mini|Hermann Fleißner Hermann Fleißner (* 16. Juni 1865 in Dresden; † 20. April 1939 in Berlin) war ein Politiker (SPD, von 1917 bis 1922 USPD). Er war von 1909 bis 1920 Abgeordneter des sächsischen Landtags bzw. der sächsischen Volkskammer, von 1920 bis 1933 Mitglied des Reichstages und von 1920 bis 1924 Minister für Unterricht bzw. Volksbildung des Freistaats Sachsen.
Vorkriegszeit Fleißner machte nach der Volksschule eine Lehre als Tischler. Bis 1895 hat er als Geselle gearbeitet und anschließend für kurze Zeit als selbstständiger Tischlermeister in Pirna.
Bereits 1884 trat Fleißner der SPD bei und 1895 wurde er auch Mitglied des Holzarbeiterverbandes. Von 1885 bis 1898 war er Vorsitzender der örtlichen SPD in Pirna. Beruflich war Fleißner seit 1897 mit Unterbrechungen bis 1917 anfangs Berichterstatter für sozialdemokratische Zeitungen und später Redakteur der Dresdner Volkszeitung. Fleißner war von 1913 bis 1917 Mitglied des zentralen Parteiausschusses der SPD und Vorsitzender der Dresdner Parteiorganisation. Er gehörte schon vor dem Krieg dem linken Parteiflügel an.
Zwischen 1900 und 1903 war Fleißner Gemeinderatsmitglied in Löbtau und nach dessen Eingemeindung in die Landeshauptstadt von 1905 bis 1909 Stadtverordneter in Dresden. In der Zeit des Königreichs Sachsen gehörte er von 1909 bis 1918 als Abgeordneter des 16. ländlichen Wahlbezirks der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtags an. Vor dem Ersten Weltkrieg gelang es ihm trotz einer Kandidatur 1907 nicht in den Reichstag einzuziehen.
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Mit der Gründung der USPD 1917 wechselte Fleißner zu dieser Partei über und war bis 1921 deren Parteivorsitzender in Dresden. Außerdem saß er zeitweilig im zentralen Beirat der Partei und war als Redakteur der Parteipresse (Unabhängige Volkszeitung) tätig.
Während der Novemberrevolution rief Fleißner am 10. November 1918 im Dresdner Zirkus Sarrasani die Republik Sachsen aus. Anschließend war er Mitglied im sächsischen Rat der Volksbeauftragten und Minister für Militärwesen (das ehemalige Kriegsministerium wurde umbenannt). Dieses Amt führte er bis zum Rückzug der USPD-Mitglieder aus der Regierung am 16. Januar 1919 aus. Im Februar desselben Jahres wurde er als USPD-Abgeordneter in die Sächsische Volkskammer gewählt.
Im Jahr 1920 gehörte Fleißner zur Minderheit der USPD-Delegierten, die auf dem außerordentlichen Parteitag in Halle, den Beitritt der Partei zur Kommunistischen Internationale ablehnten.Chronik der deutschen Sozialdemokratie Bd. 2, S. 75 Er machte daher auch die Vereinigung des linken USPD-Flügels mit der KPD nicht mit.
Als Ministerpräsident Wilhelm Buck von der Mehrheits-SPD im Dezember 1920 die USPD wieder in die Regierung aufnahm, ernannte er Fleißner zum Staatsminister für Unterricht und Kultus. Mit der Mehrheit der Rumpf-USPD kehrte Fleißner 1922 zur wiedervereinigten SPD zurück. Während der Regierungszeit Erich Zeigners wurde sein Amt 1923 in Volksbildungsminister umbenannt. Er behielt es – über die Zeit der kurzen SPD-KPD-Koalition im Herbst 1923, die durch Reichsexekution aufgelöst wurde, hinaus – bis zum Regierungswechsel im Januar 1924. Im Jahr 1927 trat Fleißner vergeblich als Gegenkandidat im Sächsischen Landtag gegen Max Heldt von der abgespaltenen Alten sozialdemokratischen Partei für das Amt des sächsischen Ministerpräsidenten an.Chronik der deutschen Sozialdemokratie Bd. 2, S. 178
Seit 1920 war Fleißner Mitglied des Reichstages, dem er während allen acht Wahlperioden der Weimarer Republik bis 1933 jeweils als Abgeordneter des Wahlkreises Dresden-Bautzen angehörte. In der innerparteilichen Debatte um den Bau des Panzerschiffs A stand Fleißner in Opposition zur Führung der Partei und stimmte mit anderen Mitgliedern des linken Flügels auf dem Parteitag 1929 gegen eine Vorlage zur Wehrpolitik. Auch zwei Jahre später gehörte er der innerparteilichen Opposition an und scheiterte wohl auch deshalb mit seiner Kandidatur für den Parteivorstand.Chronik der deutschen Sozialdemokratie Bd. 2, S. 204, S. 232 Im Jahr 1930 scheiterte Fleißner auf dem Landesparteitag mit seinem Versuch Kandidat der SPD für die Position des sächsischen Ministerpräsidenten zu werden.Chronik der deutschen Sozialdemokratie Bd. 2, S. 214 Für seine linke Position spricht auch, dass er 1931 Mitarbeiter der Marxistischen Tribüne wurde.Chronik der deutschen Sozialdemokratie Bd. 2, S. 249
Daneben war er als freier Schriftsteller und Autor tätig.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war Fleißner mehrere Monate in Haft.
Literatur Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert. Marburg, 2000. S. 96 Franz Osterroth / Dieter Schuster: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. Bd.2: Vom Beginn der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Bonn, Berlin, 1975.
Carsten Schmidt: Zwischen Burgfrieden und Klassenkampf. Sozialpolitik und Kriegsgesellschaft in Dresden 1914–1918 Diss. Dresden 2007 (PDF-Datei; 1,52 MB)
Weblinks
Geschichte der SPD in Pirna (PDF; 504 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:USPD-Mitglied Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik) Kategorie:Mitglied der Zweiten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Sachsen Kategorie:Mitglied des Sächsischen Landtags (Weimarer Republik) Kategorie:Landesminister (Sachsen) Kategorie:Kriegsminister (Sachsen) Kategorie:Person (Dresden) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1865 Kategorie:Gestorben 1939 Kategorie:Mann