Gunther von Meißen (* um 990; † 1. November 1025 in Salzburg) war römisch-deutscher Reichskanzler unter Kaiser Heinrich II. und von Januar 1024 bis zu seinem Tod Erzbischof von Salzburg.
Leben Gunther (Gunthar) von Meißen war ein jüngerer Sohn des Markgrafen Ekkehard I. von Meißen, seine Mutter die Billungerin Swanhilde.
Er erhielt seine Erziehung laut dem 29. Kapitel der Gesta episcoporum Leodiensium ("Taten der Bischöfe von Lüttich", 1052/1056) des Anselm von Lüttich in der berühmten Schule Notkers von Lüttich.Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger (Hrsg.): Geschichte Salzburgs, Stadt und Land. Pustet, Salzburg 1988, ISBN 3-7025-0243-2, S. 1075. Spätestens 1001 wurde er Hofkaplan unter Kaiser Otto III. und war unter dessen Nachfolger Heinrich II. von März 1009 bis Dezember 1023 Kanzler für den deutschen Reichsteil.Walter Schlesinger: Eberhard I. von Meißen. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 430.Josef Fleckenstein: Die Hofkapelle der deutschen Könige. II. Teil. Die Hofkapelle im Rahmen der ottonisch-salischen Reichskirche. Hiersemann, Stuttgart 1966, S. 169. In dieser Eigenschaft ist er seit 1009 in der Beglaubigung von Urkunden nachweisbar, die sowohl für deutsche als auch für italienische Empfänger ausgestellt wurden.
Nachdem im Dezember 1023 der Erzbischof von Salzburg, Hartwig von Ortenburg, gestorben war, setzte Kaiser Heinrich II. Gunther an den Weihnachtsfeiertagen 1023 als dessen Nachfolger ein. Heinrich beendete damit die traditionelle Bindung des Erzbistums an den bairischen Adel – alle Erzbischöfe von Pilgrim I. bis Hartwig waren bayrische Adelige und sämtlich näher miteinander verwandt gewesen.Heinz Dopsch: Der bayerische Adel und die Besetzung des Erzbistums Salzburg im 10. und 11. Jahrhundert. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Band 110/111 (1970/71), S. 125–152, bes. S. 144 (). Die Bischofsweihe fand am 26. Januar 1024 statt. Aus der kurzen Regierungszeit von Gunther ist nur ein Prekarienvertrag (Tauschgeschäft) bekannt, den Gunther kurz vor seinem Tod (1025) mit der Kaiserin-Witwe Kunigunde von Luxemburg abschloss.Urkunde: Salzburg, Domkapitel (831–1802) AUR 1025 Der Vertrag, wonach die Königshöfe (Alt-)Ötting und Burghausen nebst einigen Forsten an Salzburg abgetreten werden sollten, trat wegen einer Einrede von Kaiser Konrad II. jedoch nicht in Kraft. Aus Lüttich berief Gunther Lehrer nach Salzburg.Heinz Dopsch, Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs: Vorgeschichte, Altertum, Mittelalter, Regensburg 1981, S. 1075
Gunther starb nach einer Amtszeit von 22 Monaten in Salzburg am 1. November 1025. Der Chronist Wipo rühmt ihn in seinen Gesta Chuonradi II. imperatoris wegen seiner Milde und Güte.Wipo: Gesta Chuonradi II. imperatoris. Kapitel 1.
Einzelnachweise
Kategorie:Erzbischof von Salzburg Kategorie:Kanzler (deutsche Geschichte) Kategorie:Römisch-katholischer Bischof (11. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (Meißen) Kategorie:Person (Bistum Salzburg bis 1328) Kategorie:Familienmitglied der Ekkehardiner Kategorie:Gestorben 1025 Kategorie:Geboren im 10. Jahrhundert Kategorie:Mann