Die Northrop F-5 Freedom Fighter und die daraus entwickelte F-5E Tiger II sind ab den 1950er Jahren von Northrop in den Vereinigten Staaten entwickelte und gebaute zweistrahlige Jagdflugzeuge. Sie finden bis heute weltweite Verwendung, unter anderem bei den Kunstflug-Staffeln Patrouille Suisse und Turkish Stars.

Geschichte Northrop untersuchte ab 1950 in zahlreichen Studien innovative Konstruktionsmöglichkeiten und Vermarktungssaussichten für ein Leichtbaujagdflugzeug, das vor allem von kleineren mit den USA verbündeten Staaten in Asien und Europa eingesetzt werden sollte. Treibende Kraft bei Northrop war der neue Vizepräsident des Unternehmens, Edgar Schmued, der bereits für die Konstruktion der North American P-51 Mustang verantwortlich gewesen war. Die Studien unterteilten die Kosten in die Bereiche Forschung und Entwicklung, Beschaffung und Betriebskosten, wobei Northrop zeigen konnte, dass letztere den größten Anteil darstellten. Es sollten daher vor allem die zu den Betriebskosten proportionale Größe des Flugzeugs, sein Gewicht und die Systemkomplexität verringert werden.

Als erster Entwurf wurde die N-102 Fang konzipiert, bei dem aber schnell klar wurde, dass bei der Verwendung der damaligen Triebwerke mit einer Flugmasse zwischen 6800 und 8165 kg das Ziel eines leichten Jagdflugzeugs nicht erreicht werden konnte. Noch im Jahr 1954 wurde eine Attrappe der Fang hergestellt, die weiteren Arbeiten aber kurz danach eingestellt.

N-156T Die nächsten Konstruktionsarbeiten an einem Leichtbaujagdflugzeug begannen 1955 unter der Bezeichnung N-156. Die Gewichtsreduktion ergab sich dabei hauptsächlich durch die Verfügbarkeit des kleinen General-Electric-J85-Triebwerks. Das originale YJ85 besaß zwar keinen Nachbrenner und lieferte einen Schub von lediglich 9,34 kN, die Northrop-Planungen basierten jedoch auf einer von General Electric in Aussicht gestellten Nachbrenner-Version mit 17,3 kN Schub. Die N-156 durchlief einige stark voneinander abweichende Entwicklungsstufen. Im März 1955 machte die zweisitzige N-156TX Tally Ho den Anfang, bei der noch zwei Triebwerke in Unterflügelgondeln vorgesehen waren. Dann folgte die N-156NN im November 1955 als Marinejagdflugzeug, die ähnlich der Grumman F9F Panther ausgelegt war und auf Begleitträgern eingesetzt werden sollte. Für 1956 sind noch sechs nicht weiter verfolgte Entwürfe bekannt, bevor schließlich für Windkanaluntersuchungen die einsitzige N-156F und die zweisitzige N-156T als endgültige Konzepte gewählt wurden.

Die relativ geringe Höchstgeschwindigkeit des Entwurfs von Mach 1,5 lag unter der damaliger gegnerischer Jagdflugzeuge und trug wesentlich zum Widerstand gegen Northrops Konstruktion bei. Das Unternehmen verwies jedoch darauf, dass die Zelle zwar eine Erhöhung um 0,3 Mach verkraften könne, die Verbesserung der Zuverlässigkeit, Wartbarkeit und Betriebskosten aber im Vordergrund stünden. Northrop beschloss, sich zuerst auf die Zweisitzerversion zu konzentrieren, da man hier die besseren Vermarktungsmöglichkeiten sah. Die N-156T wurde deshalb so weit entwickelt, dass sie noch 1955 an dem USAF-Wettbewerb General Operational Requirement SS-240L für ein Überschall-Schulflugzeug als Lockheed T-33-Ersatz teilnehmen konnte. Im Juni 1956 beauftragte die US Air Force (USAF) den Bau von drei Prototypen unter der Bezeichnung YT-38. Der letzte war als statische Bruchzelle vorgesehen. Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Nachbrenner-Version des J85 führten zu Verzögerungen beim Erstflug der T-38. Schließlich fand dieser am 10. April 1959 mit dem lediglich 8,45 kN liefernden nachbrennerlosen YT85-1 statt.

mini|Griechische F-5A

N-156F Obwohl die N-156F theoretisch auch mit dem Pratt & Whitney J60 oder den Rolls-Royce-Triebwerken RB.145 oder RB.153 hätte ausgerüstet werden können, verwendete auch der Einsitzer das YT85-1. Die N-156F behielt die maximal mögliche Übereinstimmung mit der T-38, sodass die T-38-Attrappe kurzfristig in die Jägerausführung umgebaut werden konnte. Da diese weiterhin ein private-venture-Projekt war, versuchte Northrop die Änderungen so gering wie möglich zu halten. Die N-156F hatte aber größere Lufteinläufe, um später auch leistungsstärkere Triebwerke mit größerem Massenstrom einsetzen zu können, eine geänderte splitter-plate zum Abtrennen der rumpfnahen Grenzschicht im Lufteinlauf, sowie verlängerte LERX. Auch Vorflügel wurden eingeführt.

Das amerikanische Verteidigungsministerium bewilligte Northrop am 25. Februar 1958 im Rahmen des FX-Programms 32 Millionen US-Dollar zum Bau von drei Prototypen und einer Bruchzelle. In diesem Programm sollte ein counter-air-JagdflugzeugUnter dem counter-air-Einsatz verstand die USAF die primäre Aufgabe der Luftnahunterstützung und einen sekundären Einsatz als Abfangjäger (Ford: First Freedoms; S. 9) entwickelt werden, das an vom Military Assistance Program (MAP) begünstigte Staaten geliefert werden sollte. Das Flugzeug erhielt den Namen Freedom Fighter. Nach dem Roll-out am 31. Mai 1959 folgte am 30. Juli des gleichen Jahres der Erstflug, vier Monate nach der YT-38. Bereits beim Erstflug erreichte der Testpilot Lew Nelson Überschallgeschwindigkeit. Trotz ausgezeichneter Ergebnisse der mit zwei Prototypen durchgeführten Flugerprobung entschied die USAF im August 1960, dass für diese Klasse von Flugzeugen kein unmittelbarer Bedarf bestehe. Ohne diese USAF-Bestätigung sah Northrop keine Chance mehr, die N-156F noch vermarkten zu können. Das Programm wurde daraufhin abgebrochen und der dritte Prototyp nicht fertiggestellt.

F-5A mini|Niederländische F-5A mini|Südvietnamesische F-5C, 1971

Im Jahr 1962 erwachte das Interesse an N-156F erneut. Präsident John F. Kennedy kündigte an, „jeden Preis“ für die Erhaltung der Freiheit und den Sieg über den Kommunismus zahlen zu wollen. Hierzu gehörte auch die Bereitstellung von Finanzmitteln zur Beschaffung fortgeschrittener Jagdflugzeuge für die Verbündeten der USA. Die USAF blieb hinsichtlich der N-156F skeptisch, da sie Varianten der Lockheed F-104 Starfighter (F-104-17 bzw. F-104H) und der Vought F8U Crusader für diese Zwecke bevorzugte. Die US Army hingegen zeigte Interesse und lieh den Prototyp aus, den sie mit dem vollen Standardanstrich der Army versah und für ihr Beschaffungsprogramm eines Luftnahunterstützungs-Starrflügelflugzeugs in einem für die N-156F sehr erfolgreichen Vergleichsfliegen gegen die Fiat G.91 und Douglas A4D Skyhawk einsetzte.

Die USAF bestand jedoch auf ihrem Vorrecht, Jet-Flugzeuge zur Luftnahunterstützung bereitzustellen und übte dahingehend Druck auf die Army aus, die den Vergleichswettbewerb daraufhin einstellte. Während die Army damit weiterhin Hubschrauber in dieser Rolle einsetzte, war das Interesse der USAF an der N-156F aufs Neue geweckt. Am 23. April 1962 bestätigte der Verteidigungsminister offiziell, dass die N-156F die Anforderungen des FX-Programms erfüllte; am 9. August 1962 erhielt das Flugzeug die USAF-Bezeichnung F-5. Die drei Prototypen erhielten rückwirkend die Bezeichnungen YF-5A, während die Bruchzelle ungewöhnlicherweise mit XF-5A ebenfalls eine USAF-Bezeichnung erhielt. Im Oktober 1962 wurde ein Auftrag über 20 Millionen US-Dollar zum Produktionsstart erteilt. Zwischen den einsitzigen F-5A und zweisitzigen F-5B sollte ein Stückzahlverhältnis von 9:1 eingehalten werden.

Die bisher nicht verwendete XF-5A wurde als erstes neues Flugzeug in der Serienkonfiguration mit zwei J85-GE-13 mit je 18,15 kN fertiggestellt. Die bisherige USAF-Seriennummer 59-4993 der eigentlich als Bruchzelle vorgesehenen Maschine wurde in 63-8367 geändert.John M. Andrade: U.S. Military Aircraft Designations and Serials. Midland Counties Publications, 1979, S. 114. Die wichtigste Verbesserung dieser ersten F-5A war die verstärkte Tragfläche, die nun zwei weitere Außenlaststationen aufwies und deren Gesamtzahl damit auf sieben, einschließlich der Tragflächenspitzen, erhöhte. Die beiden N-156F-Prototypen wurden auf den gleichen Standard gebracht. Während der Erprobung folgte am 27. August 1963 ein zweiter Auftrag, der die Gesamtzahl – einschließlich der Doppelsitzertrainer – auf 170 Flugzeuge brachte. Zwischen Februar und Oktober 1964 wurden erstmals Rohrwaffen in Form von zwei 20-mm-Kanonen Colt-Browning M39 im oberen Teil des Rumpfbugs eingebaut und erprobt.

Der erste Abnehmer der F-5A war Norwegen, das seine Beschaffung von 64 Flugzeugen im Februar 1964 ankündigte. Diese F-5A(G) erhielten zusätzlich eine beheizbare Frontscheibe, einen Landehaken und Vorrichtungen für JATO-Starts. Von der USAF wurden die ersten F-5A im Januar 1964 noch ohne Kanonenbewaffnung übernommen und ab August 1964 bei der 4441st Combat Crew Training School (CCTS) auf der Williams Air Force Base eingesetzt.

Zu den weiteren Staaten, die diese neuen Jäger erhielten, gehörte Südvietnam. Dort stellte die F-5A ihre Effektivität an der Grenze zu Nordvietnam unter Beweis (von 1965 bis 1967 teilweise mit USAF-Markierungen im sogenannten Skoshi-Tiger-Projekt). Während der Kämpfe in Vietnam erhielt der Freedom Fighter dann auch seinen Spitznamen Tiger. Nachdem 1975 in der Schlacht von Xuan Loc der Flugplatz von Biên Hòa überrannt worden war, übernahmen nordvietnamesische Piloten die Maschinen und setzten sie gegen die südvietnamesischen Armee ein. Weitere Exemplare erhielt die Demokratische Republik Vietnam später aus Thailand zurück, wohin zahlreiche südvietnamesische Piloten mit ihren Flugzeugen flüchteten.

F-5B Die zweisitzige F-5B verband das Tandemcockpit der T-38 mit der Zelle der F-5A, wobei auch deren Außenlaststationen, die LERX und die größeren Lufteinläufe, beibehalten wurden. Die Maschinenkanonen wurden jedoch nicht übernommen. Der Prototyp führte seinen Erstflug am 24. Februar 1964 durch. Die ersten fünf F-5B wurden im April 1964 von der 4441st CCTS übernommen und dort im August mit sieben F-5A ergänzt. Obwohl sie von der USAF betrieben wurde, diente die CCTS nur zur Schulung von Piloten und Bodenmannschaften von Kundenländern. Im März 1965 konnte der erste Schulungskurs mit Piloten aus Iran und Südkorea abgeschlossen werden. Die Flugzeuge der 4441st CCTS trugen zwar USAF-Markierungen, sie gehörten aber tatsächlich den jeweiligen MAP-Staaten.

Die F-5B unterscheidet sich in den folgenden Punkten von der T-38:

Flügelpylone für Waffen Sidewinder-Pylone an den Flügelspitzen fest montierter Centerlinepylon IFF LERX (Leading-Edge Root Extensions) – Verlängerung der Flügelvorderkante zwischen Flügelwurzel und Triebwerkseinlässen Bremsschirm verstärktes Fahrgestell die meisten Exemplare besitzen einen Fanghaken

Variantenübersicht XF-5A Statische Bruchzelle, die ungewöhnlicherweise sowohl eine USAF-Bezeichnung als auch eine Seriennummer erhielt. YF-5A Rückwirkende Bezeichnung für die drei N-156F-Prototypen F-5A Produktion für das MAP-Programm CF-5A Von Canadair (Werksbezeichnung CL-219) für die kanadischen Luftstreitkräfte gebaute F-5A. Mit kanadischem Orenda-Triebwerk mit 150 kp mehr Schub, starre Luftbetankungssonde rechts. NF-5A von Canadair für die niederländischen Luftstreitkräfte gebaut. Mit neuem Radar, Moving Map, größeren Abwurftanks, rechnergesteuerten Slats und Flaps für bessere Manövrierfähigkeit. RF-5A Foto-Aufklärungsversion der F-5A mit modifiziertem Rumpfbug. Beschränkt kampftauglich mit vier Bugkameras ausgerüstet. Nur eine Bordkanone, kein Radar. SF-5A Von CASA für die spanischen Luftstreitkräfte gebaut. Spanische Bezeichnung C9 VF-5A Inoffizielle Bezeichnung der venezolanischen F-5A F-5B Rückwirkende Bezeichnung für die N-156B. Zweisitzige Einsatztrainerversion. Produktion im Rahmen des MAP-Programms NF-5B Von Canadair für die Niederlande gebaut. Mit neuem Radar, Moving Map, größeren Abwurftanks, rechnergesteuerten Slats und Flaps für bessere Manövrierfähigkeit. SF-5B Von CASA für die spanischen Luftstreitkräfte gebaut. Spanische Bezeichnung CE9 VF-5B Inoffizielle Bezeichnung der venezolanischen F-5B F-5C