Als Hianzisch, Heanzisch oder HoanzischDie Titel zweier Veröffentlichungen desselben Autors, des burgenländischen, in Oberschützen geborenen Mundartdichters Johann Neubauer (1880–1970), sind charakteristisch für die Aussprachevarianten des Dialektnamens: Hienzische Bliamal. Gedichte in hienzischer Mundart, Oedenburger Verlags-AG, Ödenburg/Sopron 1923 Mia Heanznleut. Geschichten in der Mundart des südlichen Burgenlandes, Welsermühl, Wels 1962 () wurde im 19. und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts jener Dialekt bezeichnet, der im „Heanzenland“, weiten Teilen des österreichischen Bundeslandes Burgenland, gesprochen wird und zu den mittelbairischen Dialekten zählt. Heute ist der Begriff – von der Verwendung in mundartpflegerischen Organisationen wie dem Hianzenverein abgesehen – unüblich geworden.

Charakterisierung Der Dialekt des Burgenlandes ist südmittelbairisch und bildet die ungefähre östliche Fortsetzung der in Niederösterreich und der Oststeiermark gesprochenen Mundarten. Weil das Gebiet östlich der starken, jahrhundertealten Grenze von Österreich gegen das Königreich Ungarn liegt und nur geringe westliche Verkehrsbeziehungen bestanden, blieb es sprachlich konservativ und bewahrt westlich im Wiener Becken geschwundene Erscheinungen. Dazu gehören besonders die Diphthonge /ei/ für mittelhochdeutsch (mhd.) /e/ + /ö/ und /ou/ für mhd. /o/ sowie /ui/ für mhd. /uo/, z. B. beit ‚Bett‘, oufa ‚Ofen‘, bui ‚Bub‘.Eberhard Kranzmayer: Historische Lautgeographie des gesamtbairischen Dialektraums mit 27 Karten und 4 Hilfskarten. Wien 1956; Peter Wiesinger: Phonetisch-phonologische Untersuchungen zur Vokalentwicklung in den deutschen Dialekten. Berlin 1970. Ebenso zeichnet er sich durch teilweise bewahrten älteren Wortschatz aus.

Weitere Beispiele für den typischen ui-Laut:

Mittelhochdeutsch Bairisch Hianzisch Standarddeutsch guot guad guid gut muoter Muada Muida Mutter schuoche Schua Schui Schuhe ruo(we) Rua Rui Ruhe huot Huad Huid Hut genuog gnua gmui genug suochen suachn suicha suchen zuo zua zui zu tuoch Tuach Tui Tuch kruoc Gruag Grui Krug

Beispielsatz: Di Muida und da Bui tuin gmui Fuida fia d’Kui in déi tuife Trui.

Weitere Beispiele für den ei-Laut: gwéin (gewesen), Léida (Leder), séi (sie).

Eigentümlich ist auch die Verwendung von si anstelle von es, z. B. si réignt (es regnet), si tuit wéih (es tut weh).

Heinzenland Als man für das 1921 neu entstandene und jüngste Bundesland einen Namen suchte, war ein Vorschlag davon: „Heinzenland“, um das Land nach dem dort gesprochenen Dialekt zu benennen. Woher die Bezeichnung „Hianzn, Heanzn“ kommt, ist umstritten. Die Theorien reichen von „Heinz“ (historisierend dann auf „Heinrichs Gefolgsleute“ des Bayernherzogs Heinrich des Zänkers, des österreichischen Herzogs Heinrich Jasomirgott, der Güssinger Grafen Heinrich bzw. Henz bis zum Salier-Kaiser Heinrich IV. bezogen) bis zu einer Spottbezeichnung aufgrund der Aussprache hianz statt des üblichen bairischen hiaz „jetzt“ im damaligen Deutsch-Westungarn.

Auswahl hianzischer Dialektwörter aing – euch ais – Ihr (2. Person Plural) amasinst – umsonst Aompa – Blechgießkanne (vgl. dt. „Eimer“) aonbaun – anbauen aongéinzn – angänzen (etwas anbrechen, anschneiden, anbeißen etc.) aonhéi’m – anfangen aonléign – anziehen aonluan – anlehnen aonstéihn – passen aufzichtn – (ein Kind) aufziehen Baagl – Weißgebäck Baonl – Bohne Baonschoa’l – Fisole béigln – bügeln Beinl – Biene beangat – grob, wild, rau (z. B. a Janka = eine Jacke) Bidn – Fasshahn (auch: Wasserhahn) bléidan – beben, zittern blei’m – bleiben bloaddn – begleiten boona – baden Boun – Boden Brunn – Brunnen Buan – Knochen buarn – fliegen d’ Ehre – „Habe die Ehre“, freundschaftliche Begrüßung éint – drüben é(i)ppa – womöglich éitla – mancher, etwa Faa’l – Ferkel Faadl – Fuhre Feaschn – Ferse fei – bald, fast Green – Gang, Verbindungsweg zwischen Hof und Wirtschaftsgebäuden fiaranaond – füreinander fluign – fliegen Gjöül – Lärm Gmuafla – Kleinzeug gmui – genug gnedi – eilig Grui – Krug Grumpian – Kartoffeln (von „Grundbirnen“) gstott – anstatt guamazn – gähnen guggizzn – Schluckauf haben gwéin – gewesen heréint – herüben hiaz – jetzt hintawéign – unterwegs Humma – Hunger ia – ihr (3. Person Singular für Dativ von „sie“) in d’ Feia géihn – einen Besuch abstatten iwa d’ Gschriams – geradewegs Hoozat – Hochzeit Kiara – Kirche (auch: Schrei) kiarn – schreien Koo – Gebüsch Kupfa – Koffer Leaschl – unbeholfener Jugendlicher Lekwa – Konfitüre, Marmelade loona – einladen, laden lulan – urinieren Maunda – Montag miaratwéign – meinetwegen miassn – müssen Muam, Moam – alte Frau (von „Muhme“) Müli – Milch Moamlat – Weichei muana – meinen nauu – na, nanu oi- – hinab-, hinunter- (z. B.: oifojn – hinunterfallen, etwa von einer Leiter fallen oder oifoon – hinunterfahren) oo- – ab- (z. B.: oofojn – abfallen, etwa vom Baum fallendes Obst oder: oofoon – abfahren) Pflui – Pflug Plutza – Kürbis (auch scherzhaft für „Kopf“) Pleampü – unbeholfene Person Ruim – Rübe sama – sind wir schuim – schieben schuissn – schießen Scheahigl – Maulwurfshügel Schwui – Damm, Hang ’s is gfaüt – es ist vorbei söm – damals Trui – Truhe Tui – Tuch Ummuakkn – Gurke ungsteamp – ungestüm, stürmisch valuisn – verlieren Wéi – Weg Wian – Wien wöün – wollen zuign – ziehen zuilousn – zuhören Zwiefü – Zwiebel

Publikationen zum burgenländischen Dialekt Paul Rauchbauer: Die deutschen Mundarten im nördlichen Burgenlande. Universität Wien, Dissertation, Wien 1932. Alexander Laky: Lautlehre der Mundarten des Pinkatales. Universität Wien, Dissertation, Wien 1937. Johann Neubauer: Hianzische Bliamal. Gedichte in hienzischer Mundart. 2. Auflage, Volksbildungswerk für das Burgenland, Eisenstadt 1958. Helga Högler: Die Mundart von Pöttsching im Burgenland. Eine sprachbiologische Studie. Universität Wien, Dissertation, Wien 1961. Friederike Szmudits: Die Mundart von Mattersburg. Eine wortsoziologische und sprachbiologische Untersuchung. Universität Wien, Dissertation, Wien 1961. Annemarie Braun: Der mundartliche Wortschatz des Burgenlandes. Universität Wien, Dissertation, Wien 1975. Gerhard Resch: Die Weinbauterminologie des Burgenlandes. Wien 1980 (= Schriften zur deutschen Sprache in Österreich 4). Eva Marion Windisch: Laut- und Formenlehre der Mundart von Unterbildein im Südburgenland. Universität Wien, Diplomarbeit, Wien 1996. Ulrike Kast: Die Terminologie des Acker- und Gemüsebaus von Neusiedl am See im Burgenland. Universität Wien, Diplomarbeit, Wien 1997. Jakob Michael Perschy: Sprechen Sie Burgenländisch? Ein Sprachführer für Einheimische und Zugereiste. Ueberreuter, Wien 2004 (5. Auflage 2010), ISBN 978-3-8000-7040-4. Franz Hannabauer: Erstes Burgenländisches Mundart-Wörterbuch. Mit einer Einführung in die burgenländisch-hianzische Mundart von Erwin Schranz. Burgenländisch-Hianzische Gesellschaft, Oberschützen 2007, ISBN 3-901783-12-1. Johann Kriegler: Kleines Lexikon der Wiesener Mundart mit besonderer Berücksichtigung alter, seltener und ausgestorbener Dialektwörter. Marktgemeinde Wiesen, Wiesen 2010 (2. Auflage 2016). Jakob Michael Perschy: Fließend Burgenländisch. Über unsere Mundarten. In: Oliver Rathkolb, Gert Polster, Johann Karl Kirchknopf, Rosemarie Burgstaller (Hrsg.): Burgenland schreibt Geschichte 1921–2021, Band 2 (= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland, Band 169). Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abteilung 7 – Hauptreferat Sammlungen des Landes, Eisenstadt 2021, ISBN 978-3-85405-244-9, S. 361–366. Jakob Michael Perschy: Hundert Wörter Burgenländisch. Ein Beitrag zu 100 Jahre Burgenland. edition lex liszt 12, Oberwart 2021, ISBN 978-3-99016-193-7. Johann Werfring: Die Bauernsprache der Sieggrabener. edition lex liszt 12, Oberwart 2022, ISBN 978-3-99016-222-4.

Weblinks Hianzenverein

Einzelnachweise

Kategorie:Österreichische Mundart Kategorie:Kultur (Burgenland) Kategorie:Bairischer Dialekt