Simmern/Hunsrück ist Kreisstadt des Rhein-Hunsrück-Kreises und einer der beiden Verwaltungssitze der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen. Simmern ist gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Geographie Lage Simmern liegt, tangiert vom 50. Breitengrad, in der Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks in der sogenannten Simmerner Mulde. Der alte Stadtkern befindet sich in der Tallage des Simmerbachs, die neueren Stadtteile breiten sich auf den umliegenden Höhen aus. Der Külzbach mündet am westlichen Stadtrand in den Simmerbach. Östlich der Stadt findet man ein Naherholungsgebiet mit dem künstlich angelegten Simmersee. Südlich der Stadt beginnen die Erhebungen des Soonwaldes mit einem Teil des Simmerner Stadtwaldes.
Die Fläche der Stadt beträgt 1196 ha. Touristisch interessant ist Simmern wegen des hohen Natur- und Freizeitwertes, die zentrale Lage zur Mosel, zum Mittelrhein und zur Nahe, die jeweils etwa 25 km entfernt sind, lässt Tagestouren zu weiteren Nahzielen zu. Viele tief eingeschnittene Täler verbinden die Hunsrück-Hochfläche mit den Flusstälern und können erwandert werden.
Stadtgebiet Zum Stadtgebiet von Simmern gehören auch die Wohnplätze Domäne, Eichenhof, Haus Bergschlößchen (ehemalige Brauerei), Haus Hunsrück, Haus Seeberg, Haus Vogelsang, Marienhof, Marthahof (Schafhof), Reginahof, Römerhof, Schießstand, Sonnenhof, Waldhof und Rheinbacherhöfe.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 690 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Geschichte
Name Der Name Simmern stammt möglicherweise aus dem althochdeutschen Wort semida = mittelhochdeutsch semede, mit der Bedeutung Schilf, Ried oder speziell (Simsen) (d/t im Hunsrückischen > r und e > i = Siemera in Verbindung mit (althochdeutsch) aha (Wasser)).L. Armbrust: Hunsrücker Ortsnamen in den Kreisen Simmern und Zell. In: Rheinische Geschichtsblätter, 1897, 3. Jahrgang, No. 4, S. 101. Hansteins Verlag, Bonn; dilibri.de Im Hunsrücker Dialekt werden Simsen heute noch Sieme genannt.Walter Diemer: Hunsrücker Wörterbuch. S. 232 (ohne Bezugnahme auf Simmern)
Den Namensbestandteil „Hunsrück“ trägt die Stadt seit dem 1. Juni 1980, um sie von anderen gleichnamigen Gemeinden zu unterscheiden.
Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Schloss Simmern in der Darstellung von Matthäus Merian aus dem Jahre 1648 mini|Reste der mittelalterlichen Stadtmauer
Simmern wird 1072 erstmals urkundlich erwähnt, das Stadtgebiet war aber bereits in der Römerzeit besiedelt. Nennungen vor dem 11. Jahrhundert lassen sich nicht sicher zuordnen, bzw. bezeichnen den Simmerbach. Simmern lag an der wichtigen Heerstraße Bingen–Trier. Es gehörte zunächst den Nahegaugrafen, später wurde es Besitz der Raugrafen. 1311 wird Simmern als luxemburgisches Lehen genannt, 1323/1330 erfolgt eine Übertragung der Lehenshoheit von der Grafschaft Luxemburg an das Erzstift Trier. Vielleicht unter Vermittlung von Erzbischof Balduin erhielt Simmern 1330 das Stadtrecht durch Kaiser Ludwig den Bayern. Die Wochen- und Jahrmärkte der Stadt zogen alsbald Händler des gesamten Hunsrücks an und sorgten für ein Aufblühen von Handel und Gewerbe. Mit dem Stadtrecht verbunden war das Recht zur Befestigung mit einer Stadtmauer, die mit einer Reihe von Türmen und Toren versehen war. Noch im 14. Jahrhundert kam Simmern an die Pfalzgrafen aus dem Hause Wittelsbach. 1377 ist letztmals eine Trierer Lehenshoheit über Simmern bezeugt, später taucht eine solche nicht mehr auf.
Die pfälzischen Wittelsbacher spalteten sich 1410 nach dem Tod Ruprechts III., der auch die deutsche Königskrone innehatte, in mehrere Linien auf, darunter die Linie Pfalz-Simmern, die ihre Residenz in der Stadt nahm. Zu nennen sind die Herzöge Stefan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken, Friedrich I. von Pfalz-Simmern, Johann I. und vor allem Johann II. Dieser regierte in Simmern von 1509 bis 1557, war humanistisch und künstlerisch gebildet, ließ eine erste Druckerei in der Stadt errichten und förderte insbesondere die Bildhauerkunst. Johann II. war den Ideen der Reformation gegenüber aufgeschlossen, aber erst seine Söhne führten die Reformation ein, was zu Spannungen mit den umgebenden Erzbistümern Trier und Mainz führte. Auf Johann II. folgte sein ältester Sohn und spätere Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich III., genannt „der Fromme“, der 1563 zum Calvinismus wechselte und eine führende Rolle in der Reichspolitik spielte. Im Jahre 1559 folgte die Linie Pfalz-Simmern der erloschenen Hauptlinie der Pfalz mit der Kurwürde in Heidelberg nach. Die Brüder Friedrichs III., Georg und Reichard, beendeten die Linie der Herzöge von Pfalz-Simmern, deren Besitz nach Reichards Tod 1598 wieder an das Kurfürstentum unter Friedrich IV. zurückfiel.
Kriege um die Pfalz Friedrichs IV. Sohn Friedrich V. trug mit seiner Kandidatur für den böhmischen Königsthron als „Winterkönig“ mit dazu bei, dass der Dreißigjährige Krieg auch seine Besitzungen in der Rheinpfalz erfasste. Diese waren inzwischen mit Begründung der jüngeren Linie Pfalz-Simmern durch seinen Bruder Ludwig Philipp 1611 erneut geteilt worden, doch fällt auch diese mit dem Tod von dessen Sohn Ludwig Heinrich 1673 wieder an die Hauptlinie unter Karl I. Ludwig zurück, der im Westfälischen Frieden die Kurwürde zurück erlangte. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Simmern 1620 von spanischen Truppen unter Spinola erobert. 1631 verdrängten die Schweden die spanische Besatzung. Dank seiner Befestigungen konnte die Stadt die Kriegswirren relativ unbeschädigt überstehen. Doch kam es durch den Tod des Sohnes von Karl I., Karl II. zu neuen Wirren, da mit ihm die Linie der pfälzischen Wittelsbacher ausstarb und Frankreich Besitzrechte anmeldete. Liselotte von der Pfalz, Schwester Karls II. und in den Augen der Franzosen erbberechtigt, war mit Philipp I. von Orléans verheiratet, dem Bruder Ludwigs XIV.; da aber auch die wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg Ansprüche auf das Simmerner Erbe erhob, brach 1688 der Pfälzer Erbfolgekrieg aus, in dessen Verlauf die Franzosen weite Gebiete der Pfalz verwüsteten.
mini|Neues Schloss Simmern, erbaut 1708 bis 1713 als Sitz des pfälzischen Oberamtmannes
1685 war das Herzogtum Simmern wie auch die Kurpfalz an die Linie Pfalz-Neuburg gefallen. Diese führte das katholische Bekenntnis wieder ein und rief 1686 den Bopparder Karmel zur Betreuung der Katholiken in Stadt und Oberamt Simmern. Mit Hilfe der Familie Schenk von Schmidtburg gründeten die Karmeliter in Simmern eine Niederlassung und übernahmen in der Stadt und zusammen mit den Kreuznacher Kapuzinern im Oberamt die Pfarrseelsorge. Die Stadt Simmern selbst war kurz zuvor von zahlreichen Hugenotten, die der religiösen Verfolgung in Frankreich entflohen waren, regelrecht überflutet worden. 1688 besetzten französische Truppen Simmern im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Im Laufe des Jahres 1689 wurde mit der Zerstörung der Stadtbefestigung begonnen. Der große Stadtturm auf dem Römerberg wurde gesprengt. Schließlich steckten französische Truppen am 17. September 1689 Stadt und Schloss in Brand. Das Schloss wurde, ebenso wie das in Heidelberg, zur Ruine, lediglich Stefanskirche, der Pulverturm (der spätere Schinderhannesturm) und eine Handvoll Häuser überstanden die Katastrophe. Immerhin blieb die Pfalz infolge des Friedens von Rijswijk wittelsbachisch. Im 18. Jahrhundert war Simmern nur noch Sitz eines pfälzischen Oberamts, da die Kurfürsten in Mannheim residierten.
18. bis 20. Jahrhundert mini|Karte des Departments Rhin-et-Moselle mini|Schinderhannesturm mini|Marktstraße in Simmern (Juni 1985) Nach der Besetzung des Linken Rheinufers (1794) durch französische Revolutionstruppen gehörte der Ort von 1798 bis 1814 zum Rhein-Mosel-Departement. Simmern wurde Hauptort eines Arrondissements und eines Kantons. Bei den regelmäßigen Patrouillen der neu gegründeten Nationalgendarmerie wurde der später als Räuber bekannte Johannes Bückler, genannt „Schinderhannes“, gefangen, der zu dieser Zeit noch als kleiner Viehdieb in Hunsrück und Nordpfalz aktiv war. 1799 verbrachte er ein halbes Jahr im heutigen Schinderhannes-Turm in Simmern, von wo ihm aber die Flucht gelang. 1804 weilte Kaiser Napoleon I. in der Stadt, die mittlerweile auch eine Stadtverwaltung nach französischem Recht erhalten hatte.
Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen wurde die Region dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung ging der Kanton Simmern im 1816 neu gebildeten Kreis Simmern im Regierungsbezirk Koblenz auf.
Die Situation der Stadt, die doch etwas abseits der Zentren der Industrialisierung lag, war im 19. Jahrhundert nicht leicht, zumal es 1845 auch noch zu Kartoffelfäule und Missernten kam, woraufhin viele Bewohner nach Amerika auswanderten.
Im Ersten Weltkrieg war Simmern wichtiger Stützpunkt der Etappe der Westfront. In der Zwischenkriegszeit litt die Stadt, die zudem bis 1930 erneut französisch besetzt war, unter der wirtschaftlichen Situation jener Zeit.
Am 1. Juli 1920 fielen in der Umgebung von Simmern drei Bruchstücke eines Meteoriten herab, die insgesamt 1222 Gramm wogen. Der Meteorit wurde als Chondrit vom Typ H5 klassifiziert.
Im Zweiten Weltkrieg kam es erneut zu Verwüstungen. Im März 1945 wurde Simmern von US-amerikanischen Truppen besetzt, dann mit der Pfalz der französischen Besatzungszone zugeschlagen und gehört seit 1946 dem Land Rheinland-Pfalz an.
Am 15. April 1999 wurde ein Gebietstausch mit der Gemeinde Mutterschied durchgeführt, wodurch mehrere Einwohner die Gemeindezugehörigkeit wechselten.
Bevölkerungsstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Simmern, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Regionaldaten. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz.
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 43,9 % der Einwohner evangelisch, 31,4 % römisch-katholisch und 24,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Simmern, Zensus 2011. ergebnisse2011.zensus2022.de Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Januar 2026 waren von den Einwohnern 30,1 % evangelisch, 21,6 % katholisch und 48,4 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Simmern Gemeindestatistik. ewois.de; abgerufen am 5. Februar 2026.
Politik
Stadtrat
Der Stadtrat in Simmern/Hunsrück besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FDP aSL Gesamt 2024 5 9 3 2 5 24 Sitze 2019 6 9 3 2 4 24 Sitze 2014 6 11 2 1 4 24 SitzeWahlband Kommunalwahlen 2014. (PDF; 3,4 MB) wahlen.rlp.de 2009 6 10 2 2 4 24 Sitze 2004 6 12 1 1 4 24 Sitze aSL = anStadt Liste e. V.
Bürgermeister 1949–1966: Fritz Vollbracht 1966–1975: Kurt Schöllhammer 1975–1977: Albert Lax 1977–1979: Karl Windhäuser 1979–1987: Wolfram Berg 1987–1999: Hans Bungenstab 1999–2009: Manfred Faust seit 2009: Andreas Nikolay
Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde Andreas Nikolay als CDU-Kandidat mit einem Stimmenanteil von 67,90 % in seinem Amt bestätigt. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 trat er als unabhängiger Kandidat an und setzte sich mit 63,7 % gegen seine Mitbewerber Astrid Bach (SPD) und Daniela Lukas-von Nievenheim (Grüne) im ersten Wahlgang durch.
Wappen
Partnerstädte Migennes in der Region Burgund, Frankreich, seit 1969 Igrejinha im Bundesstaat Rio Grande do Sul, Brasilien, seit 2013 Mänttä-Vilppula in Finnland, seit dem 7. Mai 2019 Roeser in Luxemburg, seit dem 28. September 2019
Kulturdenkmäler und Sehenswürdigkeiten