Deutsch-Samoa war von 1900 bis 1914 (de facto) bzw. 1919 (de jure) eine deutsche Kolonie im westlichen Teil der Samoainseln. Sie umfasste mit den Inseln Upolu, Savaiʻi, Apolima und Manono das Gebiet des heutigen Staates Samoa. Deutsch-Samoa war, abgesehen vom Pachtgebiet Kiautschou in China, das einzige deutsche Kolonialgebiet im asiatisch-pazifischen Raum, das getrennt von Deutsch-Neuguinea verwaltet wurde.

1914 wurde das Gebiet von neuseeländischen Truppen besetzt, unter deren Militärverwaltung gestellt und 1919 gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrags von Versailles als C-Mandat des Völkerbundes der Verwaltung Neuseelands übertragen. Westsamoa verblieb nach dem Zweiten Weltkrieg als UN-Treuhandgebiet unter der Aufsicht Neuseelands, von dem es 1962 wieder in die Unabhängigkeit entlassen wurde.Hermann Joseph Hiery: Im amtlichen Sprachgebrauch wurde die Kolonie nur Samoa, nicht Deutsch-Samoa genannt.Hermann Joseph Hiery: . In: Hermann Joseph Hiery (Hrsg.): Die Deutsche Südsee 1884-1914, Ein Handbuch. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2001, ISBN 3-506-73912-3.

Geschichte Im Jahre 1722 betrat der Niederländer Jakob Roggeveen als erster Europäer Samoa. Die United States Exploring Expedition unter Charles Wilkes erreichte 1839 die Inselgruppe und ernannte John C. Williams zum Handelsagenten der Vereinigten Staaten auf Samoa. Die Briten setzten 1847 George Pritchard, einen Missionar von der London Missionary Society (Londoner Missionsgesellschaft), als Konsul ein.R. M. Watson: History of Samoa, Chapter IV – Settlement Government and Trade (1839–1869). Da Samoa ein wichtiger Stützpunkt auf dem Seeweg vom Panamakanal (eröffnet 1914) nach China und Australien war, wurde es von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und dem Deutschen Reich beansprucht.

Ab den ausgehenden 1850er Jahren gelang es Hamburger Kaufleuten innerhalb weniger Jahre, sich gegenüber der britischen, australischen und amerikanischen Konkurrenz eine Vorrangstellung zu erarbeiten.Aleš Skřivan: Das hamburgische Handelshaus Johan Cesar Godeffroy & Sohn und die Frage der deutschen Handelsinteressen in der Südsee. Hamburg 1995, Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 81, S. 129–155. Der Leiter der Hauptagentur des Hamburger Handelshauses Joh. Ces. Godeffroy & Sohn in der samoanischen Hauptstadt Apia, Theodor Weber, wurde am 28. April 1864 zum hamburgischen Konsul in Apia ernannt.Christian Buhlmann, Antje Märke: Bundesarchiv, Aus dem Archiv, Vorgeschichte (I) 1868 wurde er Konsul des Norddeutschen Bundes und 1872 Konsul des Deutschen Reichs für Samoa und Tonga. Weber, der im Laufe der Jahre ein beachtliches Privatvermögen erwarb, machte das Handelshaus durch den Ankauf von 30.000 ha fruchtbarem Land auf Upolu zum größten Grundbesitzer in Samoa.Rosemarie Schyma: Südsee. DuMont, Köln 2009, ISBN 978-3-7701-2709-2.

Am 16. Juli 1878 besetzten Einheiten der Korvette Ariadne unter dem Befehl von Kapitän Karl Bartholomäus von Werner die Dörfer Saluafuata und Falealili auf Upolu und hissten dort die deutsche Flagge.Hermann Joseph Hiery: (PDF; 1,6 MB) Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-940357-04-5. Damit begann die deutsche Verwicklung in einen Kolonialkonflikt mit den USA und Großbritannien um die Inselgruppe. In den Jahren 1878 und 1879 schlossen Großbritannien, die USA und Deutschland Handelsverträge mit Samoa.

Machtkämpfe um Samoa mini|hochkant=1.8|Karte der Samoa-Inseln mit dem Hauptort Apia, um 1890 1879 griffen die drei an Samoa interessierten Mächte (Three Powers) in Konflikte zwischen den Samoanern ein, um dem von ihnen bevorzugten Anwärter auf die Königswürde Malietoa Talavou im Streit um die Macht zum Sieg zu verhelfen. Am 2. September 1879 erklärten die Three Powers Apia und das die Stadt umgebende Gebiet zur neutralen Zone unter der gleichberechtigten, gemeinsamen Verwaltung der Konsuln dieser Staaten.Norbert Wagner (Hrsg.): Archiv des Deutschen Kolonialrechts. Konvention vom 2. September 1879 betreffend die Munizipalverwaltung für Apia. (RT-Vhdl., 4. LP, 3. Session, Band 65, Aktenst. Nr. 101, S. 728; PDF; 2,0 MB) S. 311. Diese Munizipalverwaltung hatte die Aufgabe, den Handel der Europäer zu schützen und die Beziehungen zwischen Europäern und Samoanern zu ordnen.

Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck ließ am 14. April 1880 eine Gesetzesvorlage, die Samoa-Vorlage, in den Reichstag einbringen, nach der das Deutsche Reich der Disconto-Gesellschaft und weiteren Investoren eine auf 4,5 % festgesetzte Zinsrate garantieren sollte, um das infolge seiner Unternehmungen in Samoa bankrotte Handelshaus Joh. Ces. Godeffroy & Sohn übernehmen zu können.Hoffmann: Schönwetter-Kapitalist. Die Zeit vom 31. Juli 2003, Nr. 32 Eine Mehrheit im Reichstag lehnte den Antrag ab. Der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg (DHPG) gelang es trotz des fehlenden Rückhalts aus der Politik mit dem Kapital privater Investoren, die samoanischen Besitzungen der Firma Joh. Ces. Godeffroy & Sohn mit ihren ausgedehnten Kokospalmenplantagen zu übernehmen. Die Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft kontrollierte um 1877 fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche Samoas.Jürgen Ritter: Das unverdorbene Eiland. einestages, Zeitgeschichten Der Spiegel Am 10. März 1881 setzten die drei Mächte den hauptsächlich von den Briten unterstützten Malietoa Laupepa als Nachfolger des am 9. November 1880 verstorbenen Malietoa Talavou als Vertragskönig ein,King Fonoti Tafa’ifa of Samoa: The Kingdom of the three Powers and their Associates in Samoa. der von den Deutschen favorisierte Tupua Tamasese Titimaea sowie der im Kampf um die Macht zumindest anfänglich von den Amerikanern geförderte Mata'afa Iosefo opponierten. Im Juli 1887 verlief eine Samoa-Konferenz zwischen dem Deutschen Reich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten in Washington ergebnislos, da die anderen Mächte ein deutsches Mandat über Samoa nicht anerkennen wollten.Digitalisat Neueste Mittheilungen 8. Jahrgang. Nr. 14, vom 19. Februar 1889, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Digitalisierung der Amtspresse Preußens.

Seit 1880 herrschte unter den Samoanern Streit um die Führung im Lande. Traditionell gab es keine zentrale Königsmacht in Samoa. Verschiedene Mata'i (Familienoberhäupter) kämpften um die Oberherrschaft. Die Spannungen zwischen den lokalen Mächtegruppierungen und ihren Schutzmächten führten 1887–1889 und 1893/94 zu bürgerkriegsähnlichen Konflikten.

Wegen einer Schlägerei auf einer Kaisergeburtstagsfeier am 22. März 1887 in Apia zwischen Europäern und samoanischen Ehrengästen, darunter Anhängern des Malietoa Laupepa, ließ der deutsche Konsul Heinrich Becker Laupepa entmachten und am 17. Juli 1887 über Kamerun und Hamburg nach Jaluit deportieren. Becker machte Tupua Tamasese Titimaea zum Vertragskönig und den Artillerieleutnant Eugen Brandeis zu dessen Ratgeber. Am 24. August 1887 besetzte die deutsche Marineinfanterie Apia. Tupua Tamasese wurde unter dem Salut deutscher Kriegsschiffe zum König erklärt.

mini|hochkant|Flaggenhissung auf Samoa am 1. März 1900 (Fotomontage mit dem kaiserlichen Schutzbrief im Hintergrund) mini|hochkant|Lauaki Namulauulu Mamoe, Anführer der Mau-a-Pule-Bewegung von 1909 mini|10-jähriges Jubiläum der Flaggenhissung auf Samoa am 1. März 1910 mini|Notgeldschein von 1922, in dessen Text der Verlust der deutschen Kolonie beklagt wird. In der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1889 zerstörte ein wahrscheinlich von Anhängern Mata'afas unter der Führung des Amerikaners John Klein gelegter Brand das deutsche Konsulat und einen großen Teil Apias. Als der deutsche Konsul Wilhelm Knappe am 19. Januar 1889 eigenmächtig den KriegszustandNorbert Wagner (Hrsg.): Archiv des Deutschen Kolonialrechts. Proklamation vom 19. Januar 1889. (RT-Vhdl., 7. LP, 4. Session, 5. Bd. Anlagen, Aktenst. Nr. 138, Anlage 2 zu Nr. 45, S. 878.; PDF; 2,0 MB) Brühl 2008, S. 316. ausrief und der Kommandant des Kanonenbootes Adler das Oberkommando in Apia übernahm, drohten der englische und amerikanische Konsul mit Gegenmaßnahmen. Knappe wurde vom Reichskanzler Bismarck, der dessen Forderung nach sofortiger Annexion als „Ab irato (im Zorn) gehandelt“ ablehnte, abberufen.Dieter Giesen: Kolonialpolitik zwischen Irritation und Illusion. Prolegomena zu einer Rechts- und Sozialgeschichte deutscher Kolonialbestrebungen im Pazifik am Beispiel Samoas (1857-89). In: Dieter Wilke (Hrsg.): Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Juristischen Gesellschaft zu Berlin. Berlin 1984, S. 212. Sein Nachfolger wurde Oscar Wilhelm Stübel. Auch die Amerikaner beriefen ihren Konsul sowie den Kommandanten ihrer Korvette Adams, Capitain Leary, ab.Neueste Mittheilungen 8. Jahrgang. Nr. 18, vom 5. März 1889, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Digitalisierung der Amtspresse Preußens. Am 8. November 1889 setzten die drei Mächte den Malietoa Laupepa wieder als König ein.Norbert Wagner (Hrsg.): Archiv des Deutschen Kolonialrechts. Proklamation vom 8. November 1889 (RT-Vhdl., 8. LP. 1. Session, 1. Bd. Anlagen, Aktenst. Nr. 64, Anlage zu Nr. 10‚ S. 568; PDF; 2,0 MB), Brühl 2008, S. 318. In der gespannten Situation wäre es zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen, hätte nicht am 15./16. März 1889 der Zyklon von Samoa mehrere schon kampfbereite Kriegsschiffe zerstört sowie 52 amerikanische und 93 deutsche Seeleute das Leben gekostet.Christian Buhlmann, Antje Märke: Bundesarchiv, Aus dem Archiv, Vorgeschichte (II) Die Naturkatastrophe brachte die geschwächten Konkurrenten an den Verhandlungstisch.

Tridominium Auf der Konferenz von Berlin vom Juni 1889 wurden die langjährigen Machtkämpfe durch die Vereinbarungen der Samoa-Akte zunächst beigelegt. Es entstand ein formal unabhängiges Königreich Samoa unter der gemeinsamen Verwaltung der Three Powers. Die drei Großmächte beschlossen, das neutrale Territorium um Apia in einen Munizipaldistrikt umzuwandeln. Die Rechtsprechung lag in der Hand der Briten und Amerikaner, während dem Munizipalrat ein deutscher Beamter vorstand. Erster Munizipalpräsident wurde Arnold Freiherr Senfft von Pilsach.Anneliese von der Groeben: XIV 8 - Erinnerungen an mein Elternhaus. Theodore Radkte (Hrsg.): Senfft von Pilsach, Teil 3. Dieses Tridominium funktionierte mehr schlecht als recht bis 1899.

Im August 1898 starb Malietoa Laupepa. Sein langjähriger Konkurrent Mata'afa Iosefo kehrte auf einem deutschen Kriegsschiff aus dem Exil von den Marschall-Inseln zurück und wurde von den Samoanern mit Unterstützung der deutschen Truppen zum Tupu ausgerufen.Christian Buhlmann, Antje Märke: Eine deutsche „Musterkolonie“ - Samoa unter dem Kosmopoliten Wilhelm Solf. Bundesarchiv, Aus dem Archiv, Amtsantritt Solfs (II)

Die angelsächsischen Mächte unterstützten in den folgenden Thronwirren den Sohn des verstorbenen Malietoa Laupepa, Malietoa Tanumafili I. Im Januar 1899 brach in Apia Krieg aus. Britische und amerikanische Schiffe, die USS Philadelphia, die HMS Royalist und die HMS Porpoise, beschossen im März 1899 die Hauptstadt,R. M. Watson: History of Samoa, Samoa under the Berlin General Act (1889–1899)., Apia 1917. da sich abzeichnete, dass der deutsche Protegé Mata'afa sich durchsetzen würde. Am 23. März 1899 wurde Tanumafili zum Gegenkönig gekrönt.

Um zu verhindern, dass der Konflikt zwischen Deutschen auf der einen, Amerikanern und Briten auf der anderen Seite eskalierte, kam im Mai 1899 eine Kommission von Vertretern der drei Kolonialmächte nach Samoa. Auf der USS Badger im Hafen von Apia handelten C. N. E. Eliot, zweiter Sekretär des britischen Botschafters in Washington, Bartlett Tripp, ehemaliger Botschafter der Vereinigten Staaten in Österreich-Ungarn, und der deutsche Diplomat Hermann Speck von Sternburg ein Abkommen über die Aufteilung Samoas aus.