Die Nürnberger Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Nürnberg. Sie ist eine Doppelburg und besteht aus der Kaiserburg und der Burggrafenburg.

mini|hochkant=2|Panorama der Burg von Westen, Mitte links der Sinwellturm, rechts die Kaiserstallung und anschließend der Luginsland, 2007|alternativtext=Panorama der Burg von Westen, Mitte links der Sinwellturm, rechts die Kaiserstallung und anschließend der Luginsland, 2007 mini|Die Burg – im äußeren Burghof, 2004

Früheste bauliche Spuren stammen aus der Zeit um 1000. Nach den schweren Beschädigungen durch die Luftangriffe auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg wurde die Burganlage in historischen Formen wieder aufgebaut. Sie zählt in ihrem historischen Charakter als Wehrbau und Kaiserresidenz, Reichsburg und hohenzollernscher Burggrafensitz zu den geschichtlich und baukünstlerisch bedeutendsten Wehranlagen Europas.Günther P. Fehring, Anton Ress: Die Stadt Nürnberg. 2. Auflage. bearbeitet von Wilhelm Schwemmer. Deutscher Kunstverlag, München, ISBN 3-422-00550-1, S. 152ff. Sie ist eines der bedeutendsten Kunst- und Baudenkmäler der Stadt und gehört zur Historischen Meile Nürnberg.

Lage mini|Burgviertel im Mai 2005

Die Nürnberger Burg liegt nördlich der Pegnitz auf einem Sandsteinrücken oberhalb der Sebalder Altstadt. Im Westen grenzt sie an den Neutorgraben, im Norden an den Vestnertorgraben. Die Burg ist nach Norden hin Teil der Nürnberger Stadtbefestigung. Von der Burg aus bietet sich nach Süden ein Blick auf das unter ihr liegende Handwerkerviertel und die Altstadt. Für eine Verteidigungslage war der Platz gut gewählt. Der dem Pegnitztal nahe der nördlichen Niederterrasse parallellaufende felsige Burgsandsteinrücken fällt nach Süden, Westen und Norden steil ab und bietet sich damit für eine Burg in Spornlage an. Seine Reliefenergie ist bedeutend: Dem 351 m hohen Gipfel nähert sich die 320 m-Isohypse im Süden auf 50 m, im Westen und Norden auf 200 m, während sie nach Osten 1300 m weit ausschwingt. Außerdem gehörte der Ort wohl zum Königsland und lag zwischen dem alten Königshof Altdorf mit dessen Ableger Mögeldorf und dem Königshof Fürth.

Übersicht mini|Luftaufnahme der Burg

Besitzgeschichtlich setzt sich die Burg aus drei Teilen zusammen, deren Grenzen im heutigen Baubestand jedoch nur mit Mühe abzulesen sind: Die Reste der Burggrafenburg mit dem Fünfeckturm befinden sich in der Mitte. Die Burggrafenburg wurde höchstwahrscheinlich 1192 neu erbaut, der größte Teil wurde 1420 zerstört. Die Kaiserburg mit Sinwellturm, Tiefem Brunnen, Doppelkapelle und Palas dehnt sich nach Westen aus. Die ältesten Teile stammen von 1200, danach wurde die Burg laufend aus- und umgebaut. Weitere (reichs)städtische Bauten liegen im Norden und Osten (z. B. die ehemalige Kaiserstallung von Hans Beheim dem Älteren und der Turm Luginsland).

mini|hochkant|Der östliche Ausgang des Vestnertors der Burg, 2005

Baugeschichtlich lassen sich drei Phasen in zwei Hauptstilen unterscheiden: in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts die salische Königsburg im romanischen Stil um 1200 die staufische Kaiserburg im romanischen Stil im 15. Jahrhundert die Umbauten des Palas und städtische Bauten im gotischen Stil Nachträgliche Umbauten haben die Originalbauten verändert.

In der Anfangszeit bildete die Kaiserburg den Mittelpunkt der Hausmachtpolitik der Staufer in Ostfranken. Ab 1192 wurde die Burggrafenburg Ausgangspunkt der Territorialbildung der Hohenzollern in Franken, gleichzeitig gewann die Reichsstadt Nürnberg an Macht, bekämpfte die Hohenzollern und konnte sie 1427 von der Burg vertreiben.

Die Stadt übernahm die Verwaltung der gesamten Burg, die in die Stadtbefestigung einbezogen und in den Jahren 1538 bis 1545 mit den Burgbasteien ergänzt wurde. Später wurde die Burg zunehmend nur noch zu Repräsentationszwecken genutzt.

1806 übernahm das Königreich Bayern die Burg. In der Romantik wie auch in den 1930er Jahren wurde die Burg dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend umgestaltet.Kaiserburg Nürnberg, amtlicher Führer, 1994. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Burganlage durch die Luftangriffe auf Nürnberg schwer beschädigt, danach wurde sie in historischen Formen wiederaufgebaut. Als letztes wurde die Kemenate bis 1971 neu errichtet, in den Jahren danach geschah wenig. 1999 wurde das Kaiserburgmuseum in der Kemenate eröffnet. Ab 2013 wurde verstärkt renoviert, es gab endlich Konzepte, eine Ausstellung sowie ein Cafe wurden eingerichtet.

Heute wird die Burg überwiegend touristisch genutzt – 2017 kamen 177.328 Menschen, um sich die Burg anzuschauen; 2018 waren es 190.256.

Geschichte Die in archäologischen Untersuchungen entdeckten Reste früher Bauten wurden vor 1000 datiert – für diese Zeit finden sich jedoch keine schriftlichen Belege. Auch in der so genannten Sigena-Urkunde Kaiser Heinrichs III. aus dem Jahr 1050 wird nuorenberc lediglich als Ort der Ausstellung angegeben, ohne zu erwähnen, ob damit die Burg bezeichnet wurde.Urkunde 253 in Nachdem König Konrad II. auf seinen Reisen von Regensburg nach Bamberg aber 1025 und 1030 noch in Megelendorf an der Pegnitzfurt, dem heutigen Mögeldorf, „beurkundete“,Urkunde 30 in lässt sich annehmen, dass die Sigena-Urkunde in der Nürnberger Burg ausgestellt wurde. Die Burg taucht erst 1105 in den Quellen auf. Zwischen dieser Zeit und 1571 hielten sich alle Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reichs zeitweilig dort auf.

Anfang unter den Saliern Die salische Königsburg war ein Ausgangspunkt der Ostfeldzüge Heinrichs III., der Böhmen, Polen und Ungarn lehenspflichtig gemacht hatte. 1105 eroberte der salische König Heinrich V. die Burg nach zweimonatiger Belagerung im Krieg gegen seinen Vater, Kaiser Heinrich IV. 1127 belagerte König Lothar von Supplinburg die Burg, die von den staufischen Brüdern Konrad und Friedrich verteidigt wurde, zehn Wochen lang ohne Erfolg. 1130 gelang ihm im zweiten Anlauf die Eroberung und er übergab die Burg Heinrich dem Stolzen, bis sie 1138 an die Staufer fiel.

Aufstieg unter den Staufern Unter den Staufern wuchs die Bedeutung der Kaiserburg, sie wurde aufwändig umgebaut und sicherte gemeinsam mit den Burgen Altenburg bei Bamberg, Burg Eger und der Wartburg die Ostgrenze des Reiches. 1140 begann König Konrad III. mit dem Bau einer zweiten Burg, der Kaiserburg, die als Königspfalz dienen sollte. Er verlieh die neu errichtete Burggrafschaft Nürnberg mit Gericht und Verwaltung an die Edelfreien von Raabs (aus Niederösterreich). 1190/91 erbte sie Friedrich von Zollern. Im Zuge der reichsstädtischen Eigenständigkeit, die Nürnberg im 13. Jahrhundert erlangte, wurde die Kaiserburg der Obhut der Stadt übergeben. Kaiser Friedrich I. Barbarossa weilte 12-mal auf der Burg, Heinrich (VII.), der 1225 auf der Burg geheiratet hat, 21-mal und Friedrich II. 16-mal. Der Untergang der Staufer (ab 1254) hinterließ im nachfolgenden Interregnum ein Machtvakuum.

Machtkampf zwischen Stadt und Hohenzollern mini|Eine der ältesten Ansichten der Burg, Schedelsche Weltchronik 1493

Sowohl das Bürgertum der Stadt als auch die Burggrafen gewannen an Macht; ihre Rivalität wuchs seit dem 14. Jahrhundert. Grundlage für die Entwicklung städtischer Gerichtsstrukturen in Nürnberg war die um 1190 erfolgte grundsätzliche Trennung der Administration der Siedlung Nürnberg vom Burggrafenamt; über die Stadt amtierte seither ein königlicher Schultheiß. Ihr Amt als Burggrafen von Nürnberg wurde jedoch nach 1200 bis zum Interregnum auf rein militärische Belange beschränkt, die Verwaltung des Reichsguts und des vor dem Egidienkloster tagenden königlichen Landgerichts oblag einem selbständigen Amtsträger (Butigler), dessen Amt die Burggrafen bis 1282 an sich ziehen konnten. Die Verwaltung der Stadt und das städtische Gericht leitete ein seit 1173/74 belegter Reichsschultheiß. Nachdem bereits um 1276 eine erste ratsähnliche Versammlung die Geschicke der Stadt mit zu bestimmen suchte, wurden 1287 die Privilegien der Stadtgemeinde bestätigt. Dem Burggrafen waren bereits 1273 seine Rechte verbrieft worden. 1302 begann der Rat damit, ein eigenes Statutenbuch (Stadtbuch) zu führen.

1315 erhielt die Stadt das Appellations- und das Evokationsprivileg, 1355 wurde das Handwerkerrecht gezielt zusammengestellt. In mehreren Schritten gelang es der Stadt bis 1427, die Besetzung des Schultheißenamtes, formal Inhaber der Hochgerichtsbarkeit über die Stadt, in ihre Hände zu bekommen. Damit vereinigte sie alle wesentlichen Gerichtsrechte auf sich.

Die Burggrafen erwarben große Gebiete in Franken und gerieten auch deshalb in Gegensatz zur Stadt. Den Nürnbergern war das Gebaren der Burggrafen ein Dorn im Auge und die Stadt wollte in Übereinstimmung mit den Reichsinteressen die Burggrafen von der Kaiserburg fernhalten. Hierzu bediente sie sich baulicher Mittel: Sie versperrte 1367 kurzerhand den Hohenzollern mit einer Mauer den ungehinderten Zugang der Burggrafenburg zur Stadt und ermöglichte mit dem Bau des Vestnertors einen direkten Zugang der Kaiserburg nach Norden. Der Zugang zur Burggrafenburg war zeitweilig nur über einen hölzernen Steg und der Rundbogenpforte rechts von der zur Burghut ausgebauten Walburgiskapelle möglich, wie die Abbildung aus dem historischen Hallerbuch zeigt und in der Sage Der Burggraf wird eingemauert erinnert wird. 1377 begann die Reichsstadt direkt neben der Burggrafenburg mit dem Bau eines hohen Turms, dem Luginsland, von dem aus das Burginnere überwacht werden konnte, wie die Rekonstruktion des Zustands um 1400 zeigt. Die Beschwerden der Hohenzollern bei Kaiser Karl IV. blieben erfolglos. Es kam zu offenen Kämpfen und 1388/89 während des Städtekriegs besetzte die Stadt die Burggrafenburg, musste sie aber nach einem Vergleich im Landfrieden von Eger wieder räumen. Die Macht der Hohenzollern auf der Burg war auf einem Tiefpunkt, als 1420 bayerische Truppen im Bayerischen Krieg die Burggrafenburg zerstörten. Danach verkaufte der letzte Burggraf Friedrich VI., der als Kurfürst Friedrich I. viel Geld für den Spagat zwischen den fränkischen und den brandenburgischen Fürstentümern benötigte, die zerstörte Burg 1427 für rund 120.000 Gulden an den Rat der Stadt Nürnberg und zog sich auf die Burg in Cadolzburg zurück.

Nach der Belehnung mit Brandenburg im Jahr 1415 verschoben sich die Interessen der Hohenzollern nach Norden. Obwohl die fränkischen Hohenzollern auch danach noch den Namenszusatz Burggraf zu Nürnberg in ihrem Titel führten, bedeutete dieser Verkauf das Ende der Existenz der Burggrafschaft Nürnberg. Aus ihrem Territorium gingen in der Folgezeit die beiden hohenzollernschen Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach hervor.

Eine Anekdote ist der sagenhafte Sprung des Rosses von Raubritter Eppelein von Gailingen (* um 1320, † 1381) in den Burggraben, mit dem er seiner Hinrichtung am Galgen entkommen sein soll.

Repräsentation und Bedeutungsverlust mini|Der Weg zur Burg, Stahlstich 1837 Die Nürnberger Burg war nun vollständig in der Obhut der Stadt. Während der Hussitenkriege wurden die West- und die Nordseite verstärkt und die Burg in die Stadtbefestigung einbezogen. 1538 bis 1545 wurden West- und Nordseite endgültig durch die Burgbasteien gesichert. 1440–42 wurde der romanische Palas durch einen spätgotischen Neubau ersetzt und 1487 durch einen Anbau verlängert. 1494/95 erbaute die Stadt das „Kornhaus auf den Vesten“, später Kaiserstallung genannt. 1524 übernahm die Stadt die Reformation, dies führte zu einer Entfremdung zwischen Kaiser und Stadt. Für Kaiser Karl V. wurden die Wohnräume der Burg neu gestaltet, 1559/60 ließ Ferdinand I. den Palas nochmals erweitern, doch hatte die Burg ihre Bedeutung verloren.