Der Q-Schlüssel (), auch Q-Gruppe(n) oder Q-Code, wird von Funkdiensten zur effizienten und eindeutigen Übertragung von Standard-Nachrichten verwendet. Die heute genutzten Q-Codes wurden weitestgehend schon 1947 von der ITU (engl. International Telecommunication Union, dt. Internationale Fernmeldeunion) in den Acts of the International Telecommunication and Radio Conferences in Atlantic City 1947 in Appendix 9 Miscellaneous Abbreviations and Signals to be used in Radiocommunications, Section I. Q Code, festgelegt.

Eine Q-Gruppe besteht aus dem einleitenden Buchstaben Q, gefolgt von zumeist zwei weiteren Buchstaben. Zum Beispiel bedeutet QRA: „Der Name meiner Funkstelle ist …“.

Durch Verwendung von Buchstabengruppen aus drei Buchstaben muss nicht jeder Buchstabe des für die Q-Gruppe definierten Satzes oder der definierten Bedeutung übermittelt oder ausgesprochen werden. Dies bringt sowohl eine erhebliche Zeitersparnis als auch eine Eindeutigkeit bei der Übermittlung.

Anwendungen finden bzw. fanden Q-Gruppen z. B. in der Morsetelegrafie (Flugfunk, Seefahrt und Amateurfunk), RTTY (engl. Radio TeleTYpe, dt. Funkfernschreiber, in der Seefahrt und Amateurfunk), können aber auch nur für einen Funkdienst definiert werden z. B. Maritime Mobile Service (dt. Mobiler Seefunkdienst) oder der internationalen Luftfahrt im Aeronautical Fixed Telecommunications Network (AFTN, engl. Teletype dt. Fernschreiben) und beim Flugsprechfunk.

Allgemeine Nutzung Bei Nutzung einer Q-Gruppe kann diese auch als Frage verwendet werden, wenn der Q-Gruppe ein Fragezeichen folgt, bzw. zur Beantwortung der gestellten Frage verwendet werden. Sofern keine zusätzliche Information, z. ein Zahlenwert, übermittelt werden muss reicht zur beantwortung ein einfaches „Ja“ oder „Nein“. Hierzu genügt z. B. bei der Morstelegraphie wenige oder auch nur ein einziger Buchstabe (siehe auch Liste von Abkürzungen im Amateurfunk), z. B. als Antwort: C für „Ja“ (von spanisch Si beziehungsweise englisch Correct) und N für „Nein“.

Die Bedeutung von Q-Gruppen kann jedoch zur Verstärkung oder Vervollständigung z. B. durch andere zulässige Gruppen, Rufzeichen, Standortnamen, Ziffern oder Zahlen verstärkt oder vervollständigt werden.

Für Zeitangaben ist immer Greenwich Mean Time (GMT) zu verwenden, welche 1972 durch Universal Time Coordinated (UTC, dt. Koordinierten Weltzeit) ersetzt wurde.

Abweichende Definitionen und Nutzung in der Luftfahrt Nach Gründung der ICAO (, ) wurde von der ANC Com Div (Air Navigation Commission Communication Division) luftfahrtspezifische Q‑Gruppen für die Nutzung in der Luftfahrt definiert und in COM/504/1–Doc 6100 (Amendment Communication Codes and Abbreviations – Q Code 1952.April.01) veröffentlicht. Derzeit sind die noch genutzten Q‑Codes in ICAO Doc‑8400 (ICAO Abbreviations and Codes) definiert. In Doc‑8400 wurden auch viele der in Doc‑6100 definierten, aber seit längerem nicht mehr genutzten Q‑Gruppen entfernt und andere, bei anderen Funkdiensten genutzte Q‑Gruppen, nicht verwendet, z. B. QRA.

So bedeutet z. B. QNH (Altimeter sub-scale setting to obtain elevation when on the ground) die benötigte manuelle Einstellung des barometrischen Höhenmessers, damit dieser die Höhe des Flugplatzes bezogen auf den Meeresspiegel (AMSL, ) anzeigt, während QFE Atmospheric pressure at aerodrome elevation (or at runway threshold) den Luftdruck bezogen auf Höhe eines Flugplatzes bedeutet.

Q-Gruppen werden, sofern nötig, von einer Zahl, die zumeist aus einer bis vier Ziffern besteht, oder weiteren Angaben ergänzt wie: QNH1015 für 1015 hPa (Luftdruck) oder QDR180 für 180° (, ).

Verwendung In der Morsetelegrafie als auch RTTY und AFTN ist das Senden ganzer Sätze sehr zeitaufwendig. Um das abzukürzen, hat man den üblichsten Wendungen willkürlich Kombinationen aus einem Q und zwei folgenden Buchstaben zugeordnet. So müssen anstelle eines ganzen Satzes nur drei Zeichen gesendet werden.

Die heute üblichen Q-Schlüssel wurden 1912 von der International Radiotelegraph Convention eingeführt und im Laufe der Zeit auf über 250 Schlüssel erweitert. Die Q‑Schlüssel sind weder Abkürzungen noch Akronyme, die Buchstaben haben also in der Regel keine begriffliche Bedeutung. Die Kombinationen nach dem Q sind zumeist willkürlich entstanden, jedoch gibt es hin und wieder Eselsbrücken, wie beispielsweise bei QRQ (Geben Sie schneller) und QRS (Geben Sie langsamer), bei denen man den jeweils dritten Buchstaben als Anfangsbuchstaben von („schnell“) und Slow („langsam“) interpretieren kann. Davon abgeleitet gibt es übrigens noch QRSS, was aber keine echte Q-Gruppe ist, sondern die Kurzbezeichnung für die Amateurfunk­betriebstechnik „Langsames Morsen“ (auch genannt: Slow CW).

Das L bei QRL (Bitte nicht stören) lässt sich als Lazy („faul“) merken und bei QRM (Ich werde gestört) und QRN (Ich werde beeinträchtigt) interpretiert man die Störursache bei M mit Man made („menschengemacht“) und bei N mit Natural („natürlich“, beispielsweise Blitze). Es handelt sich somit teilweise um sinnvolle Abkürzungen, zumindest um Kürzel, in die sich zuweilen ein Sinn hineininterpretieren lässt. Auch für Kürzel wie QDM (Direct Magnetic), QDR (Direct Reverse), QFE (Field Elevation) und QNH (Normal Height) gibt es passende Merkhilfen.

Obschon die Q-Gruppen in den International Radio Regulations (IRR) nur für Telegraphiedienste vorgesehen sind, finden sie oft als Jargon im Amateurfunk Verwendung. Dabei hat sich im Laufe der Zeit eine eigene, auf den Alltag der Funkamateure angepasste Interpretation der Q-Codes etabliert. Zum Beispiel bedeutet QRT nach IRR-Definition: Stellen Sie Ihre Aussendung ein!, im Amateurfunk hört man es gelegentlich im Sinne von: Ich mache Schluss, auch wenn es in den Lehrbehelfen im Einklang mit der ITU im Zuge der Lizenzprüfungsvorbereitung gelehrt wirdDer Q-Code (Zusammengestellt von HB9ABO) (PDF), auf uska.chDARC-Online-Lehrgang Betriebstechnik/Vorschriften Kapitel 3: Q-Schlüssel, auf darc.de. Merkhilfe hier ist Terminate („beenden“).

Außerhalb des Amateurfunks (der daneben weitere, amateurfunkspezifische Abkürzungen verwendet) sind die Q-Schlüssel kaum noch in Gebrauch. In der Luftfahrt werden noch die folgenden Q-Gruppen verwendet: QNH, der auf Meereshöhe reduzierte Luftdruck an einer Messstation basierend auf der Normatmosphäre QFE, der tatsächliche Luftdruck an einer Messstation QDM, QDR, QTE, QUJ für Peilungsangaben QFU, die aktuelle Betriebsrichtung eines Flugplatzes (wird in Frankreich noch verwendet) Dreistellige Abkürzungen können natürlich auch mit einem Q beginnen, z. B. in der Luftfahrt das Quick Reference Handbook (QRH), sind jedoch keine Q-Gruppen sofern sie nicht von ITU oder ICAO definiert sind.

Den Anforderungen der Funkdienste entsprechend, sind die Codegruppen von der ITU 1947 in den Radio Regulations wie folgt den Funkdiensten zugeteilt:

QAA bis QNZfür Verwendung im Flugfunkdienst definiert von der ICAO QOA bis QQZfür Verwendung im Seefunkdienstdefiniert von der ITU QRA bis QUZfür Verwendung in allen Funkdienstendefiniert von der ITUQVA bis QZZfür andere Anwendungen, teilweise auch militärisch genutztBereich nicht von der ITU oder ICAO definiert oder zugeteilt

Professionelle Dienste wie Polizei und Feuerwehr verwenden die Ten Codes.

Beispiele Die meisten Q-Schlüssel haben eine Frage- und eine Antwort- oder Meldungsform, wobei erstere durch ein nachgestelltes Fragezeichen kenntlich gemacht wird (Morsecode ). Für einige Aussagen beziehungsweise Antworten existieren vordefinierte Varianten, die durch angefügte Ziffern gegeben werden. Dabei bedeutet: 1 wenig oder schlecht, 3 mäßig oder ausreichend und 5 stark oder sehr gut, mit 2 und 4 als die jeweils passenden Zwischenstufen.

Frage Aussage oder AntwortQAM?Wie lautet der Wetterbericht?QAMWetterbericht.QFE?Ihr gemessener Luftdruck am Boden an Ihrem Standort?QFEMein gemessener Luftdruck am Boden in Hektopascal an meinem Standort (Flughafen)QLF?Geben Sie mit dem linken Fuß? (Nur als Scherz gemeint. Keine offizielle Bedeutung.)QNH?Ihr geschätzter Druck auf Meereshöhe in Hektopascal an Ihrem Standort?QNHDer geschätzte Druck auf Meereshöhe in Hektopascal am Ort des Empfängers (Flughafen)QRA?Wie lautet der Name Ihrer Funkstelle?QRADer Name meiner Funkstelle ist …QRB?In welcher Entfernung von mir befinden Sie sich?QRBDie Entfernung zwischen uns beträgt …QRG?Was ist Ihre Frequenz?QRGMeine Frequenz ist …QRH?Schwankt meine Frequenz?QRHIhre Frequenz schwankt. QRI? Wie ist der Ton meiner Aussendung?QRI 1Der Ton Ihrer Aussendung ist schlecht.QRI 3Der Ton Ihrer Aussendung ist variabel.QRI 5Der Ton Ihrer Aussendung ist sehr gut. QRK? Wie ist die Lesbarkeit meiner Zeichen?QRK 1Die Lesbarkeit Ihrer Zeichen ist schlecht.QRK 3Die Lesbarkeit Ihrer Zeichen ist mäßig.QRK 5Die Lesbarkeit Ihrer Zeichen ist ausgezeichnet.QRL?Sind Sie beschäftigt?QRLIch bin beschäftigt. Bitte nicht stören! QRM? Werden Sie durch andere Signale gestört?QRM 1Ich werde nicht gestört.QRM 3Ich werde mäßig gestört.QRM 5Ich werde sehr stark gestört. QRN? Werden Sie durch atmosphärische Störungen beeinträchtigt?QRN 1Ich werde nicht beeinträchtigt.QRN 3Ich werde mäßig beeinträchtigt.QRN 5Ich werde sehr stark beeinträchtigt.QRO?Soll ich die Sendeleistung erhöhen?QROErhöhen Sie die Sendeleistung!QRP?Soll ich die Sendeleistung verringern?QRPVerringern Sie die Sendeleistung!QRQ?Soll ich schneller geben?QRQGeben Sie schneller!QRS?Soll ich langsamer geben?QRSGeben Sie langsamer!QRT?Soll ich die Übermittlung einstellen?QRTStellen Sie die Übermittlung ein!QRU?Haben Sie etwas für mich?QRUIch habe nichts für Sie.QRV?Sind Sie bereit (mich aufzunehmen)?QRVIch bin bereit (Sie aufzunehmen).QRX?Wann werden Sie mich wieder rufen?QRXIch rufe um [… UTC] auf [… kHz] wieder.QRZ?Wer ruft mich? (QRZ muss immer in Verbindung mit dem eigenen Rufzeichen gesendet werden, z. B. "QRZ? de DL0XXX" oder "QRZ DL0XXX") QSA? Wie ist meine Signalstärke?QSA 1Ihre Signalstärke ist kaum hörbar.QSA 3Ihre Signalstärke ist mäßig hörbar.QSA 5Ihre Signalstärke ist sehr gut hörbar.QSB?Schwankt die Stärke meiner Zeichen?QSBDie Stärke Ihrer Zeichen schwankt.QSD?Sind meine Zeichen verstümmelt?QSDIhre Zeichen sind verstümmelt.QSK?Können Sie mich zwischen Ihren Zeichen hören? Wenn ja, darf ich Sie unterbrechen?QSKIch kann Sie zwischen meinen Zeichen hören; Sie dürfen mich während meiner Übermittlung unterbrechen.QSL?Können Sie den Empfang bestätigen?QSLIch bestätige den Empfang.QSO? …Können Sie mit … verkehren?QSO …Ich kann mit … verkehren.QSP? …Wollen Sie an … gebührenfrei vermitteln?QSP …Ich werde an … gebührenfrei vermitteln. QSV? Soll ich eine Reihe „v“ senden? QSV Senden Sie eine Reihe „v“! (zum besseren Abstimmen des Empfängers)QSY? …Soll ich zum Senden auf eine andere Frequenz übergehen? (Beispielsweise auf …)QSY …Gehen Sie zum Senden auf eine andere Frequenz über. (Beispielsweise auf …)QTC?Wie viele Telegramme haben Sie?QTC …Ich habe … Telegramme für SieQTH?Wie ist Ihre Position?QTHMeine Position ist … (Breite und Länge oder Locator)QTR?Welches ist die genaue Uhrzeit?QTR 1500Es ist genau 15:00 Uhr (UTC).

Geschichte Vor internationaler Einführung des heute üblichenen Morsecodes und Telegrafencodes wie dem Q‑Schlüssel benutzten die Telegrafen­gesellschaften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts diverse Codebücher mit Abkürzungen, die häufig nicht mit denen anderer Gesellschaften kompatibel waren. Hierzu zählten Codes nach Boe, Mosse, Petco, Phillips oder Western Union. Bis in die 1980er-Jahre fand auch der Z‑Schlüssel alternativ zum Q‑Schlüssel Verwendung.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es einige zusätzliche Q‑Gruppen, die damals speziell von der Wehrmacht verwendet wurden, insbesondere im Fernschreib­verkehr (T52, SZ, Hell), heute aber ungebräuchlich sind (siehe auch: Q‑Gruppen der Wehrmacht). Dazu gehörten:

QDO – Geheime Kommandosache (GKdos) QEF – Verkehr ist beendet, Leitung ist frei QEG – Verbinden Sie mit Geheimfernschreiber QEH – Handbetrieb QEK – Kennung des Maschinenschlüssels T52a oder T52b