mini|Orgelpfeifen auf einer Windlade (Kegellade) mini|Klassifikation verschiedener Windladentypen Die Windlade ist eines der zentralen technischen Bauteile einer Orgel oder eines orgelähnlichen Instruments. Entsprechend dem Spiel des Organisten in Tonhöhe, Tondauer und Klangfarbe (durch die Wahl entsprechender Register) steuert die Windlade die Luftzufuhr aus dem Windwerk zu den Orgelpfeifen.
Bei Windladen haben sich seit dem Mittelalter bis heute unterschiedliche Bauformen – mit Untervarianten – herausgebildet, die sich nach Art und Systematik der Ventiltechnik unterscheiden lassen.
Kleine Orgeln kommen mit einer einzigen Windlade aus, größere weisen mindestens eine Lade je Manual- und Pedalwerk auf. Die Gruppierung der Pfeifen zur Prospektgestaltung kann weitere Aufteilungen in Einzelladen erforderlich machen. Bis zum ausgehenden Mittelalter waren Instrumente mit einer einfachen Form der Windlade versehen, nämlich mit einem oder mehreren Blockwerken. Instrumente dieses Typs werden Blockwerksorgeln genannt.
Bauformen Es lassen sich drei Grundtypen unterscheiden: Tonkanzellenlade – Alle Pfeifen einer Tonhöhe stehen auf einer gemeinsamen Tonkanzelle. Registerkanzellenlade – Alle Pfeifen eines Registers stehen auf einer gemeinsamen Registerkanzelle. Kastenlade – Alle Pfeifen stehen direkt auf dem Windkasten.
Tonkanzellenlade Bei der Tonkanzellenlade teilen sich alle Pfeifen, die beim Drücken einer Taste erklingen können, eine Kammer, die sogenannte Tonkanzelle, und somit auch ein Spielventil.
Schleiflade Allgemein mini|450px|Aufbau einer Schleiflade mini|450px|Schleiflade mit gedrückter Taste mini|250px|Querschnitt einer Schleiflade (Modell) mini|250px|Schleiflade Tonventile
Die Schleiflade hat ihren Namen durch die Art der Registersteuerung. Lange Holzleisten, Schleifen genannt, besitzen für jede Pfeife ein Loch. Unter den Schleifen befindet sich das Fundamentbrett der Windlade, ebenfalls mit Löchern in gleichem Abstand und gleicher Größe. Über jeder Schleife befinden sich die Pfeifenstöcke. Vom Prinzip her gleichen diese fast den Schleifen, auch die gleichen Löcher befinden sich prinzipiell in ihnen. Ebenso wie das Fundamentbrett sind sie aber unbeweglich. Ferner sind sie dicker und in der Länge oft in mehrere Stücke unterteilt. Auf die Stöcke sind mit meist etwa 15–20 cm Abstand die Rasterbretter mit Rundhölzern oder Gewindestangen aufgesteckt, diese haben alleine die Aufgabe, die hineingestellten Pfeifen zu stützen. Auf Grund der Dicke der Stöcke besteht die Möglichkeit, die Bohrungen zur Windführung bei Bedarf seitlich etwas zu verführen, falls größere Pfeifen auf dem ihnen eigentlich exakt zugewiesenen Standort nicht genügend Platz haben.
Die Stöcke liegen auf kleinen Holzleisten oder sogar nur einzelnen Holzstückchen (Dämmen) auf. Auf diese wird meist Papier oder Pappe aufgeklebt, um den Höhenabstand exakt so zu tarieren, dass die Schleifen einerseits leichtgängig bewegt werden können, andererseits aber auch luftdicht sind. Die Schleife ist über eine Mechanik mit dem Registerzug (oder bei elektrischen Registertrakturen mit dem Schleifenzugmotor oder -magnet) verbunden. Wird sie bewegt (also das Register ein- oder ausgeschaltet), sind ihre Löcher entweder in einer Flucht mit den Löchern von Fundamentbrett und Stöcken und das Register erklingt, oder die Schleife dichtet anderenfalls die Löcher des Fundamentbretts eines ausgeschalteten Registers winddicht ab. Schleifen werden meist aus Holz hergestellt, gelegentlich gibt es aber solche aus Kunststoff.
Besonders bei alten Orgeln läuft gelegentlich „Holz auf Holz“, die Schleifen sind weder oben noch unten abgedichtet. In der Regel werden aber verschiedenste Materialien (Schaumstoff, Latex, Fiberglasringe, Liegelind, Teleskophülsen) verbaut, um die Schleifen nach unten wie nach oben abzudichten.
Unterhalb des Fundamentbretts verlaufen im 90-Grad-Winkel die Kanzellen. Jede wird mit Wind versorgt, wenn das zugehörige Ventil geöffnet ist, also die zugehörige Taste gedrückt ist. Unterhalb der Kanzellen, genauer gesagt der Kanzellenbretter oder -schiede muss nicht in jedem Fall ein weiteres und massives Brett verarbeitet sein. Ebenso können im Ventilbereich die Zwischenräume zur Aufnahme der Ventilführungsstifte nur mit eingeleimten Holzstückchen verschlossen und der Bereich anschließend plangehobelt werden. Auch der vordere Bereich vor den Ventilen, der nicht mehr vom Windkasten umschlossen ist, muss nicht zwangsläufig mit einem Holzbrett verschlossen sein, besonders bei historischen Orgeln können auch andere Materialien wie Leder oder Papier benutzt worden sein. Besonders bei der Verwendung eines Holzbrettes kann die Winddichtigkeit der Kanzellen nur gewährleistet werden, wenn die Kanzellen bei der Herstellung der Windlade großzügig mit Leim ausgegossen werden.
Die Ventile werden von einem Windkasten umschlossen, in welchen der Wind vom Gebläse bzw. von den nachgelagerten Bälgen direkt hineingeleitet wird. Weitere Teile, die sich in oder an dem Windkasten befinden, sind die Abzugsdrähte der Traktur, die Pulpeten zur Abdichtung der Austrittstellen der Abzugsdrähte sowie die Ventilfedern. An der zugänglichen Vorderseite der Windlade ist der Windkasten mit Spundbrettern verschlossen. Diese können entfernt werden, um bei Bedarf Reparaturen an den Ventilen vornehmen zu können.
In historischen Orgeln befindet sich oft nur eine dickere Lederschicht als Dichtung auf den Ventilen. Eine Eigenart dieser, an modernen Maßstäben gemessen, eher sparsamen Dichtungslagen ist es, dass selbst bei kleineren Orgeln mit relativ kleinen Ventilen der Druckpunkt sehr deutlich zu spüren ist. Allerdings ist das Ventilklappern von Fall zu Fall deutlich zu hören. Heute wird oftmals die Aufschlagseite der Ventile ebenfalls beledert und die Lederschicht der Ventile selbst um eine untere Filzschicht ergänzt. Das Öffnen und Schließen der Ventile geschieht dadurch fast unhörbar.
Der Windkasten samt Ventilen hat in aller Regel nicht ansatzweise die Tiefe der Windlade selbst. Den Bereich davor hat man besonders in den 1950er bis 1970er Jahren gerne benutzt, um Ladenbälge zu bauen. Durch die äußerst nahe Lage dieser Balgart zu den Pfeifen konnte in ganz besonderem Maße genau diese Art der Regel- oder Ausgleichsbälge eine besonders stabile Windversorgung sicherstellen. Vom Bau von Ladenbälgen sieht man heute meistens wieder ab. Der Vorteil der sehr stabilen Windversorgung bringt es (an heutigen Maßstäben und Hörerwartungen gemessen) mit sich, dass der Orgelklang steril und zu wenig lebendig klingt. Lediglich bei extremem Platzmangel (beispielsweise bei Truhenorgeln) bietet sich diese Form auch noch heute an.
Bis zur Entwicklung anderer Ladentypen im 19. Jahrhundert war die Schleiflade fast die einzige Bauform. Lediglich die Springlade war eine gelegentlich benutzte Alternative. Die Schleiflade ist heutzutage wieder das am meisten verwendete System.
Die älteste erhaltene Schleiflade in der Orgel von Ostönnen kann auf vor 1440 datiert werden. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten genauen Beschreibungen von Schleifladenorgeln.
Für moderne Musik bietet nur die Schleiflade in Verbindung mit einer mechanischen oder einer entsprechend ausgestatteten elektrischen Registertraktur einen weiteren Vorteil. Einzelne Register können nur „halb“ gezogen werden, wodurch die Pfeifen nicht die für sie vorgesehene Luftmenge erhalten, was zu speziellen klanglichen Effekten führt.
Besondere Bauformen Um Register, manchmal auch Platz oder Gewicht, beim Neubau einer Orgel einzusparen, trotzdem aber ein klangfarbenreiches Spiel zu ermöglichen, existieren verschiedene reduzierende Konstruktionsmöglichkeiten von Windlade, Schleife oder Spieltraktur und Spielventil.
Zwillingslade (Wechselschleife) Die Zwillingslade (auch durchschobene Lade genannt) ist eine spezielle Form der Schleiflade, bei der einzelne oder auch alle Register auf mechanischem Weg ohne Koppeln auf verschiedenen Manualen registriert werden können. Technisch erfolgt dies durch Wechselschleifen.
Zwillingsladen mit Wechselschleifen findet man vor allem bei kleinen Orgeln, oftmals dann, wenn der vorhandene Platz nicht für zwei „eigenständige“ Manualwerke ausreicht. Das Instrument verfügt dann gewissermaßen über einen Gesamtpfeifenbestand, nicht aber zwei eigenständige Manualwerke (etwa: Haupt- und Brustwerk). Alle Pfeifen (oder zumindest alle Pfeifen sämtlicher Manualregister) stehen auf einer einzigen Windlade. Jedes der so eingerichteten Register kann wahlweise auf einem der beiden Manuale gespielt werden (jedoch nicht auf beiden zugleich). Durch die Wechselschleifen ergibt sich die Möglichkeit, aus dem Gesamtpfeifenbestand zwei hörbare Werke zu extrahieren.
Dazu enthält die Windlade für jeden Ton (jede einzelne Pfeife) zwei Kanzellen (mit Tonventilen) – eine für jedes der Manuale –, die immer direkt nebeneinander liegen. Die Bohrungen in den Pfeifenstöcken, den Schleifen und dem Fundamentbrett sind so angeordnet, dass je nach Stellung der Schleife die eine, die andere oder keine der Kanzellen den Orgelwind zur Pfeife freigibt.
Die einzelnen Register verfügen entweder über
Registerzüge, die sich ganz (für das eine Manual) oder nur halb (für das andere Manual) ziehen lassen, Je ein Registerzug für jedes Manual; ist beim Ziehen eines Registers der Zug im anderen Manual bereits gezogen, „fährt“ dieser automatisch wieder in Grundstellung (z. B. in St. Johann Baptist (Antweiler), hier stehen einige Hauptwerksregister auch dem Pedal zur Verfügung, das nur ein Subbass 16' besitzt) Registerschieber, bei denen die Zuordnung zu den Manualen über die Bewegung eines Hebels bewirkt wird (links und rechts; bei mittlerer Stellung ist das Register abgeschaltet).Informationen zur Wechselschleife und deren Technik
Mitunter gibt es Zwillingsladen auch in Orgeln mit zwei eigenständigen Manualwerken. Teilweise sind nur einzelne Register aus einem der Manualwerke mit Wechselschleifen ausgestattet, so etwa in der Chororgel in St. Aposteln (Köln). Bei anderen Instrumenten mit zwei eigenständigen Manualwerken ist (mindestens) eines mit Wechselschleifen ausgestattet. Die so ausgestatteten Register können dann auf einem zusätzlichen dritten Manual (ohne eigenes Werk) spielbar gemacht werden, vgl. z. B. die Orgel von St. Clemens (Hiltrup).
Doppellade Die Doppellade ist eine Bauart der Schleiflade, bei der die Pfeifen eines Pedalregisters und der Manualregister platz- und kostensparend auf einer gemeinsamen Windlade stehen. Alle Pfeifen des Pedalregisters stehen auf eigenen Spielventilen, Tonkanzellen sind nicht notwendig. Alle Pfeifen einer Tonhöhe der Manualregister stehen auf eigenen Tonkanzellen mit Spielventilen. Jedes Register im Pedal- bzw. Manualwerk ist daher eigenständig spielbar. Diese Bauweise kommt nur für kleine Orgeln mit nur einem Register im Pedal in Betracht, bei der so der Bau einer separaten Windlade für das Pedalwerk entfällt.
Weitere besondere Bauformen Vorabzug
Eine bei der Schleiflade besonders einfach umsetzbare Sonderform eines Orgelregisters ist der Vorabzug. Die Schleife eines Mixturregisters oder einer Sesquialtera, also eines Registers mit mehr als einer Pfeifenreihe, bekommt für eine dieser Pfeifenreihen entweder einen längeren Schlitz oder zwei Löcher je Pfeife. Wird der zugehörige Registerzug nur halb gezogen, erklingt zunächst nur diese eine Pfeifenreihe, erst bei vollem Zug erklingen alle Pfeifenreihen des betreffenden Registers.
Koppelventil