mini|Mögliches Selbstporträt Corputius’ auf seinem Plan Duisburgs 1566
Johannes Corputius, eigentl. Johan van den Corput, auch Cornput oder Johannes de Corput (* April 1542 herausgegeben vom Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft vgl. Bestand Breda Nr. 811, f. 119. Veröffentlicht von Gerrit Cornelius Aadrianus Juten in: Taxandria: tijdschrift voor Noordbrabantsche Geschiedenis en Volkskunde, 36. Jg. 1929, S. 297 ff. in Breda; † 17. September 1611 in GroningenJan Pieter Johannes Postema: Johan van den Corput, 1542-1611: kaartmaker, vestingbouwer, krijgsman, Kampen: Stichting Ijsselakademie, 1993, ISBN 90-6697-063-4vgl. Matthys Balen: Beschryvinge der stad Dordrecht, Dordrecht, 1677, S. 1018, nennt den 17. September 1611 als Todesdatum.das von Petrus Pappus von Tratzberg in Auftrag gegebene Epitaph in der Groninger Martinikirche hat als Todesdatum den 17. September 1611, [...]M D CXI DIE SEPT XVII[...], angegeben, vergl. Lichtbild im Onlineangebot des Stadtarchivs Breda, Identifikationsnummer: Janus Grunterus, 1614 (vgl. Heinrich Averdunk: Geschichte der Stadt Duisburg, 1894, S. 42f.) nennt jedoch den 27. September 1611 „27. Sept. 1611 styli veteris obiit“. Dieses Datum ist nur dann richtig unter Berücksichtigung der Kalenderform von 1528.) war ein niederländischer Ingenieur, Militärführer und Kartograph. Er ist der Autor des, auch farbigen, Corputius-Planes, der die Stadt Duisburg aus der Vogelperspektive zeigt.
Leben mini|Der Corputius-Plan von 1566 zeigt Duisburg nach exakten geografischen Messungen. mini|Das Haus des Gerhard Mercator in Duisburg, wo Corputius von 1562 bis 1566 lebte mini|Delfzijl wurde nach Plänen Corputius’ ab 1591 befestigt, Karte von Joan Blaeu, 1649 mini|Die Belagerung Steenwijks 1592 mini|In der Groninger Martinikirche wurde Johannes Corputius 1611 beigesetzt
Johannes Corputius war der Sohn des Notars und Stadtsekretärs von Breda Johan van den Cornput d. Ä. und von Antonia Montens. Die bürgerliche Familie war bereits damals in den Niederlanden einflussreich. Johan van den Cornput d. Ä. wurde später Bürgermeister von Breda. herausgegeben vom Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft Auch folgende Generationen der Familie spielten wichtige Rollen in der Niederländischen Geschichte. In indirekter Linie waren beispielsweise Johan und Cornelis de Witt über ihre Mutter Anna van den Corput (Corputius’ Nichte) mit Corputius verwandt.Jan P. J. Postema: Johannes Corputius (1542-1611); Kriegsmann, Kartenzeichner, Festungsbauer. In: Hans-Georg Kraume [Red.]: Duisburger Forschungen. 35, Braun, Duisburg 1987, ISBN 3-87096-046-9
Corputius studierte 1558 in Löwen, vermutlich auch in Köln, wie er selbst angibt.vgl. „nu vijfthien jaeren lang sich in de van alderley goede consten ende leeringen geexerceert tot Loven, tot Colen ende in andere verscheydenen plaetsen.“ in herausgegeben vom Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft Er kam 1562 nach Duisburg, wo er bei Gerhard Mercator Mathematik (Gerätebau, Vermessungswesen, Kupferstechen) studierte und in dessen Haus lebte. Auch besuchte Corputius Lehrveranstaltungen des Duisburger Akademischen Gymnasiums, unter anderem den Griechischunterricht bei Johannes Molanus. Nach der Schließung des Gymnasiums im selben Jahr blieb Corputius mehrere Jahre im Hause Mercators.
Der in dieser Zeit von Corputius verfertigte besonders detailgenaue Plan Duisburgs (Corputius-Plan) entstand auf Grund exakter Messungen im Duisburger Stadtgebiet. Die notwendigen Messungen hatte Corputius nach eigenen Angaben in einem Brief in den Jahren 1562 und 1563 durchgeführt und eine Zeichnung gefertigt. Die Messungen unternahm er von drei verschiedenen Punkten aus mittels eines von ihm selbst gefertigten Quadratum geometricum. Die wichtigsten Peilungen nahm Corputius Van den grooten tooren te Duysburg aus vor, das heißt, vom Turm der Salvatorkirche. Als weitere Messpunkte nutzte er einen der Türme der Marienkirche und einen Turm der Stadtbefestigung zwischen Kuhtor und Stapeltor.Joseph Milz: Der Duisburger Stadtplan des Johannes Corputius und seine Vermessungsgrundlagen. In: Cartographica Helvetica Heft 11 (1995)
Die aufwendigen Gravuren für den Kupferstich des Plans hatte Corputius offenbar bis 1565 abgeschlossen. Doch erschien der Plan erst am 25. März 1566Frosien-Leinz, Heike: Der Corputius-Plan: Kommunales Selbstbewusstsein und Werbemittel., was in einem möglichen Zusammenhang mit der anstehenden Vergabe des Privilegs zur Universitätsgründung in Duisburg auf dem Reichstag in Augsburg durch Kaiser Maximilian II. in diesem Monat gesehen wird. Tatsächlich ist bei der auf dem Plan angegebenen römischen Jahreszahl MDLXVI an der letzten Stelle die I kleiner angefügt worden. Möglicherweise hat Corputius sich auch selbst oben rechts auf dem Plan porträtiert.Jan P. J. Postema: Johannes Corputius (1542-1611); Kriegsmann, Kartenzeichner, Festungsbauer. In: Hans-Georg Kraume [Red.]: Duisburger Forschungen. 35, Braun, Duisburg 1987, ISBN 3-87096-046-9, S. 35
Der Corputius-Plan gibt einen anschaulichen Eindruck der architektonischen Gestaltung der frühneuzeitlichen Stadt. Die Aufzeichnungen zeigen, dass die Messungen sogar noch deutlich genauer als der spätere Plan waren. Vier originale Platten des Plans wurden noch 1740 in Dordrecht zum Verkauf angeboten. Lange verschollen, wurde 1894 ein koloriertes Original des Corputiusplanes in der Breslauer Stadtbibliothek wiederentdeckt. Glücklicherweise wurde drei Jahre darauf eine Kopie für Duisburg angefertigt, denn der Breslauer Originalplan ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Der einzige noch verbliebene originale Abdruck in schwarz-weiß befindet sich im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburgs.
1566 verließ Corputius die Stadt Duisburg. Es wird angenommen, dass er zunächst in seine Heimatstadt Breda zog. Am 13. August 1567 ließ er sich von den Stadtoberhäuptern ein Zeugnis ausstellen, das ihm seine Abstammung aus einer ehrbaren Familie bescheinigt.vgl. „dat de liefde zijns vaderlants ende de eere van God almachtich hem moveerden om grooter studien ende geleertheyt naerder te vervolgen“ in herausgegeben vom Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft Corputius wollte offenbar seine Studien in Griechenland und Italien fortsetzen. herausgegeben vom Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft Es ist allerdings nicht sicher, ob er diese Länder tatsächlich besucht hat. Jan Postema erkennt in den späteren Werken Corputius’ jedoch zumindest einen deutlichen italienischen Einfluss.Jan P. J. Postema: Johannes Corputius (1542-1611); Kriegsmann, Kartenzeichner, Festungsbauer. In: Hans-Georg Kraume [Red.]: Duisburger Forschungen. 35, Braun, Duisburg 1987, ISBN 3-87096-046-9, S. 41
Ab Dezember 1568 hielt sich Johannes Corputius zum Studium in Straßburg im Hause des Johannes Sturm auf. Briefe seiner Familie nach Straßburg und von Hugo Blotius aus der Stadt belegen die Anwesenheit Corputius’ bei Sturm. Die briefliche Beschreibung Blotius’ lobt sein Talent als Zeichner und Kupferstecher. Unter anderem habe er den Rektor der Straßburger Akademie, Johannes Sturm, porträtiert. Blotius lobte auch Corputius’ Sprachkompetenz in Latein, Griechisch, Französisch und Deutsch.
1574 kam Corputius wieder nach Duisburg. Sein Name erscheint mit Datum vom 25. März in einer Steuerliste. Die folgende Aufenthaltsdauer in der Stadt ist nicht genau belegt. Ende August bis Ende September desselben Jahres ist Corputius erstmals als Militär der Niederländer fassbar.Jan P. J. Postema: Johannes Corputius (1542-1611); Kriegsmann, Kartenzeichner, Festungsbauer. In: Hans-Georg Kraume [Red.]: Duisburger Forschungen. 35, Braun, Duisburg 1987, ISBN 3-87096-046-9, S. 30
Corputius war ab etwa 1578 als Artilleriehauptmann am niederländischen Unabhängigkeitskrieg beteiligt. herausgegeben vom Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft Er war dabei zunächst mit dem Ausbau der Befestigung von Aalst betraut. Eine wichtige Rolle übernahm er an der Seite des Grafen von Rennenberg, Georg von Lalaing, bei der Belagerung von Deventer in diesem Jahr. Rennenberg hielt Corputius’ Rang und Funktion schriftlich fest. Er bezeichnete ihn als seinen Hauptmann und fortificationeur, also Festungsbauer. Nicht zuletzt durch Corputius Ingenieurleistungen konnte die Stadt eingenommen werden. Nach Corputius Entwürfen wurden rings um die Stadt neue Schanzen angelegt, die es unmöglich machten, die Stadt von außerhalb zu versorgen. Er schlug vor Schützengräben anzulegen, das Wasser des Grabens der Stadt umzuleiten und schließlich deren Befestigung zu unterminieren.
In der Folgezeit wurde er Gouverneur in Coevorden. Sein Auftrag war es, die dortige Befestigung auszubauen. Der dazu von ihm erstellte Plan wurde von den Generalstaaten gutgeheißen. Doch konnten für die fünf von Corputius geplanten Bastionen zunächst nur die Fundamente angelegt werden. Lediglich zwei Bastionen wurden vollendet. Erst später wurde auf den von Corputius geleisteten Vorarbeiten das Festungswerk in Coevorden unter spanischer Leitung vollendet.
Um 1580 hat sich Johannes Corputius als Soldat mehrfach ausgezeichnet. Im Kampf um die Stadt Steenwijk war er an der Spitze der Belagerten zu finden. Sein Kampfesmut wurde gerühmt: er galt als „Mann, der Tausende aufwog“. Bei der Verteidigung Steenwijks stand Corputius dem Grafen von Rennenberg gegenüber, der inzwischen zum spanischen Lager übergetreten war. Steenwijk konnte unter Corputius Führung gehalten werden, die spanischen Truppen gaben die Belagerung 1581 auf.
Die Kriegshandlungen um Steenwijk hielt Corputius im Kupferstich fest. Als Autor Reinico Fresinga mit dem Ortszusatz van Frennicker verfertigte er 1584 einen Bericht über die Geschehnisse des Krieges in den Provinzen Friesland, Overijssel, den Ommelanden, in Drenthe, Groningen und in Lingen.Reinico Fresinga van Frennicker: Memorien van den gedenckwerdigen dingen, dier in den Nederlandiſchen Provincien van Frieslant, Overijſſel, Omlanden, Drenthe, Grueningen, ende Lingen, met heuren bijliggenden frontieren geſchiet ſyn, Fridzert van Campen, Dewenter 1584 Jan Postema konnte diesem Pseudonym den Namen Corputius zuordnen. Dies hatte an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert bereits der Historiker Emanuel van Meteren als Vermutung geäußert, der in zweiter Ehe mit Hester van den Cornput, einer Tochter von Johannes Corputius’ Bruder Nicolaas,Nicolaas van den Corput war Stadtsekretär von Breda. verheiratet war.Ale Algra, Hendrik Algra: Dispereert niet. Twintig eeuwen historie van de Nederlanden, Franeker: Wever, 1978, S. 404, ISBN 90-6135-272-X Van Meteren kam zu dem Schluss, weil mehr als ein Drittel des Werkes sich allein der Belagerung von Steenwijk widmet und darin ein Loblied auf die Großartigkeit des Befehlshabers Johan van den Cornput gesungen wird.
1585 hielt Corputius sich zu einem Besuch bei seinen Verwandten in Heidelberg auf. Etliche Familienmitglieder hatten als Calvinisten die Niederlande zeitweilig verlassen. Im folgenden Jahr wurde Corputius Hauptmann einer Kompanie Fußknechte des Grafen Adolf von Neuenahr, der seit dem Vorjahr Statthalter von Overijssel war. 1587 wurde Corputius zum Superintendent, Standortkommandant, von Hasselt ernannt. Diese Position behielt er bis nach 1590.
Corputius trat in die Dienste Wilhelm Ludwigs von Nassau, damals Statthalter von Friesland, später auch von Groningen und Drenthe. Postema sieht einen Einfluss Corputius’ auf die Niederländische Heeresreform über dessen beratende Funktion für Wilhelm Ludwig. Wie bereits Hans Delbrück anmerkt, hätte Corputius damit die folgenden Rückeroberungen unter Moritz von Oranien mit vorbereitet.Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, Berlin 1920, Teil 4, S. 184 Corputius’ humanistische Bildung dürfte dabei, so schlussfolgert Jan Postema, eine gute Grundlage gewesen sein.