Heringen (Werra) ist eine Kleinstadt im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg, direkt an der Landesgrenze zu Thüringen gelegen. Die nächsten größeren Städte sind im Westen Bad Hersfeld (28 km), im Nordosten Eisenach (30 km) und im Norden Kassel (80 km).

Heringen ist die Gemeinde mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung in Hessen. Diese liegt bei knapp 8000 Euro. Die Gesamtverschuldung beträgt rund 57 Millionen Euro. Gleichzeitig gehört Heringen zu den vier Gemeinden mit dem höchsten Gewerbesteueraufkommen in Hessen.

mini|Heringen mit dem Werk Wintershall der K+S Kali GmbH in der Bildmitte. Aufgenommen vom Monte Kali

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt an dem Fluss Werra, umgeben von den Ausläufern des Thüringer Waldes, des Seulingswaldes und der Vorderrhön.

Der tiefste Punkt liegt mit in der Werraaue. Der höchste Punkt in der Stadtgemarkung ist der Lehnberg auf .

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind die hessische Gemeinde Wildeck im Nordwesten, die thüringische Stadt Werra-Suhl-Tal mit den Ortsteilen Großensee, Dankmarshausen, Dippach und Vitzeroda im Norden und Osten sowie die hessischen Gemeinden Philippsthal im Süden und Friedewald im Westen.

Stadtgliederung Die Stadtteile sind neben dem Kernort Heringen die Orte Bengendorf, Herfa, Kleinensee, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölfershausen.

Geschichte mini|Der Salzberg („Monte Kali“) des Kaliwerks Wintershall in Heringen mini|Der Stadtteil Kleinensee mit dem „Monte Kali“ im Hintergrund mini|hochkant=0.6|Grenzpfahl der DDR, an der hessisch-thüringischen Grenze zwischen Kleinensee und Großensee

Das erste Mal wird der Ort Heringen im Jahre 1153 urkundlich erwähnt. Das Kloster Fulda belehnte um das Jahr 1170 den adligen Heinrich von Heringen mit dem Ort. Das Gericht Heringen umfasste im frühen 15. Jahrhundert das heutige Stadtgebiet, den Ort Harnrode (heute zu Philippsthal) und die heute thüringischen Orte Vitzeroda, Gasteroda und Abteroda. Diese drei Orte gehören heute zur Stadt Werra-Suhl-Tal im Wartburgkreis in Thüringen. Im Jahre 1432 verkaufte Margarethe von Heringen das Gericht an die Landgrafen von Hessen. Damit gehörte Heringen zur Landgrafschaft Hessen und wurde dem Amt Friedewald angegliedert. Allein Harnrode und die Wüstung Geiderstad kamen zur hersfeldischen Vogtei Kreuzberg, die Obrigkeit über den Ort lag aber beim Amt Friedewald. Das Marktrecht wurde dem Ort Heringen im Jahr 1526 verliehen.

Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen (1807–1813) war Heringen Hauptort des Kantons Heringen und Sitz des Friedensgerichts.

1893 wurde an der Werra erstmals Kalisalz nachgewiesen. 1894 wurde eine Tiefbohrung angesetzt, die in 470 Meter Tiefe ein zwei bis drei Meter mächtiges Kaliflöz fand. Etwa 60 bis 70 Meter tiefer wurde ein zweites noch mächtigeres Flöz nachgewiesen. Mit dem Bau des Kaliwerks Wintershall (heute K+S AG), das mit der Förderung im Jahre 1903 begann, bekam der Ort die ersten industriellen Arbeitsplätze. Später wurden noch die Kalibergwerke Neu-Heringen und Herfa-Neurode gebaut. Während der letzten Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs wurden in den Stollen des Heringer Bergwerkes die Bibliothek des Reichspatentamts und der Wehrgeologenstellen versteckt. Die letztgenannte Bibliothek ist heute Teil der „US Geological Survey Library“ und ist dort als „Heringen Collection“ gekennzeichnet. In Herfa-Neurode wurde 1972 die erste und größte untertägige Sondermülldeponie der Welt eingerichtet; sie wird bis heute von K+S betrieben.

Das Bergwerk ist heute das größte Kaliabbaugebiet der Welt und hat etwa die Abbaufläche des Großraumes Münchens. Das entspricht einer Fläche von ca. 312 km².

Heringen bekam am 8. März 1977 von der Hessischen Landesregierung die Stadtrechte verliehen.

Eingemeindungen Am 15. September 1968 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wölfershausen eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 31. Dezember 1970 Lengers auf freiwilliger Basis eingegliedert. Bengendorf und Leimbach folgten am 31. Dezember 1971. Die Reihe der Eingemeindungen fand am 1. August 1972 mit der Eingliederung von Herfa, Kleinensee und Widdershausen kraft Landesgesetz ihren Abschluss. Für alle nach Heringen eingegliederten Gemeinden sowie für die Kerngemeinde wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Einwohnerentwicklung Stadtteile Einwohnerzahl Jahr 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2012 Heringen 3.402 3.558 3.637 3.631 3.603 3.623 3.594 3.604 3.607 3.525 3.516 3.501 3.308 Bengendorf 69 68 68 68 70 72 72 72 73 56 52 51 59 Herfa 836 880 869 867 853 838 814 798 802 802 779 769 753 Leimbach 471 488 511 512 522 504 503 503 501 514 508 494 488 Lengers 1.019 1.092 1.072 1.072 1.071 1.061 1.024 1.003 1.012 990 970 957 931 Kleinensee 655 726 722 722 726 724 729 721 720 704 710 701 667 Widdershausen 1.140 1.204 1.190 1.190 1.203 1.193 1.166 1.181 1.182 1.127 1.111 1.101 1.051 Wölfershausen 1.091 1.150 1.139 1.137 1.117 1.101 1.117 1.093 1.088 1.098 1.087 1.086 1.051 Gesamt 8.683 9.166 9.208 9.199 9.165 9.116 9.019 8.975 8.985 8.816 8.733 8.660 8.308

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Heringen (Werra) erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2026

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 WGH Wählergruppe Gemeinschaftsliste Heringen 39,2 12 28,3 9 38,8 12 46,1 14 35,2 11 22,3 7 37,6 12 52,7 16 33,5 10 36,0 11 40,0 12 50,1 16 23,2 7 19,0 6 13,2 4 17,9 6 24,8 8 26,5 8 GfH Gemeinsam für Heringen – – – – 14,5 5 – – – – – – Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 55,3 51,7 67,8 51,7 59,3 64,5

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Heringen (Werra) neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und fünf weitere Stadträte angehören. Die Stärke der in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Fraktionen spiegelt sich grundsätzlich in der Zusammensetzung des ehrenamtlichen Magistrats wider.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2016 Daniel Iliev (SPD). Er setzte sich am 20. März 2016 in einer Stichwahl gegen Amtsinhaber Hans Ries (WGH), der sich um eine dritte Amtszeit beworben hatte, bei 69,5 Prozent Wahlbeteiligung mit 53,4 Prozent der Stimmen durch. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2022.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 6. März 2022 in Heringen (Werra)

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2016–2028 Daniel Iliev (SPD)Hersfelder Zeitung, 6. März 2016: Bürgermeisterwahl in Heringen: Stichwahl zwischen Hans Ries (45,4 Prozent) und Daniel Iliev (39,4 Prozent) – Zentralrats der Makedonen: Treffen mit Daniel Iliev – Bürgermeister der Stadt Heringen (Werra): „Der makedonisch-stämmige Iliev beginnt am 1. Juli seine zweite sechsjährige Amtszeit als Bürgermeister“ 2004–2016 Hans Ries (WGH)Osthessen News, 28. März 2004: Überraschung bei Bürgermeisterwahl: RIES (52,5 %) vor KNOCH (47,5 %): „Ries wird damit ab 01. Juli 2004 Nachfolger von Bürgermeister Rolf Pfromm (SPD), der nach zwölfjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wiederwahl antrat“ 1992–2004 Rolf Pfromm (SPD)

+ Ergebnisse der Bürgermeister-Direktwahlen Jahr Wahlbeteili-gung in % Kandidaten Partei Stimmenin % 2022 38,6 Daniel Iliev SPD 85,4 2016Stichwahl 69,5 Daniel Iliev 53,4 Hans Ries WGH 46,6 2010 75,6 Hans Ries WGH 65,0 Manfred Knoch 32,0 Evelyn Otto 3,0 2004Stichwahl 70,7 Hans Ries WGH 52,5 Manfred Knoch SPD 47,5 1998 71,9 Rolf Pfromm SPD 57,9 Hans Ries Grüne 28,4 Roland Dies CDU 13,7

Ortsbeirat Für die Kernstadt Heringen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Heringen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei Kommunalwahlen in Hessen 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 50,08 %. Es erhielten die CDU mit 28,7 % drei Sitze, die SPD mit 35,9 % drei Sitze, die „Gemeinschaftsliste Heringen“ (WGH) mit 16,4 % einen Sitz und die Liste „Gemeinsam für Heringen“ (GfH) mit 19,0 % zwei Sitze. Der Ortsbeirat wählte Gerhard Rudolph (CDU) zum Ortsvorsteher.

Wappen Blasonierung: Das Wappen zeigt in blau eine silberne Schräglinkswellenlinie. Vorne silberne gekreuzte Schlägel und Eisen, hinten drei silberne Fische.

Bedeutung: Die Wellenlinie steht für die Werra, die drei Fische sind redend und stammen aus dem Wappen der Herren von Heringen. Schlägel und Eisen ist das traditionelle Bergmannssymbol. Es wurde im Jahre 2003 in das Wappen aufgenommen,Altes Wappen von Heringen, altes Wappen der Stadt, vor 2003 da seit über einhundert Jahren Kalisalze abgebaut werden.

Gemeindepartnerschaften Heringen unterhält eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Rombas im Département Moselle. Im Jahr 2007 wurden die Partnerschaftsurkunden mit der Stadt und Landgemeinde Heringen/Helme in Thüringen und der polnischen Stadt Odolanów im Powiat Ostrowski unterzeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Grenzmahnmal Bodesruh Für die unter Denkmalschutz stehenden Kulturdenkmäler des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Heringen (Werra).

Museen Werra-Kalibergbaumuseum

Bauwerke Steinsalz-Abraumhalde „Monte Kali“ (Heringer „Wahrzeichen“) Kirchenruine Walterskirche (des vermutlich im 15. Jahrhundert verlassenen Dorfes Waldradeberg) Mahnmal Bodesruh (ursprünglich als Mahnmal zur deutschen Teilung errichtete Turmanlage) Nachfolgebauten des Ritterguts der Vultejus Burg Hornsberg – stauferzeitliche Burganlage auf der Landesgrenze zu Thüringen, nur geringe Reste erhalten

Parks Rohrlache und Säulingssee (Feuchtbiotope in der Werraaue) Forstbotanischer Garten Herfa

Schwimmbad Fritz-Kunze-Bad, Frei- und Hallenbad

Regelmäßige Veranstaltungen Wochenmarkt (jeden Donnerstag, vormittags) Motorrad-Grasbahnrennen (jährlich am zweiten August-Wochenende)

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Heringen ist an das überregionale Verkehrsnetz über verschiedene Landstraßen angeschlossen. Sie stellen vor allem die Verbindung an die Bundesstraße 62, die südwestlich an der Gemeinde vorbeiführt, und die Bundesautobahn 4 her.

Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt durch die ÜWAG Bus GmbH mit der Linie 330 und 331.

Der Personenverkehr der Bahnstrecke Gerstungen–Vacha ist 1981 eingestellt worden. Lediglich der Güterverkehr zwischen Gerstungen und dem Standort Wintershall und dem Standort Hattorf (Philippsthal) des Werks „Werra“ der K+S Mineral and Agriculture GmbH besteht noch. Der Heringer Bahnhof wurde 1904 auf Drängen des Kaliwerks in Betrieb genommen. Vorher waren die Fertigprodukte mit Pferdewagen bis zum Bahnhof Gerstungen transportiert worden. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren auch Überlegungen angestellt worden, die Werra schiffbar zu machen, um den hohen Transportbedarf zu decken. So war in den 1930er Jahren der Bau eines Hafens in Heringen geplant.

Forschung/Entwicklung