Wipshausen ist eine Ortschaft in der Gemeinde Edemissen im Landkreis Peine in Niedersachsen.
Geographie mini|hochkant=1.25|Niederschlagsmittelwerte von Wipshausen 1961–1990 Der Ort liegt nördlich der Kreisstadt Peine zwischen den beiden Oberzentren Hannover und Braunschweig an der B 214 zwischen Braunschweig und Celle, am Rande der Südheide. Wipshausen verfügt über eine Siedlungsstruktur, die von mehreren Durchgangsstraßen durchzogen wird.
Die Umgebung von Wipshausen wird vom Kiesabbau geprägt. So liegen um das Dorf herum mittlerweile rund ein Dutzend Kiesteiche, aus denen noch Kies gefördert wird. Dies führt zu Lärmbelästigungen. Die bereits ausgekiesten Seen sind der Natur überlassen und werden zum Erholen, Baden und Angeln genutzt. Im Westen grenzt das Dorf an das Flüsschen Erse (im Oberlauf Aue), das von seiner Quelle bei Salzgitter Richtung Mündung kurz hinter Uetze in die Fuhse fließt. Bei starken Regenfällen ist Wipshausen durch Überflutungen gefährdet. Aufgrund des sandigen Bodens wird Wipshausen als Spargeldorf der Region bezeichnet, wenngleich der Spargelanbau mittlerweile zurückgegangen ist.
Geschichte Als Wypteshusen wird der Ort Wipshausen erstmals urkundlich im Jahre 1389 erwähnt und gehörte von 1532 bis 1885 zur Gografschaft Edemissen im Amt Meinersen. Danach kam der Ort bis heute zum Landkreis Peine.
Um die Wohnungsnot in den 1950er Jahren zu mindern, entstanden große Gebiete mit einfach gebauten Siedlungshäusern für Heimatvertriebene und Flüchtlinge am Kiefernweg und Heidkrugsweg. 1965 erfolgte der Zusammenschluss der selbstständigen Gemeinden Horst, Rietze, Rüper, Wense und Wipshausen zur Samtgemeinde Wipshausen. Am 1. Januar 1968 wurden Horst und Wipshausen zur neuen Gemeinde Wipshausen zusammengeschlossen. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen kam es am 1. März 1974 zur Bildung der Einheitsgemeinde Edemissen aus den Ortschaften der Samtgemeinde Edemissen und weiteren acht selbstständigen Gemeinden. Der heutige Ortsteil Horst liegt nördlich und zu Wipshausen an der östlichen Seite der Erse. Der Ort wurde erstmals als „de Horst by Wypreshusen“ urkundlich im Jahre 1458 erwähnt (in alten Schriftstücken oft Verwechselungen mit „Horst“ bei Peine und „Wehnserhorst“).
Burg
Nach Funden in den Kiesgruben, die auf eine Siedlung bereits in der Eisenzeit schließen lassen, gilt Wipshausen als eines der ältesten Dörfer des Landkreises Peine. In einem Eichenwäldchen südöstlich des Dorfes befindet sich der so genannte Ringwall. Hierbei handelt es sich um eine kleine Motte aus der Zeit um etwa 900 n. Chr. Es gibt Vermutungen, dass diese Burganlage den Bewohnern der Ortschaft Schutz vor den slawischen Wenden bieten sollte, die in diesem Zeitraum vermehrt in das Gebiet westlich der Elbe vorstießen. Heute sind von der Anlage nur noch der markante Hügel und der ausgetrocknete Graben erhalten.
Zum Heidkrug Der Heidkrug bei Wipshausen war bereits vorhanden, als die Braunschweiger Chaussee, die heutige B 214, gebaut wurde. Dieses Wirtshaus, das im Statistisch-topographischen Hand- und Wörter-Buch über den Landdrostei-Bezirk Lüneburg von 1844 als „Weg- u. Wirthshaus“ bezeichnet wurde, soll ein Brandenburger im Jahre 1770 errichtet haben. Der Heidkrug war eine Raststätte für Pferd und Kutscher, die die alte Frachtfuhrstraße zwischen Braunschweig und Celle befuhren. Im Jahre 1805 wurde das Wirtshaus beraubt. Eine mit Säbeln bewaffnete Räuberbande erbeutete damals 600 bis 700 Taler.Blazek, Matthias: Die Hinrichtungsstätte des Amtes Meinersen – Eine Quellensammlung. ibidem, Stuttgart 2008, S. 36, ISBN 978-3-89821-957-0. Das Restaurant wird heute auch als „Sauerfleisch Kurve“ bezeichnet und stand in jüngerer Zeit einige Jahre leer.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1821 330 1848 361 3. Dezember 1855 ¹ - 3. Dezember 1861 ¹ - 3. Dezember 1864 ¹ - 3. Dezember 1867 ¹ - --> 1. Dezember 1871 ¹ 365 1. Dezember 1875 ¹ - 1. Dezember 1880 ¹ - --> 1. Dezember 1885 ¹ 339 1. Dezember 1890 ¹ - 2. Dezember 1895 ¹ - Jahr Einwohner 1. Dezember 1900 ¹ - --> 1. Dezember 1905 ¹ 392 1. Dezember 1910 ¹ - 1. Dezember 1916 ¹ - 5. Dezember 1917 ¹ - 8. Oktober 1919 ¹ - --> 16. Juni 1925 ¹ 562 (566) 16. Juni 1933 ¹ 526 1936 - --> 17. Mai 1939 ¹ 537 31. Dezember 1945 - 29. Oktober 1946 ¹ 1046 (1023) Jahr Einwohner 13. September 1950 ¹ 1057 25. September 1956 ¹ - --> 6. Juni 1961 ¹ 1184 (916) 1. März 1964 941 27. Mai 1970 ¹ 1364 (?) ¹ Volkszählungsergebnis
Religion Die protestantische Glaubensrichtung festigte sich im Ort schon im frühen 16. Jahrhundert.
Wipshausen ist der Hauptort der evangelisch-lutherischen St. Sebastian-Kirchengemeinde, deren Pastor auch für die Seelsorge in den Orten Rietze, Rüper und Wense zuständig ist. Die Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchenkreis Peine.
Politik
Ortsrat Der Ortsrat, der Wipshausen vertritt, setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Ortsbürgermeister Ortsbürgermeister ist Günter Meyer (CDU), Stellvertreter Benjamin Stolze (SPD).
Wappen Goldene Spargelstauden mit Wurzeln wachsen im blauen Schild von Wipshausen. Darüber erhebt sich ein goldener Firstwinkel mit den traditionell gekreuzten Pferdeköpfen heimischer Gehöfte. Die Farben Blau-Gelb erinnern an die frühere Zugehörigkeit zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Aus dem Jahr 1551 stammen die ersten Aufzeichnungen aus alten Rechnungsbüchern der St.-Sebastian-Kirche. Der Westturm der Kirche stammt vermutlich schon aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, während das Kirchenschiff in die Zeit des 16. Jahrhunderts datiert wird. Im Jahre 1808 fand eine größere Renovierung des Kirchenschiffes statt.
Der an der alten Dorfkirche anliegende Ehrenfriedhof, die Sühnesteine, das Steinkreuz und das Gemeindehaus samt Pfarrgarten zählen zu den schönsten Bereichen des Dorfes.
Wirtschaft und Infrastruktur Jeder dritte Beschäftigte im Landkreis Peine verfügt über ein derart geringes Bruttoeinkommen, dass das Risiko für Altersarmut in der Region hoch ist. Die Armutsquote liegt über dem niedersächsischen Durchschnitt. Laut einer statistischen Erhebung des Max-Planck-Instituts ist die Lebenserwartung in der Gemeinde Edemissen geringer als im gesamtdeutschen Durchschnitt. In Wipshausen bestehen keine nennenswerten gewerblichen Arbeitsplätze, so dass Berufstätige auf ein tägliches Pendeln nach Peine oder Braunschweig angewiesen sind. Behördengänge müssen in Edemissen bzw. Peine erledigt werden. Die zuständige Polizeiwache findet sich zentral in Edemissen. Die nächstgelegene Rettungswache befindet sich in Peine. Die Postfiliale im Ort hat 2009 geschlossen. Die Leerstandsquote war im Jahr 2022 höher als im niedersächsischen Durchschnitt.
Bildung Neben Kindergärten sind heute im Zentralort Edemissen Grundschule (in zwei weiteren Ortsteilen auch verlässliche Grundschule), Hauptschule und Realschule. In Peine sind weiterführende Schulen, wie Gymnasium und Berufsbildende Schule, eingerichtet.
In der Grundschule von Wipshausen werden neben Wipshäuser Kindern, auch die aus Alvesse, Rietze und Voigtholz-Ahlemissen unterrichtet. Aufgrund nachhaltig rückläufiger Schülerzahlen in Wipshausen wurde die Grundschule Wipshausen aufgelöst und 2017 mit der Grundschule im Zentralort Edemissen zusammengelegt. Die Grundschule in Wipshausen fungiert seitdem als Außenstelle. Diese Entwicklung spiegelt den allgemeinen Trend aus einer Prognose der Bertelsmannstiftung wider, der deutlich rückläufige Bevölkerungszahlen für Edemissen und Wipshausen bis 2040 erwartet.
Verkehr Busverbindungen nach Edemissen, Peine sowie Braunschweig sind vorhanden. Die Autobahnanschlüsse Peine, Watenbüttel-Braunschweig und Hämelerwald-Lehrte sind für Berufspendler eine Anbindung an Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und Hannover. Die Bahnhöfe Peine, Dedenhausen und Hämelerwald sind auch für Bahnreisende erreichbar. Insgesamt ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr bei einer Gesamtbetrachtung eingeschränkt und wird von den Bürgern als unzureichend wahrgenommen. Das ist auch auf das lückenhafte Radwegenetz in umliegende Gemeinden zurückzuführen. Die Bahnverbindung nach Braunschweig ist in den 1990er Jahren stillgelegt und 2024 endgültig entwidmet worden. Der Individualverkehr wird hauptsächlich über die Bundesstraße 214 geführt.
Medizinische Versorgung Die medizinische Grundversorgung wird über eine Hausarztpraxis im Ort gewährleistet. Für eine weitergehende medizinische Versorgung müssen Patienten nach Peine oder Braunschweig ausweichen.
Persönlichkeiten Madeleine Linke (* 1992), deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt
Literatur Verein der Heimatgeschichte Edemissen e. V.: Die Gemeinde Edemissen. Sutton, 2007, ISBN 978-3-86680-202-5 Jürgen Dieckhoff: Edemissen – Wohlfühlgemeinde. Gemeinde Edemissen, 1999 Alfred Gebhardt: Ortsgeschichte Wipshausen-Horst, Band 1. Selbstverlag, 1984 Alfred Gebhardt: Ortsgeschichte Wipshausen-Horst, Band 2. Selbstverlag, 1990
Weblinks
Internetpräsenz Gemeinde Edemissen – kurze Darstellung der Ortschaft Wipshausen Siedlungsgeschichte Wipshausen Internetpräsenz Wipshausen – „Sühnesteine“ Internetpräsenz Heimat- und Archivverein Edemissen e. V.
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Edemissen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Peine) Kategorie:Ort im Landkreis Peine Kategorie:Ersterwähnung 1389 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974