mini|hochkant|Königsberger Schloss (1895) mini|hochkant=1.3|Seitenansicht des Schlosses vor 1900 Das Königsberger Schloss war neben dem Königsberger Dom ein Wahrzeichen der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg, des heutigen Kaliningrad in Russland. Im Zweiten Weltkrieg flog die Royal Air Force Ende August 1944 zwei nächtliche Luftangriffe auf Königsberg. Dabei ausgebrannt, erlitt das Schloss in der Schlacht um Königsberg 1945 weitere Zerstörungen. In der Nachkriegszeit war die Schlossruine dem weiteren Verfall preisgegeben. Einzelne Teile des Ruinenkomplexes wurden ab 1953 (Schlossturm) bereits niedergelegt. Der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Iljitsch Breschnew ließ 1968 die Ruine restlos sprengen und abtragen.

Bedeutung Der Bau hatte die größte Länge von 104 m und größte Breite 66,8 m. Der mit 84,5 m höchste Turm stand am Kaiser-Wilhelm-Platz. Die geschichtlichen Ereignisse haben immer wieder Veranlassung zu Veränderung oder zu Neubauten gegeben. 1312 wurde Königsberg Sitz des Ordensmarschalls. Während des ganzen 14. Jahrhunderts gingen von hier die Kriegszüge gegen die Litauer aus. 1457 wurde Königsberg nach Verlust der Marienburg Residenz der Hochmeister, 1525 wurde das Schloss die Residenz von Herzog Albrecht (Preußen) aus dem Haus Hohenzollern. Ihm folgten ab 1618 die Kurfürsten von Brandenburg. Am 18. Januar 1701 krönte sich im Audienzsaal des Schlosses Kurfürst Friedrich III. zum König Friedrich I. in Preußen. Als Hauptstadt des Königreichs Preußen in der preußischen Monarchie wurde Königsberg nun nach Berlin zur zweiten Residenz.

Die von 1584 bis 1595 durch den vom württembergischen Herzog nach Königsberg entsandten Baumeister Blasius Berwart erbaute Schlosskirche war 1701 und 1861 die Krönungskirche der preußischen Könige Friedrich I. und Wilhelm I. Die Absicht Friedrichs, das Schloss zu einem imposanten Barockbau auszugestalten, wurde nach seinem Tode aufgegeben. Daher wurde nur der südöstliche Flügel des Schlosses, der sogenannte Unfriedtbau (auch Friedrichsbau genannt) in barocker Bauweise fertiggestellt. In der Folgezeit wurde das Schloss mehr und mehr Behördenhaus und Museumsbau.

Gebäudeensemble mini|hochkant|Königsberger Schloss, Luftaufnahme Nordosten 1925 Der geschlossene Gebäudetrakt hatte vier Flügel: Ost, Eingangsseite am Schloßplatz: Unfriedtbau, Verwaltung, Hauptwache, Albrechtstor und Haberturm Süd: Wohnung des Oberpräsidenten, Prussia-Museum, städtische Kunstsammlungen, Unfriedtbau; an der Altstädtischen Bergstraße West: Schlosskirche, Moskowitersaal mit Eingang am Gesekusplatz Nord: Preußisches Staatsarchiv, Blutgericht, Ostpreußische Regierung (Justizbehörde) / Oberlandesgericht Königsberg; an der Schloßstraße; siehe auch Herzog-Albrecht-Denkmal

Von den Türmen waren erhalten: Schlossturm am Kaiser-Wilhelm-Platz (Südwestecke des Schlosses) Haberturm, der älteste (achteckige) Turm am Münzplatz (Nordostecke des Schlosses) Rundturm an der Südwestecke des Schlosses (Kaiser-Wilhelm-Platz) Berwart-Turm am Gesekusplatz (Nordwestecke des Schlosses) Lidelauturm am Nordflügel

Nutzung Residenz des Ordensmarschalls und der Komtur ab 1330 Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens (1457–1525) (Zeitweise) Residenz der Herzöge von Preußen Amtssitz der Oberburggrafen Residenz der Hohenzollern als Könige in/von Preußen Prussia-Museum: Landeskundliche Ausstellung der Altertumsgesellschaft Prussia Blutgericht, weltberühmtes Weinrestaurant im westlichen Nordflügel Silberbibliothek, wertvolle Handschriftensammlung Ostpreußische Regierung (Justizbehörde) Oberlandesgericht Königsberg Ostpreußisches Provinzialmuseum Denkmalamt der Provinz Ostpreußen Preußisches Staatsarchiv Königsberg Städtische Kunstsammlungen im Südflügel, siehe Alfred Rohde (Kunsthistoriker)

Museum der Ordensräume Die Räume des Deutschen Ordens waren als Museum im Nordflügel des Schlosses erhalten. Der älteste Bauteil war der rechteckige Turm, den der Vogt des Samlandes Diderich von Lidelau zwischen 1278 und 1292 erbaut hatte. Bezeugt war das von einer Tonplatteninschrift in gotischen Großbuchstaben im Untergeschoss. Beiderseits des Turmes lagen die Remter, in denen der Ordensmarschall und seit 1457 der Hochmeister wohnten. Herzog Albrecht 1526 feierte seine Hochzeit mit Dorothea von Dänemark in diesen Räumen, in denen er mit ihr bis 1533 wohnte.

Nach Westen reichte das Museum bis zum Turm des Kürschners, dem nordwestlichen runden Eckturm des Georg-Friedrich-Baus. Bei seiner Errichtung hatte Blasius Berwart einen etwas weiter östlich stehenden Turm dieses Namens abgebrochen; sein Name ging auf den neuen Rundturm über. In ihm lag die Silberbibliothek. Der 1527 aus Ulm in den Kneiphof gekommene Goldschmied J. Freudner fertigte 1541 dem Herzog das berühmte Albrechtsschwert in Silber. Ferner besaß das Museum einen ziselierten Harnisch Herzog Albrechts und das Schnitzbild von Hans Schenck. Es wurde auf abenteuerliche Weise gerettet und kam in das Schlossmuseum Grunewald. Im ehemaligen Ordensarchiv befand sich der Geleitbrief Karls V. (HRR) für Martin Luther, als er ihn 1521 vor den Reichstag zu Worms (1521) forderte. Durch Luthers dritte Tochter Margarete von Kunheim war diese Urkunde nach Ostpreußen gelangt, erst in den Besitz des Kanzlers Martin von Wallenrodt und dann ins Schlossmuseum.Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1.

Baugeschichte Ordenszeit 1242 wurden zwischen dem Deutschen Orden und den Lübeckern Verhandlungen geführt über die Anlage einer Hafenstadt in „Portu Lipze“ an dem Flusse, der „Pregore oder Lipza genannt wird“. Man dachte zunächst an die Gründung eines Stadtstaates durch Lübeck. 1246 kam es dann zu Vereinbarungen, nach denen der Orden selbst die Stadtgründung übernehmen und neben der Stadt eine Burg bauen sollte. Mehrfach wurden auch Kriegszüge ins Samland unternommen. Aber die Durchführung des Planes wurde durch sonstige politische und kriegerische Ereignisse aufgehalten. Erst 1255 drang unter Führung des Ordens ein großes Kreuzfahrerheer des Königs Ottokar II. Přemysl von Balga her über das Eis des Frischen Haffs ins Samland ein. So wurden die Samen, die in Erwartung dieses Angriffs die Pregellinie besetzt hatten, umgangen. Weit ausholend zogen die Truppen des Ordens, alles verheerend, wandten sich südwärts und schlugen die Verteidiger der Pregellinie.

Auf einem Berg in einem Wald, der von den Prußen Tuwangste (auch Twangste, Twangst, Twongst, Twoyngst) genannt wurde, lag eine alte Feste der Prußen. Der Name dieser Burg leitet sich von dem Wort „wangus“ ab und beschreibt einen Holzschlag in einem Eichwald. Da die Eiche das Symbol des prußischen Donnergottes Perkunos war und unter Tabu stand, verbot es sich für die prußischen Ureinwohner, einen Eichwald auch nur anzutasten. Der Orden gründete dort die Burg, die König Ottokar zu Ehren „Königsberg“ genannt wurde, und zog ein großes Heer von Prußen zur Fronarbeit für den Bau zusammen. Die erste Burg, das „castrum antiquum“, lag an der Stelle, an der sich später die Vorburg des Schlosses, dann die Kürassierkaserne und seit 1926 das Reichsbankgebäude erhob. Beim Bau des Reichsbankgebäudes wurden geringe Reste einer Plankenbefestigung freigelegt, ebenso durch Steinpackungen festgelegte Pfähle, die wahrscheinlich als Grundpfähle für Holzbauten gedient haben.

1260 brach ein großer Prußenaufstand aus. Die Burg wurde lange belagert, hielt aber stand. Die Burg war nach dem Verlust der Marienburg an Polen von 1457 bis 1525 Residenz der Hochmeister des Deutschen Ordens. Die Befestigungs- und Burgbauten des Ordens begannen bald nach der Besitzergreifung des Bergplateaus im Jahre 1255. Als vorläufiger Schutz wurde nach dem Pregel eine Erdwallburg erbaut, die auch später noch den Charakter einer Vorburg behielt. Gleichzeitig wurde aber schon mit dem Ausbau der Hauptburg begonnen. Schon wenige Jahre nach dem Baubeginn war die Burg so wehrhaft, dass sie im großen Preußenaufstand (um 1260) einer dreijährigen Belagerung standhielt. Aber wohl erst nach Niederschlagung dieses Aufstandes begann man mit dem Ausbau der doppelten Ringmauer, die durch neun Wehrtürme unterbrochen wurde. Von diesen Türmen ist nur der Haberturm an der Nordseite erhalten geblieben. Die übrigen Bauten, Wirtschaftsgebäude, Stallungen usw., lehnten sich von der Innenseite des Hofes aus an die Ringmauer an.

Den Raum des Oberlandesgerichts nahm im 14. Jahrhundert das Kornhaus ein. Das Konventshaus mit Kirche, Remter und Kapitelsaal schloss sich nach Westen an. Es war das Wohnhaus für den Ordensmarschall mit einem alten Wehrturm auf der Nordseite und schließlich einer Firmarie, einem Kranken- und Siechenhaus der Ordensherren, mit einer Kapelle. Um 1380 wurde schließlich als Glocken- und Wartturm der heutige Schlossturm an der Südwestecke des Konventshauses errichtet. Mit der Vollendung dieses Schlossturmes, der bis zum Ansatz der Ecktürmchen in seiner mittelalterlichen Gestalt noch heute erhalten ist, ist die Baugeschichte der Ordenszeit im Wesentlichen beendet. 1457 siedelte der Hochmeister nach dem Verlust der Marienburg nach Königsberg über und bezog hier die Wohnung des Obermarschalls, die also jetzt zur Hochmeisterwohnung wurde.

Die Wehrmauern Der Bau wurde mit der Errichtung der äußeren Wehrmauer begonnen. 1263 umfasste sie das ganze Viereck des heutigen Schlosses. Ihr Verlauf lässt sich auf allen Seiten – mit Ausnahme der Westseite – genau verfolgen. Auf der Nordseite war die rund fünf bis sechs Meter hohe, etwa zwei Meter starke Feldsteinmauer fast in ganzer Länge erhalten. Ursprünglich hatte die Wehrmauer einschließlich des in Ziegeln gemauerten Wehrganges eine Höhe von sieben bis acht Metern. Auf dieser Nordseite sind noch heute außer dem nordöstlichen Eckturm, dem sogenannten Haberturm, zwei viereckige kräftige Türme erhalten, deren westlicher durch eine Bauinschrift annähernd zu datieren ist. Die Ostmauer ist nur in ihrem nördlichen Teil bis über das Schlosstor hinaus erhalten, in ihrem weiteren Verlauf nach Süden durch Zeichnungen des 18. Jahrhunderts festzustellen. Sie besaß ebenso wie die Westmauer keine Zwischentürme. In dem unteren Teil der Südmauer ist Feldsteinmauerwerk erhalten. Dieses hört nach oben hin ganz unregelmäßig auf.

Im sogenannten Städtekrieg Mitte des 15. Jahrhunderts wurde diese gegen die Altstadt hin gelegene Mauer mit vier Türmen von den aufständischen Bürgern niedergerissen. Erst 1482 baute sie der Orden wieder auf. Dabei wurden die damals noch stehenden älteren Mauerreste wieder benutzt. Auch die Grundmauern der drei viereckigen Türme und des ebenfalls viereckigen südöstlichen Eckturms wurden beim Wiederaufbau benutzt, wie durch Grabungen festgestellt wurde. Der südwestliche Eckturm aus dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde beim Aufbau des Schlosskirchenflügels beseitigt. Es waren also außer den vier Ecktürmen zwei nördliche und drei südliche, insgesamt neun Türme vorhanden.

Das Konventshaus

Die Entstehungszeit des Konventshauses und des Danzkers lässt sich nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Das Konventshaus muss früher gebaut worden sein als die Herrenfirmarie, da diese in ihrem Grundriss und ihrer Gestaltung auf das Konventshaus Rücksicht nimmt. Die Grundmauern des Westflügels hat man vielleicht bei dem Neubau teilweise wieder benutzt. Die Fundamente der drei anderen Flügel, soweit sie unter dem jetzigen Hofpflaster lagen, konnten bei der Grabung 1926/1927 freigelegt werden. Wenn man annimmt, dass der alte Schlossbrunnen, der erhalten war, sich etwa in der Hofmitte des Konventshauses befunden hat, ergeben sich für dieses folgende Abmessungen: Hof 22,85 × 29 Meter, Außenmaße des vierflügeligen Hauses 47,5 × 58 Meter. Nord- und Südflügel stießen bis zur Ostmauer durch, so dass der Ostflügel zwischen die beiden anderen Flügel geschaltet war.