Joseph Buchkremer (* 27. Oktober 1864 in Aachen; † 11. Januar 1949 ebenda) war ein deutscher Architekt und Aachener Dombaumeister.
Leben Joseph Buchkremer war der älteste Sohn des Wagenschmieds Ludwig Buchkremer und seiner Frau Gertrud geb. Wiertz. Nach dem Besuch einer Pfarrschule und einer Höheren Bürgerschule verließ er in der Obersekunda die Schule, um Maler zu werden. Buchkremer wurde schon als Schüler für seine Entwürfe und Zeichnungen ausgezeichnet.
Das frühe Vorhaben, Maler zu werden, scheiterte jedoch. Daraufhin bewarb er sich in einem Baugeschäft und begann dort eine Lehre. Durch seine zeichnerischen Fähigkeiten wurde der Aachener Hochschullehrer und Architekt Karl Henrici auf ihn aufmerksam. Buchkremer begann 1883 unter der Fürsprache Henricis ein Studium am Polytechnikum und arbeitete nebenbei als Student im Büro Henricis. Fünf Jahre später, im Jahr 1888, wurde er dessen Assistent. 1891 habilitierte er sich und wurde Privatdozent für die Bereiche Kunstgewerbe, Malerei und künstlerische Perspektive.
1899 wurde sein Sohn Joseph Ludwig Buchkremer – der spätere Weihbischof des Bistums Aachen – geboren. Sein zweiter Sohn Stephan Buchkremer, der 1941 die Domwache gründete, kam 1901 auf die Welt.
In den Jahren ab 1891 übernahm Buchkremer viele Bauvorhaben und Restaurierungen. Er baute eine Villenkolonie in Koblenz, entwarf Ehrenmale, Altäre, Kreuzwege, Krankenhäuser und restaurierte unter anderem Schloss Breill bei Geilenkirchen. Ihm wurde auch die Straßengestaltung um das Bonner Münster übertragen.
Joseph Buchkremer war mit Ferdinande geb. Hilsmann aus Winkhausen verheiratet. Durch diesen Bezug zum Sauerland erweiterte er auch sein Beschäftigungsfeld. 1905 erhielt er den Auftrag für einen Erweiterungsbau der Pfarrkirche in Schmallenberg. Buchkremer wurde nach der Errichtung dieses Bauwerkes im Jahre 1906 der begehrteste Kirchenarchitekt im Sauerland. Buchkremer hatte bis auf den heutigen Tag einen größeren architektonischen Einfluss im Sauerland als irgendein anderer. Von 1908 bis 1917 baute bzw. erweiterte er in der Region sieben weitere Kirchen und die Kapellen in Latrop und Gellinghausen.Karl-Heinz Danne: Festschrift „Kirchenweihjubiläum St. Alexander Schmallenberg 75 Jahre“ (1986). In: Texte zur Ausstellung im Juli 1999 anlässlich des Kirchturm-Wiederaufbaus von St. Alexander. mini|Der Aachener Dom um 1900 Buchkremer bekam viele Auslandsaufträge. Er baute Kirchen und Kapellen in Dänemark, Belgien, den Niederlanden und Schweden. Auch im kunstgewerblichen Bereich war Buchkremer wegen seiner Fähigkeiten sehr gefragt. Er gestaltete beispielsweise das Aachener Ratssilber, entwarf Ehrenbürgerbriefe für Bismarck und Hindenburg sowie Pergamenturkunden für Papst Leo XIII., Papst Pius XI. und für Kaiser Wilhelm II.
Im Jahr 1915 übernahm er auch die Arbeiten am Aachener Dom, weil er bereits 1898 mit der Rekonstruktion des Atriums und einige Jahre später mit der Wiederherstellung des Throns Karls des Großen sowie der Säulenaufstellung der Kaiserloge beschäftigt war. 1917 erhielt er deshalb den Titel Münsterbaumeister, der nachfolgend in Dombaumeister geändert wurde. In den Jahren als Dombaumeister stellte er zum Beispiel 1924 den Durchgang zur gesperrten Wolfstür wieder her, restaurierte die schweren Schäden der Chorhalle und vollendete 1936 die Arbeiten am Ambo Heinrichs II. Außerdem ließ er eine neue Orgel nach eigenen Plänen in den Dom einbauen.
Joseph Buchkremer verstarb 1949 und wurde auf dem Aachener Westfriedhof II beigesetzt.
Bauten (Auswahl) Beschreibung Ort Baujahr/-zeit BildGregoriushausAachen1889Missionshaus der PallottinerLimburg an der Lahn 1896–1897Pfarrkirche Heilig Kreuz1898 wurde der Grundstein für die Pfarrkirche Heilig Kreuz gelegt. Die Kirche konnte 1902 eingeweiht werden.Aachen 1898130pxPfarrkirche St. Georg1905 wurde der Grundstein für die Pfarrkirche gelegt. Die Kirche konnte 1906 benediziert werden.Sankt Jöris 1904–1906130pxErweiterungsbau der Pfarrkirche St. AlexanderNach dem Abbruch des alten Turmes wurde der Erweiterungsbau der Pfarrkirche St. Alexander errichtet. Die feierliche Konsekration durch den Erzbischof von Paderborn fand erst 1911 statt. Der Kirchturm musste erneut 1996 abgerissen werden.Schmallenberg 1905–1906130px Pfarrkirche St. JodokusDie Grundsteinlegung für die Pfarrkirche St. Jodokus erfolgte im Juni 1909. Im Oktober 1910 wurde die Kirche von Bischof Karl Joseph Schulte eingeweiht.Saalhausen 1909–1910130pxErweiterungsbau der Pfarrkirche St. BlasiusDie Pfarrkirche besteht aus zwei Teilen, einer romanischen Kirche aus dem 10./12. Jahrhundert und dem großen neoromanischen Erweiterungsanbau aus dem Jahr 1910.BalveWerner Arens: (PDF) 1910130pxTeilneubau der Pfarrkirche St. Cosmas und DamianVon der Kirche des 18. Jahrhunderts ist nur der dreiteilige Westbau von 1723, sowie der Mittelturm von 1750 erhalten. Ein neubarocker Zentralbau wurde von 1910 bis 1911 errichtet.Bödefeld 1910–1911130pxQuerhaus und Chor von St. WillibrordEuchen 1912–1913130pxNeubau dreischiffige Hallenkirche St. LaurentiusDas alte Kirchengebäude wurde 1912 abgerissen und durch eine neue Kirche ersetzt. Bei einem neuerlichen Brand im Jahr 1975 wurde das Gebäude so in Mitleidenschaft gezogen, das es geschlossen werden musste. Professor Erich Heyne war für die Neugestaltung des Innenraums verantwortlich, er trug dem Liturgieverständnis des II. Vatikanischen Konzils Rechnung.Aachen-Laurensberg1912130pxTeilneubau der Pfarrkirche St. LambertusDer Turm und Chor stammen aus dem 14. Jahrhundert. Von diesem wurden bei dem Neubau von 1912 der im 19. Jahrhundert erhöhte Westturm, sowie das Chorjoch mit 3/6-Schluss übernommen.Kirchrarbach1912130pxPfarrkirche St. HubertusDer neuromanische Neubau der Pfarrkirche St. Hubertus wurde von 1912 bis 1913 errichtet. Der derbe Gewölbebau als Seitenschiff und der quadratische Westturm stammen von einer früheren Kirche.Dorlar1913130pxPfarrkirche St. KilianDie Grundsteinlegung für das im Jahr 1917 fertiggestellte Kirchengebäude erfolgte am 12. Juli 1914. Durch Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatten sich die Bauarbeiten verzögert. Sankt Kilian wurde am 11. November 1917 durch den Paderborner Weihbischof Heinrich Haehling von Lanzenauer geweiht.Iserlohn-Letmathe1914–1917130pxPfarrkirche St. Peter und PaulDie neugotische Hallenkirche wurde von 1915 bis 1917 errichtet. Daran sind erhaltene Teile des mehrfach verlängerten Vorgängerbaus. Die beiden Westjoche und die Untergeschosse des quadratischen Westturmes, die nur eine Wendeltreppe umschließen stammen aus romanischer Zeit.Kirchhundem1915–1917130pxSct.-Mariæ-KircheAalborg, Dänemark1926194x194pxKriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten WeltkriegsDas Kriegerdenkmal unterhalb des alten Friedhofes von St. Severin wurde am 20. November 1927 enthüllt. Auf dem Sockel kniet der Heilige Sebastian in der Pose eines sterbenden Kriegers nach einem Entwurf des Aachener Bildhauers Fritz Neumann (* 1881).Eilendorf1927130pxMaria-Hilf-Kirche (Kościół pw. Najświętszej Marii Panny Wspomożenia Wiernych); Umbau und Erweiterung der Notkirche, einer ehemaligen Fabrikhalle der Hohenlohehütte.Katowice-Wełnowiec1930130x130pxKirche in SlagelseSlagelse, Dänemark1931152x152px
Ehrungen Joseph Buchkremer erhielt folgende Ehrungen. 1904: Verleihung des Professorentitels 1911: Roter Adlerorden 1917: Münsterbaumeister in Aachen, später umbenannt in Dombaumeister 1918: Verdienstkreuz für Kriegshilfe 1922: Komturkreuz des päpstlichen Silvesterorden 1945: Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. E. h.) der Technischen Hochschule Aachen 17. Februar 1949 (postum): Umbenennung der Edelstraße in Buchkremerstraße durch die Stadt Aachen
Schriften (Auswahl) Das Grab Karls des Grossen. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 29, 1907, S. 68–210 (Digitalisat). Die Wolfstür der Aachener Münsterkirche. Creutzer, Aachen 1924. Der Dom zu Aachen. Aachener Verlags- u. Druckerei-Gesellschaft, Aachen 1935.
100 Jahre Denkmalpflege am Aachener Dom. Metz, Aachen 1955.
Literatur Albert Huyskens: Joseph Buchkremer. In: |Zeitschrift des Aachener Geschichtsverein 62, 1949, S. 104–111. Kurt Vaessen: Der Dombaumeister. Eine biografische Studie über Professor Dr. h. c. Josef Buchkremer. In: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz (Hrsg.): Aachen zum Jahre 1951. Düsseldorf 1951, S. 125–140. (mit Schriftennachweis) Marita Hermanns (Bearb.): Joseph Buchkremer: Meine Tätigkeit als Aachener Dombaumeister. (= Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs Aachen, 46.) Einhard-Verlag, Aachen 1993, ISBN 3-920284-76-3. Holger A. Dux: Aachen von A bis Z. Aachen 2003, S. 67–68.
Weblinks
Schriften von Joseph Buchkremer in der Datenbank der Regesta Imperii Würdigung beim Aachener Geschichtsverein (mit Bild).
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Aachener Dombaumeister Kategorie:Träger des Silvesterordens (Komtur) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens (Ausprägung unbekannt) Kategorie:Ehrendoktor der RWTH Aachen
Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1949 Kategorie:Mann