Der Status Nationalpark bietet in Schweden den zweithöchsten Grad an Landschaftsschutz. Bis auf wenige Ausnahmen im Süden des Landes erfüllen alle Nationalparks die Kategorie II der IUCN.
Schweden erklärte 1909 als erstes Land in Europa neun Gebiete zu Nationalparks. Ziel war es, die unberührte Natur für die damalige Generation sowie für alle nachfolgenden zu bewahren.Infobroschüre über die schwedischen Nationalparks, swedishepa.se, PDF, abgerufen am 20. September 2010, deutsch Heute gibt es 30 schwedische Nationalparks, sowie in und um Stockholm den ersten Nationalstadtpark der Welt.
Im Jahre 2025 waren ca. 1,57 Prozent der Landesfläche (7.031,17 km²) als Nationalpark ausgewiesen18,73 km² für den 2018 eingerichteten Nationalpark Åsnen sowie 7,59 km² (Landfläche) für den 2025 eingerichteten Nationalpark Nämdöskärgården wurden manuell hinzugerechnet. Darüber hinaus gibt es über 3500 streng geschützte Naturschutzgebiete, die eine Fläche von 36.816 km² einnehmen. In Schweden bestehen insgesamt 19.940 Naturschutzgebiete, die etwa 15 Prozent der Landfläche sowie weitere 15 Prozent der Meeresgebiete umfassen.protectetplanet.net, abgerufen am 12. Januar 2019.
Naturschutz Auch heute noch ist das Hauptziel von Nationalparks (schwedisch Nationalpark) und Naturschutzgebieten (schwedisch Naturreservat) die Erhaltung der potenziellen Naturgegebenheiten. Beide Formen sind im Umweltgesetz eingetragen; der Schutzstatus ist jedoch je nach Gebiet sehr unterschiedlich und reicht von strengstem Schutz bis zu schwachem Schutz ähnlich den deutschen Naturparks oder Landschaftsschutzgebieten.
Die Nationalparks sollen alle sechs Großlebensräume Schwedens abdecken:
Fjällgebirge Etwa 90 Prozent der gesamten Nationalparkfläche – vor allem die drei aneinander angrenzenden Nationalparks Sarek, Padjelanta und Stora Sjöfallet im UNESCO-Welterbe Laponia – befindet sich in den Skanden. Für dieses Gebirge typisch sind die baumlosen Bergtundren (die in Skandinavien Fjäll genannt werden) sowie die Fjällbirkenwälder der Waldtundra am Übergang zur Nadelwaldzone. Die größten Flächen gehören zu den niedrigen Fjällregionen (Lågfjäll) mit weitläufigen subarktischen Wiesen und Strauchheiden. Ein geringer Teil reicht hinauf bis in die Zone der Kältewüste und Gletscher (Högfjäll).
Insgesamt gehören rund 10 Prozent Schwedens zur waldfreien Gebirgsregion. Je nach dem Blickwinkel des Betrachters ist das Fjäll entweder eine fast zur Gänze unberührte Wildnis oder eine alte Kulturlandschaft der indigenen sámischen Rentierhirten. Etwas mehr als ein Drittel dieser Region ist ausreichend (IUCN-Kategorie Ia/b oder II) geschützt.Mark Fisher et al.: Review of Status and Conservation of Wild Land in Europe. Report im Auftrag der Regierung von Schottland, The Wildand Research Institute, Leeds (GB) November 2010., S. 45, 53–63, 70–72, Appendix A-3, A-4 u. a. (pdf) im Abgleich mit den kartografisch aufbereiteten Quellen der Commons-Landkarte Wilderness-and-protected-areas-of-europe,-beginning-21st-century.jpg,
Nadelwälder Der boreale Nadelwald ist der am weitesten verbreitete Landschaftstyp Schwedens und dominiert die Nationalparks (und anderen Großschutzgebiete) außerhalb der Fjällregion. Je weiter nördlich, desto schmaler sind die Silhouetten der Bäume aufgrund der Anpassung an die härteren Winter. Zudem erhöht sich der Anteil der Birken nach Norden und mit zunehmender Meereshöhe.
Mit ca. 6 % der rund 226.000 km² großen Gesamtwaldfläche verfügt Schweden neben Finnland für westeuropäische Verhältnisse noch über einen vergleichsweise großen Bestand an Urwäldern (gemäß IFL-Standard)Filip Hájek: Mapping of Intact Forest Landscapes in Sweden according to Global Forest Watch methodology. Prag, Dezember 2002, abgerufen am 16. Januar 2019. S. 7, 31–39 (Umrechnung auf Waldfläche) (Zum Vergleich: Die knapp 14.000 km² Urwaldfläche Schwedens ist gegen die über 270.000 km² in Nordwest-Russland sehr gering.Alexey Yu. Yaroshenko, Peter V. Potapov, Svetlana A. Turubanova: The Last Intact Forest Landscapes of Northern European Russia. Greenpeace Russia 2001. S. 61–75 (Umrechnung im Abgleich mit den Daten 2018 in protectedplanet.net, Russia) sowie den kartografisch aufbereiteten Quellen der Commons-Landkarte Wilderness-and-protected-areas-of-europe,-beginning-21st-century.jpg, alles abgerufen am 17. Januar 2019. Demgegenüber weisen die Länder Mitteleuropas und die Laubwaldgebiete Schwedens gar keine IFL-Wälder mehr auf). Während nur knapp 12 % der russischen Flächen (~ 32.000 km²) unter strengem Schutz stehen, sind es in Schweden immerhin über 65 %.
Edellaubwälder Der Laubwald – in Schweden Edellaubwald genannt – wird wie im nördlichen Mitteleuropa maßgeblich durch Rotbuchen, Eschen, Stiel- und Traubeneichen sowie Ulmen gebildet. Er ist oft sehr artenreich und bietet Schutz und Lebensraum für viele gefährdete Arten. Heute gibt es diese Wälder ausschließlich südlich des Dalälven, wie im Söderåsen-, Dalby Söderskog-, Stenshuvud- und Ängsö-Nationalpark.
Feuchtgebiete Rund ein Fünftel der Fläche Schwedens ist von Feuchtgebieten wie Mooren, Sümpfen und Feuchtwiesen bedeckt. Viele Pflanzen und Tiere haben sich deshalb besonders an diese Zonen angepasst. Besonders schöne und eindrucksvolle Feuchtgebiete finden sich im Muddus- und Store Mosse Nationalpark.
Seen und Flüsse Schweden ist eines der seenreichsten Länder der Welt. Der Nationalpark Djurö im Vänern besteht überwiegend aus Wasserfläche, während der Nationalpark Åsnen eine große Zahl an Inseln einschließt. Es gibt – vor allem im hohen Norden – noch einige Flüsse, die gänzlich oder beinahe völlig vom Menschen unbeeinflusst sind. Der Vindelälven, der Torne älv, der Kalixälven und der Piteälven sind deshalb als Nationalflüsse geschützt. Auch der Nationalpark Färnebofjärden am Ufer des Dalälven stellt ein wertvolles Süßwasserareal dar.
Küste, Meer und Schären Sehr vielfältig gestalten sich die Nationalparks entlang der Küste. So weist der Nationalpark Skuleskogen teilweise eine außergewöhnlich hohe Steilküste; der Stenshuvud Nationalpark große Sandstrände auf. Bekannt für seine Sandbänke und Schären ist der Haparanda Skärgård Nationalpark. Weitere Alleinstellungsmerkmale einiger Nationalparks sind die Granitfelsen von Blå Jungfrun, die Sanddünen von Gotska Sandön und das offene Meer des Kosterhavet Nationalparks.
Geschichte und Verwaltung von Nationalparks Die ersten Nationalparks in Schweden wurden laut dem Naturvårdsverket eher nach ästhetischen oder touristischen Kriterien denn aufgrund von Naturschutzüberlegungen eingerichtet. Sie lagen hauptsächlich in den nördlichen Teilen Schwedens und viele naturräumliche Besonderheiten wie etwa die Schären waren zu Anfang überhaupt nicht vertreten. In den von Samen bewohnten Gebieten spielte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Konsolidierung der schwedischen Macht über den hohen Norden eine entscheidende Rolle.
In jüngerer Zeit haben sich die Verfahren zur Einrichtung von Nationalparks verändert, besonders bezüglich der Auswahl und späteren Ausweisung neuer Parks. 2008 wurde ein neuer Nationalpark-Plan verabschiedet, der eindeutige Kriterien für die Auswahl vorgibt und sich an den Regeln der Weltnaturschutzunion (IUCN) orientiert.
Die zentrale Verantwortung für den Gebietsschutz in Schweden trägt das schwedische Umweltschutzamt Naturvårdsverket. Es bereitet auch die Beschlüsse der Regierung zur Einrichtung neuer Nationalparks vor. Träger der Nationalparks und Naturschutzgebiete ist in der Regel die jeweilige Provinzregierung, gelegentlich werden diese jedoch auch von Stiftungen verwaltet. Für alle Nationalparks ist zudem gesetzlich der freie Zugang gesichert.
Für jeden Nationalpark existiert ein individueller Pflegeplan zur nachhaltigen Erhaltung der intakten ökologischen Bedingungen. In diesen sind die Verwaltungsaufgaben, Methoden und Inhalte des fortlaufenden Monitorings von Fauna und Flora, Maßnahmen gegen Erosion, die Beschilderung, das Wegenetz und die Besucherlenkung geregelt.
Im Normalfall wird die Natur in Nationalparks unverändert belassen (Prozessschutz). Nur in den Parks, die zur Erhaltung von Kulturlandschaften eingerichtet wurden, sind dauerhafte Pflegemaßnahmen, die der historischen Nutzung entsprechen, notwendig.
Gründung und Verwaltung von Naturschutzgebieten Über die Gründung eines geschützten Gebietes (Naturreservat) beschließen, nach Verhandlungen mit den Grundbesitzern und allen weiteren betroffenen Personen, die Provinzregierungen und die jeweiligen Kommunen.
Anders als bei einem Nationalpark kann ein Naturschutzgebiet sich auch in Privatbesitz befinden. Viele Naturschutzgebiete werden geschaffen, um die Pflanzen- und Tierwelt zu schützen; andere um als eine Art Naherholungsgebiet mit Freizeit- und Sportmöglichkeiten zu dienen. Die Grenzen sind jedoch fließend. Dies ist die Ursache für die eingangs genannten Unterschiede bei der Strenge des jeweiligen Schutzstatus.
Liste der Nationalparks
Hinweise: Geplante Erweiterungen bestehender Nationalparks sind in der folgenden Tabelle jeweils mit einem +, Nationalparks mit gleichem Gründungstag mit gleicher Nummer versehen.
Nr. Name Fläche [km²]sverigesnationalparker.se, abgerufen am 15. Januar 2019 Provinz (län) Schwedische Landschaft Landschaftstypen Gründung Lage Bild 1. Abisko 77 Norrbottens län Lappland Fjällbirkenwald und Fjäll 1909 200px 1. Ängsö 1,9 Stockholms län Uppland Schärenküste 1909 200px 30. Åsnen 18,69 Kronobergs län Småland Seen- und Insellandschaft 2018 200px 21. Björnlandet 23,69 Västerbottens län Lappland Nadel-Urwald 1991 200px 12. Blå Jungfrun 1,89 Kalmar län Öland Granitinsel 1926 200px 10. Dalby Söderskog 0,36 Skåne län Schonen Laubwald 1918 200px 21. Djurö 24 Västra Götalands län Västergötland See-Schären 1991 200px 26. Färnebofjärden 104,64 Dalarnas län Västmanlands län Gävleborgs län Uppland Flusslandschaft im Mischwald 1998 200px 28. Fulufjället 384,83 Dalarnas län Dalarna Fjällplateau und Schlucht 2002 200px 1. Garphyttan 1,11 Örebro län Närke Wiesen-Kulturlandschaft 1909 200px 1. Gotska Sandön + 44,64 Gotlands län Gotland Düneninsel 1909 200px 1. Hamra 13,83 Gävleborgs län Gästrikland Nadel-Altwald und Moore 1909 200px 24. Haparanda Skärgård 60 Norrbottens län Norrbotten Sand-Schären 1995 200px 29. Kosterhavet 389 Västra Götalands län Bohuslän Schärenküste und Meer 2009 200px 15. Muddus 493,4 Norrbottens län Lappland Nadel-Urwald und Moor 1942 200px 31. Nämdöskärgården 253 Stockholms län Södermanland Schärengarten 2025 180px 13. Norra Kvill 1,11 Kalmar län Småland Nadel-Altwald und Felsen 1927 200px 16. Padjelanta + 1984 Norrbottens län Lappland Fjäll, Hochebene und Seen 1962 200px 1. Pieljekaise 153,4 Norrbottens län Lappland Fjällbirkenwald und Fjäll 1909 200px 1. Sarek + 1.970 Norrbottens län Lappland Hochfjäll 1909 200px 19. Skuleskogen 30,62 Västernorrlands län Ångermanland Nadelwald und Felsküste 1984 200px 27. Söderåsen 16,25 Skåne län Schonen Buchenwald und Schlucht 2001 200px 1. Sonfjället 104,4 Jämtlands län Härjedalen Isolierter Fjällberg 1909 200px 20. Stenshuvud 3,74 Skåne län Schonen Laubwald, Kulturlandschaft und Strand 1986 200px 1. Stora Sjöfallet 1.278 Norrbottens län Lappland Hochfjäll und Seen 1909 200px 17. Store Mosse 76,82 Jönköpings län Småland Moorgebiet 1982 200px 18. Tiveden 20,3 Örebro län Västra Götalands län Västergötland Nadel-Altwald und Felsen 1983 200px 14. Töfsingdalen 15,9 Dalarnas län Dalarna Nadel-Urwald und Fjällheide 1930 200px 25. Tresticklan 29,09 Västra Götalands län Dalsland Nadel-Altwald und Glaziale Rinnen 1996 200px 23. Tyresta 19,62 Stockholms län Södermanland Urwaldartige Nadelwälder 1993 200px 11. Vadvetjåkka 26,3 Norrbottens län Lappland Fjäll und Moor 1920 200px
Nationalparkplan