mini|Helmut Schmidt beim Interview in der Wahlnacht

Die Bundestagswahl 1976 fand am 3. Oktober 1976 statt. Die Wahl zum 8. Deutschen Bundestag war die erste nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) im Mai 1974 und somit die erste Bewährungsprobe für dessen Nachfolger Helmut Schmidt. Die SPD verlor den ersten Platz an die Unionsparteien, doch die sozialliberale Koalition aus SPD und FDP behauptete die absolute Mehrheit und wurde fortgesetzt.

Hintergrund

Für die Unionsparteien trat der CDU-Vorsitzende und Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Helmut Kohl, an.

Die Unionsparteien erhielten 48,6 % der Stimmen und 254 Bundestagsmandate (260 Mandate waren die kleinste absolute Mehrheit). Die SPD erhielt 42,6 Prozent (minus 3,2 Prozentpunkte) und 224 Bundestagsmandate (minus 18 Sitze). Sie war nicht mehr stärkste Bundestagsfraktion, hatte aber zusammen mit der FDP (40 Sitze) 264 Sitze und konnte die sozialliberale Koalition fortsetzen.

Die Analyse: In Norddeutschland ging für die Union die Wahl verloren. Die SPD büßte besonders in katholischen Gebieten Stimmen ein.Dieter Oberndörfer: Das Süd-Nord-Gefälle entschied die Wahl. In: Die Welt vom 5. Oktober 1976, S. 3.

Die SPD zog unter dem Motto Modell Deutschland in den Wahlkampf, die CDU plakatierte unter anderem „sicher, sozial und frei“ und die CSU trat mit dem polarisierenden Slogan „Freiheit oder Sozialismus“ an.

Die Herabsetzung des Volljährigkeitsalters von 21 auf 18 Jahre am 1. Januar 1975 hatte zur Folge, dass das Mindestalter für das passive Wahlrecht zum Bundestag von 21 Jahren auf 18 sank, nachdem dieses durch eine Änderung von Abs. 2 GG ab dem 1. August 1970 gesetzlich an das Volljährigkeitsalter gekoppelt worden war.Siebenundzwanzigstes Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 31. Juli 1970, .

Amtliches Endergebnis

Ergebnisse in den Bundesländern mini|hochkant=1.7|Erststimmenmehrheiten in den Wahlkreisen:

Bundesland Wahl-berechtigte Wähler Wahl-beteiligung Erst Zweit Erst Zweit Erst Zweit Baden-Württemberg 6.118.464 5.452.370 89,1 53,6 53,3 38,3 36,6 7,0 9,1 Bayern 7.547.820 6.764.839 89,6 60,0 60,0 33,7 32,8 5,3 6,2 Bremen 528.346 475.582 90,0 32,8 32,5 54,4 54,0 10,9 11,8 Hamburg 1.287.473 1.173.082 91,1 36,1 35,9 54,3 52,6 8,1 10,2 Hessen 3.899.454 3.585.275 91,9 45,1 44,8 46,9 45,7 6,9 8,5 Niedersachsen 5.205.680 4.757.376 91,4 46,2 45,7 47,0 45,7 6,1 7,9 Nordrhein-Westfalen 12.118.533 11.066.546 91,3 44,8 44,5 47,9 46,9 6,4 7,8 Rheinland-Pfalz 2.676.890 2.448.946 91,5 50,2 49,9 42,4 41,7 6,5 7,6 Saarland 811.322 753.786 92,9 46,5 46,2 46,7 46,1 5,6 6,6 Schleswig-Holstein 1.864.033 1.687.951 90,6 44,5 44,1 48,0 46,4 6,7 8,8

Konsequenz Mögliche KoalitionenSitzeSitze gesamt518voll stimmberechtigt496Zweidrittel-Mehrheit331             Union, SPD 478Absolute Mehrheit249             Union, FDP 294            SPD, FDP264 mini|Fernsehinterview mit Helmut Kohl

Während die FDP vor der Wahl für die Fortsetzung der sozialliberalen Koalition warb, setzte die Union auf eine Alleinregierung. Helmut Schmidt wurde mit den Stimmen der sozialliberalen Koalition im Bundestag als Bundeskanzler wiedergewählt.

Die Union stand mit dem Kreuther Trennungsbeschluss der CSU nahe an der Spaltung.

Helmut Kohl wechselte als Oppositionsführer der CDU/CSU nach Bonn, sein Amt als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz gab er ab, und zusätzlich zum Parteivorsitz übernahm er den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Der bisherige Oppositionsführer Karl Carstens wurde zunächst neuer Bundestagspräsident und 1979 zum Bundespräsidenten gewählt.

Siehe auch Liste der Mitglieder des Deutschen Bundestages (8. Wahlperiode) Liste der Bundestagswahlkreise 1976

Einzelnachweise

Weblinks

Ergebnisse der Wahl zum 8. Deutschen Bundestag am 3. Oktober 1976 beim Statistischen Bundesamt

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