Piemontit (auch Piëmontit oder Mangan-Epidot, IMA-Symbol Pmt) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca2(Al2Mn3+)[OOHSiO4Si2O7] und ist damit chemisch gesehen ein Calcium-Aluminium-Mangan-Silikat mit zusätzlichen Sauerstoff- und Hydroxidionen. Strukturell gehört Piemontit zu den Gruppensilikaten.
Piemontit kristallisiert im monoklinenen Kristallsystem und entwickelt meist prismatische Kristalle, findet sich aber auch in Form radialstrahliger bis körniger Aggregate. Die durchscheinenden bis undurchsichtigen Kristalle sind von rötlichbrauner bis tiefroter oder rotvioletter bis fast schwarzer Farbe und zeigen auf den Oberflächen einen glasähnlichen Glanz.
Etymologie und Geschichte Erstmals gefunden wurde Piemontit 1853 in Saint-Marcel/Piemont in Italien und beschrieben von Gustav Adolf Kenngott, der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte.
Klassifikation In der letztmals 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Piemontit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gruppensilikate (Sorosilikate)“, wo er gemeinsam mit Allanit, Epidot, Hancockit, Klinozoisit und Sursassit in der „Epidotgruppe“ mit der Systemnummer VIII/B.15a steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/C.23-030. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gruppensilikate“, wo Piemontit zusammen mit Allanit-(Ce), Allanit-(La), Allanit-(Nd), Allanit-(Y), Alnaperbøeit-(Ce), Åskagenit-(Nd), Dissakisit-(Ce), Dissakisit-(La), Dollaseit-(Ce), Epidot, Epidot-(Sr), Ferriakasakait-(La), Ferriallanit-(Ce), Ferriallanit-(La), Ferriandrosit-(La), Ferriperbøeit-(Ce), Gatelit-(Ce), Hancockit, Khristovit-(Ce), Klinozoisit, Manganiakasakait-(La), Manganiandrosit-(Ce), Manganiandrosit-(La), Mukhinit, Niigatait, Perbøeit-(Ce), Piemontit-(Pb), Piemontit-(Sr), Tweddillit, Uedait-(Ce), Vanadoallanit-(La), Vanadoandrosit-(Ce), Västmanlandit-(Ce) und Zoisit die „Epidotgruppe“ mit der Systemnummer VIII/C.23 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Piemontit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Gruppensilikate mit gemischten SiO4- und Si2O7-Gruppen; Kationen in oktaedrischer er- und größerer Koordination“ zu finden, wo es zusammen mit Epidot, Epidot-(Sr), Hancockit, Klinozoisit, Mukhinit, Niigatait, Piemontit-(Sr) und Tweddillit die „Epidotgruppe“ mit der Systemnummer 9.BG.05a bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Piemontit die System- und Mineralnummer 58.02.01a.11. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Insulare, gemischte, einzelne und größere Tetraedergruppen“. Hier findet er sich in der „Epidotgruppe“, in der auch Allanit-(Ce), Allanit-(La), Allanit-(Y), Klinozoisit, Dissakisit-(Ce), Dollaseit-(Ce), Epidot, Hancockit, Khristovit-(Ce), Mukhinit und Piemontit-(Sr) eingeordnet sind.
Kristallstruktur Piemontit kristallisiert monoklin in der mit den Gitterparametern a = 8,87–8,90 Å; b = 5,65–5,67 Å; c = 10,16–10,18 Å und β = 115,43–115,48° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Bildung und Fundorte Piemontit bildet sich vorwiegend in Schiefer, Amphibolit-Fazies oder anderen metamorphen Gesteinen. Gelegentlich ist es auch in magmatischen Gesteinen wie Rhyolithen und Pegmatiten zu finden. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Epidot, Glaukophan, Orthoklas, Quarz und Tremolit.
Weltweit konnte das Mineral bisher (Stand: 2010) an rund 200 Fundorten nachgewiesen werden. Neben seiner Typlokalität Piemont wurde es in Italien noch in den Regionen Aosta, Ligurien, Lombardei und der Toskana gefunden werden.
Weitere Fundorte sind die Antarktis; die chinesischen Provinzen Qinghai und Sichuan; die Región de Coquimbo in Chile; Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein in Deutschland; Okzitanien in Frankreich; Griechenland; Indien; Hokkaidō, Honshū, Kyūshū und Shikoku in Japan; British Columbia und Québec in Kanada; Marokko; Nordmazedonien; auf der Südinsel von Neuseeland; Oppland, Rogaland, Sogn og Fjordane, Trøndelag und Telemark in Norwegen; Salzburg und Tirol in Österreich; in den östlichen und westlichen Regionen von Sibirien, Nordwestrussland und im Ural in Russland; mehrere Regionen von Schweden; die Kantone Graubünden, Tessin und Wallis in der Schweiz; Serbien; Spanien; Limpopo und Nordkap in Südafrika; Tansania; Türkei; Wales im vereinigten Königreich (Großbritannien) sowie in mehreren Regionen der Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
Verwendung mini|links|Piemontit-Quarz aus der Prabornaz Mine bei Saint-Marcel im italienischen Aosta-Tal Piemontit hat außer als Mineralprobe nur geringe wirtschaftliche Bedeutung. Er wird gelegentlich zu Schmucksteinen verarbeitet, allerdings besteht Verwechslungsgefahr mit der roten Zoisit-Varietät Thulit. Unter anderem bestehen Thulite aus Norwegen selten aus reinem Thulit, sondern fast immer aus einem Gemenge aus Thulit, Piemontit, Quarz, Muskovit-Glimmer, Tremolit und Calcit. Oft sind auch die Piemontite so stark mit Quarz durchsetzt, dass sie als „Piemontit-Quarz“ bezeichnet werden müssten. Bei Piemontit-Muskovit-Quarzen mit einem deutlichen Gehalt an Muskovit-Glimmer entsteht ähnlich wie bei der Oligoklas-Varietät „Sonnenstein“, dem Aventurin-Quarz oder dem synthetischen Goldfluss ein auffälliger „Glitzereffekt“. Im Handel wird dieser Stein entsprechend häufig als sogenannter „roter Aventurin-Quarz“ angeboten.
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Fundortliste für Piemontit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 13. September 2022.
Kategorie:Anerkanntes Mineral Kategorie:Monoklines Kristallsystem Kategorie:Gruppensilikate (Strunz) Kategorie:Calciummineral Kategorie:Aluminiummineral Kategorie:Manganmineral Kategorie:Siliciummineral Kategorie:Sauerstoffmineral Kategorie:Wasserstoffmineral