfolgreiche Einsatz der ersten Gefechtsfahrzeuge der „reaktiven Artillerie“ beschleunigte die Entwicklungsarbeiten für den neuen Raketenwerfer BM-8, der in der zweiten Jahreshälfte 1941 eingeführt wurde. Die 82-mm-Rakete B-8 wies eine Masse von 8 kg und eine Reichweite von 5500 m auf, 132-mm M-13 hingegen hatte ein Gewicht von 43 kg. Die Industrie produzierte verschiedene Varianten des Raketenwerfers BM-8 und BM-13:
16-rohrig auf dem Fahrgestell des LKW ZIS-6 oder Studebaker US6 (BM-13-16) 24-rohrig auf dem Fahrgestell der Panzer T-40 und T-60 (BM-8-24) 36-rohrig auf dem Fahrgestell des LKW ZIS-6 (BM-8-36) 48-rohrig auf dem Fahrgestell des LKW GAZ-AA (BM-8-48)