mini|Elizabeth Loftus (2018) Elizabeth F. Loftus (* 16. Oktober 1944 in Los Angeles) ist eine US-amerikanische Psychologin und emeritierte Hochschullehrerin. Sie war Professorin an der University of California, Irvine und Affiliate Professor of Psychology sowie Affiliate Professor of Law an der University of Washington in Seattle. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem menschlichen Gedächtnis und insbesondere der Glaubwürdigkeit von Augenzeugenberichten. Bekannt wurde sie unter anderem für die Beschreibung des Fehlinformationseffekts.

Persönliches

Als Tochter von Sidney und Rebecca Fishman in eine jüdische Familie geboren, wuchs Elizabeth Fishman in Los Angeles im Stadtteil Bel Air auf. Ihr Vater war Arzt bei der US-Armee, ihre Mutter Bibliothekarin. Mit ihrem Vater teilte sie ihr Interesse an der Mathematik. Die Mutter starb, als Loftus vierzehn Jahre alt war. Nach deren Tod heiratete der Vater erneut. Die Stiefmutter brachte drei Kinder aus ihrer ersten Ehe mit.

Von 1968 bis 1991 war Elizabeth Loftus mit dem auf Phänomene von Erinnerung und Aufmerksamkeit spezialisierten Psychologie-Professor Geoffrey Loftus verheiratet, den sie an der Stanford University kennengelernt hatte. Die Ehe blieb kinderlos. Ihr Interesse am Thema Erinnerungen teilte sie mit ihrem Ehemann, anders als jenes am Thema Kriminalität.

Beruflicher Werdegang Ursprünglich wollte Loftus Mathematiklehrerin werden. Im Jahr 1962 nahm sie ihr Studium an der University of California, Los Angeles (UCLA) auf, schrieb sich zunächst für ein Studium der Mathematik ein und erwarb nach einem Doppelstudium an der UCLA 1966 ihren Abschluss mit dem Bachelor in Mathematik und Psychologie. Nach Beendigung ihres grundständigen Studiums ging sie an die Stanford University, weil dort ein postgraduales Studium für mathematische Psychologie angeboten wurde. Ihren Master in Psychologie legte sie 1967 bei Richard Atkinson ab, von Patrick Suppes wurde sie 1970 zum Ph.D. in Psychologie promoviert.

Im Jahr 1973 erhielt Loftus eine Stelle als Assistenzprofessorin an der University of Washington in Seattle, wo sie später ihre Professur antrat. 1974 nahm sie ihre Tätigkeit als Sachverständige in Strafprozessen auf, in deren Verlauf sie in Hunderten von Prozessen aussagepsychologische Gutachten zur Frage der Glaubwürdigkeit von Zeugen verfasste oder beratend mitwirkte. In den 1970er Jahren habe sie nach eigenem Bekunden mit ihren Studien über Einflüsse begonnen, die später als Fehlinformationseffekte bezeichnet wurden.

An der University of California, Irvine war Loftus nicht nur Professorin am Fachbereich für Psychologie und Sozialverhalten und am Fachbereich für Kriminologie, Recht und Gesellschaft tätig, sondern auch am dortigen Fachbereich für Kognitionswissenschaften und am Zentrum für Neurobiologie des Lernens und des Gedächtnisses. Sie beriet verschiedene Regierungsorganisationen und Geheimdienste, wie z. B. das „Department of Justice“ und das FBI. Sie gab Interviews und trat in Talkshows wie der Oprah Whinfrey Show auf.

Zeitweise übernahm Loftus den Vorsitz verschiedener fachpsychologischer Gesellschaften: So war sie 1984 Präsidentin der Western Psychological Association und wurde 2003 wiedergewählt. 1985 war sie Präsidentin der American Psychology Law Society und von 1998 bis 1999 Präsidentin der American Psychological Society.American Psychological Society. In: Encyclopedia. Abgerufen am 13. September 2025.

Loftus war lange Jahre Mitglied in der American Psychiatric Association (APA), kündigte ihre Mitgliedschaft aber Anfang 1996 mit der Begründung, diese habe sich zu weit von wissenschaftlichem Denken entfernt. Sie war eines von 48 Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats der von einem betroffenen Ehepaar 1992 gegründeten False Memory Syndrome Foundation (FMSF), einer gemeinnützigen Stiftung zur Unterstützung von fälschlich Beschuldigten, die 2019 wieder aufgelöst wurde.

Bei einem Ranking der hundert bedeutendsten Psychologen in der Zeitschrift Review of General Psychology wurde Loftus im Jahr 2002 auf Platz 58 gelistet. Als bestplatzierte Frau war sie damit weltweit die einflussreichste Psychologin. Auch findet sie sich unter jenen 25 Psychologen, die am häufigsten in Lehrbüchern ihres Fachs zitiert werden.

Im Jahr 2004 wurde Loftus in die National Academy of Sciences (NAS) und 2005 zum korrespondierenden Mitglied der Royal Society of Edinburgh gewählt.

Wirken Elizabeth Loftus gilt „als eine der wichtigsten Psychologinnen des 20. Jahrhunderts“. In ihrer Forschungsarbeit führte sie zahlreiche Experimente über das menschliche Gedächtnis und seine Fähigkeit durch, aus Erinnerungen die Vergangenheit zu reproduzieren. Mit diesen Experimenten konnte sie belegen, dass Erinnerungen nicht zwingend tatsächlich Erlebtes wiedergeben, sondern durch zahlreiche Einflüsse verfälscht sein können.

Experimente Im Einkaufszentrum verirrt Lost in the mall ist eines ihrer bekanntesten Experimente, wobei Loftus allerdings auf der Website der American Psychological Association zahlreiche falsche oder verzerrte Darstellungen, Übertreibungen und Auslassungen in der Argumentation in einem Ausmaß beklagte, das die Frage aufwerfe, ob es sich um schlichte Irrtümer im Umgang mit ihren Veröffentlichungen oder den bewussten Versuch einer verfälschten Wiedergabe durch feindselige Autoren handele.

In ihrem Experiment wurden den Versuchspersonen kurze Berichte über Erlebnisse in der Kindheit vorgelegt, die angeblich von Verwandten verfasst wurden. Sie sollten sich wieder an diese erinnern, doch sie wussten nicht, dass eine dieser Erzählungen falsch war: Die Versuchsperson soll sich im Alter von 5 bis 6 Jahren in einem Einkaufszentrum verirrt haben und dann von einem Erwachsenen gerettet worden sein. 6 von 24 Versuchspersonen behaupteten, sich daran erinnern zu können, obwohl dieses Ereignis nie stattgefunden hat.

Bugs Bunny in Disneyland In weiteren Experimenten sah Loftus eine Versuchsanordnung vor, in der Versuchspersonen, die in ihrer Vergangenheit im Vergnügungspark Disneyland waren, ein Treffen mit der Figur Bugs Bunny eingeredet wurde. Etwa ein Drittel von ihnen konnte sich anschließend lebhaft an die Szene erinnern, die zum Teil noch ausgeschmückt wurde. Ein solches Treffen kann aber nicht stattgefunden haben, weil diese Figur zu Warner Brothers gehört und in Disneyland nicht vertreten ist.E. Loftus: Our changeable memories: legal and practical implications. In: Nature reviews. Neuroscience. Band 4, Nummer 3, März 2003, S. 231–234, , PMID 12612635 (Review), PFD.

Unfallzeugen Zur Frage, wie Augenzeugen eines Autounfalls das Geschehen wiedergeben, führte Loftus zwei Experimente durch, um zu prüfen, ob die Antworten in Abhängigkeit zum Sprachduktus bei der Befragung variieren. Den Versuchspersonen wurden Videos von einem Autounfall gezeigt. Sie sollten die Geschwindigkeit beim Aufprall schätzen. Diese wurde umso höher angesetzt, je martialischer die für den Aufprall verwendeten Begriffe waren. Eine Woche später wurden die Teilnehmer erneut befragt. Jene, denen bei der Erstbefragung gesagt wurde, die Autos wären ineinander gekracht („crashed“), gaben auf gezielte Frage deutlich häufiger an, Glasscherben gesehen zu haben, als wenn von einer Kollision oder einem Zusammenstoß die Rede war. In dem Video waren keine Glasscherben zu sehen. Die Ergebnisse dieser Studien veröffentlichte sie 1974, und schon bald habe es keinen Strafverteidiger mehr gegeben, der ihren Namen nicht gekannt hätte.

Gutachtertätigkeit Seit 1975 tritt Loftus als Expertin in den Zeugenstand. Zunächst sei es in den Verfahren um Ladendiebstähle und Raubüberfälle gegangen, später um Mord und Totschlag. Nachdem sie am Beispiel von Autounfällen über den Zusammenhang zwischen suggestiver vs. neutraler Fragetechnik und den mitgeteilten Erinnerungen der Augenzeugen publiziert hatte, wurde sie wiederholt von Anwälten und Richtern als Beraterin und Referentin eingeladen. Die Ergebnisse wurden auch in Psychology Today veröffentlicht, eine auflagenstarke Zeitschrift, die auch von Juristen gelesen wird, die dadurch über die Veröffentlichungen von Loftus erfuhren. In den nachfolgenden Jahren nahm sie als Sachverständige an Hunderten von Gerichtsverfahren teil und erstattete aussagepsychologische Gutachten zur Frage des Erinnerungsvermögens und der Glaubwürdigkeit von Zeugen.

Eines der bekanntesten Gerichtsverfahren, zu dem sie forensisch-psychologische Gutachten erstattete, war der Prozess um die Missbrauchsvorwürfe an der McMartin-Vorschule, in dem alle Angeklagten letztendlich freigesprochen wurden. Angefragt wurde sie in der Regel von den Anwälten der Angeklagten. Manche Gutachtenaufträge nahm sie erst nach einigem Zögern an, wenn sie beispielsweise gewahr wurde, einen Auftrag ablehnen zu wollen, um sich selbst zu schützen. Dies war für sie jedoch kein akzeptabler Ablehnungsgrund. So war sie unter anderem auch in den Verfahren gegen Martha Stewart und Michael Jackson tätig, sowie in Prozessen gegen Bill Cosby oder Harvey Weinstein, die wegen sexueller Übergriffe angeklagt und zwar nicht immer in allen, jedoch in vielen Anklagepunkten auch verurteilt wurden. Zwar lehnte sie über die Jahre aus Zeitgründen etliche Aufträge ab, doch nur eine einzige Anfrage aus Abscheu. Als Tochter jüdischer Eltern verweigerte sie die Annahme eines Gutachtenauftrages für einen Mann, der angeklagt war, die Gaskammern in Treblinka betrieben zu haben und dies abstritt. Auch habe sie eine gutachterliche Stellungnahme in einem Verfahren abgelehnt, in dem das Opfer eine Freundin von ihr war.

Gefragt, wie sie sich ihr Urteil bilde und ob sie sich keine Sorgen mache, Pädophile zu schützen, räumte sie ein, sich durchaus gelegentlich zu fragen, was sei, wenn sie sich irre. Sie halte es zwar für höchst unwahrscheinlich, doch nicht gänzlich für ausgeschlossen, dass Erlebtes in Vergessenheit geraten und später wiederkehren könne. Letztlich könne sie nicht sagen, dass ein Missbrauch nicht stattgefunden habe und die Erinnerungen daran falsch seien. Doch mache sie sich auch Sorgen um die fälschlicherweise Angeklagten. Über all dies denke sie viel nach. Fälle, in denen es um die Todesstrafe ging, habe sie fast immer angenommen, so dass auch Ted Bundy zu den von ihr begutachteten Angeklagten gehörte, der zeitweise an der University of Washington Psychologie studiert hatte. In ihren Anfängen sei es ihr egal gewesen, ob sie jemanden für unschuldig hielt, wenn sie einen Gutachtenauftrag annahm. Es sei nicht an ihr, über Schuld oder Unschuld von Angeklagten zu befinden. Auch die Verteidiger der Beschuldigten seien sich keineswegs immer über Schuld oder Unschuld ihrer Mandanten sicher. Inzwischen aber ziehe sie es vor, an Fällen zu arbeiten, bei denen sie von der Unschuld überzeugt ist. Die Gründe, einen Auftrag anzunehmen, seien vielfältig. Sie finde es interessant, Einblick in Fallgeschichten zu erhalten und Details zu erfahren, die anderen Menschen verborgen bleiben.

Falsche Erinnerungen Loftus ist überzeugt, dass es nicht möglich sei, den Wahrheitsgehalt mitgeteilter Erinnerungen treffsicher beurteilen zu können, es sei denn, externe Informationen stünden zur Verfügung, die eine Erinnerung zweifelsfrei bestätigen. Das menschliche Gedächtnis sei anfällig für Suggestion und bereit, Informationen als erinnert abzuspeichern, die auf anderem Weg als durch eigenes Erleben gewonnen wurden.

Die von ihr und anderen Autoren vorgelegten Forschungsergebnisse hätten Loftus zufolge Auswirkungen auf polizeiliche und andere Ermittlungsverfahren, auf die klinische Praxis, aber auch auf ganz andere Zusammenhänge, in denen Erinnerungen mitgeteilt werden. Jenseits von Rechtsstreitigkeiten und Psychotherapie hätten falsche Erinnerungen auch Auswirkungen auf das tägliche Leben, wie sich an Autobiografien und Memoiren zeige. Gedächtnisprotokollen wird Nachweischarakter zugemessen, obwohl auch sie fehleranfällig sind, denn „woran wir uns erinnern, hat oft verblüffend wenig mit Tatsachen zu tun“.