mini|Wolfgang Amadeus Mozart an Leopold Mozart, Wien 17. März 1781, Seite 4 (Adresse) Die Korrespondenz von Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Familie stellt eines „der faszinierendsten Briefcorpora der Musikgeschichte“ dar,Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 7. eine „im musikgeschichtlichen Kontext des 18. Jahrhunderts beispiellos[e]“Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 118. Sammlung biographischer, zeit- und sprachgeschichtlicher Dokumente. „Keine Musiker-Briefschaften vor diesen und nur wenige parallel zu ihnen enthalten einen vergleichbaren Reichtum an Mitteilungen über die handelnden Personen, ihre Empfindungen, ihre musikalischen Ansichten und die Umstände ihres Alltags. […] Ohne diese Briefe und Aufzeichnungen wüßten wir so gut wie nichts, jedenfalls kaum etwas Zusammenhängendes“ über diesen weltberühmten Komponisten, „sein Leben und seine schöpferische Tätigkeit“. (Ulrich Konrad).Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41. „Mozart partizipierte […] an der Briefkultur seines Jahrhunderts, aber auf eine uneigentliche und eigenwillige Weise, die Zuordnungen nicht einfach macht.“ (Laurenz Lütteken).

Geschichte der Briefsammlung Die Existenz der umfassenden Briefsammlung ist mehreren Familienmitgliedern zu verdanken: zuerst Mozarts Vater Leopold Mozart, der einen großen Teil der Dokumente gerade auch aus der Feder seines Sohnes gewissenhaft aufbewahrte,Laurenz Lütteken: Mozart. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2018, ISBN 978-3-406-71171-8, S. 119. und dann Mozarts Witwe Constanze und seiner Schwester Maria Anna („Nannerl“) Mozart.Anja Morgenstern: Das Verhältnis zwischen den Schwägerinnen Constanze und Maria Anna Mozart. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Wien 2019, S. 92–97. Maria Anna Mozart stellte ihrer Schwägerin und ihrem Schwager Georg Nikolaus Nissen kurz nach deren Übersiedlung nach Salzburg im Jahr 1824 „400 Briefe der bis dahin sorgsam aufbewahrten Familienkorrespondenz“, zahlreiche Dokumente aus Mozarts Jugendzeit, Reiseaufzeichnungen „sowie die 130 Privatbriefe des Vaters an sie nach St. Gilgen zur Verfügung.“Anja Morgenstern: Das Verhältnis zwischen den Schwägerinnen Constanze und Maria Anna Mozart. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Wien 2019, S. 97. Schon Nissen hat in seiner 1828 posthum erschienenen Mozart-BiographieGeorg Nikolaus von Nissen: Biographie W. A. Mozarts. Nach Originalbriefen, Sammlungen alles über ihn Geschriebenen; mit vielen neuen Beylagen, Steindrücken, Musikblättern und einem Facsimile. Leipzig 1828. „ganz wesentlich aus den Familienbriefen geschöpft und diese in extenso abgedruckt“.Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41.

Nachdem bereits 1914, herausgegeben von Ludwig Schiedermair, und 1942, herausgegeben von Erich Hermann Müller von Asow, umfassende Briefsammlungen publiziert worden waren, erschien mit der zwischen 1961 und 1975 von der der Internationalen Stiftung Mozarteum veröffentlichten, im Bärenreiter-Verlag publizierten GesamtausgabeWilhelm A. Bauer, Otto Erich Deutsch (Hrsg.): Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Gesamtausgabe in 7 Bänden. ... erläutert von Joseph Heinz Eibl. Herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg. Bärenreiter, Kassel u. a. 1962 ff., ISBN 3-7618-1749-5. erstmals eine „wissenschaftlich fundierte [vollständige] Edition dieses Materials“. Die vier Textbände wurden von Otto Erich Deutsch und Wilhelm A. Bauer (1888–1968) herausgegeben, im wissenschaftlichen Sprachgebrauch hat sich die Zitierform „Bauer/Deutsch“ durchgesetzt,Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41–42. während die textkritischen Kommentare in drei Bänden und das Register im Wesentlichen von dem Bankkaufmann, Juristen und Mozart-Forscher Joseph Heinz Eibl (1905–1982) erarbeitet wurden.Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 41. 2005 erschien ein schmaler 8. Band mit einer Einführung und Ergänzungen, herausgegeben von Ulrich Konrad. Auch verschollene Briefe, deren Existenz sich aus den erhaltenen Dokumenten erschließen lässt, sind in der Edition nachgewiesen.Ulrich Konrad in: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen. Bd. VIII. Einführung und Ergänzungen. dtv, München 2005, ISBN 3-423-59076-9, S. 43. Die neben den Briefen enthaltenen Aufzeichnungen umfassen „Tagebucheintragungen, Reisenotizen, Werkverzeichnisse, Stammbucheintragungen, literarische Arbeiten, Empfehlungsschreiben, Rechnungen und anderes mehr“. Ein großer Teil der Briefe liegt inzwischen auch in elektronischer Form unter dem Titel Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition, herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg, vor.Mozart Briefe und Dokumente – Online-Edition. Herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg. Sie wird ständig, auch über den Bestand der Ausgabe von Bauer/Deutsch und Eibl hinaus, erweitert.

Inhalt der Sammlung Die Familien-Korrespondenz aus der Lebenszeit Wolfgang Amadeus Mozarts lässt sich in mehrere Abteilungen untergliedern: Reiseberichte Leopold Mozarts an seinen Freund und Hausherrn Lorenz Hagenauer (1712–1792) aus dem Zeitraum 1762–1771. Reisebriefe von Leopold und Wolfgang Amadé Mozart während ihrer Italienreisen von Dezember 1769 bis Dezember 1772 und der Reise nach Wien 1773 sowie Familienbriefe aus München an die daheimgebliebene Mutter aus der Zeit der Uraufführung von La finta giardiniera im Winter 1774/1775. Antwortbriefe der Adressatin(nen) sind nicht erhalten. Briefe aus der Zeit der großen Reise Mozarts mit seiner Mutter Anna Maria Mozart nach München, Augsburg, Mannheim und Paris. Dieser Teil der Korrespondenz umfasst Schriftstücke aller Familienmitglieder. Die „Bäsle-Briefe“ Mozarts an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart. Die Briefe der Adressatin sind nicht überliefert. Austausch zwischen Wolfgang Amadé Mozart in München und seinem Vater in Salzburg während der Zeit der Entstehung der Oper Idomeneo, November 1780 bis Februar 1781. Zahlreiche Schreiben beider Briefpartner sind erhalten. Briefe Mozarts aus der Wiener Zeit von März 1781 bis April 1787 an seinen Vater Leopold und gelegentlich an seine Schwester Maria Anna („Nannerl“) Mozart. Alle Briefe Leopolds an seinen Sohn aus dieser Zeit sind verschollen, ebenso dessen Briefe aus dem Zeitraum Juli 1784 bis März 1787. Briefe Leopold Mozarts an seine Tochter Maria Anna nach ihrer Vermählung mit Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg aus dem Zeitraum August 1784 bis Mai 1787. Die Briefe Maria Annas sind verschollen. Briefe Mozarts an Johann Michael Puchberg mit der Bitte um finanzielle Unterstützung (sogenannte „Bettelbriefe“) aus den Jahren 1788 bis 1791. Briefe Mozarts an seine Frau, darunter wenige Schriftstücke aus der Zeit vor ihrer Vermählung, im übrigen Reisebriefe und Briefe an Constanze während ihrer Kuraufenthalte in Baden bei Wien aus den Jahren 1789 bis 1791. Von Constanze sind nur wenige Briefe beziehungsweise Postscripta an Maria Anna und Leopold Mozart aus den Jahren 1782 und 1783 überliefert. Ihre späteren Ehebriefe sind verschollen. Hinzu kommen einzelne Briefe und Briefnachschriften von anderen und an andere Korrespondenten, z. B. Franz Fridolin Weber,Brief Wolfgang Amadé Mozarts vom 29. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 469) Joseph Bullinger, Friedrich Melchior Grimm,Friedrich Melchior Grimm an Leopold Mozart, 21. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 427). Johann Baptist Becké (1743–1817), die Baronin Martha Elisabeth von Waldstätten (1744–1811), Maria Margarethe Marchand oder Gottfried von Jacquin (1767–1792). Darüber hinaus umfasst die von Bauer und Deutsch herausgegebene Sammlung zahlreiche Briefe Leopold Mozarts an den Augsburger Musikverleger Johann Jakob Lotter (1726–1824) aus den Jahren 1755 bis 1763 sowie Schriftstücke aus der Zeit nach Mozarts Tod von seiner Witwe und deren späteren Ehemann Georg Nikolaus Nissen, von seiner Schwester Maria Anna sowie seinen Söhnen Carl Thomas Mozart und Franz Xaver Wolfgang Mozart im Austausch mit verschiedenen Korrespondenten, darunter den Verlegern Breitkopf & Härtel und Johann Anton André.

Postverkehr Die Mozarts ließen sich ihre Briefwechsel einiges kosten, die Postgebühren waren hoch und des Öfteren Thema. „Ob franko bezahlt wurde (vom Absender), porto (vom Empfänger) oder halb frankiert (hälftig von beiden), war auszuhandeln.“Bruno Preisendörfer: Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit. Galiani Berlin, Köln 2015, ISBN 978-3-86971-110-2, S. 66. In Mannheim war offenbar die Variante „halb-frankiert“ üblich, denn Mozarts Mutter schrieb im Dezember 1777 an ihren Mann: „wür müssen für ieden brief, den wür bekommen, und den wür auf geben, 12 X bezahlen, und wenn er gros ist 18 X wür haben weill wür hier sind schon über 6 f Postgeld bezahlt“.Anna Maria Mozart an ihren Mann, 18. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 393), Zeile 6–8. Nach dem knapp zweimonatigen Aufenthalt von Mutter und Sohn waren das grob geschätzt etwa anderthalb Prozent von Leopold Mozarts Jahresgehalt. Gelegentlich wurden „Einschlüsse“ oder „Beischlüsse“ von und an andere(n) Personen mitgeschickt.Vergleiche z. B. Leopold Mozarts Brief an Lorenz Hagenauer, 20. April 1768 (Bauer/Deutsch Nr. 129), Zeile 5. Es gab bestimmte Posttage, an denen Briefe ankamen und abgingen, meistens zweimal in der Woche.Vergleiche Leopold Mozarts Brief an seinen Sohn, 27. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 380), Zeile 9–10. Original mit Unterstreichungen. Nachdem zwischen Salzburg und Mannheim zunächst in der Regel an jedem dieser Posttage jeweils ein Brief auf den Weg geschickt worden war, einigte sich die Familie am Ende des Jahres 1777 darauf, nur noch alle 8 Tage zu schreiben, wenn nichts Besonders mitzuteilen war.Siehe Leopold Mozarts Brief an Anna Maria und Wolfgang Amadé Mozart, 29. Dezember 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 399), Zeile 37–41. Auch die Transportdauer war lang. Zwischen Salzburg und Mannheim waren Briefe etwa 5 bis 7 Tage unterwegs,Vergleiche Brief Leopold Mozarts an seinen Sohn, 27. November 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 380), Zeile 4–8. Original mit Unterstreichungen. zwischen Neapel und Salzburg rund 14 Tage,Leopold Mozart an seine Frau, 29. Mai 1770 (Bauer/Deutsch Nr. 188), Zeile 7–8. und zwischen Salzburg und Paris etwa 9 bis 10 Tage.Siehe Brief Leopold Mozarts an Anna Maria und Wolfgang Amadé Mozart, 12./20. April 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 446), Zeile 109–110 und Brief Leopold Mozarts an Anna Maria und Wolfgang Amadé Mozart, 12./13. Juli 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 464), Zeile 39–40. Original mit Unterstreichung. Mozarts Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Bei geringeren Entfernungen waren die Zustellzeiten kürzer, und es gab eventuell andere Verkehrswege. Der intensive Brief- und Warenverkehr zwischen Leopold Mozart in Salzburg und seiner Tochter in St. Gilgen nach deren Heirat erfolgte zumeist durch eine Glasträgerin, „die Produkte aus einer bei St. Gilgen gelegenen Glashütte nach Salzburg lieferte und dabei private Sendungen mitnahm“.Eva Rieger: Nannerl Mozart. 2. Auflage. Frankfurt am Main, 1991, S. 202. Während der Kuraufenthalte von Constanze in Baden bei Wien schrieben Mozart und seine Frau sich täglich; die Briefe erreichten in der Regel schon am nächsten Tag das Ziel.Volkmar Braunbehrens: Mozart in Wien. Piper, München/Zürich 1986, ISBN 3-492-02995-7, S. 403. Vergleiche etwa auch Wolfgang Amadé Mozarts Brief an seine Frau, 7. Juni 1791 (Bauer/Deutsch Nr. 1159), Zeile 6, wo er sich auf einen Brief von ihr vom Vortag bezieht.

Öffentlichkeit und Privatheit