mini|Bauhaus Dessau, Weltkulturerbe der UNESCO
Dessau-Roßlau [] ist eine kreisfreie Stadt im Land Sachsen-Anhalt in Deutschland. Sie ist bei der Kreisreform am 1. Juli 2007 aus der Fusion der kreisfreien Stadt Dessau und der vorher zum aufgelösten Landkreis Anhalt-Zerbst gehörenden Stadt Roßlau (Elbe) entstanden. Die Stadt ist, gemessen an der Zahl der Einwohner, nach Magdeburg und Halle (Saale) die drittgrößte Stadt sowie eines von drei Oberzentren des Landes. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Halle, etwa 40 km südwestlich, Leipzig, etwa 52 km südöstlich und Magdeburg, etwa 53 km nordwestlich. Dessau-Roßlau ist Teil der Metropolregion Mitteldeutschland. Historisch war Dessau Hauptstadt und Residenz des Fürstentums und späteren Herzogtums Anhalt-Dessau sowie bis November 1918 des Herzogtums Anhalt, die von den Askaniern regiert wurden. Das Bauhaus Dessau und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehören zum UNESCO-Welterbe.
Geografie Lage mini|Falschfarbenbild der Dessau-Wörlitzer Elbauen zwischen Dessau und Coswig mit Muldemündung aus DGM1-Daten mini|Dessau, Luftaufnahme (2022)
Dessau-Roßlau liegt inmitten einer ausgedehnten Auenlandschaft beiderseits der mittleren Elbe (siehe Biosphärenreservat Mittelelbe) sowie an der Mulde, die im Stadtgebiet in erstere mündet. Die Stadt wird durch das Zusammenfließen der beiden Flüsse jährlich durch Hochwasser bedroht. Dies ist der Fall, wenn die Elbe zu viel Wasser führt, sodass das Muldewasser nicht vollständig abfließen kann und sich zurückstaut. So wurde während des Hochwassers 2002 der Stadtteil Waldersee vollständig überflutet.
Im Süden grenzt die Stadt an die waldreiche Mosigkauer Heide, im Norden an die ebenso bewaldeten Gebiete des südlichen Flämings. Die höchste natürliche Erhebung ist der 111 m hohe Spitzberg nahe dem Ortsteil Streetz. Die höchste künstliche Erhebung ist die ca. 110 m NHN hohe ehemalige Mülldeponie Scherbelberg im Südwesten der Stadt. Der Wallwitzberg am südlichen Ufer der Elbe mit 76 m Höhe wurde im 18. Jahrhundert aufgeschüttet.
Dessau-Roßlau ist von zahlreichen Schloss- und Parkanlagen der ehemaligen Fürsten von Anhalt umgeben und zählt deshalb zu den grünsten Städten Deutschlands.
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden und Städte grenzen mit ihren Flächen an die Stadt Dessau-Roßlau.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Dessau-Roßlaus ist für statistische Zwecke in 2 Stadtteile und 25 Stadtbezirke eingeteilt. Die Stadtbezirke 1 bis 21 gehören zum Stadtteil Dessau, 22 bis 25 zu Roßlau (Elbe).
+ Stadtteile mit Stadtbezirken und Stadtbezirksnummern Stadtteil Dessau 01 I.B. Nord 02 I.B. Mitte 03 I.B. Süd 04 Süd 05 Haideburg 06 Törten 07 Mildensee 08 Waldersee mit Jonitz 09 Ziebigk 10 Siedlung 11 Großkühnau 12 Kleinkühnau 13 West 14 Alten 15 Kochstedt 16 Mosigkau 17 Zoberberg 18 Kleutsch 19 Sollnitz 20 Brambach 21 Rodleben mit Tornau und Bernsdorf Stadtteil Roßlau22 Roßlau 23 Meinsdorf 24 Mühlstedt 25 Streetz/Natho
Schutzgebiete
In der kreisfreien Stadt befinden sich fünf ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand September 2022).
Klima Durch die Lage im mitteldeutschen Trockengebiet ist die Stadt recht niederschlagsarm. Die großen Regenwolken, die durch die Westwinddrift gewöhnlich vom Atlantik nach Mitteleuropa ziehen, regnen durch den Steigungsregen im Harz ab, bevor sie Dessau-Roßlau erreichen. Ähnlich ist es mit Niederschlägen aus Südwesten und Südosten, bei denen jeweils der Thüringer Wald und das Erzgebirge im Wege stehen. Große Niederschlagsgebiete können die Stadt hauptsächlich aus Nordwesten erreichen.
Geschichte mini|Rathaus und Marktplatz Dessau, 2009
Da die Stadt erst seit dem 1. Juli 2007 in dieser Form existiert, sind weitere Angaben zur Geschichte unter Dessau und Roßlau (Elbe) zu finden. Um weiterführende Informationen zum Thema zu erhalten, siehe die Hauptartikel Geschichte der Stadt Dessau und Schlacht bei Dessau.
Die Stadt Dessau-Roßlau entstand am 1. Juli 2007 im Zuge der Kreisreform in Sachsen-Anhalt.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007 Nach der Fusion von Dessau und Roßlau ergab sich die Einwohnerzahl von 91.243 (Stand 31. Dezember 2006). Dessau-Roßlau hätte durch die diskutierte Eingemeindung der Verwaltungsgemeinschaft Wörlitzer Winkel und Quellendorfs 100.000 Einwohner erreichen und damit Großstadt werden können, diese beiden Verwaltungseinheiten gingen jedoch bei der Gebietsreform andere Wege. Den Großstadt-Status hatte Dessau bereits ab 1935 durch die Eingemeindung von Roßlau (am 1. April 1946 wurde Roßlau wieder eine selbständige Stadt und am 25. Juli 1952 eine Kreisstadt) und von 1972 bis 1990.
Im Februar 2010 wurde die Dessauer Fördermittelaffäre bekannt, die zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Landtag von Sachsen-Anhalt führte, der im Dezember 2015 seinen Abschlussbericht vorlegte.
Eingemeindungen
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Alten 1. Oktober 1923 Eingemeindung nach Dessau Brambach 1. Januar 2005 Eingemeindung nach Dessau Dellnau 1. Mai 193015. April 1933 Eingemeindung nach Dessau,Umgliederung nach Mildensee Dessau 1. Juli 2007 Zusammenschluss mit Roßlau/Elbe zu Dessau-Roßlau Großkühnau 1. Oktober 1923 Eingemeindung nach Dessau Haideburg, Gutsbezirk 1. Januar 1949 Eingemeindung nach Dessau Jonitz 1. Mai 193015. April 19331. April 1935 Eingemeindung nach Dessau,Ausgliederung aus Dessau,Zusammenschluss mit Naundorf zu Jonitz-Naundorf Jonitz-Naundorf 24. Juli 1935 Umbenennung in Waldersee Kleinkühnau 1. Oktober 1923 Eingemeindung nach Dessau Kleutsch 1. Juli 1994 Eingemeindung nach Dessau Kochstedt 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Dessau Meinsdorf 1. Oktober 1965 Eingemeindung nach Roßlau/Elbe Mildensee 1. November 1945 Eingemeindung nach Dessau Mosigkau 25. Juli 1952 Eingemeindung nach Dessau Mühlstedt 1. Januar 2003 Eingemeindung nach Roßlau/Elbe Natho 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Streetz Naundorf 1. Mai 193015. April 19331. April 1935 Eingemeindung nach Dessau,Ausgliederung aus Dessau,Zusammenschluss mit Jonitz zu Jonitz-Naundorf Neeken 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Brambach Pötnitz 1. Mai 193015. April 1933 Eingemeindung nach Dessau,Umgliederung nach Mildensee Rietzmeck 20. Juli 1950 Eingemeindung nach Brambach Rodleben 1. Januar 2005 Eingemeindung nach Dessau Roßlau/Elbe 1. April 19351. April 19461. Juli 2007 Eingemeindung nach Dessau,Ausgliederung aus Dessau,Zusammenschluss mit Dessau zu Dessau-Roßlau Scholitz 1. Mai 193015. April 1933 Eingemeindung nach Dessau,Umgliederung nach Mildensee Sollnitz 1. Juli 1994 Eingemeindung nach Dessau Streetz 1. Januar 2001 Eingemeindung nach Roßlau/Elbe Tornau 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Rodleben Törten 1. Oktober 1923 Eingemeindung nach Dessau Waldersee 1. November 1945 Eingemeindung nach Dessau Ziebigk 1. Oktober 1923 Eingemeindung nach Dessau
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Am 31. Dezember 2016 betrug die amtliche Einwohnerzahl von Dessau-Roßlau nach Fortschreibung des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt 82.505 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Bevölkerungsbewegungen Kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau Fünf Jahre später betrug die Einwohnerzahl 78.731, sie stieg innerhalb eines Jahres auf 79.655 am 31. Dezember 2022 an. Am 31. Dezember 2025 lebten laut Zensus 2022 in Dessau-Roßlau 75.035 Einwohner.
Konfessionsstatistik In Dessau-Roßlau ist die Mehrheit der Bevölkerung konfessionslos. Gemäß dem Zensus 2022 waren (15. Mai 2022) 8,6 % der Einwohner evangelisch, 2,8 % katholisch und 88,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 16. September 2024.
Evangelische Kirche Die Stadt Dessau gehörte von Anfang an zum Erzbistum Magdeburg. 1534 wurde durch Georg III. die Reformation offiziell in Dessau eingeführt. Nach der Vereinigung der anhaltischen Fürstentümer 1863 war Dessau Hauptstadt und damit auch Sitz der Kirchenverwaltung der Evangelischen Landeskirche Anhalts, die zwischen 1875 und 1878 eine synodale Grundlage erhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Landeskirche von einem Oberkirchenrat geleitet, der seit 1957 den Titel Kirchenpräsident führt. Sein Amtssitz befindet sich in Dessau. Die protestantischen Kirchengemeinden Dessau-Roßlaus gehören – sofern es sich nicht um Freikirchen handelt – entweder zum Kirchenkreis Dessau oder Zerbst in der Evangelischen Landeskirche Anhalts, die sich in mehrere Regionen aufteilen. Die Grenze verläuft entlang der Elbe.
Katholische Kirche Ab 1750 gab es wieder Katholiken in Dessau. 1858 erhielten sie wieder eine eigene Kirche. Die Pfarrgemeinden Dessau-Roßlaus gehören heute zum Bistum Magdeburg.
Dabei gehören die Gemeinden Propstei St. Peter und Paul, Dreieinigkeit Dessau-Süd und St. Josef Dessau-Alten zur Pfarrei St. Peter und Paul. Die Gemeinde Herz Jesu in Roßlau ist dagegen die Pfarrkirche der Roßlauer Pfarrei Heilige Familie.
Neuapostolische Kirche Seit Gründung der Kirche Ende des 19. Jahrhunderts gibt es in Dessau-Roßlau neuapostolische Christen, die sich in einer eigenen Kirche versammeln. Die Gemeinde gehört heute zur Neuapostolischen Kirche Sachsen-Anhalt K.d.ö.R. mit Verwaltungssitz in Magdeburg.
Judentum In Dessau, der Stadt, aus der Moses Mendelssohn und Kurt Weill stammen, gibt es seit 1990 wieder eine jüdische Gemeinde. Sie zählt um die 350 Mitglieder und setzt sich hauptsächlich aus Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion zusammen. Am 22. Oktober 2023 wurde auf dem Standort der 1938 von den Nationalsozialisten vollständig zerstörten Dessauer Synagoge die neue Synagoge feierlich eröffnet. Sie ergänzt das 1908 errichtete und heute denkmalgeschützte Rabbinerhaus, in dem der Komponist Kurt Weill seine Kindheitsjahre verbrachte. Sein Vater Albert Weill war Kantor der jüdischen Gemeinde. Die neue Synagoge trägt daher den Namen Weill-Synagoge.
Islam Ein islamischer Gebetsraum besteht seit 2010 in der Askanischen Straße.
Dialektgrenze Dessau-Roßlau liegt beidseits der Benrather Linie, die hier der Elbe folgt, und somit am Übergang von den hochdeutschen – genauer den ostmitteldeutschen – Dialekten zur niederdeutschen Sprache.
Politik Stadtrat Aufgrund der Fusion von Dessau und Roßlau im Jahr 2007 wurde am 22. April 2007 ein neuer Stadtrat gewählt, obwohl die letzten Kommunalwahlen erst 2004 stattgefunden hatten. Die Wahlperiode dieses Stadtrates endete aber wie in anderen Gemeinden des Landes entsprechend § 46 Absatz 3 Kommunalwahlgesetz des Landes Sachsen-Anhalt erst im Jahr 2014, so dass die Räte ausnahmsweise für sieben Jahre gewählt wurden.
Vorsitzende des Stadtrates 2007–2014: Stefan Exner (CDU) 2014–2019: Lothar Ehm (CDU) 2019–aktuell: Frank Rumpf (CDU)
Außerdem gehört dem Stadtrat der direkt gewählte Oberbürgermeister an.
Ergebnisse vergangener StadtratswahlenErgebnisse der Stadtratswahl vom 25. Mai 2014 in der Stadt Dessau-Roßlau. Stadt Dessau-Roßlau, Dezember 2014 (PDF; 6,3 MB)Sonderheft Dessau-Roßlau in Zahlen und Fakten: Ergebnisse der Stadtratswahl vom 22. April 2007 in der Stadt Dessau-Roßlau. Stadt Dessau-Roßlau, September 2007 (PDF; 5,5 MB).