mini|Paul F. Knitter (Juni 2007) Paul Francis Knitter (* 25. Februar 1939 in Chicago) ist ein US-amerikanischer katholischer Theologe und Religionswissenschaftler und ehemaliger geweihter Priester. Derzeit lehrt er als Professor für Theologie, Weltreligionen und Kulturen auf dem renommierten „Paul-Tillich-Lehrstuhl“ am Union Theological Seminary in the City of New York.The Burke Library at Union Theological Seminary, Columbia University in the City of New York, Union Theological Seminary Archives 1, Paul F. Knitter Papers, 1962–2012 ( auf library.columbia.edu) Er gilt, neben anderen etwa John Hick, als Vertreter einer ‚Pluralistischen Religionstheologie‘.

Ausbildung und Tätigkeit Knitter stammt aus einer tief gläubigen Chicagoer Arbeiterfamilie. Sein Vater war Paul Lewis Knitter (27. Juli 1915 – 9. Dezember 1995) aus Illinois und seine Mutter Rose Georgiana (12. März 1914 – 31. Mai 1980) war eine geborene Dolezal (auch Doležal).2020 Peoplelegacy.com Paul Francis Knitter. Theologian university professor, Prabook, biografische Daten Er besuchte dort die School Sisters of St. Francissiehe auch Sisters of St. Francis bevor er zur High School wechselte. In Summit (Illinois) wurde er an der St. Joseph Summit PreSchool-8th Grade unterrichtet, um dann an das Divine Word Seminary, East Troy (Wisconsin) zu wechseln.The Vocation of an Interreligious Theologian: My Retrospective on 40 Years in Dialogue. Gedung Sekolah Pascasarjana UGM, Floors 3-4 Jl. Teknika Utara, Pogung, Yogyakarta Nach der High School und nach zwei Jahren Noviziat trat er im Jahre 1958 der Societas Verbi Divini (SVD) bei, um Missionar zu werden.M 3 Paul Knitter: Ein Theologe entwickelt sich vom „Exklusivist“ zum „Pluralist“. In: Harmjan Dam: Exklusiv, Inklusiv, Plural: Wo stehe ich selbst? hier S. 4–5

Im September 1962 wurde er zum Studium nach Rom beordert. Im Oktober, nachdem er dort angekommen war, eröffnete Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil und damit die bedeutende ‚Reformkonferenz‘ in der katholischen Kirche. Nach einem Studium der Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom (Lizentiat 1966) ging er nach Münster, um bei Karl Rahner zu promovieren. Nach einem halben Jahr machte er die Entdeckung, dass ein anderer Doktorand gerade in Rom eine Dissertation über das gleiche Thema veröffentlicht hatte. Er unterbrach sein Vorhaben und ging zu Carl Heinz Ratschow nach Marburg um über die protestantischen Religionstheologien, so insbesondere von Paul Althaus zu promovieren.Reinhold Bernhardt: Ende des Dialogs?: die Begegnung der Religionen und ihre theologische Reflexion. Bd. 2 Beiträge zu einer Theologie der Religionen, Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2005, ISBN 978-3-29017-391-3, S. 181–182 ( auf books.google.de) Knitter schloss seine Studien dann mit einem Doktorat der Evangelischen Theologie an der Universität Marburg (1972) ab. Titel seiner Dissertationsschrift Towards a Protestant Theology of Religions. Zeitweise war er als Assistent von Rudolf Bultmann tätig.Union Theological Seminary in the City of New York, Paul F. Knitter, Paul Tillich Professor of Theology, World Religions and Culture.

Er war der erste römisch-katholische Theologe, der zur theologischen Promotion an der Universität Marburg zugelassen worden war. Ein Freund aus seiner Marburger Studienzeit ist der evangelische Theologe Bernd Jaspert, der Herausgeber seines Buches Horizonte der Befreiung.

Seit 1972 lehrte er als Professor am Catholic Theological Union in Chicago. Seit 1975 war er Professor für Systematische Theologie und Religionswissenschaften an der Xavier University in Cincinnati, Ohio. Zuvor legte er, im gleichen Jahr, sein Priesteramt nieder. Knitter war im Jahre 1966 in Rom zum Priester geweiht worden.

1984 unterzeichnete Knitter die Kampagne A Catholic Statement on Pluralism and Abortion.

Er ist seit dem 31. Dezember 1982 mit Catherine (Cathy) Mary Cornell verheiratet, der er sein Buch No other name? widmete, das auch ins Deutsche übersetzt wurde. Beide haben zwei Kinder, John und Moira Knitter.

Von 1986 bis 2004 war er Mitglied des Verwaltungsrates von CRISPAZ („Christians for Peace in El Salvador“, „Christen für den Frieden in El Salvador“). Er gilt als einer der weltweit führenden christlichen Vertreter des Dialogs der Religionen und seit Erscheinen seines Buchs Without Buddha I Could Not Be a Christian (2009) auch als Proponent der „religiösen Zweisprachigkeit“ (Dual Belonging).

Werk Die zentrale Erkenntnis in den pluralistischen Religionstheologien ist die Beobachtung, dass es nicht nur das Christentum, sondern mehrere weitere Religionen gibt. Knitters Religionstheologie richtete sich auf einen theozentrischen Gott hin aus, sie bezeichnete Gott als bereits in sich selbst pluralistisch, da trinitarisch.Ulrich Dehn: Einleitung: Der (inter-)religiöse Dialog und die Theologie der Religionen. In: Ulrich Dehn, Ulrike Caspar-Seeger, Freya Bernstorff (Hrsg.): Handbuch Theologie der Religionen Texte zur religiösen Vielfalt und zum interreligiösen Dialog. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 978-3-451-37695-5, S. 11–27 ( Textauszug auf theologische-buchhandlung.de) hier S. 20 Jesu Christi einzigartige heilshafte Rolle reinterpretierte er so, dass sie sich als wahrhaft, aber eben nicht einzigartig verstehen ließe.Perry Schmidt-Leukel: Wahrheit in Vielheit. Vom religiösen Pluralismus zur interreligiösen Theologie. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2019, ISBN 978-3-579-08249-3, S. 54 Aus christlicher Perspektive kann, nach Knitter, die Entwicklung von einem Ekklesiozentrismussiehe auch Ekklesiologie zum Christozentrismussiehe auch Christozentrik und zu einem Theozentrismus entwickelt werden. Wenn der theozentrische Ansatz als Grundlage für eine ‚Theologie der Religionen‘ aus christlicher Perspektive diene. Eine christozentrische Haltung ohne Theozentrik würde leicht zu einer Idolatrie, in der nicht nur die christliche Offenbarung Schaden nähme, sondern auch der Offenbarungen, die in anderen Religionen auffindbar seien.Paul F. Knitter: Ein Gott - viele Religionen Gegen den Absolutheitsanspruch des Christentums. Kösel Verlag, München 1988, ISBN 3-46-6202-95-7, S. 108. Jesus von Nazareth selbst habe seine Botschaft theozentrisch gesehen. Eine Tradition, die es wieder aufzugreifen und weiterzuführen gelte.

In seiner Arbeit „Introducing Theologies of Religions“ (2002) beschreibt er die philosophischen Ausgangspunkte, um die verschiedene Theologien der Religionen nebeneinander zu betrachten. So sieht er die Schöpfung als Vielfalt oder Pluralität an und breitet diesen Gedanken insofern weiter aus, dass die Menschen auf diese Weise auch Weltanschauungen und Religiosität betrachten können; als eine geschaffene Vielfalt, in der die Menschen sich in ihrem eigenen Glauben auch auf das beziehen können, was andere denken. Knitter beschreibt hierzu in dem Werk vier wichtige religiöse theologische Modelle.Ulrich Dehn: Einleitung: Der (inter-)religiöse Dialog und die Theologie der Religionen. In: Ulrich Dehn, Ulrike Caspar-Seeger, Freya Bernstorff (Hrsg.): Handbuch Theologie der Religionen Texte zur religiösen Vielfalt und zum interreligiösen Dialog. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 978-3-451-37695-5, S. 11–27 ( Textauszug auf theologische-buchhandlung.de) hier S. 21 f.Paul F. Knitter: Introducing Theologies of Religions. Orbis Books, Maryknoll NY 2002 ISBN 978-1-57075-419-7 Die Grundlagen für diese Modelle lieferte John Hick und dessen Schüler Alan Race: Ersatzmodell (replacement model); in ihm findet sich die deutliche Auffassung, dass das Christentum die einzig wahre Religion sei, und dass es ganz oder teilweise, alle anderen Religionen ersetzen werde, die für ‚sündhafte Selbsterlösungs-Versuche‘ der Menschheit gehalten würden. Eine exklusivistische Position, der davon ausgehe, dass es nur eine Religion geben könne, und dass nur die eigene Religion die einzige Quelle der Wahrheit sei. Allgemeiner, eine ‚wahre Religion‘ verdrängt eine andere oder ersetzt diese.Ulrich Dehn, Ulrike Caspar-Seeger, Freya Bernstorff (Hrsg.): Handbuch Theologie der Religionen. Herder, Freiburg 2017, ISBN 978-3-451-37695-5, S. 21–22 Erfüllungsmodell (fulfillement model); hier wird auch der Auffassung Ausdruck gegeben, dass das Christentum die einzig wahre Religion sei. Es wird aber die Anwesenheit von Elementen der Wahrheit und Gnade in anderen Religionen anerkannt und befürwortet eine gegenseitige, wenn auch nicht gleichrangige Komplementarität durch den Dialog zwischen den Christen und den übrigen Religionen bzw. religiösen Systemen. Die inklusivistische Position, anerkennt zwar, dass es Wahrheiten in vielen Religionen geben könne, aber die endgültige Wahrheit könne nur in der eigenen Religion gefunden werden. In dem eine Religion andere Religionen ‚ihrer Vollendung‘ zuführt oder sie in sich aufnimmt. Reziprozitätsmodell (mutuality model); es lässt gelten, dass es viele wahre Religionen gibt, von denen keine notwendigerweise über einer anderen stehen müsse, und die alle zum Dialog und zur Zusammenarbeit miteinander aufgerufen sind, besonders wenn es um ‚Befreiungsprojekte‘ geht, und sie gerade hier ihre wahre Natur verwirklichen können. In der partikularistische Position müsse akzeptiert werden, dass alle Religionen für sich beanspruchen, die jeweils beste zu sein. Deshalb sei es notwendig, mit partikularen Wahrheitsansprüchen zu leben. Es wird von vielen Religionen ausgegangen und sie sind zum gemeinsamen Dialog bestimmt. Akzeptanzmodell (acceptance model); das Modell betont die grundsätzliche Verschiedenheit der Religionen und weist es zurück, nach einem ihnen gemeinsamen Grund zu suchen. Das Akzeptanzmodell drängt jede Religion dazu, eigene Ziele und Handlungsweisen zu pflegen und weiterzuentwickeln. Ausgangspunkt sind viele wahre Religionen und es wird bei der Anerkennung dieser Pluralität belassen. Die pluralistische Position nimmt eine ‚relative Wahrheit‘ vielen Religionen an, aber keine von ihnen besitze die endgültige Wahrheit. Das Fazit, die Religionen oder religiösen Systeme können voneinander lernen.Peter C. Phan: Der interkulturelle und interreligiöse Dialog eine Herausforderung für die christliche Mission. Georgetown University ( auf ccfmc.net) hier S. 10Simone Sinn: Religiöser Pluralismus im Werden: Religionspolitische Kontroversen und theologische Perspektiven von Christen und Muslimen in Indonesien. Bd. 8 Dogmatik in der Moderne, Mohr Siebeck, Tübingen 2014, ISBN 978-3-16152-756-2, S. 13.zur Analyse und Präzisierung siehe Perry Schmidt-Leukel: Zur Einteilung religionstheologischer Standpunkte. In: Ulrich Dehn, Ulrike Caspar-Seeger, Freya Bernstorff (Hrsg.): Handbuch Theologie der Religionen Texte zur religiösen Vielfalt und zum interreligiösen Dialog. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 978-3-451-37695-5, S. 255–260

Das Sprechen über Gott, das religiöse Narrativ, sei immer ein symbolisches Reden.Paul F. Knitter: Ohne Buddha wäre ich kein Christ. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2012, ISBN 978-3-451-30278-7, S. 172 Dabei ist sein Anliegen die ‚Reich-Gottes-Predigt‘ und die ‚Solidarität Gottes‘ mit den Leidenden, den armen und geschundenen Menschen, sie stehen für Knitter im Fokus seines theologischen Forschens. Deshalb sei theologisch auch „eine am Reich Gottes orientierte Christologie“ zu konzipieren.Georg Plasger: Viele Religionen - Ein Gott? Das eine Evangelium und die pluralistischen Religionstheologien. Siegen 2011 ( auf reformiert-info.de)Paul F. Knitter: Apologie einer pluralistischen Theologie und Christologie. In: Hans-Gerd Schwandt (Hrsg.): Pluralistische Theologie der Religionen. Eine kritische Sichtung. Otto Lembeck, Frankfurt am Main 1998, ISBN 978-3-87476-331-8, S. 75-95; 91

Für Knitter, und er folgt hierbei der Auffassung seines guten Freundes Aloysius Pieris, ist der besondere oder einzigartige Beitrag, den die Christen zum Dialog mit anderen Religionen leisten können, dass Jesus Gottes Verteidigungspakt mit den Armen sei, so Pieris, oder wie Knitter formulierte: