Der Heidenheimer Sportbund, kurz HSB, ist ein 1846 gegründeter Mehrspartensportverein aus dem württembergischen Heidenheim an der Brenz mit 4260 Mitgliedern (Stand: Mai 2019), der im Jugend-, Breiten- und Spitzensport aktiv ist. Der Verein gründete sich nach Aufhebung der Turnsperre wie viele weitere Vereine in den 1840er-Jahren. Nach sozial bedingten Ausgliederungstendenzen hatte Heidenheim im Jahr 1904 drei Turnvereine. In den 1920er-Jahren schlossen sich Leichtathleten, Schwimmer, Faustballer und Handballer den Turnern an. Durch die Fusion zwischen TSB (mit den damals existierenden Abteilungen Basketball, Boxen, Budo, Fechten, Gymnastik, Handball, Leichtathletik, Tischtennis, Turnen und Volleyball) und VfL Heidenheim (mit Badminton, Fußball, Hockey, Prellball und Tischtennis) entstand am 27. Mai 1972 der heutige Heidenheimer Sportbund 1846 e. V. Die Fechter und Baseballer betreiben Landesleistungszentren und regionale Spitzensportzentren in Baden-Württemberg. Baseballer und Gerätturnerinnen starten in der Bundesliga. Bekannte Sportler sind der zweifache Degen-Olympiasieger Arnd Schmitt, die mehrfachen Olympiateilnehmer Paul Gnaier, Franz Rompza, Imke Duplitzer (alle Degenfechten) und Birgit Beyer (Hockey) sowie die Mannschaftsweltmeister Christel Behr im Hockey, Joseph Szepesi, Sabine Krapf und Monika Ritz im Degen- sowie Ralf Bißdorf im Florettfechten. Der HSB ist Ausrichter internationaler Veranstaltungen im Degenfechten wie dem Heidenheimer Pokal (seit 1953) und dem Coupe d’Europe (seit 1960) und führte Leichtathletik- und Box-Länderkämpfe, Länderspiele im Basketball (1972) und Hockey (1982 und 1986) sowie Europameisterschaften im Baseball (2010) und in der Athletik (2015) durch.

mini|Gründungsprotokoll des heutigen Heidenheimer SB vom 14. August 1846 mini|Das Konzerthaus Heidenheim war bis zur Einweihung der Karl-Rau-Halle 1960 Austragungsort des Heidenheimer Pokals im Degenfechten mini|Das Congress Centrum Heidenheim ist seit 2011 Austragungsort der Heidenheimer Fechtertage Heimspielstätte der Baseballer ist der HellensteinEnergie-Ballpark. Im Congress Centrum Heidenheim finden die Heidenheimer Fechtertage statt.

Geschichte mini|Stammbaum des Heidenheimer SB, Erste Vorsitzende finden sich hier

Gründerjahre als Turnverein (1846–1899) Der Verein gründete sich nach Aufhebung der Turnsperre im Jahre 1842 wie viele weitere Vereine im damaligen Königreich Württemberg am 14. August 1846 als Turngemeinde Heidenheim. Die damaligen Statuten, angelehnt an Friedrich Wilhelm Klumpp, sahen Geldbußen bei unentschuldigtem Fehlen vor – bei Wiederholung Vereinsausschluss. Unter Turnen verstand man Leibesübungen mit und ohne Geräte inklusive Fechten. Das vom ersten Vorsitzenden so genannte „geistige Turnen“ mit Vorträgen und Erzählungen spielte zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls eine wichtige Rolle. Bereits ein Jahr vor Gründung des Schwäbischen Turnerbunds am 1. Mai 1848 wurde ein Zusammenschluss mit acht benachbarten Turngemeinden beschlossen. Das revolutionäre Geschehen, das sich zwischen März 1848 und Juli 1849 im Deutschen Bund ereignete, hatte auch Auswirkungen auf die Turngemeinden, von denen sich Teile in Bürgerwehren an bewaffneten Auseinandersetzungen beteiligten. Die einsetzende Verfolgung der Turner und Auswanderung infolge schlechter Ernten führten am 19. April 1852 zur Auflösung der Turngemeinde. Ein Großteil der Ehemaligen traf sich am 30. März 1862Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 13. zur Wiedergründung. Die Entwicklung wurde wiederholt durch Konflikte wie der Deutsche Krieg 1866 gestört, während dessen es in Heidenheim zu einer Vereinigung von Jugendwehr und Turngemeinde kam. Nach einem Jahr erfolgte die Trennung der Turngemeinde von der Wehr.

1872 erfolgte die Umbenennung in Turnverein Heidenheim.Hardy Grüne: Heidenheimer SB. In: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 7: Vereinslexikon. AGON-Sportverlag, Kassel 2001, ISBN 3-89784-147-9, S. 218. Fabrikant und Vereinsvorstand Albert Hartmann trieb ab 1880 die Planung und den Bau der ersten Turnhalle voran.Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 25. Am 26. April 1892Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 15. wurde die Vorturnerschaft des Vereins wieder ins Leben gerufen. Sie entwickelte sich zum Kern des Turnvereins. Vorturner konnte nur derjenige werden, der vor strengen Richtern erfolgreich Prüfungen absolvierte.

Ausgliederungstendenzen und drei Turnvereine (1900–1919) Die Jahre von 1900 bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs erhöhten durch den allgemeinen Aufschwung den Lebensstandard der Bevölkerung und schufen ein neues Selbstbewusstsein. Allerdings gab es innerhalb des Vereins Auseinandersetzungen in Bezug auf die Ideologie und die soziale Struktur. Dies führte dazu, dass Kaufleute, Offiziere und höhere königlich württembergische Beamte im Turnverein Heidenheim verblieben und die Handwerker, Gesellen, Angestellten sowie die niedrigen Soldatendienstgrade sich anders orientierten.

Ringer, Boxer, Gewichtheber, Leichtathleten und die Rundgewichtsriege des Turnvereins Heidenheim gründeten im Frühjahr 1900 den AthletenClub Hellenstein.

mini|Frontansicht des 1904 gegründeten Volksbads in Heidenheim, heute Kunstmuseum (2020)

Die Mitgliederversammlung des Turnvereins Heidenheim beschloss am 18. März 1903Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 2. nach mehreren Anläufen, das Damenturnen in den Übungsplan des Vereins aufzunehmen. Auf dem Gauturntag am 26. Februar 1905 wurde dann bekannt gegeben, dass die Damenriege mit 10 Turnerinnen aufgenommen wurde. Die Einweihung des Volksbades in der Marienstraße am 16. Oktober 1904 führte zu einem weiteren Auseinanderdriften des Turnvereins. Der Schwimmklub Heidenheim gründete sich am 18. November 1904. Ein wichtiges Ereignis war die Ausrichtung des 37. Kreisturnfestes vom 4. bis 6. August 1906 mit 4500 Teilnehmern aus 122 Vereinen.Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 18–28.

Der Turnerbund Heidenheim trat am 6. August 1904Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 172. aus dem Deutschen Arbeiterturnverbund aus und der Deutschen Turnerschaft bei.

Der Arbeiterturnverein Heidenheim gründete sich am 25. September 1904Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 172. von den nicht anwesenden Mitgliedern der Versammlung des 6. August 1904. Dem Ansinnen des Athletenclub Spartania Heidenheim zu einem Zusammenschluss wurde wegen der Befürchtung, dass ein Verein im Verein entstehen könnte, nicht entsprochen (Versammlung vom 24. Juni 1906).Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 228.

Im Jahr 1904 hatte Heidenheim somit drei Turnvereine, die neben dem Athletenclub alle Anspruch auf die Nutzung der Olgaturnhalle erhoben. Der Turnerbund Heidenheim erbaute mit Eigenmitteln eine vereinseigene „Turnhalle Jahn“ in der Talstraße und beging die Einweihung am 17. Mai 1908 zum Eintrittspreis von insgesamt 90 Pfennig.Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 192. Am 24. Oktober 1911Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 79. wurde eine weitere Turnhalle mit Unterstützung des Heidenheimer Gemeinderats bei der Ostschule eingeweiht.

Am 8. Juli 1911 gründete sich innerhalb des Turnvereins Heidenheim eine Fußballabteilung. Vorher war in großer Schärfe gegen den Fußballsport Stellung bezogen worden:Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 79.

Am 8. März 1919 schloss sich der Arbeiterturnverein Heidenheim dem Turnerbund Heidenheim an, der Mitglied des Arbeiterturnerbundes (ATB), später Arbeiter-Turn- und Sportbund, war.

Entwicklung zum Mehrspartensportverein und Fusionen (1920–1971) 1920 gliederte sich der Turnverein Heidenheim in Knaben-, Nachwuchs-, Turner- und Männerabteilung auf. Faustball-, Leichtathletik-, Schwimm- und Handballabteilung wurden neu etabliert.Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 335.

links|Logo des VfL Heidenheim

1922, also noch vor der 1923 und 1924 in Deutschland vollzogenen organisatorischen Trennung zwischen Fußball und anderen modernen Sportarten einerseits sowie den Turnern andererseits, kam es zum Interessenkonflikt zwischen Turnern und Fußballern. Der Turnrat des Vereins wünschte, dass sich die Fußballer an den Rundenspielen der Deutschen Turnerschaft beteiligen, wohingegen die Fußballabteilung weiterhin in der A-Klasse des Süddeutschen Fußball-Verbands spielen wollte. Die Fußballabteilung machte sich daraufhin am 21. August 1922Paas: Frieden, Krieg und Neubeginn, 1905–1924 (Band IV). 2004, S. 415. als Verein für Rasensport 1911 Heidenheim selbständig. Der Turnverein Heidenheim sperrte dem neuen Verein den bisherigen Spielplatz am Sonneneck. Schlussendlich wurde in der Clichystraße ein neuer Spielplatz gefunden. 1936 fusionierte der VfR Heidenheim, der aus dem von Voith-Ingenieur Jac. Frei am 16. März 1910 gegründeten Verein für Bewegungsspiele Heidenheim hervorging, mit dem 1904 gegründeten Schwimmverein 04 Heidenheim zum Verein für Leibesübungen 1904 e. V. Heidenheim. Nach dem Krieg trennten sich die Schwimmer wieder vom VfL und gründeten den Schwimmverein 04 neu. Der VfL änderte darauf in seinem Vereinsnamen die Jahreszahl Bezug nehmend auf die Gründung der Fußballabteilung innerhalb des Turnvereins am 8. Juli 1911.

Der Turnerbund Heidenheim wurde 1933 wie alle Arbeitersportvereine verboten.

Am 13. Juli 1935Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 39. fusionierte der Turnverein Heidenheim mit der Spielvereinigung Heidenheim, die aus der katholischen Jugendbewegung hervorgegangen war. Am 3. April 1937Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 40. ging der TV mit dem 1. Sportverein Heidenheim zusammen, der einem Mitgliedsantrag vom 17. Januar 1920 zufolge vom 1900 gegründeten Athleten-Club Hellenstein umbenannt wurde, und hieß fortan Turn- und Sportverein 1846 e. V. Heidenheim. Der Anschluss eines weiteren Vereins an den Turn- und Sportverein ging nicht reibungslos über die Bühne. Der Eislauf- und Rollsportverein 1879 e. V., der Nachfolger des Schlittschuhclubs 1879, beschloss zwar am 22. Juli 1937Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 43. einen Anschluss an den TSV. Wegen fehlender Mehrheiten wechselten nur Einzelmitglieder.

Nach der Wiederbelebung des Turnerbund Heidenheim 1945 vollzog dieser am 3. Februar 1946Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 51. die Fusion mit dem TSV 1846 Heidenheim zum Turn- und Sportbund 1846 e. V. Heidenheim mit den Abteilungen Turnen, Fußball, Schwimmen, Frauensport, Musik, Handball, Eislauf- und Rollschuhsport sowie Leicht- und Schwerathletik. Am 18. Oktober 1949Heidenheimer Sportbund: 150 Jahre Heidenheimer Sportbund. 1996, S. 53. wurde die Fechtabteilung nach Aufhebung des Fechtverbots wieder aktiviert.

Fusion zum HSB 1846 und gemeinsame Jahre (1972–2006)