Epidermolysis bullosa (EB) ist eine genetisch bedingte Hautkrankheit, die je nach Subtyp autosomal-dominant oder -rezessiv vererbt wird. Betroffene werden als Schmetterlingskinder bezeichnet, weil ihre Haut so verletzlich wie die Flügel eines Schmetterlings sei.Schmetterlingskinder. In: Debra Austria, abgerufen am 2. Dezember 2024. Ursache ist eine angeborene Mutation in bestimmten Genen, deren Genprodukte (Proteine) unter anderem für den intakten zellulären Aufbau der Haut notwendig sind.Debra Deutschland, Interessengemeinschaft Epidermolysis Bullosa e. V. Die mechanische Verbindung zwischen den unterschiedlichen Hautschichten ist unzureichend ausgebildet, dadurch können je nach Subtyp Blasen und Wunden mit möglicher Narbenbildung entstehen (am und im ganzen Körper, zum Beispiel auch Mund (Mikrostomie) und Speiseröhre). Die Krankheit wird umgangssprachlich auch als Schmetterlingshaut bezeichnet. mini|Irakischer Junge mit Epidermolysis bullosa Formen Seit 1999 wird die EB nach Expertenkonsens in drei Hauptformen unterteilt, die in der Tabelle aufgeführt sind.Hauke Schumann, Gabriele Beljan, Leena Bruckner-Tuderman: Epidermolysis bullosa: eine interdisziplinäre Herausforderung. In: Deutsches Ärzteblatt. (2001) 98, S. A1559–A1563. Die früher übliche Einteilung auf Grund molekularer Abnormitäten wurde wegen der ausgeprägten genetischen Vielfalt nicht mehr für sinnvoll gehalten.
Hauptformhäufigste Subtypenmutierte GeneGen-kodierte ProteineEB simplex(EBS) EBS Weber-CockayneEBS KoebnerEBS Dowling MearaEBS mit Muskeldystrophie KRT 5 und KRT 14KRT 5 und KRT 14KRT 5 und KRT 14PLEC 1 Keratin 5 und 14Keratin 5 und 14Keratin 5 und 14PlectinEB junctionalis(EBJ) EBJ HerlitzEBJ non-HerlitzEBJ mit Pylorusatresie LAMB3, LAMC2, LAMA3COL17A1, LAMB3, LAMC2, LAMA3ITGA6, ITGB4 Laminin 5Kollagen XVII, Laminin 5α6 β4 IntegrinEB dystrophica(EBD) EBD Hallopeau-SiemensEBD non-Hallopeau-SiemensDominante EBD COL7A1COL7A1COL7A1 Kollagen VIIKollagen VIIKollagen VII
Die Epidermolysis bullosa ist nicht ansteckend, beeinträchtigt nicht die Intelligenz, führt aber zu mehr oder weniger schweren Behinderungen und kann zu frühzeitigem Tod führen. Mögliche Beeinträchtigungen und Folgen sind Unterernährung, Minderwuchs, Finger- und Zehenverwachsungen, Karies, Haarverlust, Bewegungsbehinderung, Hautkrebs und Schmerzen.
Es besteht eine Assoziation mit der Aplasia cutis congenita.
Therapie Die Behandlung beinhaltet die regelmäßige (täglich mehrmalige) Wundversorgung. Bislang gibt es keine heilende Therapie.
Die Gentherapie ist derzeit die einzige Hoffnung auf eine echte Heilung. Im Jahr 2013 gab es den erfolgversprechenden Bericht eines Patienten, der durch Transplantation genetisch veränderter Hautzellen zumindest an den transplantierten Hautstellen symptomfrei blieb.Laura De Rosa, Sonia Carulli, Fabienne Cocchiarella, Daniela Quaglino, Elena Enzo, Eleonora Franchini, Alberto Giannetti, Giorgio De Santis, Alessandra Recchia, Graziella Pellegrini, Michele De Luca: Long-Term Stability and Safety of Transgenic Cultured Epidermal Stem Cells in Gene Therapy of Junctional Epidermolysis Bullosa. In: Stem Cell Reports. Band 2, Nr. 1, S. 1–8, 14. Januar 2014, doi:10.1016/j.stemcr.2013.11.001.
Am 8. November 2017 wurde in vielen Medien über die Heilung eines achtjährigen Jungen berichtet. Die Heilung erfolgte durch aus genetisch veränderten Stammzellen gewonnene Oberhautstücke. An 60 % der Haut war bei Einlieferung in die Bochumer Kinderklinik keine oberste Hautschicht mehr vorhanden. An einer der Stellen ohne Blasen wurden im September 2015 vier Quadratzentimeter Haut entnommen und daraus epidermische (also der Oberhaut) Stammzellen gewonnen. In diesen Stammzellen wurde der Gendefekt beseitigt, indem eine gesunde Variante des LAMB3-Gens mit einem Virus ins Erbgut eingebracht wurde. Folgend wurden aus diesen Zellen Oberhautstücke im Labor gezüchtet, die dem Jungen im Oktober und November 2015 am Großteil seines Körpers vom Münsteraner plastischen Chirurgen Tobias Hirsch transplantiert wurden. Auf Teile der verbliebenen unbehandelten Körperfläche wurde im Januar 2016 noch Oberhaut transplantiert. Rund 80 % der Oberhaut des Jungen wurden ersetzt. Im Februar 2016 wurde er aus dem Krankenhaus entlassen, im März besuchte er wieder die Schule. Der Junge hatte nach dem im November 2017 erschienenen Bericht der Forscher kein Jucken mehr, keine Blasen und benötigte keine Salbe oder Medikamente. Eine Gentherapie für diese Krankheit wurde schon 2006 erfolgreich versucht, jedoch im wesentlich kleineren Rahmen bei einem Patienten, der Probleme an einer Stelle am Bein hatte.
Für die Behandlung der Dystrophen EB wurde im März 2023 erstmals das gentherapeutische Medikament Beremagen geperpavec (Handelsname Vyjuvek) in den USA zugelassen. Im April 2025 folgte die Zulassung in der EU, 2026 dann in UK.
Im April 2025 wurde zudem mit Prademagen Zamikeracel (Handelsname ZEVASKYN) erstmals eine autologe zellbasierte Gentherapie in den USA zugelassen. Eine Zulassung in der EU besteht aktuell nicht.
Literatur C. Solovan, M. Ciolan, L. Olari: The biomolecular and ultrastructural basis of epidermolysis bullosa. In: Acta Dermatovenerol Alp Panonica Adriat. 2005 Dec;14(4), S. 127–135. PMID 16435041
Weblinks
DEBRA Austria, Hilfe bei Epidermolysis bullosa DEBRA Deutschland, Interessengemeinschaft Epidermolysis Bullosa e. V.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbkrankheit Kategorie:Hautkrankheit Kategorie:Seltene Krankheit