mini|Türbalken mit Hausspruch aus dem Jahre 1611

Das Bügeleisenhaus ist ein 1611 erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt Hattingens im südlichen Ruhrgebiet. Der Name stammt von seiner auffallenden Form (Bügeleisengebäude), die der Lage am Zusammentreffen zweier Gassen geschuldet ist.

Von 1962 bis 2021 befand sich in ihm das Museum des Heimatvereins Hattingen/Ruhr e. V.

Geschichte Das Gebäude hat einen trapezförmigen Grundriss und läuft dem Verlauf zweier Gassen folgend auf der südlichen Seite schmal zu. An der breiten Hausseite (Nordseite) stößt es das Haus „Haldenplatz 3“. Die Breite des Hauses beträgt an dieser Stelle 8,00 m, während es zur Südseite hin auf 2,57 m ausläuft. Das breitere Obergeschoss wird von Streben und Knaggen gestützt, die an den beiden Traufseiten bis zu 0,80 m auskragen. Die Balken sind teilweise mit Maskenschnitzereien und Voluten verziert. Der eingeschossige, 1865 errichtete Stall an der Südseite fehlt heute.

Das Gebäude ließ der Hattinger Bürger Wilhelm Elling im Jahre 1611 errichten. Er war vermutlich Kaufmann. Im Jahre 1620 erfolgte an der Giebelseite ein Anbau. Der aus dieser Zeit stammende Brunnen ist sechs Meter tief. Das Gebäude ist unterkellert. Der Türbalken trägt bis heute den Hausspruch (oben Original, unten Übersetzung):

Von 1771 bis 1856 lebten hier Tuchmacher, die auf ihren Handwebstühlen Tuche für Damen- und Herrenbekleidung sowie für Uniformen herstellten. Der letzte Tuchmacher in diesem Haus war Franz Sindern.

Im Jahre 1853 erwarb der jüdische Metzger Salomon Schmidt das Haus und ließ es umbauen. Er richtete einen Schlachtraum, eine Wurstküche und einen kleinen Laden im Haus ein. Neben der Haustür wurde ein Ladenfenster im klassizistischen Stil eingebaut, die anderen Fenster wurden vergrößert, die Giebelseite verschiefert, ein Treppenhaus eingebaut und an der Giebelseite ein kleiner Pferdestall angebaut (nicht mehr vorhanden).

1874 übertrugen die Eheleute Schmidt ihrer Tochter Amalie und deren Ehemann, dem Metzger Nathan Cahn, das gesamte Vermögen inklusive Gebäude. Deren Nachkommen, Selma und Alfred Abraham, wurden 1941 von den Nationalsozialisten enteignet, deportiert und ermordet. Sie waren die letzten jüdischen Besitzer des Hauses. Das Haus wurde 1945 der Jewish Trust Corporation (JTC) als Rechtsnachfolgerin rückübertragen. Diese verkaufte es später an die Stadt Hattingen.

Nutzung als Museum Der Heimatverein Hattingen/Ruhr e. V. erwarb das Haus im Jahre 1955 auf Initiative von Heinrich Eversberg, Fritz Seier und Wolfgang Rauh und renovierte es in Zusammenarbeit mit dem damaligen Landeskonservator von Westfalen-Lippe bis 1962, wobei auch das vermutete, ursprüngliche Aussehen zum Teil wiederhergestellt wurde. Sämtliche Zimmerei- und Schnitzarbeiten wurden vom ortsansässigen Zimmermeister Walter Gröpler durchgeführt.

1962 wurde das renovierte Gebäude als „Heimathaus“ mit einer Ostdeutschen Heimatstube eröffnet. Das bis 2011 meist nur sonntags geöffnete Museum zeigte unter anderem Funde von der Isenburg, wie zum Beispiel Münzen, Keramik, aber auch alte Werkzeuge und Knochen. Die Räume im Obergeschoss befassten sich bis ins Jahr 2011 mit den Hattinger Dichtern und Künstlern Hildegard Schieb, Otto Wohlgemuth und Ferdinand Krüger. Seit 2012 war das Museum zwischen April und Dezember samstags und sonntags, an Feiertagen von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Seit dem 5. Dezember 2021 ist das Museum geschlossen und das Bügeleisenhaus nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das einst im Alten Rathaus gelegene, benachbarte Stadtmuseum Hattingen befindet sich heute in Blankenstein.

Ausstellungen 21. April bis 9. Dezember 2018 „Zerbrochen ist sein Wappenschild, mit Trümmern seine Burg gefüllt – Die Grabungsfunde von der Hattinger Burg Isenberg“ „Kaufmann, Weber, Metzger, Künstler – Geschichten vom Haldenplatz Nr. 1“ „MADE in HATTINGEN - Waren aus der Heimat“ „Die Ostdeutschen Heimatstuben Hattingen 1962 bis 2002“

Bewohner-Historie Historie Jahr Bewohner Beruf Bemerkung 1611–ca. 1639 Wilhelm Elling, Ehefrau Gertrud geb. Netmanund vier Kinder (Gertrudis, Anna,Margaretha, Johann-Arnold) unbekannt Erbauer des Hauses. Heirat (⚭) 26. Januar 1622 1766–1808 Johann-Dietrich Schultemit Ehefrau und vier Töchtern Gärtner * 2. November 1744 in Herdecke, übernahm das Hausvon seinem Vater; † 8. Januar 1808 1808 Christoph Niermann mit EhefrauMaria-Elisabeth (geb. Schulte) mit fünf Kindern Tuchmacher Maria erbte das Haus von ihrem Vater,⚭ 27. März 1810 1826 unbekannt unbekannt Niermann war noch Eigentümer des Hauses,wohnte aber bei Haus „Bruch“, Welper 1833 Friedrich-Wilhelm Höfken Tuchfabrikant ersteigerte das Haus am 4. Oktober 1833 1836 Jonas Höfken sen. unbekannt erbte das Haus von seinem Vater 1838 Wilhelmine Hochstrate unbekannt kaufte das Haus für 650 Reichstaler (Rthlr.) 1838 Franz Sintern (* 1787) mit Ehefrau und Sohn Tuchweber W. Hochstrate übertrug das Haus am 22. April 1838. 1843 • Franz Sintern• Familie Michel (* 1796) mit Frau und Sohn,• Heinrich Schmidt (* 1815) mitEhefrau und zwei Kindern • Tuchmacher• Tuchbereiter• Schmied  1852 • Franz Sintern und Familie• Schilling• Somme• Gieselmann • Tuchmacher    Berufe und Anzahl derFamilienmitglieder unbekannt 1856 Salomon Schmidt und Familie Metzger kaufte das Haus am 1. November 1856;Umbauten:Schlachtraum, Wurstküche, Ladenlokal,Pferdestall (Anbau an der südlichenGiebelseite, nicht mehr vorhanden) 1861 • Andreas Schmalz• August Feilke• Abraham Heinrichs unbekannt Berufe und Anzahl derFamilienmitglieder unbekannt 1867 Salomon Schmidt unbekannt Beruf und Anzahl derFamilienmitglieder unbekannt 1874–1907 • Nathan Sive• Norbert Cahn mit EhefrauAmalie, geb. Schmidt Metzger * 25. Dezember 1874 im Haus 1885 Familie Cahn (3 männl., 6 weibl. Personen) Metzger Angaben Volkszählung Haus Nr. 340 1891 • Nathan Cahn• Karl Kurtze• Sybille Schmidt • Metzger• Metzgergeselle• Witwe 1907 unbekannt unbekannt Die Metzgerei wird in die „Bruchstraße“verlegt und das Haus ist von da an nurnoch Wohnhaus mit verschiedenen Mietern. 1908 • Heinrich Claes• Adele Rund• Anna Rund• Karl Rund jun.• Karl Rund sen.• Florentine Schneider• Magdalena Schneider • Schneidermeister• Fabrikarbeiterin• Fabrikarbeiterin• Bohrer• Reichsinvalide• Putzerin• Witwe (Cahn?) 1929 • Wilhelmine Hesper• Wilhelm Kranz• Heinrich Schiff• Johann Stump• Alma Marklein • Witwe• Arbeiter• Arbeiter• Kranführer• Putzfrau • (Bahn)• Furhmann bei Schack    1933 Familie Glittenberg mit Tochter Margot unbekannt Margot (* 8. Juli 1933 im Hause) 1934 • Otto Behlau• Wilhelm Geile• Wilhelm Kranz mit Kindern (Johanna, August) • Emma Kurzawa• Dietrich Leimann• Anton Simon• Wilhelm Waldmann• Hermann Weber • Arbeiter• unbekannt• Hilfsarbeiter• Arbeiterin• Ofenmann• unbekannt• Vorarbeiter• Schlosser 1937 Elisabeth Rölker Einzelhandelskaufmann Tochter von Johanna Kranz(23. Juni 1937 im Hause) 1938–1941 • Anton und Änne Simon• Anni, Hilde und Kitty Koch mitEltern und Schwester (Tante?) • unbekannt• unbekannt 1961–1964 Otto Wohlgemuth Bergmann, Dichter, Stadt-bibliothekar und Maler * 30. März 1884;† 18. August 1965 im Hause 1962–1964 Marie Wittenbecher unbekannt * 12. September 1913;⚭ mit O. Wohlgemuth 28. September 1962. 1964 Marie Meschede Zeitungsbotin * 1900

Lage Das Museum im Bügeleisenhaus, Haldenplatz Nr. 1, 45525 Hattingen/Ruhr

Galerie

Siehe auch Liste von Bügeleisengebäuden auf der ganzen Welt

Weblinks

Das Museum im Bügeleisenhaus Heimatverein Hattingen/Ruhr e. V.

Einzelnachweise

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