Die Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Wiesenrauten (Thalictrum) in der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

mini|links|Blätter miniatur|Verzweigter Blütenstand Beschreibung Die Kleine Wiesenraute ist eine sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 150 Zentimeter erreicht. Der aufrechte Stängel ist verzweigt.

miniatur|Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus) Die wechselständig am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter sind mehrfach gefiedert mit rundlichen bis keilförmigen Abschnitten. Sie sind bläulich-grün bereift, seltener auch gräulich-grün.

In einem verzweigten, lockeren, rispigen Blütenstand befinden sich viele aufrechte oder nickende Blüten. Die 4 bis 5 Millimeter langen Blüten weisen vier hellgelbe Blütenhüllblätter auf. Die zahlreichen hängenden Staubblätter haben eine gelbliche Farbe. Die bis 2 mm langen, spindelförmigen Nüsschen sind längs gerippt. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.

Die Art ist hexaploid, dekaploid und dodekaploid; sie hat die Chromosomenzahlen 2n = 42, 70 oder 84.

Ökologie Die Pflanze ist windblütig; die vorweiblichen Blüten sind vom „hängeblütigen Typ“; die Staubbeutel sind ziemlich lang und leicht beweglich, was die Windbestäubung begünstigt. Sie dienen andererseits aber auch als Schauorgan für Pollen fressende Besucher. Außerdem ist Selbstbestäubung nicht selten. Bei schlechtem Wetter bleiben die Blüten geschlossen.

Die Nüsschen breiten sich als Windstreuer, Ballonflieger, eventuell auch als Bohrfrucht oder als Regenschwemmling aus.

Verbreitung Die Kleine Wiesenraute ist in Eurasien weitverbreitet und kommt auch in Alaska, in nördlichen, östlichen und südlichen Afrika vor. In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Island, Belarus und im europäischen Teil der Türkei. Die Kleine Wiesenraute kommt in Europa hauptsächlich im Süden, im südlichen Mitteleuropa, im Westen und im Osten vor. Im Norden sowie in Deutschland ist sie ziemlich selten. Sie ist eine Halbschatten- bis Halblichtpflanze und wächst beispielsweise an sonnigen Gebüschen, an Waldrändern sowie in lichten Eichenbeständen. Sie bevorzugt kalkhaltigen, humosen, steinigen Lehm- oder Lößboden.

Sie ist eine Charakterart des Verbands Geranion sanguinei (thermophile Saumgesellschaften).

Systematik Der wissenschaftliche Name Thalictrum minus wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 546 erstveröffentlicht. Linné hatte den Namen von Caspar Bauhins Pinax (1623) übernommen und verkürzt.

In Europa kommen folgende Unterarten vor: Thalictrum minus subsp. carpaticum : Sie kommt in Polen und in der früheren Tschechoslowakei vor. Thalictrum minus subsp. elatum (Syn.: Thalictrum minus subsp. kemense ): Sie kommt in Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika vor, in Europa nur in Nordskandinavien und in Nordrussland. Thalictrum minus subsp. majus (Syn.: Thalictrum majus , Thalictrum minus subsp. pseudominus ): Sie kommt nur in Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowenien, Albanien und in der Slowakei vor. In Deutschland gedeiht sie in Kiefernwäldern und Felsfluren in Bayern. In Österreich kommt sie in Niederösterreich, Wien, im Burgenland und in der Steiermark vor. Thalictrum minus subsp. maxwellii (Syn.: Thalictrum maxwellii , Thalictrum buschianum ): In Europa kommt diese Unterart nur in der Ukraine vor; außerhalb Europas wird sie von Georgien, Armenien, Aserbaidschan und dem Kaukasusgebiet angegeben. Thalictrum minus subsp. minus: Sie kommt in Europa vor, tritt aber im Süden und im Westen zurück. Sie kommt zerstreut in Ost-Deutschland vor und ist sonst in Deutschland selten, Z.B. in Rheinland-Pfalz bei Mainz. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental). Thalictrum minus subsp. pratense (Syn.: Thalictrum pratense ): Sie kommt in Frankreich, Belgien, Luxemburg, in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich, Italien und in Slowenien vor. In Deutschland ist sie seltenb und kommt im Rhein-, Main-, Mosel- und Donaugebiet vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental). Thalictrum minus subsp. saxatile (Syn: Thalictrum minus subsp. olympicum , Thalictrum saxatile [non Vill. 1779], Thalictrum minus subsp. pubescens , Thalictrum pubescens [non Pursh 1813]): Sie kommt in Europa nur auf der Balkanhalbinsel, in Südosteuropa und im südlichen Mitteleuropa vor. In Deutschland kommt sie zerstreut bis selten vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 für diese Unterart sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1 (sehr trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Weitere Unterarten sind: Thalictrum minus subsp. afrum : Sie kommt im südlichen Afrika vor. Thalictrum minus subsp. pavlovii : Sie kommt in Sibirien vor. Thalictrum minus subsp. thunbergii : Sie kommt in China, Japan, Korea, in der Mongolei, auf den Nansei-Inseln und im westlichen Himalaja vor.

Quellen Literatur Bruno P. Kremer: Steinbachs großer Pflanzenführer. Eugen Ulmer, Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-4903-6.

Einzelnachweise Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. 8. Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Akateeminen Kirjakauppa, The Committee for Mapping the Flora of Europe & Societas Biologica Fennica Vanamo, Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 240–243. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 546 ().

Ralf Hand (2014): Thalictrum. – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Thalictrum

Jens G. Rohwer: Ranunculaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 349.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben) Bilder:

Kategorie:Hahnenfußgewächse