miniatur|Walter Giller (1955) miniatur|Spion für Deutschland (1956), Filmplakat von Helmuth Ellgaard: Walter Giller (links vorne) und Martin Held (rechts) miniatur|Das Schauspielerehepaar Nadja Tiller und Walter Giller (2009)
Walter Giller (* 23. August 1927 in Recklinghausen; † 15. Dezember 2011 in HamburgZum Tod von Walter Giller – Charaktermann in viel zu heiler Welt. In: sueddeutsche.de vom 16. Dezember 2011, abgerufen am 16. Dezember 2011) war ein deutscher Schauspieler.
Leben Aufgewachsen als Sohn des Kinderarztes Walter Giller und dessen Ehefrau Edwine, geb. Röver, in Hamburg, wurde der Gymnasiast Anfang 1943 als Flakhelfer eingezogen. Nach seiner Kriegsgefangenschaft begann er zunächst ein Studium der Medizin. Giller entschied sich dann jedoch, Schauspieler zu werden. Nach Volontariat und Regieassistenz an den Hamburger Kammerspielen bei Ida Ehre bekam er 1947 seine erste Theaterrolle in Thornton Wilders Wir sind noch einmal davongekommen. Er nahm Schauspielunterricht bei Eduard Marks in Hamburg.
Ab 1948 erhielt Giller erste kleine Filmrollen. Seine erste Hauptrolle spielte er 1951 in dem Film Primanerinnen. Giller wurde ein vertrautes Gesicht des deutschen Kinofilms der 1950er Jahre. Manchmal komisch, manchmal schüchtern, aber immer nett und nie ausfallend repräsentierte er in zahlreichen Produktionen den jungen Herrn von nebenan. Nur selten bot sich ihm die Gelegenheit, sein großes Potenzial als Charakterdarsteller unter Beweis zu stellen. So spielte er neben Heinz Rühmann in Der Hauptmann von Köpenick (1956), neben Martin Held in Spion für Deutschland (1956) und Rosen für den Staatsanwalt (1959, Bundesfilmpreis) sowie mit Hardy Krüger in Zwei unter Millionen (1961, ebenfalls Bundesfilmpreis).
In den 1960er Jahren wirkte Giller hauptsächlich in einigen der damals gängigen Krimis, Abenteuer- und Paukerfilmen mit, während er sich in den 1970er Jahren ganz auf Fernsehrollen verlegte. Mit Peter Frankenfeld als Sketchpartner spielte er häufig angetrunkene Kneipenbesucher. Er intensivierte auch wieder seine Theaterarbeit und trat vor allem in Tourneen auf. Auch trat er als Autor von zwei Kinderbüchern hervor: Lustige Geschichten von Natascha und Jan (1968) und Walter Giller erzählt Geschichten zur Guten Nacht (1969). In dem preisgekrönten Fernsehspiel Der geborgte Weihnachtsbaum von 1966 spielte Walter Giller neben Michael Nowka und Wolfgang Völz unter der Regie von Dietrich Haugk eine Hauptrolle. In den 1980er Jahren verlieh Giller in der 12-teiligen Kinder-Hörspielserie Schubiduu..uh von Peter Riesenburg als Erzähler seine Stimme.
Walter Giller und Nadja Tiller, mit der er seit dem 5. Februar 1956 verheiratet war, galten in den 1950er und 1960er Jahren als Traumpaar und standen bis zuletzt oft gemeinsam vor der Kamera; Giller lebte mit seiner Ehefrau seit Ende der 1950er Jahre in Castagnola bei Lugano. Sie erhielten am 30. November 2006 gemeinsam einen Bambi für ihr Lebenswerk. Aus der Ehe gingen eine Tochter (* 1959) und ein Sohn (* 1964) hervor. Seit 2004 lebte Giller gemeinsam mit seiner Frau im Augustinum Hamburg.
Walter Giller starb im Alter von 84 Jahren in einer Hamburger Klinik an den Folgen einer Krebserkrankung. Er litt seit Ende 2008 an Lungenkrebs. Giller wurde in der Nordsee bei Büsum bestattet.Nadja Tiller bestattet ihren Ehemann Walter Giller. In: BILD, abgerufen am 15. Mai 2012
Filmografie 1949: Artistenblut 1950: Insel ohne Moral 1950: Das Mädchen aus der Südsee 1951: Die Frauen des Herrn S. 1951: Falschmünzer am Werk 1951: Primanerinnen 1951: Sensation in San Remo 1951: Wildwest in Oberbayern 1952: Der bunte Traum 1952: Der Tag vor der Hochzeit 1952: Die Diebin von Bagdad 1952: Liebe im Finanzamt 1953: Fräulein Casanova 1953: Heimlich, still und leise 1953: Schlagerparade 1953: Skandal im Mädchenpensionat 1953: Südliche Nächte 1953: Wirbel um Irene (Irene in Nöten) 1954: An jedem Finger zehn 1954: Die tolle Lola 1954: Sie 1954: Mit und ohne Begleitung (Fernsehfilm) 1955: Die Drei von der Tankstelle 1955: Musik, Musik und nur Musik 1955: Schwedenmädel 1956: Charleys Tante 1956: Das Bad auf der Tenne 1956: Das Sonntagskind 1956: Der Hauptmann von Köpenick 1956: Ich und meine Schwiegersöhne 1956: Nichts als Ärger mit der Liebe 1956: Schwarzwaldmelodie 1956: Spion für Deutschland 1956: Was die Schwalbe sang 1956: Der schräge Otto 1957: Blaue Jungs 1957: Das Glück liegt auf der Straße 1957: Die große Chance 1957: Drei Mann auf einem Pferd 1957: Frühling in Berlin 1958: Italienreise – Liebe inbegriffen 1958: Peter Voss, der Millionendieb 1958: Zwei Herzen im Mai 1959: Rosen für den Staatsanwalt 1959: Bobby Dodd greift ein 1959: Geliebte Bestie 1959: Liebe auf krummen Beinen 1959: Peter Voss, der Held des Tages 1959: So angelt man keinen Mann 1960: Heldinnen 1960: Ingeborg 1960: Kein Engel ist so rein 1961: Geliebte Hochstaplerin 1961: Zwei unter Millionen 1961: Affäre Nina B. (L’affaire Nina B.) 1961: Drei Mann in einem Boot 1961: Der Traum von Lieschen Müller 1962: Das brennende Gericht (La Chambre ardente) 1962: Liebling, ich muß dich erschießen 1962: Schneewittchen und die sieben Gaukler 1963: Begegnung in Salzburg 1963: Das große Liebesspiel 1963: Der Würger von Schloß Blackmoor 1963: Die Bienenkönigin (Una storia moderna – l’ape regina) 1963: Die Dreigroschenoper 1963: Schloß Gripsholm 1963: Der letzte Ritt nach Santa Cruz 1963: Die Tote von Beverly Hills 1964: Fanny Hill 1964: Heiß weht der Wind 1964: Tonio Kröger 1964: DM-Killer 1965: Schüsse im 3/4 Takt 1965: Das Vermächtnis des Inka 1965: Ich suche einen Mann 1966: Gern hab ich die Frauen gekillt 1966: Pfeifen, Betten, Turteltauben 1966: Der geborgte Weihnachtsbaum (Regie: Dietrich Haugk) 1966: Gold für Montevasall 1967: Action Man (Le soleil des voyous) 1967: Jonny Banco – Geliebter Taugenichts (Johnny Banco) 1967: Vergiß nicht, deine Frau zu küssen (Elsk din næste) 1968: Flucht nach Ägypten 1968: Ein feines Pärchen (Ruba al prossimo tuo…) 1969: Die Herren mit der weißen Weste 1969: Grimms Märchen von lüsternen Pärchen 1969: Klassenkeile 1970: Die Feuerzangenbowle 1970: Am Ziel aller Träume 1970: Jonas oder Der Künstler bei der Arbeit 1973: Ein Käfer auf Extratour 1974: Das verrückteste Auto der Welt 1973: Wenn auch die Jahre enteilen 1975: Der Kommissar: Sturz aus großer Höhe 1975: Herz mit Schnauze 1976: Omaruru 1977: Heiße Ware 1977: Nicht von gestern (Regie: Ludwig Cremer) 1977: Polizeiinspektion 1: Und keine Kopeke weniger 1978: Lady Dracula 1978: Karschunke & Sohn (Fernsehserie) 1979: Noch ’ne Oper 1979–1987: Locker vom Hocker, Oder: Es bleibt schwierig (TV-Comedyreihe) 1980: Liebling ich lass mich scheiden 1981: Behaltet Mut 1982: Die Krimistunde (Fernsehserie, Folge 2, Episode: „Schmerzlose Behandlung“) 1982: Man müßte Klavier spielen können 1983: Das Traumschiff: Kenia 1985: Nun singt mal schön… 1985: Geschichten aus der Heimat (Fernsehserie) Episode: Die Bauernfänger 1987: Die Krimistunde (Fernsehserie, Folge 28, Episode: „Verbrechen aus Leidenschaft“) 1989: Kommissar Klefisch – Ein unbekannter Zeuge (Regie: Kaspar Heidelbach) 1991: Tod am Meer 1992: Geschichten aus der Heimat (Fernsehserie), Episoden: Augenblick der Wahrheit, Rauchen gefährdet die Gesundheit, Taxi mit Telefon 1994: Geschichten aus der Heimat (Fernsehserie), Episoden: Taxi für Teens, Szenen einer Ehe, Ich weiß nicht, was soll es bedeuten 1994: Cornelius hilft (Fernsehserie, Regie: Klaus Gendries) 1994: Die Gerichtsreporterin 1994: Halali oder Der Schuß ins Brötchen 1995: Sylter Geschichten (Fernsehserie, Regie: Karsten Wichniarz) 1995: Evelyn Hamanns Geschichten aus dem Leben (Fernsehserie, Staffel 3, Folge 1 Nicht gemeldet) 1995: Sonntags geöffnet (Fernsehserie) 1997: Rosamunde Pilcher: Stunden der Entscheidung (Regie: Karola Zeisberg) 2000: Immer (Kurzfilm) (Regie: Jophi Ries) 2000: Meine Mutter, meine Rivalin (Regie: Peter F. Bringmann) 2001: Vorspiel mit Nachspiel (Regie: Uwe Janson) 2004: Das Bernsteinamulett (Regie: Gabi Kubach) 2005: Lauras Wunschzettel 2005: Liebe wie am ersten Tag 2007: Liebling, wir haben geerbt! 2008: Und ewig schweigen die Männer (Regie: Xaver Schwarzenberger) 2009: Es liegt mir auf der Zunge 2009: Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus! 2011: Germaine Damar – Der tanzende Stern
Hörspiele
1949: Du kannst mir viel erzählen (Kellner) – Regie: Ulrich Erfurth, mit Heinz Rühmann, Elfriede Kuzmany, Gisela Mattishent 1949: Paul Temple und die Affäre Gregory (von Francis Durbridge) (Ober) – Regie: Eduard Hermann, Fritz Schröder-Jahn, mit René Deltgen, Annemarie Cordes, Heinz von Cleve, Georg Eilert, Bernd M. Bausch 1951: Der Teufel fährt im D-Zug mit (Fahrstuhlführer) – Regie: Fritz Schröder-Jahn, mit Carl-Heinz Schroth, Jo Wegener, Franz Schafheitlin, Inge Meysel 1952: Die große Masche (Fußballspieler: Mannschaft der Rasenfreunde) – Regie: Fritz Schröder-Jahn, mit Wolfgang Wahl, Max Walter Sieg, Hardy Krüger 1977: Der Nachtigall fällt auch nichts Neues ein oder Gegen den Stillstand der Brandung – Regie: Klaus Mehrländer, mit Louise Martini 1979: Röntgenaugen (Martin) – Regie: Klaus Wirbitzky, mit Achim Strietzel, Jürgen Scheller, Michael Thomas 1982: Das Haus hinter der Kirche (Jean) – Regie: Klaus Wirbitzky, mit Heidelinde Weis, Doris Schade, Horst Johanning 2008: Begegnung am Nachmittag (nach Henning Mankell) (Mann) – Regie: Rainer Clute, mit Nadja Tiller, Julia Prigge
Auszeichnungen
1960: Bundesfilmpreis: Filmband in Silber für die Beste Hauptrolle in Rosen für den Staatsanwalt 1962: Bundesfilmpreis: Filmband in Gold für die Beste Nebenrolle in Zwei unter Millionen 1962: Preis der deutschen Filmkritik für Zwei unter Millionen 1975: Hersfeld-Preis in: Hersfeld-Preis 2000: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 2005: DIVA-Award in der Kategorie Lifetime Achievement Award (Hall of Fame) 2006: Bambi in der Kategorie Lebenswerk 2009: Askania Award für sein cineastisches LebenswerkMathias Raabe: In: Berliner Zeitung, 4. Februar 2009. 2025: Benennung des Fußwegs entlang der Elbe zwischen seinem letzten Wohnort, dem Augustinum Hamburg, und dem Dockland als Tiller-Giller-Promenade
Veröffentlichungen Walter Giller, Ruth Michelly (Illustratorin): Lustige Geschichten von Natascha und Jan. Schneider, München 1968. [Jugendbuch] Walter Giller erzählt Geschichten zur Guten Nacht. Illustriert von Ruth Michelly. Schneider, München/Wien 1969. Walter Giller: Locker vom Hocker. Witzige Sketche zum Nachspielen. Falken, Niedernhausen 1986, ISBN 3-8068-4262-0.
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 297 f. Peer Moritz: Walter Giller – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 16, 1990. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Band 3: F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 260 f.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Recklinghausen)