Universal Design, deutsch Universelles Design, ist ein internationales Design-Konzept, das Produkte, Geräte, Umgebungen und Systeme derart gestaltet, dass sie für so viele Menschen wie möglich ohne weitere Anpassung oder Spezialisierung nutzbar sind.
Universelles Design besteht dabei aus zwei wesentlichen Komponenten:
Das Design der Produkte ist so flexibel, dass es ohne Zusatztechnik oder Anpassung von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten in unterschiedlichen Situationen benutzt werden kann. Das Design der Produkte verträgt sich auch mit Unterstützungstechnologie, die von Menschen eingesetzt wird, denen es doch nicht möglich ist, die Produkte direkt zu nutzen.
Definition Universelles Design ist der Entwurfsprozess von Produkten (Geräten, Umgebungen, Systemen und Prozessen), die von Menschen der breitestmöglichen Palette unterschiedlichster Fähigkeiten in der breitestmöglichen Palette von Situationen (Umgebungen, Konditionen und Umständen) benutzt werden können.The Trace Center: General Concepts, Universal Design Principles and Guidelines. Abgerufen am 11. November 2009
Universelles Design berücksichtigt die Anforderungen und Fähigkeiten aller Nutzer. gestattet einer sehr großen Vielfalt von Menschen die erfolgreiche Benutzung (direkt oder mit Unterstützungstechnologie) von Produkten. ermöglicht die Benutzung von Produkten in einer sehr großen Variation von Situationen und Umständen. fördert Produkte, die flexibel genug sind, den Anforderungen sowohl von neuen als auch von erfahrenen Nutzern gerecht zu werden. führt zu Produkten, die für Nutzer generell einfacher zu verstehen und zu benutzen sind.
Universelles Design ist kein Produkt oder Ergebnis, sondern ein Prozess. Dieser Prozess führt zu Produkten, die für die größtmögliche Gruppe von Menschen nutzbar und nützlich sind.Council of Europe Publishing. Achieving full participation through Universal Design. Council of Europe 2009. ist kein Trend, sondern ein dauerhaftes, zukunftsorientiertes und ganzheitliches Designkonzept. ist ein „gutes Design“, das alle Menschen einbezieht.
Es ist wichtig zu bemerken, dass Universelles Design nicht bedeutet, dass wirklich jeder Mensch unter allen Umständen ein Produkt nutzen kann. Denn es gibt kein Produkt, das die Bedürfnisse von allen Nutzern vollständig erfüllen kann. Aber wenn die Bedürfnisse von so vielen Nutzern wie möglich in den Designprozess einbezogen werden, können Produkte entworfen werden, die von Menschen der breitestmöglichen Palette unterschiedlichster Fähigkeiten in der breitestmöglichen Palette von Situationen benutzt werden können.
Prinzipien des Universellen Designs Für das Universelle Design wurden von einer Arbeitsgruppe aus Architekten, Produktdesignern, Ingenieuren und Forschern um den Begründer des Universellen Designs Ronald L. Mace am Center for Universal Design sieben Prinzipien erarbeitet, die als Richtlinien gelten. Denn diese Prinzipien können dazu benutzt werden, vorhandene Produktentwürfe zu bewerten, den Entwurfsprozess anzuleiten und sowohl Designer als auch Verbraucher über die Charakteristiken von einfacher zu nutzenden Produkten weiterzubilden.
Die Prinzipien für Universelles Design umfassen bestimmte Schlüsselelemente, die im Design berücksichtigt werden sollten:Übersetzung aus dem Englischen: The Principles of Universal Design Copyright: The Center for Universal Design 1997 by North Carolina State UniversityForschungsinstitut Technologie und Behinderung: Prinzipien des Universellen Designs Abgerufen am 7. November 2009.
Prinzip 1: Breite Nutzbarkeit Das Design ist für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten nutzbar und marktfähig.
Richtlinien: Für alle Nutzer gleiche Möglichkeiten der Nutzung zur Verfügung stellen: identisch – soweit möglich; gleichwertig – falls dies nicht möglich ist. Ausgrenzung oder Stigmatisierung von Nutzern vermeiden. Mechanismen zur Erhaltung von Privatsphäre, Sicherheit und sicherer Nutzung müssen für alle Nutzer gleichermaßen verfügbar sein; das Design ist für alle Nutzer ansprechend zu gestalten.
Prinzip 2: Flexibilität in der Benutzung Das Design unterstützt eine breite Palette individueller Vorlieben und Möglichkeiten.
Richtlinien: Wahlmöglichkeiten der Benutzungsmethoden vorsehen. Rechts- oder linkshändigen Zugang und Benutzung unterstützen. Die Genauigkeit und Präzision des Nutzers unterstützen. Anpassung an die Schnelligkeit des Benutzers vorsehen.
Prinzip 3: Einfache und intuitive Benutzung Die Benutzung des Designs ist leicht verständlich, unabhängig von der Erfahrung, dem Wissen, den Sprachfähigkeiten oder der momentanen Konzentration des Nutzers.
Richtlinien: Unnötige Komplexität vermeiden. Die Erwartungen der Nutzer und ihre Intuition konsequent berücksichtigen. Ein breites Spektrum von Lese- und Sprachfähigkeiten unterstützen. Informationen entsprechend ihrer Wichtigkeit kennzeichnen. Klare Eingabeaufforderungen und Rückmeldungen während und bei der Ausführung vorsehen.
Prinzip 4: Sensorisch wahrnehmbare Informationen Das Design stellt dem Benutzer notwendige Informationen effektiv zur Verfügung, unabhängig von der Umgebungssituation oder den sensorischen Fähigkeiten der Benutzer.
Richtlinien: Unterschiedliche Modi für die Präsentation sich wiederholender Informationen vorsehen (bildlich, sprachlich, tastbar). Angemessene Kontraste zwischen wichtigen Informationen und ihrer Umgebung vorsehen. Maximierende Lesbarkeit von wichtigen Informationen zur Verfügung stellen. Unterscheiden von Elementen in der Art der Beschreibung (z. B. einfache Möglichkeit nach Anweisungen oder Instruktionen zu geben). Vereinbarkeit (Kompatibilität) mit einer Palette von Techniken oder Geräten, die von Menschen mit sensorischen Einschränkungen benutzt werden, vorsehen.
Prinzip 5: Fehlertoleranz Das Design minimiert Risiken und die negativen Konsequenzen von zufälligen oder unbeabsichtigten Aktionen.
Richtlinien: Arrangieren der Elemente zur Minimierung von Risiken und Fehlern: die meistbenutzten Elemente am besten zugänglich; risikobehaftete Elemente vermeiden, isolieren oder abschirmen. Warnungen vor Risiken und Fehlern vorsehen. Störungs-/Ausfallsichere Möglichkeiten vorsehen. Bei Operationen, die Wachsamkeit verlangen, keine unbewussten Aktionen fördern.
Prinzip 6: Niedriger körperlicher Aufwand Das Design kann effizient und komfortabel mit einem Minimum von Ermüdung benutzt werden.
Richtlinien: Die Beibehaltung der natürlichen Körperhaltung ermöglichen. Angemessene Bedienkräfte verlangen. Minimierung sich wiederholender Aktionen. Andauernde körperliche Beanspruchung vermeiden.
Prinzip 7: Größe und Platz für Zugang und Benutzung Angemessene Größe und Platz für den Zugang, die Erreichbarkeit, die Manipulation und die Benutzung unabhängig von der Größe des Benutzers, seiner Haltung oder Beweglichkeit vorsehen.
Richtlinien: Eine klare Sicht auf wichtige Elemente für jeden sitzenden oder stehenden Benutzer vorsehen. Eine komfortable Erreichbarkeit aller Komponenten für alle sitzenden oder stehenden Benutzer sicherstellen. Unterstützen unterschiedlicher Hand- und Greifgrößen. Ausreichend Platz für die Benutzung sonstiger Hilfsmittel oder von Hilfspersonen vorsehen.
Kategorisierung Diese sieben Prinzipien des Universellen Designs können wiederum in drei Kategorien eingeordnet werden:
Prinzipien, die sich in erster Linie mit dem Menschen befassen Prinzip 3: Einfache und intuitive Benutzung Prinzip 4: Sensorisch wahrnehmbare Informationen Prinzip 6: Niedriger körperlicher Aufwand
Prinzipien, die sich in erster Linie auf den Prozess beziehen Prinzip 2: Flexibilität in der Benutzung Prinzip 5: Fehlertoleranz Prinzip 7: Größe und Platz für Zugang und Benutzung
Prinzipien, die Mensch und Prozess überschreiten Prinzip 1: Breite Nutzbarkeit
Begriffliche Abgrenzung Der Begriff „Universelles Design“ wird häufig mit anderen Begriffen, wie z. B. „Design für Alle“ oder Barrierefreiheit, gleichgesetzt und synonym gebraucht. Doch auch wenn sich die Begriffe sehr ähneln, unterscheiden sie sich in ihren Grundgedanken.
Design für Alle (Design for All) Während das Universelle Design seinen Ursprung in den USA hat, kommt der Begriff „Design für Alle“ aus Europa. Der Ursprung dieser beiden Konzepte ist sehr wichtig, denn die kulturelle Ausrichtung der Ursprungsländer prägt das Design.
So gibt es in den USA eine eher homogene Kultur, in der z. B. zugängliche Gebäude und die Erreichbarkeit von Serviceangeboten einheitlich vorgeschrieben und umgesetzt werden. Außerdem haben die USA eine stark ausgeprägte individualistische Tradition, in der der einzelne Mensch und nicht die Gruppe im Mittelpunkt steht. → Bei dem Konzept des Universellen Designs kann man daher eine Betonung der individuellen Rechte des Einzelnen feststellen: Jedes Individuum soll befähigt werden, Zugang zu einem Gebäude, einem Service oder einem Produkt zu haben. Europa dagegen ist ein vielseitiger Kontinent, auf dem eine historisch gewachsene kulturelle Vielfalt vorherrscht. Europa betont daher sowohl die Einheitlichkeit aller Länder auf dem Kontinent als auch den Erhalt der Unterschiede. → Design für Alle als europäische Strategie meint aus diesem Grund, verschiedene Gruppen von Menschen zu integrieren, ohne jedoch eine Einheitlichkeit zu erzwingen.Design für Alle – Deutschland (DFA): Design für Alle Abgerufen am 19. Oktober 2009.
Dieser Unterschied in den beiden Konzepten spiegelt sich auch in deren Richtlinien wider: So sind die Prinzipien des Universellen Designs einheitliche Anforderungen für alle Produkte, Service und Umwelten – die europäischen Strategien schlagen dagegen eine Auswahl mehrerer Möglichkeiten vor, wie das Ziel erreicht werden kann.
Außerdem gibt es einen Unterschied, wie diese beiden Konzepte umgesetzt werden. Während in Europa Design für Alle eher als soziales Engagement gilt, steht in der Umsetzung und Vermarktung des Universellen Designs viel mehr der Gewinn im Vordergrund.
Universelles DesignDesign für Alle USA und Japan Europa Einheitlichkeit Vielfalt Individuelles Recht des Einzelnen Teilhabe an der Gemeinschaft Prinzipien des Universellen Designs Europäische Strategien Marktorientierung Soziales Engagement
Zugängliches Design (Accessible design) Zugängliches Design ist ein Gestaltungskonzept, das seinen Schwerpunkt auf die Ausweitung der Gestaltungsnormen richtet – in dem Sinne, dass Menschen mit Leistungseinschränkungen ein Produkt, ein Gebäude oder eine Dienstleistung ohne Weiteres nutzen können.
Der Begriff wird vor allem für Design verwendet, das die individuellen Fähigkeiten eines Menschen berücksichtigt und auch seine Unterstützungstechnologie einbezieht. Produkte, die in einem zugänglichen Design gestaltet sind, können also zusammen bzw. in Ergänzung mit technischen Hilfsmitteln genutzt werden.
In den USA kam „Accessible Design“ in den 1970er Jahren als positiver Begriff für Barrierefreiheit auf, war und ist allerdings sehr stark mit gesetzlichen Vorschriften verbunden. Vor allem muss sich Zugängliches Design an strenge Mindestanforderungen von Zugänglichkeitscodes und Designstandards halten, die sich in erster Linie auf Menschen mit Körperbehinderungen beziehen.
Barrierefreiheit Barrierefreiheit verfolgt das Ziel, dass Produkte für alle Menschen in der allgemein üblichen Weise ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.
Während dieses Designkonzept in den Gesetzen und Verordnungen (ausschließlich) für Menschen mit Behinderung angedacht ist, hat sich in der Praxis allerdings eine Verschiebung des Begriffes ergeben: weg von der Bezeichnung hindernisfreier baulicher Gestaltung für Rollstuhlfahrer – hin zur Gestaltung von zugänglichen, erreichbaren und nutzbaren Umgebungen für alle Menschen.