Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) ist die einzige Tageszeitung in Leipzig und damit eine Monopolzeitung. Sie gehört zur Madsack Mediengruppe im Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die von 1894 bis zum Verbot durch die Gleichschaltung nach Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 erschienene gleichnamige Zeitung nahm eine wichtige Stellung in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung ein.

Geschichte mini|Titelseite der ersten Ausgabe der LVZ vom 1. Oktober 1894 Kaiserreich und Weimarer Republik Die Leipziger Volkszeitung blickt auf eine lange sozialdemokratische Geschichte zurück. Am 29. September 1894 erschien die erste Auflage der LVZ als Probenummer, mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren, die gratis verteilt wurden. Auf diese Ausgabe wurde am 28. September durch die Zeitung Der Wähler in seiner letzten Ausgabe mit den Worten Zur gefälligen Beachtung hingewiesen. Ab dem 1. Oktober 1894 wurde die LVZ in der neu gegründeten Buchdruckerei und Aktiengesellschaft G. Heinisch in der Mittelstraße Nr. 7 (heute: Hans-Poeche-Straße)Gina Klank, Gernot Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5, S. 96. im damaligen Graphischen Viertel hergestellt. Die Zeitung erschien in einem Umfang von 12 bis 14, mitunter auch 28 Seiten. Als Chefredakteur konnte Bruno Schönlank gewonnen werden, was vor allen Dingen Paul Kleemann zu verdanken war, der bis zum Jahr 1910 dem Aufsichtsrat vorstand. Unter der Leitung Schönlanks entwickelte sich die LVZ zu einer der bedeutendsten sozialdemokratischen Zeitungen. Der Umzug in das neue Verlagsgebäude Tauchaer Straße 19 bis 21 (heute Rosa-Luxemburg-Straße), entworfen von dem Architekten Oscar Schade, fand 1910 statt.Natürlich – die Tauchaer Straße! Beiträge zur Geschichte der „Leipziger Volkszeitung“. Gesellschaft für Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung, Verlagsgesellschaft für Sachsen/Berlin mbH, Berlin 1997.Schulz/Müller/Schrödl, S. 85: „Nr. 151 Lenin-Gedenkstätte (1,2) Rosa-Luxemburg-Str. 19-21 … Wirkungsstätte namhafter deutscher Linker, wie Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Georg Schumann; 1912 Treffpunkt Lenins mit Genossen der bolschewistischen Duma-Fraktion“Rudloff/Adam/Schlimper, S. 83.Hocquél, S. 160.

Direkt nachdem die Redaktionsgeschäfte in Schönlanks Hand lagen, registrierte die Polizei die geschickte Leitung der Zeitung, die zwar eine ungemein scharfe und aufreizende Sprache führe, allerdings so geschickt und vorsichtig gehalten sei, dass eine gerichtliche Verfolgung bis auf eine Ausnahme nicht möglich sei.LHA Dresden, Kreishauptmannschaft Leipzig, Nr. 2527g, Polizeibericht 1894 (Fotokopien aus dem Stadtarchiv Leipzig) Nach dem frühen Tod Schönlanks im Oktober 1901 übernahmen zunächst Wilhelm Blos und Franz Mehring die Leitung der LVZ. Am 1. April 1902 trat Rosa Luxemburg in die Redaktion der Zeitung ein. Doch nur drei Monate später verließ sie diese wieder, da sie sich mit den Mitarbeitern überwarf. Hierauf wurde Mehring alleiniger Chefredakteur. Diesen Posten führte er bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1907 aus. Auf Mehring folgte Paul Lensch, der seit 1902 bei der LVZ beschäftigt war, und nach dessen Entlassung im Jahr 1913 übernahm Hans Bloch die Chefredaktion.Michael Rudloff, Thomas Adam (unter Mitarbeit von Jürgen Schlimper): Leipzig – Wiege der Deutschen Sozialdemokratie, 1996, ISBN 3-926893-08-7, Seiten 88–92 In dieser Zeit war die LVZ (1914 mit einer Auflage von 53.000) das wichtigste Sprachrohr des linken SPD-Flügels um Rosa Luxemburg. 1917, nach der Spaltung der SPD, ging die Zeitung in den Besitz der USPD über und erschien nach deren Wiedervereinigung mit der SPD 1922 bis zum Verbot 1933 erneut als SPD-Organ.Sechzig Jahre Leipziger Volkszeitung. 1894–1954. Verlag Leipziger Volkszeitung 1954.

DDR-Zeit mini|Der Chefredakteur Kurt Hanke bei der Festrede anlässlich des 60-jährigen Bestehens der LVZ in der Kongreßhalle (1954) Auf dem durch den Krieg zerstörten Gelände der Leipziger Neuesten Nachrichten (LNN), der bis zum Kriegsende auflagenstärksten Zeitung der Stadt, entstand von 1946 bis Mitte der 1950er Jahre eine neue Druckerei und Redaktion für die LVZ. Das Gelände, das an die LVZ fiel, gehörte bis 1945 dem Zeitungsverleger Edgar Herfurth (1865–1950), der auf der Grundlage des Volksentscheids in Sachsen 1946 als „Kriegsverbrecher“ enteignet wurde.Michael Meyen: Leipzigs bürgerliche Presse in der Weimarer Republik. Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlichem Wandel und Zeitungsentwicklung (= Hochschulschriften des Rosa-Luxemburg-Vereins). Rosa-Luxemburg-Verein, Leipzig 1996, ISBN 3-929994-58-5 (zugleich Dissertation, Universität Leipzig 1995), S. 111. Ihm war das Weitererscheinen der Zeitung mit Verweis auf seine „profaschistische Haltung“ verboten worden.

Ab 19. Mai 1946 war die LVZ das Parteiorgan und Sprachrohr der SED für Westsachsen, später für Nordwestsachsen und bis zur Wende 1989 das Organ der SED-Bezirksleitung Leipzig.

Das Gebäude der Leipziger Volkszeitung in der Tauchaer Straße 19–21 (heute Rosa-Luxemburg-Straße) wurde zu DDR-Zeiten als Lenin-Gedenkstätte genutzt.Schulz/Müller/Schrödl, S. 85: Nr. 151 Lenin-Gedenkstätte (1,2) Rosa-Luxemburg-Str. 19–21.

Seit 1990 mini|hochkant=1.4|Zentrale der Leipziger Volkszeitung, Peterssteinweg 19 (2004) An der traditionsreichen Leipziger Volkszeitung beteiligten sich jeweils zu 50 Prozent die Verlage Axel Springer und Madsack (Hannover), die den Verlag 1991 von der Treuhand zu gleichen Teilen gekauft hatten. Im Oktober 2008 nahm Springer Verhandlungen mit Madsack auf, um neben der LVZ auch weitere Zeitungsbeteiligungen (Ostsee-Zeitung, Lübecker Nachrichten und Kieler Nachrichten) zu veräußern. Seit dem 5. Februar 2009 gehört die Leipziger Volkszeitung zu 100 Prozent zur Madsack Gruppe aus Hannover. Die SPD ist über ihre Medienholding ddvg mit 20,4 Prozent an der Madsack Gruppe beteiligt. Die LVZ erscheint weiter in der nord- und mittelsächsischen Region um die Messestadt Leipzig und im Nordteil des thüringischen Landkreises Altenburger Land.

Teilweise wird sie, so in Döbeln oder Altenburg, unter eigenem Namen vertrieben, teilweise trägt sie den Namen der Lokalausgabe im Untertitel (Kopfblatt).

Das renovierte Gebäude an der Rosa-Luxemburg-Straße 19 bis 21 trägt seit 1996 den Namen Richard-Lipinski-Haus nach dem von 1907 bis 1933 amtierenden Leipziger SPD-Vorsitzenden.Sabine Knopf: Richard-Lipinski-Haus. In: Leipziger Spaziergänge – Ostvorstadt. Lehmstedt, Leipzig 2020, ISBN 978-3-95797-088-6, S. 16. Seit dem 6. November 1996 hat hier auch die Leipziger SPD ihre Büros.Protokoll: Parteitag Hannover 2. – 4. Dezember 1997, Neuer Vorwärts-Verlag, 1997, Seite 176.

Seit 1999 arbeitet die Redaktion der LVZ in einem neuen Gebäude am Leipziger Peterssteinweg 19. Es entstand für etwa 50 Millionen D-Mark durch eine vollständige Sanierung des in der Nachkriegszeit gebauten Druckerei- und Verlagsgebäudes. Seit 2004 sind im gegenüber liegenden Gebäude die Geschäftsstelle und die Online-Redaktion der LVZ untergebracht.

Im Jahr 2002 erhielt die Zeitung den Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Im Dezember 2020 übernahm die Journalistin Hannah Suppa die Leitung der Chefredaktion der Leipziger Volkszeitung. Sie war zuvor zwei Jahre lang Chefredakteurin bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung.

Auflage und Verbreitung Die Leipziger Volkszeitung hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Sie beträgt gegenwärtig Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei Prozent.

Die Leipziger Volkszeitung erscheint jeden Tag mit neun regionalisierten Ausgaben. Im Verbund mit dem Naumburger Tageblatt ist sie über den Großraum Leipzig hinaus in drei Bundesländern – Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt – präsent. Die LVZ ist in Leipzig und Umgebung die einzige große regionale Abonnement-Tageszeitung. Mit der Zeitung verbunden sind auch die Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN) und die Torgauer Zeitung. Nach einer Analyse des Fachmagazins Medientenor aus dem Jahr 2005 lag die LVZ mit 236 Nennungen bundesweit an neunter Stelle der meistzitierten Tageszeitungen.

„Madsack 2018“ und die LVZ Mit der Agenda „Madsack 2018“ kündigte die Madsack-Konzernspitze am 2. Oktober 2013 bei einer Führungskräftetagung der Mediengruppe in Hannover einen Umbau des Konzerns an. Eine neue Zentralredaktion, die unter „RedaktionsNetzwerk Deutschland GmbH“ firmieren werde, solle laut Geschäftsführer Thomas Düffert „überregionale Inhalte in einer besseren Qualität bieten, als eine einzelne Regionalzeitung sie allein liefern könnte“. Aufbau und Leitung der Zentralredaktion übernehme Matthias Koch, derzeit Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Michael Konken vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem „Schlag gegen die Medienvielfalt“. Der Betriebsrat befürchtet Arbeitsplatzverluste, die Schließung von Standorten, weitere tariffreie Zonen, die Abqualifizierung von Tätigkeiten und gravierende Nachteile für die Beschäftigten.

Im Mai 2014 wurde bekannt, dass der LVZ mit „Madsack 2018“ massive Stellenkürzungen bevorstehen: Rund 40 Mitarbeiter sollen noch 2014 die Redaktionen verlassen, die Zahl der Vollzeitstellen sinkt bis Ende 2015 auf 90 (die LVZ hat laut DJV Sachsen etwa 165 Redaktionsmitarbeiter). Der Stellenabbau erfolgt ressortübergreifend und betrifft Redakteure und Sekretärinnen. In den Außen-Redaktionen Delitzsch-Eilenburg, Wurzen-Grimma und Borna-Geithain sollen jeweils maximal drei Mitarbeiter verbleiben. Die Leipziger Internet Zeitung und sogar der Mitteldeutsche Rundfunk zeigten sich angesichts dessen um die Zukunft des Lokaljournalismus in Mitteldeutschland besorgt.

Blattstruktur und Layout Die LVZ erscheint werktäglich, seit dem 13. Januar 2007 in vier Büchern. Das erste Buch beinhaltet den Mantel- und den Wirtschaftsteil, es folgen Kultur, Lokales und Sport. In der Freitagsausgabe ergänzt diese Bücher das politisch orientierte „Magazin“, in der Wochenendausgabe das unterhaltungsorientierte „Journal“ sowie diverse Extraseiten. Seit dem Relaunch der LVZ hat sich nicht nur die Blattstruktur, sondern auch das Layout gewandelt. War es bis Anfang 2007 von der auch im Titel vertretenen Hausfarbe der LVZ, einem Cyan-Blau geprägt, sind das Logo und markante Elemente der LVZ seit dem 13. Januar 2007 in einem dunklen Blau gehalten. Die Titelköpfe der Aufschlagseiten sind in einem dunklen Rot gestaltet. Zudem hat mit dem Relaunch jeder Teil der Zeitung eine eigene Farbe erhalten. So ist das Magazin dunkelgrün, das Journal orange, der Stellenmarkt olivgrün, der Reiseteil lindgrün, der Immobilienteil braun und der Automobilteil silberblau. Die Hausschrift der LVZ ist die „Centennial“ der Firma Linotype GmbH.

Seit dem 31. Oktober 2019 wird die Leipziger Volkszeitung nach einem Relaunch im Rheinischen Format (327 × 480 mm) produziert (die beigelegte Fernsehzeitschrift ist prisma). Gedruckt wird sie laut Impressum vom 1. November 2019 in der MZ-Druckereigesellschaft mbH in Halle (Saale). Von Oktober 1990 bis 30. Oktober 2019 erschien die LVZ im Norddeutschen Format (400 × 570 mm), im Gegensatz etwa zur Sächsischen Zeitung (dominant im Regierungsbezirk Dresden), die das Rheinische Format (350 × 510 mm) verwendet. Die LVZ wurde bis zur Format-Umstellung ab 31. Oktober 2019 in der 1991 eröffneten, verlagseigenen Druckerei in Leipzig-Stahmeln gedruckt (womit zugleich das Ende dieser Druckerei gekommen war).https://www.print.de/allgemein/madsack-schliesst-ende-2019-seine-zeitungsdruckerei-in-leipzig/, abgerufen am 1. November 2019