Leopold Šťastný (* 23. Mai 1911 in Rarbok; † 14. Mai 1996) war ein slowakischer Fußballspieler und späterer Fußballtrainer. Er trainierte als erster Nicht-Österreicher von 1968 bis 1975 die österreichische Fußballnationalmannschaft.

Leben und Karriere

Herkunft und Ausbildung Leopold Šťastný war der Sohn von Jakub Šťastný und dessen Frau Terézia geb. Schlesinger. Sein Vater leitete eine Schnapsbrennerei und Leopold wuchs mit seinem älteren Bruder Ernst in Rarbok auf, bis die Familie 1918 nach Bratislava zog, wo sein Vater in einem Holzunternehmen arbeitete und sich dann in dieser Branche erfolgreich selbständig machte. Leopold besuchte nach dem Realgymnasium ab 1926 die Handelsakademie.

Aktive Laufbahn Er begann seine sportliche Laufbahn im Alter von zwölf Jahren beim Sportverband Sokol und spielte gleichzeitig im Nachwuchsteam beim 1. ČsŠK Bratislava, bei dem er 1929 in einem Freundschaftsspiel gegen den SC Hainburg debütierte. 1931 zog er aus beruflichen Gründen nach Ružomberok und spielte im dortigen Verein, anschließend ging er nach Žilina und spielte für den ŠK Žilina. Nach kurzer Zeit rief ihn der 1. ČsŠK Bratislava zurück, mit dem er 1935 in die höchste tschechoslowakische Liga, die Státní liga, aufstieg. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm er mit dem Klub an der Meisterschaft teil und erreichte dabei mit dem vierten Platz 1935 das beste Ergebnis. Im selben Jahr wurde Šťastný in die tschechoslowakische Nationalmannschaft einberufen: Das Debüt gegen Österreich im Rahmen des Europapokals der Fußball-Nationalmannschaften verlief mit 2:1 erfolgreich.

Während des Krieges, der eine vorübergehende Selbständigkeit der Slowakei mit sich brachte, spielte Šťastný mit seinem Klub, mittlerweile ŠK Bratislava, in einer slowakischen Liga, die man 1940, 1941, 1942 und 1944 gewinnen konnte. Zusätzlich gab es eine eigene slowakische Nationalmannschaft, für die Šťastný 1940 gegen Bulgarien auflief.

Verfolgung durch die Nationalsozialisten In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Šťastný wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt und entging nur knapp dem Tod, 1942 hatte ihn der Sportredakteur der Wiener Ausgabe des Völkischen Beobachters denunziert. Nachdem eine Ausnahmebescheinigung 1944 abgelaufen war, musste er sich vor dem Zugriff durch die Gestapo verstecken. Seine Eltern wurden im November 1944 verhaftet. Nach einer Inhaftierung im Lager Sered’ wurde seine Mutter im KZ Ravensbrück und sein Vater im KZ Bergen-Belsen ermordet.

Trainerlaufbahn Nach seiner aktiven Laufbahn begann der ehemalige Verteidiger seine Trainerkarriere. Leopold Šťastný betreute dabei in insgesamt drei Perioden - von 1949 bis 1951, 1954 bis 1957 und von 1963 bis 1965 - seinen Stammverein, der nunmehr seinen heutigen Namen Slovan Bratislava trug, als Cheftrainer. Vier tschechoslowakische Meistertitel standen zu dieser Zeit zu Buche, ehe er 1966 nach Österreich wechselte, wo er den damals noch kleinen Provinzklub FC Wacker Innsbruck zur nationalen Spitze führte. In Würdigung dieser Verdienste wurde er vom Österreichischen Fußball-Bund per 1. Juli 1968 zum Nationaltrainer als Pesser-Nachfolger berufen.

Šťastný betreute die österreichischen Nationalmannschaft bei insgesamt 49 Länderspielen. Trotz der verpassten Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1970 hielten seine Spieler an ihm fest und scheiterten nur mit viel Pech an der WM-Qualifikation 1974. Die Qualifikationsrunde beschloss das österreichische Team punktgleich und mit derselben Tordifferenz wie Schweden an erster Stelle, sodass ein Entscheidungsspiel zwischen diesen beiden Mannschaften in Gelsenkirchen ausgetragen wurde, das auf schneebedecktem Boden knapp mit 2:1 an die Skandinavier ging. Im WM-Jahr 1974 blieb Österreich überdies ungeschlagen.

Aus gesundheitlichen Gründen trat Šťastný am 24. September 1975 vom Amt des Nationaltrainers zurück, da er als Angestellter des Fußballbundes von der öffentlichen Rentenversicherungsanstalt einen positiven Bescheid für eine vorzeitige Pension wegen Invalidität erhalten hatte. Daraufhin wurde der bei Wacker Innsbruck tätige slowenische Trainer Branko Elsner interimsmäßig mit der Betreuung der Nationalmannschaft betraut. Nach seinem Rückzug als Teamchef arbeitete Šťastný noch vier weitere Jahre für den ÖFB und initiierte die österreichische Schülerliga, die 1975/76 erstmals ausgetragen wurde. Ende Oktober 1979 wanderte er nach Kanada aus und kehrte aber noch einige wenige Male nach Österreich zurück.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Slávičie údolie in Bratislava, Slowakei.

Privates Šťastný heiratete 1944 Zdenka Štifterová, aus der Ehe stammten Tochter Helena und Sohn Michael.

Ehrungen Im Jahr 2009 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) der Stastnyweg nach Leopold Šťastný benannt.

Weblinks Porträt bei slovanfutbal.com (slowakisch)

Leopold “Jim” Šťastný. An Unstoppable Spirit. In: Football makes History vom 29. März 2024 (englisch) ORF Interview mit Leopold Šťastný vom 25. Mai 1972 auf YouTube

Einzelnachweise

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