mini|Lage der heutigen Salzachbrücken in Salzburg (Stand 2010) Die Brücken Salzburgs überspannen die Salzach und verbinden die Stadtteile auf beiden Uferseiten miteinander. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet von Salzburg 13 Brücken oder Stege über den Fluss, die als eigenständige Bauwerke errichtet wurden. Zudem können Fußgänger und Radfahrer separiert an der Eisenbahnbrücke zwischen den Gleisen, am nördlichen Stadtrand unter der Autobahnbrücke und auf dem Wehr des Kraftwerks Lehen das Salzachufer wechseln.
An beiden Salzachufern verläuft ein durchgehender Radweg, der alle städtischen Straßenbrücken unterquert.
Die Salzachbrücke im römischen Juvavum Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gab es bereits zur Römerzeit in der damaligen Stadt Juvavum eine Brücke über die Salzach, die die Baulichkeiten rechts und links des Flusses miteinander verband und gleichzeitig Teile des römischen Fernwegenetzes war. Eine bloße Furt durch die Salzach in Juvavum wäre allein deshalb nicht vorstellbar, weil der Fluss hier während eines Großteils des Jahres eine deutlich zu hohe Fließgeschwindigkeit aufweist.
Die Brücke im Mittelalter Der ersten Nachweis einer mittelalterlichen Salzachbrücke in Salzburg stammt aus der Zeit des Erzbischofs Konrad von Abenberg (1111), als der unbotmäßige erzbischöfliche Güterverwalter während seiner nächtlich-heimlichen Flucht auf der Salzachbrücke gefasst und danach zur Strafe geblendet wurde. Die erste Salzburger Salzachbrücke ist aber sicher erheblich älter. Die Straßenverbindung nach dem damaligen Österreich war auch im frühen Salzburg sehr wichtig und machte daher eine Brücke unbedingt erforderlich. Spätestens seit dem frühen 12. Jahrhundert wurde auf der Salzburger Stadtbrücke ein Brückenzoll eingehoben, 1120 ist dabei ein Brückenmautner urkundlich erwähnt. Rudolf von Habsburg bestätigte 1277 erneut das Recht des Erzbischofs auf Einhebung der Brückenmaut. Das Mautrecht wurde vom Erzbischof damals in der Regel an Lehensträger vergeben. Unter diesen Lehensträgern waren zeitweise die Herren (ministeriale Adelige) von Radeck und Unzing (heutiger Stadtteil Itzling). Die Mauteinnehmer übergaben dafür dem Erzbischof einen jährlichen Pauschalbetrag. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Mautrecht dann regelmäßig an den Salzburger Stadtrichter vergeben, um so die Kontrolle über die Brücke und ihre jeweilige Benützung besser ausüben zu können. Seit etwa 1350 mussten die Bürger der Stadt dabei für ihre eigenen Waren keinen Brückenzoll mehr bezahlen. Die Brückenmaut wurde zuerst beim Schlagtor in der Mitte der Brücke eingehoben, zwischen 1486 und 1496 übersiedelte diese Mautstelle dann ins Rathaus. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Brückenmaut nicht mehr verpachtet, sondern direkt von der Landesverwaltung eingehoben.
Im späten 14. Jahrhundert waren als „Brückenherren“ Bürgerspital, Abt von St. Peter, Stadtgemeinde, Domkapitel, Berchtesgadener Propst und Äbtissin des Stiftes Nonnberg, für je ein Brückenjoch sowie der Erzbischof für zwei Joche zuständig. Im 16. Jahrhundert besaß die Brücke dabei sieben Joche. Dies zeigen erhaltene Bilder aus den Jahren 1598 und 1565. Im 16. Jahrhundert waren die Aufgaben der einzelnen Brückenherren folgendermaßen geregelt:
altstadtseitiger Brückenkopf Bürgerspital erstes Brückenjoch Bürgerspital zweites Brückenjoch Fürsterzbischof drittes Brückenjoch Abt des Stiftes St. Peter viertes Brückenjoch Stadtgemeinde fünftes Brückenjoch Domkapitel sechstes Brückenjoch Fürsterzbischof siebentes Brückenjoch Fürstpropst von Berchtesgaden neustadtseitiger Brückenkopf Äbtissin des Stiftes Nonnberg
In der Zeit des zunehmenden Absolutismus der Landesherren vor 1600 wurden auch die Arbeiten der Brückenerhaltung zunehmend vom Landesherren übernommen, die nominelle Verpflichtung der früheren Brückenherren blieb allerdings formell noch lange Zeit weiter aufrecht.
Die Salzachbrücke in der frühen Neuzeit mini|Salzburg 1572 mit der auch damals einzigen Brücke
Im Mittelalter hatten sich auf der Brücke verschiedene Verkaufsläden, vor allem aber Fleischbänke befunden. Nach dem Hochwasser 1573 übersiedelten viele diese Stände an den Gries, um dann 1608 endgültig dort zu verbleiben.
mini|Salzburg um 1830 mit der damaligen Stadtbrücke ohne Dach - an Stelle der heutigen Staatsbrücke
Als 1598 bei einem Hochwasser die Brücke erneut schwer beschädigt worden war, entschloss sich Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zu einem Neubau und verfasste dabei selbst ein Traktat über den Brückenbau. Der Halleiner Brückenmeister Hieronymus Stubhainz errichtete nun eine Brücke mit nur vier Jochen. Die Brücke wechselte dabei ihren Standort vom Klampferergässchen neben das Rathaus. Kurzzeitig gab es dabei zwei Brücken nebeneinander. Zur Verwirklichung der neuen Brückenanbindung wurde auf dem späteren Platzl am Beginn der Linzer Gasse das alte Lasserhaus abgerissen, das Amtshaus verlegt und der Fischmarkt abgesiedelt. Die seit 1573 zur Entlastung der alten Brücke auf dem Gries angesiedelten Fleischbänke durften vorübergehend wieder auf die neue Brücke, bis sich herausstellte, dass die geringe Zahl der Joche neue Schwachstellen offenlegte. Daher wurden 1607 die Fleischerbänke endgültig abgesiedelt. Schon 1608 musste die Brücke ganz aufgegeben werden und einer neuen Behelfsbrücke weichen. Nun wollte Wolf Dietrich, wohl durch Anregungen von Vicenzo Scamozzi, eine wirklich stabile Steinbrücke errichten. Die erste Fundierung der neuen Joche erfolgte dabei mangelhaft und musste erneuert werden. 1610 standen dann der Brückenkopf und zwei Joche. Der Bau kam durch den Sturz Wolf Dietrichs allerdings nicht mehr zum Abschluss. Markus Sittikus ließ diesen Bau aus Kostengründen einstellen und vorübergehend abbrechen. 1620 war die neue Holzbrücke endlich fertiggestellt, die bis zum Hochwasser des Jahres 1663 standhielt.
Die darauf neu errichtete Brücke hielt bis zum Jahr 1787, als das mittlere Joch in der Hochwasserflut versank. Kurz nach 1788 wurde das Dach der Brücke (wohl bereits vermorscht) abgetragen, das der Brücke ein angeblich düsteres Erscheinungsbild gegeben hatte. Die Brücke war in der Folge nicht nur Fahrweg, sondern zunehmend auch ein romantisch verklärter gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt, der eine gute Aussicht auf die alte Stadt Salzburg und ihre Umgebung bot. Sie wurde in den späten Abendstunden nun durch fünf Laternen beleuchtet. Das Rauchen und die Verwendung von Holzfackeln auf der Holzbrücke waren streng verboten. Zwei Schildwachen sorgten für Ordnung. Noch nach 1900 scheint die damalige „ärarische Staatsbrücke“ als allseits beliebter Tummelplatz auf.
Die einzelnen Salzachbrücken und ihre Vergangenheit
Hellbrunner Brücke (Sigmund-Thun-Brücke)
Die Brücke befindet sich südlich der Alpensiedlung am Stadtrand von Salzburg und ist vor allem für den lokalen Verkehr von Bedeutung. Als Teil der nur 1,2 km langen Hellbrunner Landesstraße (L106) stellt sie eine wichtige Verbindung zwischen dem Südende der Alpenstraße und Glasenbach (in der Gemeinde Elsbethen) sowie in weiterer Folge mit dem Salzburger Stadtteil Aigen dar.
mini|Hellbrunner Brücke In Verlängerung des Fürstenweges wurde 1878 an Stelle einer früheren Schiffsfähre eine 101 m lange und 6 m breite provisorische Holzbrücke errichtet. Diese war jene Notbrücke, die nach Vollendung der Hauptbrücke (heute Staatsbrücke) dort nicht mehr benötigt wurde und hier ein zweites Mal genutzt wurde. Mit dieser Brücke sollten die beiden wichtigen Salzburger Fremdenverkehrsattraktionen in Aigen und in Hellbrunn auch für Pferdegespanne und Fuhrwerke miteinander verbunden werden. Maßgeblich gefördert wurde das Bauwerk von den damals noch eigenständigen Gemeinden Morzg, Anif und Aigen. Die Notbrücke wurde 1881 auf Antrag dieser Gemeinden vom Land Salzburg provisorisch übernommen. Die eigentliche Hauptbrücke wurde 1887 – maßgeblich unterstützt von Viktor Ludwig im Auftrag des Landes Salzburg – erbaut und am 16. Februar 1888 als mautpflichtige Brücke, nach Sigmund Graf Thun-Hohenstein als „Sigmund-Thun-Brücke“ eröffnet. Bereits bei den Hochwässern 1897 und 1899 schwer beschädigt, wurden beim neuerlichen Hochwasser 1920 große Teile der Brücke weggerissen. Der Bau konnte wenige Jahre später zwar wieder notdürftig instand gesetzt werden, blieb aber Provisorium. Am 1. März 1945 wurde vom Pionier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon, das im nahen Lager an der Alpenstraße untergebracht war, eine neuerliche Behelfsbrücke, ausgeführt als Holzbrücke mit Eisenträgern errichtet, die am 13. August 1959 wenige Stunden vor dem Einsturz der Autobahnbrücke vom Hochwasser der Salzach weggerissen wurde. Sie wurde 1960 zwar in der alten Gestalt neu errichtet, erfüllte die Anforderungen an den zunehmenden Verkehr aber längst nicht mehr. 1968 entstand schließlich an der heutigen Stelle die neue Hellbrunner Brücke, die auch die Bahnlinie überspannt und somit die früheren langen Wartezeiten vor geschlossenem Bahnschranken vermeidet. Das Verkehrsbauwerk wurde am 29. Oktober 1971 eröffnet.
Wilhelm-Kaufmann-Steg mini|Wilhelm-Kaufmann-Steg
Am 22. Juli 2011 wurde eine weitere Überquerung über die Salzach eröffnet.„Wilhelm-Kaufmann-Steg eröffnet“, salzburg.orf.at, 22. Juli 2011, abgerufen am 19. Juni 2023 Die Fußgänger- und Fahrradbrücke verbindet die Stadtteile Aigen und Josefiau.
Der Steg wurde unter anderem in Hinblick auf die leichte Zugänglichkeit des gegenüberliegenden Stadtteils für Schüler errichtet. Auch spielte der Gedanke der Entlastung des Kraftfahrverkehrs eine Rolle, da mit der neuen Überquerung ein Umweg über die Hellbrunner Brücke entfällt. Der Wilhelm-Kaufmann-Steg ist auch für Einsatzfahrzeuge passierbar.
Noch während der Bauphase lautete die Bezeichnung des Bauwerks „Salzachsteg Süd“. Bei der offiziellen Namensgebung wurde anfänglich auch daran gedacht, den Steg nach einer bekannten weiblichen Salzburger Persönlichkeit zu benennen, letztlich entschied man sich doch für den Maler Wilhelm Kaufmann, der sich zu Lebzeiten unter anderem für die Erhaltung der Salzburger Stadtlandschaften einsetzte.
Überfuhrsteg mini|links|Überfuhrsteg
Diese Brücke für Fußgänger und Radfahrer wurde 1980 errichtet und verbindet wie der Wilhelm-Kaufmann-Steg die Josefiau mit Aigen.
An der Stelle der heutigen Brücke wurde in den Jahren zwischen 1830 und 1860 ein regelmäßiger Schiffsfährbetrieb („Überfuhr“) eröffnet. 1889 kostete eine Überfahrt 3 Kreuzer (Gruppentarif) bzw. 4 Kreuzer (Einzelfahrt) pro Person. Die Fähre wurde nach 1945 als Seilfähre von den Verkehrsbetrieben der Stadtwerke übernommen, die im Jahr 1949 über 100.000 Fahrgäste beförderte. 1952 wurde sie mit ihren stark rückläufigen Beförderungszahlen an Franz und Therese Lindinger verpachtet und 1965 eingestellt. Die heutige, im Volksmund auch als Josefiausteg bezeichnete Brücke wurde am 20. Dezember 1980 eröffnet; sie dient außerdem als Verbindung für verschiedene Versorgungsleitungen.
Im Jahr 2013 wurde der Überfuhrsteg einer Generalsanierung unterzogen.
Karolinenbrücke (Nonntaler Brücke) mini|Karolinenbrücke
Die Karolinenbrücke trägt zusammen mit der Staatsbrücke und der Lehener Brücke die Hauptlast des städtischen Verkehrs. Sie liegt am südlichen Ende der Salzburger Altstadt und verbindet das Innere Nonntal und den Beginn der Alpenstraße auf der linken mit dem Äußeren Stein auf der rechten Salzachseite. Der Name „Nonntaler Brücke“ ist im Volksmund ebenso geläufig wie die frühere Benennung nach Karoline Auguste von Bayern, der Witwe des österreichischen Kaisers Franz I.