mini|Patrouille Suisse Finale
Eine Flugschau ist eine Freiluftveranstaltung, bei der Piloten ihre Fluggeräte im Flug vorführen. Sie zeigen dabei häufig spektakuläre Flugmanöver und Flugzustände, zum Beispiel Kunstflug. Diese zeigen sie alleine oder im Formationsflug (→ Kunstflugstaffel). Damit demonstrieren sie ihre fliegerischen Fähigkeiten und die ihrer Fluggeräte. Schnell aufeinanderfolgende Flugmanöver sollen das Publikum unterhalten und beeindrucken. Viele von Militärpiloten gezeigte Flugmanöver sind gängige Militärflugzeug-Flugmanöver. Sie werden von den Piloten unter anderem als Vorbereitung auf Luftkämpfe regelmäßig trainiert.
Es gibt große und kleine Flugschauen, meist im Rahmen einer anderen Veranstaltung (z. B. Tag der offenen Tür an einem Flughafen/Flugplatz oder während einer Luftfahrtmesse oder Luftfahrtschau). Viele Flugtage/Flugschauen werden von Luftfahrtvereinen organisiert und durchgeführt. Hier werden vorwiegend Fluggeräte gezeigt, die in diesen Vereinen geflogen werden (z. B. Segelflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge, Hängegleiter, Gleitschirme und Kunstflugmaschinen).
Geschichte mini|Die Flugwoche Reims (Grande Semaine d’Aviation de la Champagne) im August 1909, einen Monat nach Blériots Ärmelkanalüberquerung
Die erste öffentliche internationale Flugschau, an der viele verschiedene Flugzeugtypen vorgestellt und geflogen wurden, war die Grande Semaine d’Aviation de la Champagne, die vom 22. bis 29. August 1909 in Reims veranstaltet wurde. Bei dieser Veranstaltung wurde eine Reihe von Wettbewerben ausgeflogen. Der erstmals ausgetragene Gordon-Bennett-Cup für Flugzeuge wurde von Curtiss mit seinem Curtiss Golden Flyer für den schnellsten Flug über 20 km in 15:50,4 min gewonnen (76,749 km/h). Den Rundenrekord für den 10-Kilometer-Veranstaltungsrundkurs flog mit 74,32 km/h Louis Blériot mit seiner Blériot XI. Henri Farman gewann mit seiner Farman III den mit 50.000 Francs dotierten Langstreckenpreis mit geflogenen 180 km. Den Höhenpreis mit 155 m Flughöhe gewann Hubert Latham mit einer Antoinette VII.
An der Flugschau im September 1909 in der Stadt Brescia nahm Franz Kafka mit zwei Freunden während einer Italienreise teil. Der von ihm im September 1909 in der Zeitung Bohemia erschienene Artikel Die Aeroplane in Brescia ist eine der ersten Beschreibungen von Flugzeugen in der deutschsprachigen Literatur.
Am 18. Juni 1911 starteten in Vincennes bei Paris vor mehr als 400 000 Zuschauern 40 Flugzeuge zu einem sogenannten „Europäischen Rundflug“. Dieser hatte zwölf Stationen: Lüttich, Spa, Venlo (Fliegerhorst Venlo-Herongen), Soesterberg, Gilze Rijen, Brüssel, Roubaix, Calais, Dover, London Dover, Calais, Amiens zurück nach Paris. 580.000 französische Franc waren als Preisgeld ausgesetzt. Das Geld brachten im Wesentlichen die Etappenzielorte auf; diese verkauften Eintrittskarten für die Flugplätze.
Es gab u. a. auch einen Europarundflug 1929, Europarundflug 1930 (ausgerichtet in Deutschland, Start und Ende in Berlin-Tempelhof), Europarundflug 1932 und einen Europarundflug 1934.
Allgemeines mini|Red Arrows – Enid mit Solist
Als Wiege des Kunstflugs gilt England. Dort wurde der Flugsport in den 1920er-Jahren allein sowie in Teams perfektioniert. Auch wurden in dieser Zeit die ersten öffentlichen Veranstaltungen auf Flugplätzen abgehalten, die damals schon Tausende von Besuchern anzogen. Diese Veranstaltungs-Form ist bis heute weltweit ähnlich geblieben: Auf einem Flugplatz mit hinreichend langer Start- und Landebahn wird für die Veranstaltung ein Zuschauerbereich abgegrenzt; dort gibt es Toiletten, Imbissstände und Souvenirstände. Der Zuschauerbereich hat einen gewissen Abstand zur Rollbahn. Die Flugzeuge müssen während ihrer Vorführung einen festgelegten Sicherheitsabstand zum Publikumsbereich einhalten (siehe Sicherheit). Über Lautsprecher im Zuschauerbereich wird der Flugtag von einem Moderator („Platzsprecher“) laufend kommentiert. Einige Kunstflugstaffeln haben einen eigenen Moderator. Oft werden Programmhefte an das Publikum verkauft.
Eine Flugschau wird zudem fachmännisch in ein Static Display und ein Flying Display unterteilt. Das heißt, dass während der Veranstaltung zum einen stehende Fluggeräte am Boden zu besichtigen sind (Static Display) und zum anderen in der Luft vorgeführt werden (Flying Display). Als Höhepunkt eines Flugtags gelten Kunstflugvorführungen.
mini|links|hochkant=3|Static Display beim Flugtag am Flughafen Bremen 2009
Für die Sicherheit der Besucher sorgen zusätzlich Sanitäter, die Flughafenfeuerwehr und Sicherheitspersonal, meist unterstützt von der regionalen Polizei. Auf Militärflugplätzen sichern Soldaten das Flugfeld sowie die Gebäude.
Einen Flugplatz als Veranstaltungsort für eine Flugschau zu nehmen ist nicht zwingend erforderlich. Auch Küstengebiete am Meer oder große Seen sind beliebte Austragungsorte, wie beispielsweise in Lugano (CH) oder in Bari (I). Als Orientierungspunkt über Wasser dienen den Piloten befestigte Bojen. Flugshows über dicht besiedeltem Gebiet sind aus Sicherheitsgründen untersagt. mini|Die Patrouille de France mit neun Alpha Jets über den Champs Élysées
Zu den großen Paraden an Feiertagen in Metropolen wird fast nur noch ein einfacher Überflug ohne Kunstflugsequenzen gezeigt. So z. B. jährlich in London, Paris (siehe Foto), Moskau oder Rom. Als größte Flugschau Europas gilt die AirPower auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser (Steiermark, Österreich).
Showtruppen Europas Militärische Nationalstaffeln auf Düsenflugzeugen mit regelmäßigen Auftritten: die Patrouille Suisse aus der Schweiz, siehe auch: Öffentliche Vorführungen der Schweizer Luftwaffe die Red Arrows aus Großbritannien die Frecce Tricolori aus Italien (größter Verband weltweit) die Patrouille de France aus Frankreich die Patrulla Águila aus Spanien die Turkish Stars aus der Türkei
Showeffekte mini|Auch Propellermaschinen setzen Raucheffekte beim Kunstflug in der Flugschau ein Bei Einzelmaschinen, im Speziellen aber gerade bei Kunstflugstaffeln, werden zur Verstärkung der Flugfiguren Raucheffekte eingesetzt. Hierfür befindet sich ein spezieller Tank an den Maschinen. Auf Knopfdruck des Piloten wird eine raucherzeugendez. B. Dieseltreibstoff (so z. B. bei den Red Arrows) oder ein Ölkonzentrat (bei den Frecce Tricolori) Flüssigkeit in den heißen Abgasstrahl eingespritzt. Diese verdampft sofort und ist als weißer Rauch hinter der Maschine sichtbar. Es gibt auch Vorrichtungen, die Rauch an den beiden Flügelenden erzeugen. Sie werden z. B. beim Kunstflugmanöver Rolle eingeschaltet.
Die Rauchspur macht die Flugbahn des Luftgerätes sichtbar. In einer Flugstaffel können sie den Vorteil haben, dass Piloten sich gegenseitig von weitem – bei Begegnungsmanövern – besser und schneller sehen.
Fast alle großen militärischen Kunstflugstaffeln benutzen zusätzlich zum weißen Raucheffekt noch Farbpulver in den Nationalfarben ihrer Länder, das der raucherzeugenden Flüssigkeit hinzugefügt wird.
Im Durchschnitt sind die Sondertanks an den Maschinen für eine Kapazität von rund fünf Minuten Raucheffekt angelegt. Es kommt gelegentlich vor, dass einzelne Maschinen der Kunstflugstaffeln zum Ende der Vorführung keine Rauchfahne mehr erzeugen können.
Bekannte regelmäßige Flugschauen Deutschland Schweiz Österreich Großbritannien Frankreich Russland TschechienHamburg Airport Classics International Bodensee AirshowAirPower (Zeltweg) Flying Legends (Duxford) Pariser LuftfahrtschauMAKS (Moskau) Flugschau während der NATO-Tage in OstravaFlugschau während der ILA (Berlin) Internationale Flugtage von Dittingen Farnborough International Airshow Aero Friedrichshafen Fliegerdemonstration Axalp Royal International Air Tattoo (Fairford) Oppenheim in Rheinland-Pfalz ZigAirMeet in Mollis Airbourne
Flugsicherheit In den üblichen Luftverkehrsverordnungen werden in der Regel Forderungen an den Luftverkehr gestellt, die Flugschauen aus Gründen der Flugsicherheit unmöglich machen. In Deutschland schreiben der Luftverkehrs-Ordnung außer bei Start und Landung Sicherheitshöhen vor und verbieten ausdrücklich „Kunstflüge in Höhen von weniger als 450 m sowie über Städten, anderen dichtbesiedelten Gebieten, Menschenansammlungen und Flughäfen“. Jede Flugschau steht daher im Widerspruch zu grundsätzlichen Flugsicherheitsforderungen und bedarf einer Sondergenehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörde.
Sicherheitsauflagen Bis zum Flugtagunglück von Ramstein 1988 galten weltweit keine besonderen Sicherheitsstandards für Flugtage. Piloten betonten in Interviews immer wieder, wie sicher Kunstflugvorführungen seien. Nach diesem Unfall wurden der Sicherheitsabstand vom Publikum zur Start- und Landebahn auf ein Minimum von 150 m gesetzt, der Abstand während der Flugvorführung auf ein Minimum von 250 m gesetzt, eine Mindestflughöhe von 30 m im Geradeausflug bei Einzelmaschinen, im Verband auf 100 m festgelegt, beschlossen, dass Begegnungsflüge nicht mehr gegen das Publikum ausgeführt werden dürfen, das Publikum nur mit einer Mindestflughöhe von 300 m überflogen werden darf. Diese Sicherheitsstandards können selbstverständlich von Ländern und Veranstaltern individuell erhöht werden. So gelten beispielsweise in Belgien und in Großbritannien bei Flugtagen höhere Standards.
Sonderstatus Deutschland In Deutschland gelten seit dem Unfall von Ramstein (siehe auch Unfälle) sehr strenge Vorschriften. So finden Flugschauen in Deutschland nur noch in einem beschränkten Maße statt; insbesondere ohne militärische Kunstflugstaffeln. Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin ist bis zum heutigen Tag die einzige deutsche Veranstaltung, auf der militärische Kunstflugstaffeln auf Düsenflugzeugen seit dem Jahr 2000 mit Sonderauflagen wieder auftreten dürfen. Selbst dort sind besonders spektakuläre und gefährliche Flugmanöver, so auch sämtliche Begegnungsmanöver, untersagt. Zum Hafengeburtstag der Hansestadt Hamburg im Mai 2009 flog zum ersten Mal seit August 1988 wieder eine militärische Kunstflugstaffel – die Patrouille Suisse – außerhalb der ILA Berlin in Deutschland.
Unfälle Auf Flugschauen und beim Training für Flugschauen kam es in der Vergangenheit zu zahlreichen teils schweren Unfällen. Begünstigt wurden sie unter anderem durch enge Abstände zwischen den Fluggeräten, niedrige Flughöhen und hohe Fluggeschwindigkeiten. Nachfolgend einige Beispiele:s. a. Unfallliste der englischen Wikipedia unter List of airshow accidents
6. September 1952: Bei der Farnborough International Airshow in Farnborough stürzte der erste Prototyp der De Havilland DH.110 Sea Vixen in die Zuschauermenge, dabei starben inklusive der beiden Piloten insgesamt 31 Menschen. Den Zuschauern sollte ein Überschallknall demonstriert werden. Die rechte Flügelvorderkante hielt den Belastungen nicht stand und riss ab. Dadurch demontierten nacheinander rechter und linker Flügel sowie die beiden Triebwerke. Ein Triebwerk und die Reste der Zelle stürzten in die Zuschauer., Testflying Memorial (englisch) 3. Juni 1961: Während der Pariser Luftfahrtschau in Le Bourget stürzte eine Convair B-58A der US Air Force (Kennzeichen 59-2451), ein vierstrahliger überschallschneller Langstreckenbomber, bei Kunstflugfiguren aus niedriger Höhe ab. Alle drei Besatzungsmitglieder kamen ums Leben., abgerufen am 14. Juni 2016. 19. Juni 1962: Beim Training für eine Kunstflugpräsentation kam es zu einem Flugunfall einer Starfighter-Formation der Luftwaffe der Bundeswehr beim Fliegerhorst Nörvenich. Ein Fluglehrer der USAF und drei Piloten der Luftwaffe starben. Die Luftwaffe löste daraufhin alle Kunstflugteams auf. Für den 20. Juni 1962 war anlässlich der Indienststellung des Starfighters beim Jagdbombergeschwader 31 die erste Kunstflugpräsentation der neu zusammengestellten Kunstflugstaffel geplant.s. Geschichte der Luftwaffe 1962